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Schlossgut Diel - Gegensätze ziehen sich an

Kapuzenpulli mit dem Logo der aktuellen Weinlese, wahrscheinlich genau derselbe, den auch alle Erntehelfer bekommen haben, offenes Lächeln und ein Händedruck, der von harter Arbeit im Weinberg spricht und unsere zarten Städterpfötchen ohne böse Absicht zusammenstaucht: Caroline Diel ist Winzerin durch und durch. Sie repräsentiert sozusagen die Guts-Seite vom Schlossgut Diel. Ihr Vater Armin hingegen, von dem sie 2017 das Weingut übernommen hat, verkörpert mit Tweed-Sakko und Weste eher den Schloss-Aspekt.  

Der Raum, in dem wir zusammensitzen, hat so dicke Wände, dass er vor Zeiten auch eine Rittertafel beherbergt haben könnte. Hier wirkt Armin Diel eher zuhause als seine Tochter. Das Gespräch liegt ganz bei ihm, mit der erfahrenen Hand des Politikers führt er durch die Themen. Man könnte zugespitzt sagen, er halte Hof. Allerdings scheint dabei doch immer eine feine Selbstironie auf, etwa wenn er von sich selbst in der dritten Person als „Konfliktperson Armin Diel“ spricht. Im Verlauf des Gesprächs findet er es sogar “irgendwie charmant”, mit Uli Hoeneß verglichen zu werden. Allerdings doch bitte mit dem von vor 2014 – “Immerhin hat der Mann ja ein sehr ordentliches Lebenswerk.” Da spricht der Fan des FC Bayern. Das Spiel mit den Medien – in diesem Fall uns – beherrscht Armin jedenfalls bemerkenswert gut.

Seine Tochter, neben ihm sitzend, blickt, während ihr Vater spricht, manchmal zu Boden. Beide sind wirklich gegensätzliche Charaktere, zuerst kommt es uns vor, als müsse jeden Augenblick Streit ausbrechen. Dabei passiert das Gegenteil. Manchmal sieht es aus, als würde Caroline einfach nur abwarten, während er spricht. Aber während sie ihn teilweise einfach reden lässt, kommen im Lauf der Zeit immer mehr kleine Gesten der Zuneigung. Sie nennt ihn „Papa“ – von einer Person, die so geradeheraus ist, muss das allein schon Beweis genug sein, dass man es hier mit mehr als dem Kontrast zu tun hat, den die erste, oberflächliche Betrachtung offenbart. Da sind nicht nur gegensätzliche Charaktere, sondern auch gegenseitige Liebe und Bewunderung.

Armin und Caroline Diel - Schlossgut DielIm Fasskeller der Diels - Schlossgut Diel

„Es ist schon toll, wenn man auf eine gewachsene Struktur zurückgreifen kann“, sagt Caroline. Als ihr Vater das Gut 1987 übernahm, musste er ganz andere Grundsatzarbeit leisten, berichtet sie. “Das war damals sehr schwer für ihn.” In den 80ern war das Anbaugebiet weitgehend unbekannt und auf einem bedeutenden Anteil der Flächen des Gutes standen zu der Zeit noch Huxelrebe oder Roter Veltliner.

Erst Armin stellte auf klassische Sorten um und pflanzte Riesling sowie die Burgundersorten, die heute die Weine bestimmen. „Das war eine tiefgreifende Umstellung damals“, meint Caroline. Aber ihr Vater habe damals eine klare Vision gehabt und sie profitiert heute davon.

„Erst als ich mit den Erfahrungen aus dem Ausland herkam, habe ich erkennen gelernt, was für einen Schatz wir hier haben. Also habe ich den Eltern gesagt, dass ich mir das vorstellen kann, aber nur, wenn ich direkt am Produkt, am Weinberg arbeite.“ Ihr Vater sei froh gewesen, sagt Caroline und habe ihr bereitwillig Platz gemacht. Mehr als zehn Jahre ist das nun her. Bevor sie das Gut übernommen hat, arbeitete Caroline hier schon als Produktionsleiterin, war bereits seitdem federführend, sowohl was die Weinbergsarbeit als auch die Kellerarbeit angeht. So lange konnte sie also bereits daran arbeiten, was Weine vom Schlossgut Diel heute sind: Filigran und elegant sowie klarer Spiegel ihres Terroirs. „Das ist der Kern für mich: Wie geht der Winzer um mit der Herkunft des Weins? Was macht meinen Wein anders als den vom Nachbarn?“ Die Weine seien früher fetter gewesen, sagt der Vater. Er habe stets mehr Barrique bevorzugt, als seine Tochter. Dennoch habe er ihr den Platz zur Entfaltung gelassen, sagt sie und Armin bekräftigt: “Die Richtung hat sie nicht nur mit Billigung, sondern mit Überzeugung des Alten eingeschlagen.” Mich überrascht, wie viel Zuneigung und Nähe aus diesen verklausulierten Worten des Seniors spricht. “Hat es euch geholfen, dass ihr unterschiedliche Spezialgebiete habt?”, frage ich. Beide nicken. Schauen sich an und Caroline wendet ein, dass sie bis heute gemeinsam über Cuvées entscheiden. “Aber die wesentliche Veränderung war, dass er ausgezogen ist.” Jetzt staune ich: Der Schlossherr wohnt gar nicht hier? “Nein, wir haben sozusagen Häuser getauscht. Ich wohne mit meinem Mann und den Kindern hier und Mama und Papa sind in unser altes Haus weiter oben am Berg gezogen.” Ein Büro habe er zwar noch im Schloss, sagt Armin, aber das soll Ende 2018 auch geräumt werden. “Ich habe mir oben im Haus ein wunderbares Büro eingerichtet. Das bisschen Kundenbetreuung kann ich auch von dort machen.”

Es hat mich selber überrascht, wie reibungslos das alles ging“, vertraut uns Caroline später auf dem Weg in den Weinberg an. Hier ist sie ganz in ihrem Element, der Generationswechsel auf dem Schlossgut ist in weite Ferne gerückt, auch wenn man die Zinnen des Turms noch über den Hügel ragend erkennen kann. “Schaut mal hier, das sind die Kieselsteine vom Goldloch”, sagt sie, mit leuchtenden Augen aus dem Autofenster deutend. Eine Biegung des Weges weiter erklärt Caroline: “Da unten, das ist der Eierfelsen. Konglomeratgestein, das typisch ist für unser Trollbachtal. Die Untergründe sind alle aus diesen Felsen, die vor Urzeiten aus unterschiedlichen Gesteinsarten zusammengebacken wurden.” Darauf liegen aber alle paar Meter andere Schichten.

In ihrem Element - Caroline im WeinbergSchlossgut Diel Weinberge

Nach rechts von unserem Standort aus erstreckt sich das Goldloch, dahinter das Pittermännchen und etwas weiter der Schlossberg. Nach links der Burgberg. Ausgenommen der Schlossberg haben all diese Lagen eine ganz ähnliche Ausrichtung und ähnliches Mikroklima. Von den Böden her unterscheiden sie sich aber total: Das Pittermännchen hat Schieferböden, Goldloch wie erwähnt Kiesel und der Burgberg wird von Quarzit geprägt. “Sowas hast du sonst nirgendwo auf der Welt, das meinte ich vorhin mit dem Schatz, den wir hier haben.” Nur ein paar Schritte bis zum nächsten, radikal anderen Terroir, das kann sich ein Winzer, der auf Einzellagen und Qualität setzt, wohl kaum besser malen. Ihre Weine sollen genau dieses Terroir spiegeln, so Caroline. Ein Grundsatz, der womöglich auch durch ihre Zeit im Burgund geprägt ist. Hier hat sie viel gelernt und der burgundische Stil, vor allem bei den klassischen Rebsorten, die dorther stammen, macht sich in ihren Weinen klar bemerkbar. Das gilt aber auch für ihre Rieslinge, die mit höherer Qualitätsstufe immer mineralischer gewichtet sind.

Zuvor im Verkostungsraum bei der Probe wollten Armin Diel und ich Zeit sparen und gleich mit den Großen Gewächsen einsteigen. Nein, da sei sie kein Fan von, sagt Caroline aufgeräumt: “Jetzt wird erst der Ortswein probiert.” Armin und ich kleinlaut im Chor: “Ja, ist gut.” Schon klar, wer da mittlerweile die Chefin ist.

 

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2017 GRAUBURGUNDER VON DER NAHE

Der Grauburgunder “von der Nahe” vom Schlossgut Diel begeistert auch im Jahrgang 2017. Kein Wunder, dass er so gut ankommt. Ein herrlicher Burgunder mit Niveau, der gleichermaßen dem Einsteiger wie anspruchsvollen Weinliebhaber schmeckt. Anregend im Duft von reifen Birnen und Quitten, frischen Kräutern und dezent gerösteten Nüssen, zeigt er sich im Geschmack ausgesprochen vollmundig und saftig, mit einer schönen Frische, die seinem feinen, würzigen Schmelz ausgesprochen gut steht. In Sachen Finesse einer unserer schönsten Grauburgunder. In jedem Fall ein Klassewein mit Power und Spiel, der sich auch perfekt zur kulinarischen Begleitung eignet.

0,75l statt 12,90 € nur 11,90 € shopping_basket

 

 

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Neu im Weinkeller:

2018 RIESLING VON DER NAHE

Der Riesling von der Nahe vom Schlossgut Diel erfreut direkt mit seiner aufgeschlossenen, Riesling-Frucht. Mirabelle, Birne, Physalis und Karambola steigen aus dem Glas auf. Auch eine gewisse, hintergründige Kräuterigkeit kündigt sich an mit einem Hauch Salbei. Am Gaumen dann zieht der Wein alle Register. So muss Riesling: Frucht von Pfirsich und Rubinette, fein ausbalanciert von einer feingliedrigen Frische, im Nachhall dann eine leichte Mineralität und wieder ein Hauch Kräuter. Wahnsinn, was Caroline Diel da für einen süffigen Guts-Riesling gezaubert hat. Der Sommer kann kommen!

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