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Was wächst wo? - Die Rebsorten Italiens, Teil 2

Glera (Prosecco)

Jeder kennt ihn, den Prosecco! Ein Schaumwein, der durch seine feinen Aromen nach Apfel, Pfirsich und Birne, leichte Noten von Mandeln und Nüssen und einen Hauch Blumenwiese begeistert. Jedoch kaum einer kennt die Rebsorte, die hinter diesem Getränk steckt.

Glera wird im Nordosten Italiens größtenteils zur Erzeugung erstklassiger Perl- und Schaumweine verwendet. In den vergangenen Jahrzehnten wurden diese jedoch vermehrt in minderer Qualität mit dem Namen Prosecco auf den Markt gebracht. Aus diesem Grund heraus wurde die Rebsorte Prosecco Anfang 2010 in Glera umbenannt. Somit darf sich nun nur noch Prosecco nennen, was auch tatsächlich aus der zugelassenen DOCG Prosecco stammt und nicht einfach nur aus der Rebsorte gekeltert wurde.

Die Glera ist eine recht komplizierte Rebsorte, welche spät reift, keine Trockenheit verträgt und zu hohen Verrieselungsverlusten neigt. Angebaut wird sie fast ausschließlich in Norditalien, genauer in der Region Friaul-Julisch Venetien. Ihren einstigen Namen Prosecco verdankt sie jedoch nicht dem italienischen Wort für trocken (secco), sondern einem Ort namens Prosecco, welcher nahe Triest, also außerhalb des heutigen Anbaugebiets gelegen ist.

 

Pinot Grigio

Grauer Burgunder, Pinot Gris, Ruländer oder auch Pinot Grigio. Im Grunde alles Synonyme für dieselbe Rebsorte, aber trotzdem hat jedes Land und jede Region seine eigene Art, den daraus gekelterten Wein zu interpretieren. In Italien ist es der Pinot Grigio, welcher in den vergangen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und, vor allem im qualitativ hochwertigen Bereich das Land großgemacht hat.

Der Wein ist ein Sinnbild für Frische, wunderbare Fruchtnuancen und einen zupackenden Geschmack, mit dezenter Säure. Vor allem in Norditalien findet Pinot Grigio weite Verbreitung, denn das Klima hier ist den Weinen zuträglicher als im heißen Süden. Bei großer Hitze neigen sie schnell dazu, alkoholisch, schwer und breit zu werden. Die angenehmen klimatischen Bedingungen in Südtirol, Venetien, dem Piemont oder dem Friaul hingegen lassen aus dem Pinot Grigio tolle Weine entstehen. Diese bestechen durch herrliche Fruchtaromen, die an reife Birnen und Äpfel erinnern, während die schöne Mineralität und erfrischende Säure die Zunge belebt.

 

Pecorino

Es ist schon etwas irreführend; Pecorino ist für viele nicht etwa eine Rebsorte, sondern der bekannte italienische Schafskäse der Insel Sardinien. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch eine weiße Rebsorte mit dem Namen Pecorino existiert. Die namentliche Verbindung zwischenden beiden Delikatessen ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Beeren der Rebe so klein wie Schafskötteln sind. Bis auf den Namen jedoch hat die Rebsorte garantiert nichts mit dem Schafskäse gemeinsam!

Der Pecorino ist eine autochthone weiße Rebsorte, die beinahe ausgestorben wäre. Sie wurde vielfach von den Sorten Trebbiano und Passerina verdrängt. Heute ist sie hauptsächlich in den Marken, den Abruzzen sowie vereinzelt auch im Latium und Umbrien verbreitet. Dort erbringt sie, mit sorgfältiger Aufzucht der Traube und schonender Vinfikation, tiefe, komplexe und vielschichtige Weine, welche auch noch nach längerer Lagerung durch ihre Frische begeistern.

In der Vergangenheit wurde die Pecorino häufig mit internationalen Sorten wie dem Chardonnay verschnitten, um sie gefälliger und weniger erklärungsbedürftig, aber dadurch auch weniger ausdrucksstark, zu machen. Mittlerweile haben jedoch die Winzer das Potenzial der Rebsorte wiederentdeckt und bemühen sich mit reichlich Erfolg, ihren speziellen eigenen Charakter zu Tage zu fördern.

 

Arneis

Eine nicht ganz einfache Rebsorte ist die Arneis. Die weiße Traube ist besonders anfällig für den falschen sowie echten Mehltau, ihre Erträge sind niedrig und darüber hinaus ist sie gerade bei Überreife sehr säurearm, wodurch flache, leicht oxidierende Weine entstehen. Diesen Eigenschaften verdankt die Arneis auch ihren Namen, der aus dem Piemonteser Dialekt übersetzt „kleineSchwierige“ heißt.

Das Piemont ist nicht nur für die Namensgebung verantwortlich, die Region ist auch die Heimat und zugleich auch bis heute das primäre Anbaugebiet in Italien. Dort erhielt sie auch den Beinamen „Barolo bianco“, da ihre Heimat berühmt für den roten Spitzenwein Barolo ist. Früher wurde die weiße Rebsorte häufig verwendet, um die Härte der Tannine des Nebbiolo im Barolo zu mindern. Als jedoch im 20. Jahrhundert die piemonteser Winzer ausschließlich rote Sorten verwendeten, verschwand die Arneis fast vollständig aus den Weinbergen. Erst als das Interesse an Weißweinen aus dem Piemont Ende des 20.Jahrhunderts wieder stieg, beschäftigten sich die Winzer auch wieder mit der Arneis.

Heute wird aus ihr in der Provinz Cueno der DOCG-Wein Roero Arneis und in der Provinz Alba der DOC-Wein Langhe Arneis hergestellt. Rechtzeitig gelesen, ergibt die Arneis Weine mit milder Säure und recht hohen Alkoholgehalten. Die Aromen variieren von fruchtig über honigartig und kräuterbetont bis hin zu würzig im Abgang.

 

Nascetta

Wenig bis gar nicht bekannt ist die weiße autochthone Rebsorte Nascetta. Sie ist im Langhe in der Region Piemont beheimatet, wo sie Mitte des 19. Jahrhunderts das erste Mal erwähnt wurde. Damals fand sie in der Hügellandschaft um die piemontesische Stadt Alba und insbesondere in der Gemeinde Novello eine gewisse Verbreitung. Während des 20. Jahrhunderts wurde die Rebsorte von den Winzern jedoch kaum noch angepflanzt. Das ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen; zum einen ist die Langhe ein klassisches Rotweingebiet und zum anderen ist die Nascetta im Anbau recht kompliziert.

Die Wiederentdeckung Ende der neunziger Jahre ist einigen Winzern aus dem Piemont zu verdanken, insbesondere Elvio Cogno. Er bereitet bis heute daraus komplexe, trockene Weine mit hohem Alterungspotenzial.

Ihren Namen erhielt die Nascetta fälschlicherweise von dem Oenologen Giovanni Gagna, der glaubte, es bestehe eine genetische Verbindung zu der auf Sardinien heimischen Rebsorte Nascu.

Die Rebsorte erbringt frische, säurebetonte Weißweine mit Aromen nach Akazienblüten, Salbei, Rosmarin und Zitrone. Um das frisch-fruchtige Aroma des Weißweins einzufangen, unterziehen viele Winzer, vor der Gärung die Trauben der sogenannten Kaltmazeration, bei welcher während der Standzeit die Inhaltstoffe optimal extrahiert werden.

 

Inzolia

Auf Grund ihrer trocken- und hitzeresistenten Art ist diese Rebsorte hauptsächlich auf Sizilien verbreitet, wo sie bereits während der Antike angebaut wurde.

Im Westen der italienischen Insel wird die Inzolia (auch Ansonica) mit Grecanico und Catarratto häufig als Bestandteil trockener Weißwein-Cuvées oder zu Marsala verarbeitet. In diesem Zusammenhang verleiht sie den Weinen eine strohgelbe Fabre und ein intensives Aroma mit leicht nussigen Anklängen.

Zudem wird sie als Grundwein zur Herstellung von Wermut eingesetzt oder als Tafeltraube genutzt. Da die Inzolia jedoch weite Transportwege nicht übersteht, beschränkt sich ihre Verwendung meist auf den lokalen Verzehr. In geringem Maße wird die weiße Sorte auch auf Elba und in der Toskana angebaut.

 

Caterratto

Die weiße Rebsorte ist besonders gut an das Klima Süditaliens angepasst, da ihr weder lange Hitzeperioden noch anhaltende Trockenheit etwas ausmachen. Aufgrund dessen wird sie auch größtenteils auf Sizilien und in Kalabrien angebaut. Dort liefert sie körperreiche Weißweine mit beeindruckenden Zitrus-, Maracuja- und Pfirsicharomen.

In den vergangenen Jahren ist die Cataerratto jedoch zunehmend in Verruf geraten, da sie ohne entsprechende Ertragsreduzierung in der Qualität stark abfällt. So wurde die Rebsorte in Massenweinenverschnitten und das enorme Potenzial der Rebsorte blieb ungenutzt.

Große Bedeutung hat die Catarratto für die Produktion von Marsala und Wermut. Nachdem vor allem der Absatz von Marsala weltweit stark zurückgegangen ist, geht auch das Interesse an der weißen Rebsorte immer weiter zurück. Natürlich werden auch die international verbreiteten Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay und Syrah in Italien angebaut.

 

Grecanico

Eine uralte sizilianische Weißweinrebsorte ist die Grecanico. Sie wird fast ausschließlich in der Provinz Trapani auf Sizilien angebaut. Es wird jedoch vermutet, dass sie ursprünglich von den Griechen auf die Insel gebracht wurde.

Die Weine, welche aus der spätreifenden Sorte gekeltert werden, sind frisch mit Aromen von Apfel, frischem Kernobst und einer leichten Bittermandelnote. Auf Grund ihres Grasdufts weist sie eine gewisse Ähnlichkeit zu Sauvignon Blanc auf. Häufig wird die Grecanico jedoch nicht sortenrein ausgebaut, sondern als Verschnittpartner von Catarratto für verschiedene DOC-Weine auf Sizilien verwendet.

 

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