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Unbeirrt im Brauneberg - Fritz Haag

Wenn man so manchen Sommelier, Weinkritiker oder Journalisten hört, kann man auf den Gedanken kommen, an der Mosel gäbe es erst seit einigen Jahren gute Weine. Aber so wie der Fluss seit Römerzeiten (und länger noch) unbeirrt durch das Tal fließt, so gab es an seinen Ufern auch immer Winzer, die unbeirrt von allen Moden und den vielen Unkenrufen große Weine gemacht haben. Dazu gehört schon seit 1957 ganz sicher Fritz Haag in Brauneberg. Auch hier ist, man könnte fast sagen typisch für die Mosel, der Betriebsübergang vom Vater auf den Sohn Oliver erstaunlich ruhig und professionell vonstattengegangen. Den Weinen hat man es kaum angemerkt, sie strahlen nach wie vor in einer fast kristallinen Frische. Oliver, ein langer, etwas schlaksiger Kerl, wirkt so gar nicht, wie ein Kultwinzer wirken sollte. Er verkauft nichts, will nicht im Fokus stehen und macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Braucht er auch nicht, die Weine sprechen ja für sich und auch recht moseltypisch geht er damit sehr locker um. Gegen den Begriff „lecker“ hat er nichts einzuwenden bei seinen Weinen, was man nicht bei jedem Winzer erwarten kann. Etwas mehr als sein Vater hat er sich den trockenen Weinen gewidmet. Klar, die VDP-Klassifikation – für die Moselwinzer nicht ganz einfach umzusetzen – hat den trockenen Weinen auch international noch einmal einen Aufschwung gegeben.

Die Spitzenlage der Familie Haag zieht sich auf der Brauneberg gegenüberliegenden Moselseite fast 2 km den Fluss entlang. Bis 1925 war das noch der Dusemonder Berg, eine Verballhornung aus „douce mont“, der süße Berg. Die Moselaner gehen gerne kreativ mit fremden Sprachen um. Schließlich wurde er aber einfach nach dem Ort gegenüber, Brauneberg, benannt. Den Beinamen Juffer bekam er von den drei Töchtern des Kammerherrn Wunderlich. Die folgten nämlich nicht den Gepflogenheiten des frühen 19. Jahrhunderts und suchten sich standesgemäße Ehemänner, sondern kümmerten sich um den Weinanbau im Weinberg ihres Vaters, dem Dusemonder Berg halt. Das taten sie bis ins hohe Alter und blieben deshalb Jungfern, was im Moselfränkisch Juffern heißt. Und so hatte der Berg, in dem sie den größten Weinbergsbesitz hatten, bald den Namen Juffernberg weg. Irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts baute dann jemand in der besten Parzelle der Juffern noch eine Sonnenuhr, war damals gerade schwer in Mode, und man kann sich heute darüber sicher streiten, welche der vielen Sonnenuhr-Lagen an der Mosel jetzt ihre internationale Strahlkraft auf alle anderen verteilen sollte.

Oliver Haag hat also bestes historisches Terroir zur Verfügung, blaugrauer Devonschiefer, bis zu 80 % steil und in perfekter Südlage, alles mit Riesling bepflanzt. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Steilvorlage für große Weine. Auch 2014 – eigentlich. „Na, am Anfang war alles so, wie man es sich gewünscht hat“, sagt uns Oliver, als wir ihn treffen, „früher Austrieb, flotte und gleichmäßige Blüte und auch der Sommer war für den Wein nicht schlecht. Alle denken immer, es müsse möglichst heiß sein und wenig regnen, aber der Sommer kann für uns Moselwinzer ruhig etwas durchwachsen daherkommen. Mal Sonne, mal Regen, es darf auch mal ’ne Woche richtig kalt oder richtig heiß sein. Dann wachsen die Trauben nicht zu schnell, bekommen genug Wasser und können wunderbar Aroma sammeln. Der Herbst war dann etwas anstrengend. Im Oktober war es immer mal wieder feucht und regnerisch. Nicht viel, aber so, dass wir die Lese immer wieder unterbrechen mussten. Da fährt man raus, fängt an zu ernten, es fängt ein wenig an zu regnen, man fährt wieder ins Weingut, wartet darauf, dass der Wind die Trauben ein paar Stunden später getrocknet hat und fährt wieder los. Das kann schon mal etwas nerven. Irgendwie hatten wir uns nach den geringen Mengen und den schwierigen Ernten in den letzten Jahren ja auf ein einfaches Jahr gefreut. Na, war wohl nichts. Irgendwann haben wir dann jede helfende Hand herbeigerufen und so schnell wie möglich alles reingeholt. Das war wie Formel-1 fahren im Weinberg, sonst wäre uns wieder zu viel Menge verloren gegangen. Gutsriesling bis Spätlesen haben wir also genug bekommen, aber bei den Auslesen und Großen Gewächsen wird es sehr knapp dieses Jahr. Dafür sind die ’14er alle unheimlich ansprechend. Die Säure ist reif und saufig, nicht so streng wie zum Beispiel 2013. Das macht schon früh viel Spaß und wird trotzdem gut reifen. Also eigentlich können wir zufrieden sein.“

 

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