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Rebsortenkunde: Blaufränkisch

Ein Umweg

Manchmal ist alles nur eine Frage des Dialekts. Wenn Sie jemanden einen Trollinger mit Lemberger bestellen hören, halb genuschelt, mit rollendem R und kehligem O, dann denken sie garantiert nicht an Qualitätswein, eher an etwas "günschtiges".

Und so braucht es wie schon so oft, wenn es um das kulinarische Deutschland geht, einen Umweg. Den Namen Blaufränkisch findet man eigentlich ausschließlich auf österreichischen Etiketten, hier ist die Rebsorte auch zuhause und fühlt sich sichtlich wohl. So wohl, dass sie sich nicht weiter um den Untergrund kümmert und mit Lehm aber auch mit Muschelkalk und so ziemlich allem anderen zufrieden ist. Läßt man sie in Ruhe, so wächst sie zum wahnsinnig werden und trägt Trauben bis der Gärbottich überläuft. Selbstverständlich entsteht dabei ein hellrotes Getränk, dass man allenfalls als leicht & fruchtig bezeichnen kann. Da die Rebsorte in Bulgarien auch Gamé genannt wird, ist es wohl kein Wunder, dass man ihren Ursprung kurzerhand ins Beaujolais verlegte, wo der Gamay recht oft ähnliche Ergebnisse zeigt. Aber das ist wohl nur eine Gemeinheit, seit Austerlitz ist man da etwas dünnhäutig. Viel mehr stammt er von einer Rebsorte Namens Heunisch ab, was sich allerdings sehr Österreichisch anhört, welche mit einem Gewächs des eleganten Namens Blauer Grober oder Grobschwarzer gekreuzt worden sein soll. Das war aber wohl schon vor Napoleon und der beau soleil von Austerlitz. Bis man die Rebsorte ernst nahm, dauerte es einge Zeit, aber plötzlich zeigte sich etwas, was keiner für möglich gehalten hatte. Wenn man ihn nur in einen tiefgründigen und fruchtbaren Lehmlößboden stellte und dabei genügend züchtigte, das heißt die Rebstöcke alt werden ließ und dann extrem zurückschnitt, wurden die Weine plotzlich dunkel, mit frischer und Langlebigkeit versprechender Säure. Ja man könnte sie im wahrsten Sinne des Wortes als pikant bezeichnen mit roten Paprikanoten, Kirschen und Johannisbeeren hält ein guter Blaufränkisch auch mal einem würzigeren Essen stand.

Gernot Heinrich z.B. vinifiziert so einen. Saftig mit nur einem sehr verhaltenen Holzfassausbau ist er der Prototyp eines rassigen Blaufränkisch . In den Spitzenweinen findet er sich allerdings meißt nur als Bestandteil einer Cuvée mit Cabernet, Merlot, Zweigelt oder St. Laurent.
Einer der dem Blaufränkisch das Zeug zum ganz großen Wein zutraut, kommt ganz woanders her und hantiert sonst eher mit so exotischen Rebsorten wie Touriga Francesa, Touriga Nacional oder Tinta Roriz. Dirk Niepoort aus Porto hat mit seine Frau Dorli Muhr (aus Österreich) einen Hektar Weinberg im fast vergessenen Weinbauort Prellenkirchen in der ehemaligen Spitzenlage Spitzerberg. Rundherum stehen auf dem dafür eher ungeeigneten Glimmerschiefer und Granitgneis Weißweinreben, doch hier gibt es 35 jährige Blaufränkisch in reiner Südhanglage. Vom Spitzerberg gibt es nicht einmal 3.000 Flaschen, doch sind die von ganz anderer Art und erinnern oft mehr an die Weine des Burgund. Nicht Extraktion und Fülle oder spritzige Würze, eine fast kühle, eher intelektuelle Art. Ein nerviger Wein, der einem keine Ruhe läßt und mit seiner spröden Frucht und Herbheit am Anfang fast abweisend wirkt. Zum Eingewöhnen gibt es den Prellenkirchen, der schon offener und wärmer ist, aber auch ein reinsortiger Blaufränkisch und ein echter Niepoort.

Ja und was hat das mit dem "Viertelesschlozerle" Trollinger mit Lemberger zu tun? Ungefähr 50%.Das verwirrende an der Rebsortenkunde (Ampelographie) ist die oftmals wechselnde Bezeichnung der Reben. In Österreich hat man in früheren Zeiten die höherwerigen Rebsorten gerne als fränkisch, aus Frankreich bezeichnet und da man wohl schon einmal wußte, wie gut er sich für dunkle und würzige Weine eignete, war er halt der Blaufränkisch.Wo der Name Lemberger herkommt, wäre dann eine andere Sache, unterdessen können Sie ja die schwäbische Variante des Blaufränkisch verkosten.