Ein Unternehmen der

REWE Group Logo

Reichsrat von Buhl oder die göttliche Komödie

Ich bin verwirrt. Hatte der Mann neben mir da gerade gesagt „Wieso Pampelmuse? Das ist doch das Fass in das wir die Pfirsiche gegeben haben …“ Nur weil ich in dem 15er der noch im großen Holzfass lag, eine Pampelmusennote ausgemachte hatte. Irgendwie wird man hier nicht ganz ernst genommen. Vom ehemaligen Chefredakteur des Sommelier Magazins, Richard Grosche, kannte ich das ja bereits, aber der Kellermeister, der Elsässer Mathieu Kauffmann, den hatte ich ja eher als ernsthaften Vertreter der Weinzunft in Erinnerung. Weit gefehlt, hier wird gescherzt was das Zeug hält – wenn der Gast es hergibt. Der ehemalige Anglist und Journalist Grosche eher in einem lauten, schnellen, fast überfallartigen Ton, Kaufmann eher ruhig, mit leisen Worten, aber nicht minder dem Unfug zugetan. Ein Team, das auch in einer Screwball-Comedy eine gute Figur machen würde. Der lockere Tonfall steht irgendwie im Kontrast zu den Weinen, die ich hier verkoste. Der 16er zeigt sich noch extrem verschlossen, selbst die einfacheren Qualitäten scheinen nicht für den schnellen Konsum gemacht. „Ich habe das immer gehasst, wenn wir beim Sommelier Magazin mal zwei Jahre alte Gutsweine verkostet haben und meist schmeckten sie vor allem alt,“ sagt Grosche, „meiner Meinung nach muss auch der einfache Wein eines Spitzenweinguts in den ersten Jahren noch zulegen und darf nach vier bis fünf Jahren nicht hinüber sein.“ Dafür nimmt er auch in Kauf, dass die Weine in ihrer Jugend nicht jedem gefallen. „Wir wollen ja dahin kommen, die Weine erst später auf den Markt zu bringen“, meint Mathieu. In seiner Heimat, dem Elsass, ist das bei vielen Weingütern heute immer noch üblich, und als Chef de Cave beim renommierten Champagnerhaus Bollinger hat er gelernt, dass man auf Wein warten muss, brauchen die Grundweine für die Champagner Cuvées doch oftmals fünf bis zehn Jahre, bis sie zu prickelndem Wein verarbeitet werden.

Gestartet haben die beiden als Leiter des Weinguts mit dem Jahrgang 2013, und der war ein echter Paukenschlag, denn der Stilwechsel auf ganz, ganz trockene Weine, und das ohnehin etwas säurebetontere Jahr, haben manch passionierten Buhl-Freund dann doch kalt erwischt. „Aber wenn du jetzt eine Flasche vom von Buhl Riesling oder vom Weißburgunder aufmachst, dann ist der immer noch frisch und extrem spannend“, erzählt Grosche begeistert. Sehr schade, dass die meisten schon ausgetrunken sind. „Wir lassen die Weine gerne länger auf der Hefe liegen,“ erzählt Mathieu dann doch etwas ernsthafter werdend, „das gibt ihnen mehr Struktur, mehr Schmelz und schützt vor Oxidation. Alle sprechen über wilde Hefen, Spontanvergärung, aber dann werden die Weine kurz nach der Gärung schon von der Hefe runtergenommen. Dabei macht die Hefe doch überhaupt erst den Wein.“ Bei Buhl nutzt Kauffmann eine Mischung aus spontanen Hefen, die im Weinberg und im Keller vorkommen, und einen Hefestamm, der vor einigen Jahren bei Bürklin-Wolf selektiert worden ist. „Wir benutzen keine internationalen Hefen oder irgendwie veränderte“, meint Grosche, „alles echte Pfälzer.“ Aber bei dem Ziel, Weine, die nahe an null Gramm Restzucker gehen, herzustellen, reichen oft die an den Trauben haftenden Hefen nicht aus. Wir verkosten viele Fässer. Ich kenne das Weingut schon seit vielen Jahren, aber so voll mit Fässern hab ich es noch nie gesehen. „Nein, wir haben uns nicht vergrößert“, meint Grosche, „aber wir wollen so viele Parzellen und Ernte-Durchgänge wie möglich separat ausbauen, um dann nachher beim Zusammenstellen der fertigen Weine für die großen Lagenweine nur die besten Partien aussuchen zu können.“ Auch viele der Sektgrundweine kommen ins große Holzfass, „So Stückfässer hätte ich bei Bollinger auch gerne gehabt“, erzählt Mathieu, „aber da war man auf kleinere Fässer fixiert, die haben natürlich dann einen größeren Einfluss auf den Geschmack des Weins. Gerade beim Riesling muss man da sehr vorsichtig sein, und der Haupteffekt der großen Fässer ist ja ohnehin der gute Kontakt, den der Wein mit der Hefe hat.“ Mathieu Kauffmann scheint eine Art Hefe-Fetischist zu sein. Aber gerade die Sekte geben ihm Recht. Buhl war schon seit Jahren für seine Sekte bekannt, aber mit dem ehemaligen Bollinger Kellermeister ist dem Weingut ein ganz großer Coup gelungen, es kam ganz neues Knowhow herein. „Ich habe mir die Lagen angesehen, die Trauben die hier wachsen und als man mir zusagte, dass Richard und ich freie Hand haben würden, wusste ich sofort, das will ich machen.“ Natürlich wird es noch einige Jahre dauern, bis man das Potential für Sekte ganz ausschöpfen kann, aber die ersten Grundweine für noch bessere Sekte sind schon in den Fässern und reifen langsam heran. „Was die Lagen angeht und die Trauben“, erzählt er leise, als solle es keiner hören, „ist das hier der Champagne deutlich überlegen.“ Richard Grosche lacht laut auf, „Jawoll, das kommt noch alles.“ Im Moment etablieren die jungen Sekte aber schon einen ganz neuen Stil, vor allem den Riesling hat man so noch nicht geschmeckt, er ist einerseits ganz nah an der mineralischen Klarheit der Champagne, andererseits aber eben auch ein Riesling. Das erstaunliche ist, dass ihn trotz der eher knackigen Säure auch viele Leute mögen, die mit Säure so ihre Probleme haben. „Die Trauben für Sekt muss man ganz anders behandeln“, erklärt Mathieu, „wir lesen sehr früh, und dann darf man beim Pressen nur so die ersten 50 % nehmen, denn wenn man den Druck erhöht, kommen immer mehr Polyphenole mit. Beim Wein kann das sogar erwünscht sein, beim Sekt wirkt das im Zusammenhang mit der Kohlensäure dann aber schnell bitter, und das muss man dann mit einer höheren Dosage ausgleichen.“ Und Richard ergänzt, „Dann schmeckt der Sekt schnell wie etwas muffig gewordene Gummibärchen, und weil er unharmonisch ist, wirkt er trotz der höheren Süße eher sauer.“

Unterdessen haben wir sicherlich 30 verschiedene Weine aus den Fässern verkostet, es ist erstaunlich, wie unterschiedlich sie schmecken und wie klar die einheitliche Stilistik der Weine trotzdem zu erkennen ist. „Na, das ist weil wir alles gleich stark säuern“, meint Grosche laut lachend, „Durch die Früchte, die wir dann in die Fässer legen“, ergänzt Kauffmann schmunzelnd, „bekommen wir aber schöne, unterschiedliche Nuancen.“ „Ja, dann kommt die Kräuternote in diesem Fass wahrscheinlich durch Zugabe von Gin“, versuche ich zu kontern. „Magenbitter“, meint Grosche, „Den Gin trinken wir selber…“, ergänzt Kauffmann. Keine Chance gegen die beiden. Was wir einmal im Jahr in unserem April Newsletter machen, scheint bei den beiden tagtägliches Geschäft zu sein. Das auf dem Traditionsweingut trotzdem ernsthaft gearbeitet wird, daran hat man angesichts der Weine aber nie Zweifel. „Von Buhl stand schon immer mehr für die trockenen Wein“, erzählt Grosche, der sich als Geisteswissenschaftler auch sehr für die Geschichte des Weins interessiert. 1849 wurde das Weingut von Franz Peter Buhl gegründet, über seine Frau Josefine Jordan, die einen Teil des großen Jordanschen Weinbergsbesitz erbte, wurde aus Buhl in kurzer Zeit eines der größten und besten Weingüter der Region. Unter Armand Buhl, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurden die Weine international berühmt. Das bei der Eröffnung des Suez-Kanals z.B. ein Buhl-Wein ausgeschenkt wurde, war gar nichts Ungewöhnliches. Als die Buhl´sche Linie ausstarb, ging das Weingut an die Familie Guttenberg über. Aber Enoch zu Guttenberg war als international gefragter Dirigent gar nicht in der Lage, „nebenbei“ ein Weingut zu führen. Wie so viele große Weingüter in den 70er und 80er Jahren, fuhr auch von Buhl nur Verluste ein. 1989 wurde es also verpachtet. Mit dem Aufschwung des deutschen Weins und der gesteigerten Wertschätzung für die großen Lagenweine, die bei von Buhl einen großen Bestandteil der Produktion ausmachen, lief es auch hier besser. Aber als die nächste Generation der Guttenbergs auch nicht in den Weinbau einsteigen wollte, verkaufte man das Weingut konsequenterweise. 2005 kaufte der Unternehmer Achim Niederberger das Weingut, und 2013, nach Auslauf des bestehenden Pachtvertrags, übernahm dann auch das von ihm bestellte Team komplett das Weingut.

Nach der ausgiebigen Kellerprobe gehen wir noch im neuen Verkostungs- und Verkaufsraum die beiden neuen Sekte des Jahrgangs 2015 probieren. Man merkt immer mehr, wie sich die eigene Handschrift und die Präzision, die mit Kauffmann in das Weingut gekommen sind, durchsetzen. Wer denkt die 13er und 14er seien schon sensationell gewesen, muss unbedingt den neuen Riesling brut und den Rosé probieren. Man merkt ihnen irgendwie an, dass Kauffmann und Grosche nie wirklich zufrieden sein werden, und man hier jedes Jahr Überraschungen erwarten darf. Nach der Verkostung gibt es noch einen wohltuenden Espresso im alten Herrenhaus in Grosches Büro, das so aussieht, wie man sich das Büro eines Geisteswissenschaftlers vorstellt. Kreatives Chaos. Wir reden über den Weinmarkt, die letzten Jahrgänge, über Literatur im Allgemeinen und Heimito von Doderer im Besonderen, denn eine Ausgabe von “Die Dämonen“ liegt prominent auf dem Schreibtisch. Muss ich mich mal ranwagen“, meint er, „habe ich noch nie was von gelesen.“ „Einer meiner Lieblingsschriftsteller“, antworte ich und empfehle ihm zum Einstieg „Die Strudlhofstiege“.

Der Wein ist was großartiges, aber je länger ich die Weinwelt erkunde, desto mehr merke ich, wie großartig die Menschen dahinter sind und wie schön es ist mit so vielen völlig unterschiedlichen Menschen und Ideen, die alle eines eint, die Liebe zu großen Weinen und dem Genuss, zusammenarbeiten zu dürfen.

WEISSBURGUNDER TROCKEN
2015, Reichsrat von Buhl, Pfalz

Dieser Weißburgunder besticht durch seine puristisch-klare, fast schon frankophile Art und wird auch dem geübten Gaumen gerecht! Ein durchgegorener Charakter mit frischer, anregender, geradezu herzhafter Ader, der sich besonders als Begleiter von leichten, sommerlichen Speisen eignet. Wie immer hat er ein gutes Jahr gebraucht, um sich zu öffnen, denn das Weingut Reichsrat von Buhl besitzt auch bei den Gutsweinen den Ehrgeiz, sie so zu vinifizieren, dass sie mit der Zeit immer besser werden. Jetzt ist er wunderbar präsent und wir freuen uns, dass wir noch genügend Flaschen haben, um in zum attraktiven Preis anbieten zu können.

8,90 € im 11+1 (0,75l; 1l = 11,87 €)

 

WACHENHEIMER RIESLING TROCKEN
2015, Reichsrat von Buhl, Pfalz

Das Pfälzer Traditionsweingut Reichsrat von Buhl ist eine der großen Adressen für alle Riesling-Freunde. Nur wenige deutsche Weingüter können ein solches Portfolio an großen Lagennamen aufweisen: In Forst sind das die berühmten Lagen Ungeheuer, Pechstein, Jesuitengarten und Kirchenstück, in Ruppertsberg der Reiterpfad, in Deidesheim die Leinhöhle, der Kieselberg, der Herrgottsacker und die Maushöhle. Alles grandioses Terroir für großartige Rieslinge. Aber nicht nur aus den großen Lagen kommen hier beeindruckende Weine. Mit dem Wachenheimer Riesling trocken, einem „einfachen“ Ortswein, beschert uns das Weingut einen wunderbaren Weißwein zu einem erstaunlich günstigen Preis. Der 2015er präsentiert die typisch vollreife 2015er Frucht-Aromatik nach reifen Aprikosen, Golden Delicious und Limettenabrieb. Am Gaumen mit vollmundiger Saftigkeit und perfekt integrierter, reifer Säure. Wohldosierte Gerbstoffherbe. Ein prächtiger Wachenheimer mit großzügigem Schmelz und feiner Mineralität im Nachhall.

11,00 € im 5+1 (0,75l; 1l = 14,67 €)

 

VON BUHL RIESLING BRUT
2015, Reichsrat von Buhl, Pfalz

Mathieu Kauffmann ist in die Pfalz gekommen, um einen Riesling-Sekt zu kreieren, der seine Handschrift trägt und den es so noch nicht gab. Und was für einen er da erschaffen hat! Einladende Aromen von Weinbergspfirsich, Mirabelle, Birnenspalten und Brioche. Dazu eine unglaublich feine Perlage, lebendige Frische, gelbfruchtige Saftigkeit und sehr gute Länge. Dieser Sekt aus klassischer Flaschengärung kann sich allemal mit einem Champagner messen!

14,90 € (0,75l; 1l = 19,87 €)

 

Hier finden Sie alle Weine von Reichsrat von Buhl.

 

Die Angebote sind bis zum 31.07.2017 gültig, bzw. solange der Vorrat reicht.