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Zwei Schlüssel für ein Halleluja – Châteauneuf-du-Pape

Eine Geschichte mit Blockbusterqualitäten – in der Hauptrolle ein südfranzösischer Adelsspross, der zum Berater des französischen Königs aufsteigt, sich mit ihn anfreundet, dann anschließend Karriere im Klerus macht – ein Aufstieg, der in der Ernennung zum Papst seinen Höhepunkt erfährt. Ort des Geschehens: sein luxuriöser Palast unweit der alten Heimat und dazu ein Hofstaat, in dem Sex, Crime und vieles mehr an der Tagesordnung sind. Seine Liebe zum guten Leben und zu gutem Wein. Wer jetzt vermutet, wir würden hier das neue Historienfilm-Highlight spoilern, den müssen wir enttäuschen. Das alles ist so und ähnlich in der Tat passiert, als damals im Avignon des 14. Jahrhunderts das Papsttum Fuß fasste, schließlich sogar neun Päpste nacheinander hier Hof hielten, als es zeitweise sogar einen Gegenpapst in Rom gab und als der Nachfolger Petri weniger moralische Instanz als politische Macht und höfisches Leben demonstrierte. Auf diese Zeit geht der Papstpalast in Avignon zurück, der heute zum UNESCO Welterbe zählt und mit beeindruckenden mehr als 15.000 Quadratmetern als Europas größter gotischer Palast in jedem Quiz der Superlative gut dasteht. Die französischen Päpste genossen, wie wir aus alten Quellen wissen, das Leben an der Rhône aus vollem Herzen und mit wohlgefülltem Magen. Und sie liebten den Wein. Zuerst bevorzugten sie die roten Burgunder, aber schon bald wendete sich das Blatt und der päpstliche Mundschenk servierte den besten Wein, den hier im Süden finden konnte, den Wein von „castro novo“, dem Ort, an dem Papst Johannes XXII. (manche nannten ihn auch den „Fuchs von Cahors“) dann seine Sommerresidenz errichten ließ. Und der als Châteauneuf-du-Pape – das neue Schloss des Papstes – (Wein-)Geschichte schreiben sollte.

Das päpstliche Wappen ist das Erkennungszeichen der Weine von Châteauneuf-du-Pape: die Mitrale bzw. Armoriée genannten Flaschen der Appellation tragen bis heute das von Baron Pierre Le Roy de Boiseaumarié 1937 kreierte Logo, die päpstliche Tiara mit den gekreuzten Petrus-Schlüsseln. Nicht nur bei Kennern genießen die Weine von Châteauneuf-du-Pape allerhöchstes Ansehen – im 19. Jahrhundert galten sie als sogar als die besten Weine des Rhônetals! 1936 klassifizierte man die Weine des Ortes offiziell als Appellation d’Origine controllée (AOC) – übrigens die allererste AOC in ganz Frankreich. Heute wie damals sind 13 Rebsorten zugelassen, davon die wichtigste ist die Grenache. Eine Rebsorte, die hier im südlichen, von viel Sonne und Mistral geprägten Bereich des Rhônetals ideale klimatische und mit den charakteristischen, Wärme speichernden, großen Kieselsteinen (den sog. galets) auch beste geologische Voraussetzungen vorfindet. Sie trifft in den für ihre ganz besondere beerenintensive Aromatik und muskulöse Art gerühmten Weinen der AOC auf Mourvèdre, Syrah, Cinsault und eine Reihe weiterer, autochthoner Sorten. Nicht vorgeschrieben ist allerdings das Mischungsverhältnis und so bleibt es ganz den Winzern der heute gut 3000 Hektar umfassenden AOC überlassen, ob sie nur eine oder gar alle 13 Sorten für ihren Wein verwenden. Auch hinsichtlich der Weinbereitung schränken die AOC-Statuten nicht ein: es gibt die Traditionalisten, die ihre Trauben in Beton einmaischen, oft „mit Stumpf und Stiel“, andere entrappen die Trauben, es gibt Winzer, die bauen die Cuvées nach klassischer Art  in Holzfässern aus, andere wiederum streben mit Kohlensäuremaischung, der sogenannten maceration carbonique, nach einem modernen, sehr fruchtigen Weinstil. Kurzum, es gibt nicht den einen, unverwechselbaren Châteauneuf-du-Pape. Die etwa 91.000 jährlich von fast 300 Erzeugern in den Anbauorten Châteauneuf-du-Pape, Courthézon, Bédarrides, Sorgues und Orange produzierten Weine sind so vielfältig, wie in wohl kaum einer anderen Weinregion Frankreichs. Eines aber scheint all diese Produzenten zu einen: ein unglaubliches Qualitätsbewusstsein und ein sensibler Umgang mit der Natur. So viele biozertifizierte und biologisch-dynamisch arbeitende Betriebe findet man nicht oft. Allen voran Château de Beaucastel, dessen kraftvolle Rotweine zu den Aushängeschildern der Appellation zählen. Seit dem Jahr 2018 gibt es am Ort nach langer Zeit übrigens wieder eine geeinte, auch deutlich verjüngte Winzervereinigung, das „Syndicat des Vignerons de l‘Appellation d’origine Châteauneuf-du-Pape“, das nach eigenem Bekunden das Image der Appellation auffrischen und modernisieren will. Wir sind uns jedenfalls sicher, dass es sich lohnt, die älteste AOC Frankreichs im Auge zu behalten!

Text: Andrea Heinzinger

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