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Primitivo vs. Zinfandel

Über nichts kann man sich so herrlich streiten wie über Nuancen; je feiner der Unterschied, desto hitziger die Kontrahenten. Deswegen, und vermutlich aus einem gewissen Nationalstolz heraus, hat es um die Unterschiede zwischen den Rebsorten Primitivo und Zinfandel so heftige Debatten gegeben. Gibt es überhaupt welche? Tatsächlich sind sich wohl sogar die Genetiker nicht ganz einig, ob beide Sorten wirklich identisch sind. Nah miteinander verwandt sind sie in jedem Fall, denn unstrittig ist, dass beide von einer seltenen kroatischen Sorte abstammen, der Tribidag oder Crljenak Kaštelanski.

Primitivo, die ihren Namen trägt, weil sie als erste reif wird (prima – die Erste), wird vor allem in Apulien angebaut, kommt aber im ganzen Süden Italiens vor. Zinfandel wiederum ist eine Spezialität Kaliforniens und auf der Liste der verbreitetsten Rebsorten der USA steht sie auf Platz zwei. In der Alten wie der Neuen Welt ergeben sie extraktreiche Weine, die meist tiefe, dunkle Beerenaromen und süße Gewürznoten aufweisen. Und je nachdem, welche Weine man genau miteinander vergleicht, kann der Unterschied zwischen Primitivo und Zinfandel klar sein wie der zwischen Tag und Nacht oder er kann verschwimmen bis zur Unkenntlichkeit. Klar, dass da Streit vorprogrammiert ist, vor allem, weil sowohl die Winzer Süditaliens wie auch die aus Kalifornien stolz auf ihre jeweilige Tradition sind.

Dabei könnte man sagen, dass man Primitivo und Zinfandel tatsächlich anhand der Tradition unterscheiden könnte. Denn obwohl es jeweils Exemplare gibt, die der anderen Art zum Verwechseln ähnlich sind, es gibt im Großen und Ganzen genommen doch Unterschiede zwischen Italien und den USA, die vor allem darauf basieren, wann die Weine in den jeweiligen Ländern geerntet werden. Denn in Apulien wird der frühreife Primitivo auch früh gelesen, während in Kalifornien die Trauben wesentlich länger reifen dürfen. Daraus ergeben sich klare stilistische Unterschiede. Primitivo hat mehr Frische und die Gerbstoffe sind prägnanter, während Zinfandel mehr Alkohol hat und die eingekochte Frucht betont. Man könnte also dazu übergehen, mit den Bezeichnungen einfach auf den Stil hinzuweisen, wie es auch bei Syrah und Shiraz üblich ist. Aber vielleicht ist das eine zu salomonische Lösung für so einen tiefgreifenden Konflikt.

Wir ziehen übrigens den Stil mit mehr Frische vor. Insofern sind auch die US-Zinfandels, die es im Kölner Weinkeller gibt, eher in der Tradition der Alten Welt.