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Stille Größe im Seitental - Maximin Grünhaus

Wenn man kurz vor Trier nach Süden abbiegt, kommt man über eine enge Straße in das idyllische Ruwertal. Überall sieht man hier aufgegebene Weinberge, auch in den besseren Parzellen. Die Ruwer liegt abseits des großen Touristenstroms, sie ist wenig spektakulär und so kann man hier kaum Weine an vorbeifahrende Touristen verkaufen. Die L 149 verlässt das Tal schon hinter Waldrach und auch die anderen kleinen Sträßchen gehen irgendwann links und rechts ab. Nur die Ruwer plätschert fröhlich den Talboden hinab und wenn man ihr folgt, verliert man sich irgendwann in den Wäldern des Hunsrücks. Erkunden kann man das Tal aber gut auf dem Ruwertal-Fahrradweg, der dem nördlichen Teil der Strecke der alten Bahnlinie von Trier durch den Hunsrück ins Nahetal folgt, ab Hermeskeil fährt übrigens noch eine Museumsbahn mit alten Schienenbussen.

Einer der idyllischsten Bahnhöfe der alten Bahnstrecke war sicherlich das kleine Fachwerkhaus mit der Aufschrift Grünhaus-Mertesdorf. Nicht nur, weil sich das Tal hier in einer saftig grünen Wiesenebene weitet, sondern auch wegen des Blicks auf einen ganz besonderen Weinberg und das dazugehörige Weingut. An einem Hang in einem kleinen Seitental stehen nach Süden ausgerichtet 35 Hektar Reben. Eindrucksvoll, vor allem, wenn man in dem Weinberg steht, denn dann entpuppt er sich plötzlich als extrem steil, an manchen Stellen hat man eher das Gefühl, auf einer Sprungschanze zu stehen. Von hier sehen die Weingutsgebäude unten aus wie die Häuser einer Märklin Eisenbahn. Vieles spricht dafür, dass man hier zu römischer Zeit schon Wein gemacht hat. Funde von Amphorenresten und Ziegeln. Und gutes Wasser gab es hier am Rande des Waldes, denn in der Parzelle vorne zum Ruwertal hin, dem Bruderberg, liegen noch Reste einer römischen Wasserleitung, die einst bis Trier unter der Erde ging. Die erste urkundliche Erwähnung eines Hauses an dieser Stelle stammt von 966, da wurde eine Villa ad Valles der Benediktiner-Abtei Sankt Maximin in Trier vermacht. Daher leitet sich wohl der Name ab, das Haus der Maximiner im Grünen sozusagen. 1810 wurde das Anwesen dann säkularisiert und mit wenig Fortune von der Familie „von Handel“ betrieben. Neben dem Weinbau gehörten natürlich, wie damals üblich, allerlei andere landwirtschaftliche Tätigkeiten zu Grünhaus. 1882 kam dann Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg oder besser gesagt damals noch einfach Carl Ferdinand Stumm. Zum Freiherrn wurde er durch seine großen Stahlwerke an der Saar, einer der berühmtesten Stahlbarone seiner Zeit. Zwischen Neunkirchen, wo sein Stahlwerk stand, und Saarlouis herrschte damals im wahrsten Sinne des Wortes dicke Luft. Die prosperierende Montanindustrie blies gnadenlos ihren Dreck in die Luft. Für einen Stahlchef und seine Familie ein Ort um Geld zu verdienen, aber keiner, um standesgemäß zu leben. Also kaufte Stumm das idyllisch gelegene Grünhaus. Er renovierte das alte Gebäude, baute ein neues im historisierenden Stil daneben, stattete alles mit für damalige Verhältnisse revolutionärer Technik aus und übergab es seiner Tochter Ida zur Hochzeit. Die hatte den ostpreußischen Hauptmann Carl Schubert geheiratet. Auch der sollte es noch weit bringen, 1899 ernannte man ihn zum Generalmajor, denn er hatte das 1. Eisenbahn-Regiment in der preußischen Armee aufgebaut. Nebenbei machten alle etwas Wein auf Grünhaus oder besser „ließen machen“, und da sie bestens vernetzt waren und die Weine ziemlich gut, wurde Grünhaus zu einer angesehenen Marke im Deutschen Reich. Die Namen Schubert und Stumm finden sich beide auch noch auf dem historischen Etikett des Weinguts, daher haben alle Erben zum Glück darauf verzichtet, sich ein neues, moderneres zu suchen. Ja, der jetzige Inhaber, Carl von Schubert, geht sogar wieder so weit, auch im Druck zur alten, etwas blaustichigen und herrlich altmodischen Anmutung zurückzukehren. Nur dem einfachen Riesling hat man jetzt zu einem schlichteren Aussehen verholfen, in dem das ganze Preußisch-Historische hinter einem einfach fröhlichen Maxim verschwindet.

Das Fröhliche passt auch gut zu den jetzigen Bewohnern und Inhabern des Hauses. Die Familie von Schubert ist der beste Beweis dafür, dass Riesling glücklich, oder sagen wir zumindest fröhlich, macht. Wenn man auf Grünhaus zu Besuch ist, werden mit großer Selbstverständlichkeit und ohne jedes große Aufsehen auch ältere Flaschen aufgerissen. Wein sollte halt Freude verbreiten. Erstaunlich, wie da so ein dreißig Jahre altes Kabinettchen schmecken kann oder eine Auslese.

Wir konnten bei unserem letzten Besuch auch schon die meisten der ’14er Weine verkosten und eigentlich war es nicht anders zu erwarten. Sie sind ziemlich gut. Was uns aber erstaunt hat, war, wie zugänglich und saufig sie alle schon waren. Frau von Schubert stand lächelnd daneben „Ja, da waren wir total verwundert. Direkt nach der Füllung waren die alle schon strahlend schön.“ Dann zuckte sie mit den Achseln und machte die nächste Flasche auf, „Es gibt halt solche Jahrgänge. Man könnte jetzt meinen, dass die vielleicht nicht so lange halten, aber manche Rieslinge starten perfekt und es dauert lange, bis sie das verlieren …“ Riesling ist halt irgendwie unergründlich.

 

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