Blaues Wunder erleben
Rebsorten gibt es viele und meistens sind ihre Geschichte ausführlich erzählt. Nicht so beim Blaufränkisch. Er führt eine Art Dornröschenschlaf, seine Herkunft ist rätselhaft, seine Geschichte mit aufregenden Anekdoten verknüpft. Und weil dabei eine gewisse Elisabeth, besser bekannt als „Sisi“, ihre Rolle spielt, bekommt Blaufränkisch seinen Ritterschlag und wird quasi geadelt. Zur Herkunft der Rebsorte Blaufränkisch gibt es einige Arbeiten, unzählige Fachartikel und interessiert geführte Debatten, wie Marco Lindauer, im Kölner Weinkeller Experte für Rotweine, berichtet. „Einigkeit herrscht nicht, Konsens sehr wohl“, nämlich, dass es sich beim Blaufränkisch um eine seit dem Mittelalter bekannte Rebsorte handelt. Ein kurzer Ausflug in die Historie mit Blick in die Aufzeichnungen, dokumentiert anno 1828 durch den österreichischen Botaniker Freiherr von Jaquin, der die Rebsorte als „Blauen Fränkischen“ notierte. Sein Landsmann Trummer, seines Zeichens Ampelograph, war begeistert von der Rebsorte, die Mitte des 19. Jahrhunderts zu vielversprechenden neuen Rotweinsorten zählte. Begeistert dokumentierte er 1855: „Diese Traubensorte, welche bis jetzt nur in Österreich im Großen cultiviert wird, verdient allseitig, wo man roten Wein erzeugen wünscht, gebaut zu werden, umso mehr, da der Stock sehr fruchtbar ist, mit jedem Boden vorliebnimmt und einen guten Wein liefert, somit nichts zu wünschen übrig lässt.“ Vor allem der niederösterreichische Wanderlehrer – ja, so etwas gab es – und Privatdozent Hermann Goethe dürfte durch seinen Job als Vorsitzender der Ampelographischen Kommission bei der Sitzung anno 1875 in Colmar verantwortlich gewesen sein, dass der Blaufränkisch seinen Namen endgültig bekam.
„Theoretisch hätte Sisi Blaufränkisch gut über die Lippen kommen können“, sagt Marco Lindauer über It-Girl und KuK-Chefin Elisabeth. Durch ihre Heirat mit Cousin Franz Joseph I. war sie seit 1854 Kaiserin von Österreich und 1867 auch Königin von Ungarn und vor allem bekannt für exzessive Sporteinheiten, weniger für bacchantischen Weingenuss. Der Rest des Hofstaats hielt es oft andersherum. Für uns im Kölner Weinkeller ist Blaufränkisch der Wein des Jahres. Ein kaleidoskopisch schillerndes Wunderwesen, „eine Rebsorte mit Charakter. Es macht Spaß, ihn zu trinken, weil es ein grundehrlicher Wein ist“, wie Marco Lindauer beschreibt. „Er vereint das Beste von allem“, deckt ein weites Feld ab und wirkt auf den ersten Schluck manchmal hemdsärmelig, ist aber entwicklungsfähig. „Knackige Weine, bodenständig mit richtigen Chancen.“ Ein Wein für jeden Tag, der aber mit etwas Reife Exzellenz hat. Erleben Sie Ihr blaues Wunder. Vorhang auf für Blaufränkisch.Schatzkammer Sehr Limitiert
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