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Vom Restzucker nur das Beste

Kennen Sie den konspirativen Blick, mit dem manch ein Weinliebhaber seinesgleichen bedenkt, wenn eine halbe Flasche, beispielsweise mit dem verheißungsvollen Aufdruck „Trockenbeerenauslese“, gezückt wird? Es ist der Ausdruck einer verschworenen Gemeinschaft, fast schon einer Geheimgesellschaft der Süßweintrinker. Denn noch immer glaubt man in Deutschland – durchaus auch unter erfahrenen Genießern – trocken bedeutet gut, süß verheißt Kopfweh.

Diese Faustregel allerdings gehört auf die Müllhalde der Geschichte. In Deutschland gibt es jahrhundertealte Traditionen, aus Riesling edelsüße Weine zu machen, indem besonders spät gelesen wird, sodass die Trauben besonders viel natürlichen Zucker enthalten. So entstehen feine Tropfen, die eher in internationaler Sicht als hierzulande zur unbestrittenen Weinelite gehören. Denn im Ausland ist man von jeher gnädiger mit den restsüßen Weinen aus Deutschland. Besonders in den USA werden sie geliebt, was sich immer wieder auch an den Bewertungen der tonangebenden Kritiker ablesen lässt. Nimmt man zum Beispiel James Sucklings Liste der besten deutschen Weine aus 2018, so finden sich in den besten 10 gerade mal drei trockene GG’s. Der ganze Rest sind Süßweine aus den Top-Anbaugebieten.

Und das ist kein Zufall, denn das wundervolle Süße-Säure-Spiel einer Riesling Auslese ist eine Offenbarung, wenn man dem Wein eine faire Chance gibt und ihm am besten sogar ein bisschen Reifezeit gönnt. Die guten restsüßen Rieslinge gehören zu den langlebigsten Weinen der Welt, aber Jahrzehnte müssen es gar nicht sein. Nur gerade so viel, dass der Wein aus seiner frühen Phase herauskommt und primären Fruchtaromen in den Hintergrund treten. Dann kann sich jeder selbst überzeugen, dass es nicht immer trocken sein muss.

Vielleicht einer der wichtigsten Gründe für die hohe Güte von Süßweinen, die wie deutsche Rieslinge später gelesen werden, ist die Selektion, die dahintersteckt und stecken muss. Denn wenn man die Trauben am Weinstock hängen lässt und wartet, dass sie zu Trockenbeerenauslese-Qualität heranreifen, muss man bei der Ernte jede Beere einzeln prüfen und ablesen. Denn nicht alle verkraften ihre lange Reife gleich gut. Somit sind „Auslese“, „Beerenauslese“ und so weiter keine leeren Namen, sondern tatsächliche Beschreibungen des Vorgangs, der hinter den Weinen steckt. Diese Handarbeit zahlt sich auch in der Qualität der Weine aus und sorgt für einen echten Wow-Effekt.  

Übrigens ist Süßwein auch ein spannender Begleiter zu so manchem herzhaften Gericht, nicht nur zum oder anstelle des Desserts!

P.S.: Wir sind übrigens überzeugt, dass es auch die teilweise wirklich unschönen Namen sind, die mit diesen Weinen zusammenhängen, die zu ihrer seltsamen Verpöntheit beitragen: Edelfäule, Restzucker, Mostgewicht… Da halten wir es lieber mit dem klangvolleren sélection de grains nobles!