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Der Weinmathematiker

Holzpfähle. Mannshoch, an jeden ein Rebstock angeschmiegt.Ein Kunstwerk im Weinberg? Giancarlo lächelt freundlich, “Alberello.” Wir kennen das aus dem Süden, wo es um jeden Tropfen Wasser geht und die Weinreben sehr niedrig gehalten werden und fast wie Büsche wachsen. Das aber erinnert uns eher an alte Steillagen an der Mosel. Einzelpfahlerziehung, über die das Standardwerk des Weinbaus sagt: ein nicht mehr zeitgemäßes und mechanisierungsfeindliches Erziehungssystem.“ Den haben wir ganz neu gepflanzt, das dauert noch viele Jahre bis der in unseren Wein kommt, aber ich verspreche mir viel davon, denn es ist eine sehr natürliche Art der Erziehung. Ich habe eine bessere Beschattung und weniger Feuchtigkeit. Da wir jetzt schon sehen, dass es mal deutlich wärmer wird, es auf der anderen Seite immer mehr Perioden mit viel Wasser gibt, die Extreme also zunehmen, denken wir, dass ist die richtige Antwort drauf. Oder wir wollen es wenigstens mal versuchen. Außerdem”, er grinst, “kann ich um den Weinstock herumgehen, was mir viel Spaß macht.” Dass die Einzelpfahlerziehung wesentlich mehr Arbeit macht, erwähnt er nur am Rande, es scheint nicht so wichtig.

Alberello System bei Siro Pacenti

Optimierung, so scheint es, wird nur im Sinne des Weins betrieben. Siro Pacenti ist ein kleines Weingut. In einem guten Jahr kann Giancarlo vielleicht 60.000 Flaschen verkaufen, und so haben wir uns besonders gefreut,als man uns eine Zuteilung zusagte, denn mittlerweile darf Giancarlo eher verteilen, als dass er verkaufen muss. Dass dieser Erfolg in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet werden musste, lässt ereinen kaum merken. Er klingt extrem durchdacht und präzise, aber immer mit einer lässigen Leichtigkeit, so als wäre das alles das Normalste der Welt. “Wie lange müssen wir denn noch auf den Einzelpfahlwein warten”, fragen wir. “In die eigenen Weine kommen bei mir nur Trauben von Rebstöcken die mindestens 15 Jahre alt sind”, antwortet er,“alles andere verkaufe ich als Fassware.” Wir gehen zur Traubenannahme, wo zwei Sortierbänder und ein optischer Sortierer stehen. Viel Aufwand für die paar Flaschen, denke ich. “Bei der Sangiovese ist die Arbeit am Sortierband extrem wichtig. Wir wollen zwar Tannine haben für einen zupackenden und haltbaren Wein, aber bei der Sangiovese reichen schon kleine Mengen unreife oder ungesunde Trauben aus, um das fragile Gleichgewicht zu zerstören.” Und weil er einen durchaus kraftvollen Stil pflegt, passt dazu auch ein Ausbau in Barrique“ Den haben wir ganz neu gepflanzt, das dauert noch viele Jahre bis der in unseren Wein kommt, aber ich verspreche mir viel davon, denn es ist eine sehr natürliche Art der Erziehung. Ich habe eine bessere Beschattung und weniger Feuchtigkeit. Da wir jetzt schon sehen, dass es mal deutlich wärmer wird, es auf der anderen Seite immer mehr Perioden mit viel Wasser gibt, die Extreme also zunehmen, denken wir, dass ist die richtige Antwort drauf. Oder wir wollen es wenigstens mal versuchen.Außerdem”, er grinst, “kann ich um den Weinstock herumgehen, was mir viel Spaß macht.” Dass die Einzelpfahlerziehung wesentlich mehr Arbeit macht, erwähnt er nur am Rande, es scheint nicht so wichtig.Optimierung, so scheint es, wird nur im Sinne des Weins betrieben. Siro Pacenti ist ein kleines Weingut. In einem gutenJahr kann Giancarlo vielleicht 60.000 Flaschen verkaufen, und so haben wir uns besonders gefreut, als man uns eine Zuteilung zusagte, denn mittlerweile darf Giancarlo eher verteilen, als dass er verkaufen muss. Dass dieser Erfolg in den letzten Jahrzehnten hart erarbeitet werden musste, lässt ereinen kaum merken. Er klingt extrem durchdacht und präzise, aber immer mit einer lässigen Leichtigkeit, so als wäre das alles das Normalste der Welt. “Wie lange müssen wir denn noch auf den Einzelpfahlwein warten”, fragen wir. “In die eigenen Weine kommen bei mir nur Trauben von Rebstöcken die mindestens 15 Jahre alt sind”, antwortet er,“alles andere verkaufe ich als Fassware.” Wir gehen zur Traubenannahme, wo zwei Sortierbänder und ein optischer Sortierer stehen. Viel Aufwand für die paar Flaschen, denke ich. “Bei der Sangiovese ist die Arbeit am Sortierband extrem wichtig. Wir wollen zwar Tannine haben für einen zupackenden und haltbaren Wein, aber bei der Sangiovese reichen schon kleine Mengen unreife oder ungesunde Trauben aus, um das fragile Gleichgewicht zu zerstören.” Und weil er einen durchaus kraftvollen Stil pflegt, passt dazu auch ein Ausbau in Barriquefässern, die er ausschließlich bei einer der besten französischen Tonnellerien bezieht. “Ja, die findet man sehr oft bei den Top-Erzeugern des Burgund, aber ich finde das macht auch Sinn. Ich will der Frische des Sangiovese ja keine Vanillesüße entgegenstellen. Der Wein soll in den Fässern langsam heranreifen und dabei seine Balance finden. Wir haben ja Zeit für den Wein. Beim Brunello müssen wir ohnehin fünf Jahre warten, bis wir ihn auf den Markt bringen dürfen.”

Der Pelagrilli Weinberg Siro Pacenti

Wir probieren im geschmackvoll spartanisch eingerichteten Verkostungsraum die aktuellen Jahrgänge. Vor allem 15 und 16 interessieren uns. Beide hoch gelobt, von beiden verkosten wir den Rosso. “Was meint ihr,” fragt Giancarlo. Wenn man den Rosso als Zweitwein, als leichtfüßigen Bruder des Brunello abgespeichert hat, ist man bei Siro Pacenti erst einmal ein wenig schockiert. Der 15er ist zupackend, aber besitzt wenigstens so einen Anflug von Charme. Der 16er gibt es einem knüppelhart und man weiß sofort, der wird groß werden. “Warum sollten wir einen einfachen Trinkwein erzeugen”,meint Giancarlo, “so groß ist das Gebiet nicht, und ich wollte meine Weinberge nicht ausdehnen, also konzentriere ich mich darauf, die Weine, die ich mache, so gut wie möglich zu machen und das heißt bei mir auch, haltbare Weine zu machen. Ich habe neulich bei einer Verkostung noch einen 88er Rosso aufgemacht, mein erster Jahrgang.Ich muss schon damals einiges richtig gemacht haben…” Weniger ist mehr, es käme ja auch niemand auf die Idee, aus den Pauillac Weinbergend es Château Lafite einen Bordeaux generic zu machen. “Ich denke der 15er wird sich früher öffnen. Er wirkt zwar etwas dichter und mächtiger, ist aber weicher. Der 16er hat das Störrische des Burgund, für den sind zehn bis fünfzehn Jahre kein Problem und dann wird er sicher eine einmalige Eleganz mitbringen.” So gesehen sind dann zwanzig Euro für den Wein auch nicht viel Geld. Was war denn vor 88 frage ich ihn. “Angefangen hat das 1970, da war das Land günstig und viele Höfe wurden aufgegeben”, erzählt er. “Da hat mein Vater, der unten aus der Maremma kam, hier ein paar Hektar Land gekauft. Pelagrilli hieß der Hof und da hinten in dem alten Steinhaus wohnen meine Eltern immer noch. Er hat ganz klassische Landwirtschaft gemacht. Getreide, Obst, etwas Viehzucht und ein paar Hektar Wein. Der ging an große Abfüller und viel auch an Freunde. Irgendwann kamen dann auch die ersten Touristen und kauften. Nach und nach wurden immer mehr Flaschen direkt auf dem Hof abgefüllt.”

“Und wie kamst du dann dazu? Wolltest du schon immer Winzer werden?” “Ich? Nein. Ich bin erst einmal weggegangen und habe Mathematik studiert. Mit Weinbau wollte ich eigentlich nichts zu tun haben. Aber wie es so kommt: 1988 musste ich dann plötzlich auf dem Weingut mithelfen, das ging nicht anders und irgendwie hab ich gemerkt, das macht mir Spaß.” Und dann kamen die goldenen 90er. Giancarlo setzte schnell nur noch auf den Weinbau, vergrößerte die Rebfläche behutsam und begriff schnell, dass der Brunello-Trend nur für die Weingüter nachhaltig sein würde, die ganz besondere Weine erzeugen. “Anfang der 90er habe ich dann mit der Universität Bordeaux ein Projekt zur physiologischen Reife der Sangiovese angestoßen.” Damals galt Sangiovese als reif, wenn er reif aussah oder genug Zucker angereichert hatte, um einen möglichst kräftigen Wein zu ergeben. Selbst an den Universitäten in Italien wusste man es nicht besser. “Aber ein Wein sollte ja aus mehr bestehen, als aus vergorenem Zucker, also habe ich Leute gesucht, die sich damit auskannten und die das mit mir für den Sangiovese untersuchen wollten. Das hat uns extrem weitergebracht. ”Es ist faszinierend, wie stark der analytische Ansatz bei ihm verankert ist. Wahrscheinlich trägt er in sein Kellerbuch unter jedem Jahrgang ein quod erat demonstrandum ein. Auf der anderen Seite ist sein Keller relativ technikfrei, die üblichen temperaturkontrollierten Tanks, aber wenig Revolutionäres. Es ist eher der Ansatz des Wissenschaftlers, der die Natur ergründen will, um sie zu beschreiben, statt um sie zu beherrschen. “Ich bin viel ins Bordeaux gefahren, habe da Praktika gemacht und immer versucht, das auf unsere Region, unseren Boden und unsere Reben anzuwenden. Wir sind eine sehr junge Region mit einer unglaublich dynamischen Entwicklung in den letzten Jahren. Nur wenn wir gut sind, können wir unsere Reputation halten. Schaut mal, in Montalcino gibt es etwa 2.000 Hektar Weinberge. Davon sind vielleicht 100 Hektar mit Reben bestockt, die älter als 40 Jahre sind.” Da man bis vor kurzem nicht besonders viel über die Klone der Sangiovese wusste,hat man einfach gepflanzt und in den 70ern natürlich eher die, die einen hohen Ertrag versprachen. Giancarlo hat da Glück gehabt. Sein Vater hat schon damals die richtigen Reben gepflanzt. So gibt es einen Vecchie Vigne von ca. 35 Jahre alten Rebstöcken und den grandiosen PS von den ältesten Reben des Weingutes, allerdings nur in einer homöopathischen Auflage.

Siro Pacenti der WeingutsgründerBlick auf Montalcino

Draußen vor dem Weingut treffen wir Siro in seinem Gemüsegarten,“ja die Artischockensaison geht gerade zu Ende”, meint er und kümmert sich um die noch jungen Tomatenpflanzen. Nein, einfach beider Arbeit fotografieren, das geht nicht, er muss sich schon etwas zurechtmachen. “Mein Vater und meine Mutter wohnen immer noch indem alten Steinhaus, das sie 1970 gekauft haben”, erzählt Giancarlo “und das Wichtigste ist für sie, den Gemüsegarten zu pflegen. Gemüse im Supermarkt kaufen? Geht gar nicht.”Wir fahren hoch nach Montalcino, wo selbst außerhalb der Saison die reichlichen Parkplätze voll sind und wir mehrfach herumfahren müssen, bis wir einen Platz ergattert haben. Wir kämpfen noch mit einem gefräßigen Parkautomaten, der alleine Montalcino schon zu einer reichen Stadt machen dürfte, und gehen dann zu einem guten Freund Giancarlos, der am Ortseingang eine Weinbar und Restaurant betreibt.“Ich empfehle euch den Thunfisch heute”, flüstert er uns zu. Ungewöhnlich,wir sitzen auf einem Berg inmitten von grünen Hügeln und man empfiehlt ausgerechnet Thunfisch. Beide lachen. “Stimmt. Aber wir haben einen Fischer unten in der Maremma und wenn der anlandet, ruft der uns an, was wir haben wollen und den Thunfisch hat er gestern Nacht gefangen und uns heute Morgen vorbeigebracht. Das Meer ist gerade einmal 70 Kilometer entfernt.” Giancarlo hat einen 2006er Brunello mitgebracht. Ein großartiger Wein, und jetzt wissen wir, was er damit meint, dass seine Weine “auf Zeit gemacht” sind. Wir sprechen über den Weinbau in der Welt, über italienische Politik, so kurz vor der WM besser nicht über Fußball und darüber, was die Zukunft für den toskanischen Weinbau bringen wird. Nach dem Espresso werfen wir noch einen Blick auf das grandiose Panorama das sich von Montalcino aus darbietet. “Die Toskana ist ein guter Platz zum leben”,sagt Giancarlo versonnen,“das Problem ist, hier auch zu arbeiten…”

Panorama von Montalcino - Blick auf Siro Pacenti

 

2016 Rosso di Montalcino

“Man muss den Rosso ernst nehmen”, hatte uns Giancarlo gesagt,“Zweitwein wird dem, was wir da machen, nicht gerecht.” Stimmt, undwenn Giancarlo sagt, dass er meist die jüngeren Rebstöcke für denRosso nehme, dann heißt das bei ihm, sie sind immerhin schon 15 Jahrealt. Andere Winzer vermarkten so etwas auch schon mal mit dem Aufdruck“Alte Reben”. Daher ist auch der angeblich frühe Zeitpunkt fürden Trinkgenuss sehr relativ. Gerade beim großartigen 16er.Natürlich zeigt er sich im Duft schon recht offenherzig mit reifen Kirschen,Pflaumen und feiner, süßer Toastwürze, aber man merkt sofort,da geht noch was. Klar, denn er ist konzentriert wie andernorts derGrand Vin und hat gleichzeitig einen kristallklaren, reifen Fruchtkern,der in der Mitte dieser berauschenden Würze steht. Wenn wir an denüberschaubaren Preis denken, ein echtes Brunello-Schnäppchen.

0,75l  nur 23,00 € shopping_basket

 

2012 Brunello di Montalcino "Vecchie Vigne"

”Siro Pacenti, ToscanaWenn man bei Siro Pacenti von Vecchie Vigne, alten Reben, spricht,dann meint man wirklich alte Reben, ungefähr so alt wie die Appellationselber. Bei all der Sorgfalt und Präzision, die Giancarlo in denWeinbau einbringt, kann dabei nur ein großes Wein-Monument entstehen.Natürlich ist das Holz noch jugendlich dominant und derWein beginnt sich erst langsam zu öffnen, aber mit viel Luft zeigt sich,dass man etwas Großes im Glas hat. Enorm konzentriert, aber nichtfett. Noten von getrockneten roten und schwarzen Früchten, auchtypisch erdige Umrisse, dabei bleibt er bei aller Fülle immer sehr präziseund endet ewig lang mit Widerhall seiner feinen Säure- undTanninstruktur. Die Alten Reben betteln geradezu um weitere Kellerlagerung,um ihre großartigen Anlagen entfalten zu können. Einfachgigantisch!

0,75l  69,90 € shopping_basket

 

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*Angebote gültig bis 14.10.2018, bzw. so lange der Vorrat reicht.