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Was wächst wo? - Die Rebsorten Italiens, Teil 1

Sangiovese

Hauptbestandteil des Chianti und des Brunello, eine der wichtigsten Rebsorten Italiens, unerlässlich für die Toskana, die Marken und Emilia-Romagna – die Sangiovese.

Die Rebsorte ist wahrscheinlich schon um die 2500 Jahre alt und wurde damals bereits durch die Etrusker kultiviert. Sie gaben ihr auch den verheißungsvollen Namen Sangiovese, was im Spätlateinischen „Blut des Jupiters“ bedeutet. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Rebsorte im Chianti-Gebiet vielfach schlecht geredet und mit zu viel Merlot und Cabernet Sauvignon gestützt. Je mehr sich jedoch der Hype um die Supertoskaner legt, desto lieber und häufiger reden die Winzer wiede rvon intensiver Selektion als von Verschnitten mit Cabernet Sauvignon.

Heute erlebt die empfindliche, nicht ganz einfach zu handhabende und oft auch nicht sehr kraftvolle, dünnhäutige rote Traube ein Comeback. Auch wenn sie manchmal eine zickige Diva sein kann: Die Sangiovese-Traube gilt heute – reinsortig oder verschnitten mit heimischen und alternativen Rebsorten – als Paradesorte, ohne die sich niemand einen Chianti vorstellen kann. Außerhalb der Landesgrenzen ist und bleibt sie jedoch nur sehr selten anzutreffen. Das Spektrum der von Sangiovese erzeugten Weine reicht von mittelschweren, unkomplizierten, kirschfruchtigen Interpretationen bis zu vollen, langlebigen, pflaumenduftigen Gewächsen, die mit zunehmendem Alter herrliche Zedernholznoten offenbaren und an Komplexität gewinnen.

 

Nebbiolo

Nebbiolo ist höchstwahrscheinlich die älteste Rebsorte im Piemont. Schon im 13. Jahrhundert war sie dort verbreitet und das Gesetz der Gemeinde La Morra aus dem Jahre 1431, das eine hohe Geldstrafen für den Nebbiolo-Traubenklau verhängte und das Abhacken der rechten Hand bei einer Wiederholungstat androhte, belegt den schon damaligen hohen Stellenwert der Rebsorte. Aus dem Piemont stammen auch die weltweit bekannten Weine, welche reinsortig aus Nebbiolo gewonnen werden, wie beispielsweise der Barolo, Barbaresco, Roero und Nebbiolo d`Alba. Es gibt keinen Ort auf der Welt, indem sich der Nebbiolo nicht ebenso wohlfühlt wie im Piemont, weshalb auch ca. 90 % der gesamten Rebfläche dort zu finden sind.

Viele Versuche, die rote Rebsorte außerhalb ihrer Heimatregion anzubauen, scheiterte, wobei ihr Name ein Hinweis auf den Grund geben kann. Nebbia bedeutet Nebel und es wird vermutet, dass die spätreifende Sorte sich dort am wohlsten fühlt, wo die ersten Morgennebel aufsteigen und sich bei Vollreife ein weißer Belag auf den Beeren bildet. Aufgrund ihrer späten Reife gibt es jedoch sehr große Jahrgangsunterschiede, je nachdem wie vor allem der Herbst ausfällt.

Mittlerweile hat die Rebe eine so hohe Bedeutung erlangt, dass sie zur Nobilität der Weinwelt gezählt und als Edelrebe bezeichnet wird. Diese noble Rebe ist allerdings auch eine Diva, gehört sie doch zu den anspruchsvollsten Rebsorten, was Boden und Lage betrifft. Sie gedeiht praktisch nur auf kalkhaltigen Mergelböden und verlangt steile Süd- oder Südwestlagen. Findet der Nebbiolo jedoch diese Bedingungen vor, so ergibt er einen Wein mit heller Farbe, frischer Säure und struckturverleihenden Tanninen. Im Aroma zeigen die Weine sich mit Aromen vonTrüffel, Teer, Tabak und Bitterschokolde. Häfig trefen auch Noten von Rosen und Veilchen hervor, wobei Fruchtaromen seltener sind und sich auf Pflaumen, Rosinen, Beeren und Kirschen beschränken. Nebbiolo zählt zu den Terroir-Rebsorten, die ihre Herkunft über den Geschmack vermitteln.

 

Barbera

Wie einst der Müller-Thurgau für die deutschen Weinmacher ein Sorgenkind war, so bereitete auch die Barbera den italienischen Winzern großes Unbehagen. Massenproduktion und große Überschüsse, insbesondere in den achtziger Jahren, und damit einhergehend sinkende Preise und schlechte Qualitäten schadeten dem Ruf der Barbera empfindlich. Anfang der neunziger Jahre war die Rebsorte die meistangebaute Sorte Italiens. Mittlerweile hat man sich aber wieder auf sorgfältige Pflege und vor allem auf vernünftige Mengen zurückbesonnen.

Besonders aus dem Piemont, wo die rote Rebsorte immer noch die mit Abstand am weitesten verbreitete Sorte ist, kommen wieder hochwertige, aussagekräftige Weine, zu denen natürlich auch die DOCs Barberad´Alba, Barbera d´Asti und Barbera del Monferrato gehören. Weitere wichtige Anbaugebiete sind die Lombardei und die Emilia-Romagna. Dank ihrer Robustheit und hohen Ertragskraft ist sie auch in vielen anderen Anbaugebieten Italiens verbreitet, hier wird sie allerdings nur als Verschnittpartner verwendet, wie beispielsweise in den DOCs Bardolino und Falerno del Massico.

Richtig behandelt, ergibt die rote Rebsorte einen Wein mit tiefroter Färbung, der sehr gehalt- und kraftvoll ist und ein häufig ausgeprägtes Pflaumen-Aroma besitzt. Der kräftige Körper der Barbera baut jedoch nicht auf ihrem Tanningehalt auf, der im Grunde sehr gering st. Vielmehr ist es die Säure, die den vollen Charakter der Sorte bestimmt. Allerdings werden große Mengen der Ernte bereits in einen leichten, sommerlichen, leicht perligen Rotwein verarbeitet.

 

Dolcetto

Die Dolcetto wird in vielen Regionen Italiens, in Frankreich sowie in Nord- und Südamerika angebaut, die größte Verbreitung findet sie jedoch im norditalienischen Piemont. Dort ist sie neben dem Nebbiolo und der Barbera die dritt wichtigste Rebsorte.

Um die Bedeutung und die Herkunft des Namens Dolcetto besteht jedoch Uneinigkeit; viele berufen sich auf die Übersetzung „der kleine Süße”, wohingegen andere behaupten, der Name leite sich von dem Dialektwort dusset ab, was Rücken bzw. Hügel bedeutet. Da sich der Wein aus der roten Rebsorte vielmehr leicht herb, gerbstoffreich, teils sehr fruchtig, dennoch trocken und weich präsentiert, ist die erste Variante zur Bedeutung des Namens nicht ganz zutreffend. Das Wort dusset weist jedoch darauf hin, dass der Dolcetto häufig auf gleichen Hügeln wie der Nebbiolo wächst, allerdings dann auf der Schatten- und nicht auf der Sonnenseite, da der Dolcetto schneller reift.

Aus der Dolcetto-Traube entstehen intensiv rubinrote Weine, die einen leichte Tendenz zu Granat-Tönen in der Alterung aufweisen. Im Geschmack ist er trocken und weich, wobei er mit einer angenehmen, leicht bitteren Mandelnote besticht. Die Weine sind harmonisch und weder zu säurebetont noch zu alkoholreich.

 

Nero d´Avola

Die ursprünglich aus Griechenland stammende rote Rebsorte ist heute in Süditalien und dort hauptsächlich in Sizilien beheimatet. Hier wird sie von den Einheimischen auch „Prinzipe Sicilliano“ (sizilianischer Prinz) genannt. Übersetzt bedeutet Nero d`Avola jedoch „der schwarze von Avola“, was auf die Stadt Avola in Sizilien und seine tiefdunkle Farbe verweist.

Während man früher die Sorte meist mit Frappato, Nerello oder Perricone verschnitten hat, so fließen seit einigen Jahren auch die internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah mit in die Cuvée ein. Seit den 1990er-Jahren wird der Nero d´Avola jedoch zunehmend wieder sortenrein ausgebaut, wobei auf das Alleinstellungsmerkmal der Rebsorte in Sizilien gesetzt wird.

Die Weine, welche aus der Nero d´Avola gewonnen werden, sind meist tiefdunkel, konzentriert, tanninbetont und temperamentvoll, ohne dass ihnen dabei die notwendige Säure fehlt.

 

Montepulciano

Die Rebsorte Montepulciano gehört zu den wichtigsten roten Rebsorten Italiens und wird dort vor allem in den Abbruzzen, in Umbrien, den Marken und in Apulien angebaut. Mit der gleichnamigen Stadt in der Toskana und dem dort produzierten Vino Nobile di Montepulciano hat die Rebsorte jedoch nichts zu tun. Der toskanische Nobelwein wird aus der Sorte Sangiovese und nicht aus der Montepulciano gewonnen.

Um den Ursprung der Rebsorte lässt sich streiten. Einerseits soll sie Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Toskana in die Abbruzzen eingeführt worden sein, andere Quellen vermuten ihren Ursprung im Peligna-Tal und wiederrum andere sehen die Gegend von Torre de‘ Passeri in der Provinz Pescara als Heimat der Rebsorte an. Fest steht jedoch, dass die Montepulciano spät reift und viel Sonne benötigt, um sich voll zu entfalten.

Wenn das passiert, dann ergibt die Montepulciano Weine, welche, trocken ausgebaut, meist einen kraftvollen Körper, intensive Gerbstoffe und eine samtige Textur aufweisen. Die Aromen erinnern an dunkle Beeren, Kirschen und Gewürze, auch Pflaumen- und Tabaknoten kommen vor.

Die bekanntesten und wichtigsten Weine, welche aus der Rebsorte gewonnen werden, sind beispielsweise der Montepulciano d‘Abruzzo, der Rosso Conero oder der Controguerra rosso. Sehr häufig findet die Rebsorte Montepulciano auch als Verschnittpartner der Sangiovese-Rebe Verwendung.

 

Teroldego

Eine uralte autochthone Rebsorte ist der Teroldego, der mit einen der eigenständigsten Rotweine Italiens liefert. Benannt wurde sie vermutlich nach dem Ortsteil Teroldeghe von Mezzolombardo, was in der Rotaliano-Ebene gelegen ist.

1383 erstmals urkundlich erwähnt, geriet die Teroldego jedoch fast in Vergessenheit, da in den 1960er und 1970er Jahren die Rebsorte fast vollständig gerodet wurde. Zu dieser Zeit kam es zu blindwütigen Erneuerungen im Agrarsektor, wodurch auch größtenteils der Teroldego von der Bildfläche verschwand. Für höhere Erträge hatte man einen Klon gezüchtet, der gegen Ende der siebziger Jahre praktisch die gesamte Rebfläche des Campo Rotaliano einnahm. Dank dem Engagement einzelner Winzer, insbesondere aber einer Winzerin (Elisabeth Foradori) ist die rote Rebsorte zu neuem Leben erwacht. Diese Erweckung liegt mittlerweile über 30 Jahre zurück und heute ist der Teroldego weniger ein Geheimtipp als vielmehr ein etablierter und solider Wein.

Die Rebsorte ist eng mit der aus Frankreich stammenden Syrah verwandt und ergibt wie alle spätreifenden Trauben, einen kräftigen und vollmundigen Rotwein, mit einer cremig milden Säure und schöner Frucht. Sein geringer Tanningehalt fördert jedoch die Gefahr einer unerwünschten Reduktion, was einen unsauberen Geschmack der Weine zur Folge haben kann. Eingang findet der Teroldego in den DOC-Weinen aus Sorni und Teroldego Rotaliano im Trentino.

 

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