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ProWein 2016 - Nachlese

Düsseldorf im Karneval. Das beherrschende Thema war irgendwie dieses Jahr nicht Wein, sondern der nachgeholte Rosenmontagszug am ProWein-Sonntag. Prompt kam natürlich ein wenig Vinitaly feeling auf, am Düsseldorfer Hautpbahnhof ging ab 10 Uhr nichts mehr und das die ProWein am Sonntag Vormittag so schön leer war, lag weniger am mangelnden Interesse als an der Straßenbahn, die mehr stand als fuhr. Das Zug- (nicht Zoch) Problem zog sich übrigens durch die ganzen Messetage. Die uralten Düsseldorfer Bahnen waren so voll, dass die Türen sich nicht mehr schließen ließen, und das mit der angeblich schnelleren Taktung der Züge schien sich wohl mehr auf dieses seltsame, bierähnliche Getränk, das in der Altstadt ausgeschenkt wird zu beziehen. Immerhin hat Düsseldorf auch eine Straßenbahn mit Bar, aber der Barkeeper schien auch das Weite gesucht zu haben oder weilte noch auf der ProWein. Luisella Benedetti von Ancilla Lugana brachte das Verkehrschaos auf den Punkt: "Die ProWein ist mir dieses Jahr etwas zu italienisch..."

Trends, Trends, Trends. "Was gab es denn Neues", wird man permanent gefragt. Nun, die Weinbranche ist ja erfreulich langsam. Von Sauvignon blanc auf Riesling umzustellen dauert nun mal etwas mehr als ein Jahr und die Weintrinker schwenken, Gott sei Dank, auch nicht jedes Jahr auf eine neue Mode um. Gefreut hat es uns, das Weingut Maximin Grünhäuser auf dem VdP-Stand zu sehen. "Wie waren die bisher noch nicht...?" Stimmt, gefühlt gehörten sie irgendwie schon immer dazu, jetzt aber auch richtig. An echten Trends versuchen sich eher die Spirituosenhersteller. Die Manie neue Marken zu kreieren treibt dabei manch seltsame Blüte. Das eine Rum-Marke nach dem Spitznamen eines kolumbianischen Steuereintreibers aus dem 18 Jhd. "Dictador" heißt, besitzt ja schon einen besonderen Charme. Er wird damals nicht zimperlich gewesen sein der Herr Severo Arango y Ferro, um in der südamerikanischen Kolonie genug Steuern für Spanien zu erpressen. Immerhin konnte er sich bei einem Gläschen Rum von seiner harten Arbeit erholen. Was hat aber bloß die heutigen Markeninhaber dazu getrieben, den fragwürdigen Spitznamen des Gründers werbemäßig so zu verwerten? Blonde Frauen in knallengen Lederoveralls, martialische Kappen auf dem Kopf, räkeln sich anzüglich vor eiskalten Männern in Maßanzügen. Man fragt sich unwillkürlich, ob hier eher Pinochet oder doch Pasolinis "120 Tage von Sodom" Pate waren. Probiert haben wir das jedenfalls nicht, erschien uns irgendwie nicht ganz geschmackssicher.

Premiere für Hendrik Thoma. Jetzt betreut der bekannte Master-Sommelier auch einige Weingüter mit seiner Agentur. Bei den ersten Weinen haben wir ja schon zugeschlagen - The Sadie Family. Angesichts der guten Stimmung, die trotz Hendriks Erkältung am Stand herrschte, und der sich auch Sommelier Peter Heimlich Müller anschloss (siehe Foto), sicherlich nicht das letzte Weingut, das wir mit Hendrik zusammen machen werden.

Jahrhundertjahrgang? Hier und da gab es schon die ersten 15er zu verkosten, aber vor allem gab es die Einschätzung der Winzer, und da herrschte allgemein eine sehr positive Stimmung vor. Ein Weinjournalist den wir trafen und der in den letzten Wochen in vielen europäischen Kellern verkosten konnte, brachte es auf den kurzen Nenner: "In 2015 musste man sich schon einige Mühe geben um schlechten Wein zu machen und das gilt so ziemlich für jedes Anbaugebiet in Europa." Das heißt nicht, das es überall und für jeden Wein ein ganz großes Jahr ist, aber zumindest auf sehr gute Weine dürfen wir uns freuen. Natürlich gibt es auch wieder Gegenstimmen, aber es ist halt das Wesen der Kritik zu kritisieren, manchmal um jeden Preis und warnende Worte bringen natürlich immer mehr Aufmerksamkeit als lobende.

Verkostet - haben wir natürlich viel. Es gehört schon etwas Mut dazu morgens um 10 Uhr mit einem Amarone anzufangen und abends um 19 Uhr dann mit einem Mosel-Kabinettchen aufzuhören. Aber ganz ehrlich, das Verkosten ist nicht die Hauptarbeit auf der Messe. Meet & Greet ist auf jeden Fall Nummer eins und wenn man Glück hat kommt man auch einmal dazu wichtige Dinge durchzusprechen. Trotzdem haben wir einige interessante Sachen probieren können. Das ein oder andere wird auch seinen Weg in den Keller finden. Zum Beispiel etwas von Gernot Heinrichs Freyheit Serie. Naturwein, wie man heute so sagt. Weißweine mit Maischegärung und ohne Schwefelung. Sicherlich nicht für jedermann, aber in diesem Segment gehört Gernot zu den stilsichersten Winzern. Dann haben wir tatsächlich ein paar Sachen aus Übersee verkostet, die uns extrem gut gefallen haben. De Martino aus Chile zum Beispiel. Bei Monika Drautz gab es eine Sauvignon Blanc Beerenauslese. Was die Schwaben (pardon Württemberger) so alles machen können. Zum Roquefort perfekt! Bei Emanuela Stucchi von Badia a Coltibuono gab es einen neuen Rotwein aus 16 (?) autochthonen toskanischen Rebsorten. Sie war da ganz verliebt in ihr neues Baby: Montebello. Konnten wir nachvollziehen.

An einem Stand durften wir aber gefahrlos trinken und nicht nur verkosten. Bei der Obstkellerei van Nahmen gab es neu eine "Graue französische Renette". "Der Apfel sieht nicht so aus, als wolle man daraus Saft pressen, aber das Aroma ist überwältigend", meinte Peter. Innere Werte, ganz klar. Außerdem gab es noch einen Tomatensaft, der auch außerhalb des Fliegers gut schmeckt. Datterino Tomate, hatten wir noch nie gehört. "Wir haben es natürlich erst mit der San Marzano probiert", erzählt Peter, "aber für den Saft ist die Datterino deutlich besser. So saftig, süß und ganz von alleine schon konzentriert..." In der Tat, es ist schon erstaunlich, dass ein Tomatensaft zum unbestrittenen Highlight einer Weinmesse gehört.

Madeira haben wir verkostet. Weiterhin ein Nischenprodukt und jedes Mal, wenn wir ihn wieder probieren fragen wir uns: Warum eigentlich? Wo findet man schon so große Weine, die großartig reifen können und so gut wie kein Verfallsdatum haben für so kleines Geld. 1975, 1977, 1979 und vor allem 1966 - mein Geburtsjahrgang. Erschreckend, ich hatte zwischendurch das Gefühl, der hat sich besser gehalten als ich. Wir werden also in den nächsten Tagen wieder einmal unsere obligate Zwei-Jahres-Bestellung bei Blandy´s auf der portugiesischen Atlantikinsel machen.

Das große Problem nach der ProWein ist ja immer: Wo bekomme ich jetzt schnell ein Bier her! In Düsseldorf ohnehin nicht ganz einfach. Aber ehrlich gesagt, nach zwei Tagen hat man sich an das Alt auch gewöhnt. Gut, dass ich mich schon am Samstag akklimatisieren konnte. Da gab es nämlich erst die Meininger Wine Conference, dann wurden die Meininger Awards verliehen und dann natürlich schnell zum Schumacher, vor der Tür noch ein oder zwei schnelle Alt trinken. E-Commerce war das Thema der Conference. Ja es wird mehr Online-Geschäft geben, klar. Aber, so war zu verlauten, unter den reinen Online-Playern traut man auch nur wenigen eine rosige Zukunft zu. Wenn jetzt Amazon schon offline geht und Geschäfte, pardon Stores, eröffnet? Multichannel oder besser noch Omnichannel heißt jetzt das Zauberwort. Da kann der Kölner Weinkeller ja beruhigt so weitermachen wie die letzten zehn Jahre.