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ProWein 2009

Verfasst von Andreas Brensing am 01.04.2009 unter Veranstaltungen
Thomas Hensel auf der Prowein
Thomas Hensel

Foradori & Racknitz auf der Prowein
Elisabetta Foradori & Luise von Racknitz

Thomas Rinker
Thomas Rinker (Weingut Knab)

Waren es jetzt 2.400 Aussteller, 3.200 oder vielleicht auch nur 1.900? Keine Ahnung, ich habe sie nicht alle gezählt, aber beim Anblick der gefüllten Düsseldorfer Messehallen drängte sich geradezu die Frage auf: Wer soll das nur alles trinken?

Was sich selber immer so gerne als Leistungsschau des Weinbaus versteht, kommt manchmal auch als Jahrmarkt daher. Body Painting für Moselrieslinge, junge Damen in Moldawischer Tracht, bunte Mixgetränke aus Wein, Zucker und Aromastoffen. Auf der ProWein findet man nicht nur die schönen Dinge der Weinwelt, sondern auch allerlei Irrungen und Wirrungen.

Elisabetta Foradori & Luise von Racknitz
Elisabetta Foradori & Luise von Racknitz

Thomas Rinker (Weingut Knab)Thomas Rinker (Weingut Knab)

Einige davon gab es schon am Eingang, denn am obligaten Massenbesuchstag, dem Sonntag, bildeten sich schon früh lange Schlangen an den Kassen. Und nicht nur weil es davon zu wenige gegeben hätte, es waren wohl eher die langwierigen Diskussionen mit Privatleuten die die Messe mit einer netten Verkostung verwechselt hatten. Aber ohne entsprechenden Nachweis war dieses Jahr kaum ein Durchkommen. Mit Recht, denn die ProWein soll ja eine reine Fachmesse sein und zur geselligen Verkostung eignet sich das aufgeregte hin und her sowieso nicht. Trotzdem kam einem schon Sonntag Mittag der ein oder andere wankenden Ganges entgegen. Und das während der Fastenzeit?

Vielleicht glaubt mancher ja viel verkosten zu müssen um dann vielleicht noch die ultimative Entdeckung zu machen. Begleitet wird das von dem obligaten aber leider völlig unprofessionellen Satz: ?Nein spucken kann ich nicht, dass wäre doch viel zu schade?, bzw. "dann schmeck ich das nicht richtig..". Ok, ich gestehe, am Dienstag so gegen 16:00 Uhr habe ich dann auch einmal das spucken vergessen, aber den Sercial Madeira aus meinem Geburtsjahrgang (ein so genannter Bückwein ? Danke Joao!) habe ich dann doch ehrfürchtig die Kehle hinunterlaufen lassen. Ansonsten gab es nach dem Jahrmarkt immer ein kühles Bier. Hier sorgt natürlich der Veranstaltungsort für eine gewisse Schwierigkeit ? Düsseldorf.

Was gibt es denn für Weinfreunde spannendes zu berichten? Auf jeden Fall, dass die 08er aus Deutschland die ich verkostet habe enorm viel Spaß machen. Im Vorfeld war ja einiges von enorm hoher Säure zu lesen, von Unreife und ähnlichem. Alles Unfug, bei den Spitzenwinzern die ich verkostet habe jedenfalls. Tim Fröhlich hat eine unglaublich strahlende, makellose Kollektion präsentiert. Frisch, brilliant, ein Wein feiner und lebendiger als der andere. Bei Gerd Grans krachte nur im Sambawein, dem Mineralschiefer die Säure, aber da gehört das ja auch so. Die Knabschen Weine haben wir ja teilweise schon im Keller. Schlank, frisch mit toller Finesse und einen Grauburgunder wie ich ihn liebe, überhaupt nicht fett oder breit. Steffen Christmann hat seinen Weinen eine wunderbare Leichtigkeit und florale Frucht mitgegeben, einfach lecker. Bei den Hasselbachs (Gunderloch) steht wie immer die Harmonie im Vordergrund und eine gewagt klingende, aber absolut harmonisch schmeckenden Cuvée aus Silvaner und etwas Sauvignon blanc hab ich in einem Sonnenkegel der durch ein Dachfenster fiel verkostet. Ja, der ideale trockene Sommerwein. Wagemutig waren die Weinmacher von Reichsrat von Buhl. Sie haben die Erneuerung des Stils jetzt auf den Punkt gebracht. Die Lagenweine alle unter 12% Alc. und frisch, mit knackiger, aber reifer Säure vibrieren sie regelrecht auf der Zunge. Da wird der ein oder andere noch etwas Zeit benötigen um auch vor empfindlicheren Naturen seine Gnade zu finden. ?Jetzt findet man die Saar an der Mittelhardt?, fasste es ein Kollege zusammen. Und umgekehrt, möchte ich ergänzen.

Dienstagmittag sah dann vor allem die Italien-Halle aus, als habe eine Massenpanik stattgefunden. Schließlich geht es am Donnerstag in Verona weiter. Allerdings ohne mich, man muss nicht alles in seinem leben probiert haben. 3.500 verschiedene Weine im Kölner Weinkeller dürften ja auch ausreichen. Jedenfalls bis zu nächsten ProWein.

 

PS. Wenn Sie den neuen Jahrgang aus Deutschland und einige neue Weingüter aus Spanien und Portugal verkosten möchten, dürfen Sie die Hausmesse am 16. Mai natürlich nicht verpassen!