Ein Unternehmen der

REWE Group Logo

Südtirols Lagen und ihre Besonderheiten

Alles im Wandel

Es scheint in den letzten Jahrzehnten allgemeiner Konsens zu sein, dass wirklich große Weine eine Lage brauchen, einen Cru. Je genauer die Herkunft definiert ist,desto besser der Wein. Den Ruf der großen Lagennamen wollte man sich z. B.in Deutschland mit dem widersinnigen Begriff Großlage zunutze machen. Plötzlich war eine Lage nicht mehr 2 bis 3 Hektar an einem besonderen Hang, sondern reichte über viele hundert Hektar mit großen Qualitätsunterschieden. Wie wir wissen,war der Erfolg verheerend.

In Südtirol sind es unter der übergreifenden DOC Südtirol oder Alto Adige erst einmal die Unterregionen, die einen Wein definieren. Da ist das Vinschgau oder das Eissacktal mit seinen kühlen, hochgelegenen Weinbergen, dasEtschtal, das in der Ebene ein sehr warmesund an den Hängen und den Seitenplateaus ein eher kühleres Klima hat. Weiter wurde die Region immer durch die einzelnen Höfe eingeteilt. Da Südtirol lange agrarisch geprägt wurde und die Tradition immer noch hochhält, sind diese Einheiten eine wichtige Klassifizierung. Wenn ein Wein z. B. Barthenau, Kolbenhof heißt, ist das nicht unbedingt ein Weinberg, aber ergehört zu einer, zumeist sehr alten, Einheit von Parzellen mit homogenem, zusammengehörigem Terroir.

Leider sind diese Bezeichnungen nicht eindeutig geschützt,das lädt natürlich auch zu großzügiger Auslegung ein, mal kommen einfach ein paar neue Parzellen mit ganz anderemTerroir hinzu, schlimmstenfalls wird eine in langer Zeit bekannt gewordene Hof-Bezeichnung einfach zu einer Marke. Da fällt dann irgendwann einmal der geografische Bezug „Hof“ weg oder der Name der Parzelle wird einfach zur Marke erklärt und damit frei für Weine aus der gesamten Region. Was früher mal ein Reibachhof mit wenigen Flaschen war, ist heute vielleicht reiner Reibach mit der vielfachen Menge geworden.

Bei den auf Top-Qualitäten bedachten Winzern regt sich dagegen einiger Widerspruch. Hier möchte man, dass die geografische Herkunft genauer, und wenn es geht auch direkt für bestimmte Rebsorten, die am Ort am besten wachsen, festgelegt wird. Die Bezeichnung der klassischen Einzel-Lagen, die es in Südtirol gibt, ist leider gesetzlich noch nicht eindeutig geregelt. Es gibt Bestrebungen, dass diese bei den bedeutenden historischen Lagen geschützt werden sollen, aber eine qualitätsmäßige Klassifikation ist bisher noch nicht vorgesehen. Immerhin wäre das ein Schritt hin zur Eindeutigkeit, was die Winzer dann daraus machen, steht in ihrer Verantwortung. Auf einigen Etiketten findet sich jetzt schon das Wörtchen „Vigna“ für einen herausragenden, einzelnen Weinberg. Wenn das Winzer machen,die hier einen individuellen, hochwertigen,vom Terroir geprägten Wein produzieren wollen, zeigt Südtirol damit, dass es auch in der Liga der Top-Regionen der Weinwelt mitspielen kann.