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Pic Saint Loup - der Mont Blanc des Languedoc

Kein besonders hoher Berg und wenn man ein paar Höhenmeter nicht scheut, von seiner Südseite her auch recht einfach zu besteigen. Ein steiler, steiniger Pfad führt hinauf und wenn man oben ist, kann man die grandiose Aussicht auf Montpellier, das Mittelmeer und die Cevennen genießen. Aber man sollte nicht erschrecken, denn auf seiner Nordseite fällt der Pic St.-Loup mehr als 500 Metern senkrecht ab. Den freundlich steilen Hügel hat es irgendwann einmal buchstäblich zerrissen und jetzt verteilen sich die Reste des einst mächtigen Berges, der auch die weiß leuchtenden Felsen des gegenüberliegenden Mont l‘Hortus einschloss, als helles Kalkgeröll auf die Weinberge und die Garrigue rund um den Pic.

Es riecht intensiv nach Kräutern, nach wildem PIC SAINT-LOUP Fenchel, nach Lorbeer, Thymian, Rosmarin und vielem mehr. Im Sommer, wenn das Land trocken ist, muss man sich in Acht nehmen, denn die niedrigen Sträucher brennen wie Zunder und die vielen kleinen Dörfer, die verteilt zwischen den Bergen und Felsen liegen, werden immer wieder von Buschbränden bedroht. Natürlich haben die Römer hier schon Wein angebaut, wo haben sie das nicht, in Britannien vielleicht. Aber da setzte ja die einheimische Bevölkerung auch eher auf einenTropfen heißen Wassers. Aber die Landgüter zur Zeit des Imperium Romanum waren erstaunlich gut organisierte Lebensmittel-Produktionsbetriebe, wobei der Wein eines ihrer wichtigsten Produkte war. Nicht nur dass er bei den lebensfreudigen Römern als Genussmittel beliebt war, auf Reisen und bei Feldzügen, wenn man kaum frisches, unbedenklich zu trinkendes Wasser zur Hand hatte, war er, oft als Posca, also in Mischung mit etwas Wasser und vergorenem Wein (also Essig), das einzige sterile Getränk und somit lebensnotwendig. Die Überlegenheit der römischen Armee beruhte nicht zuletzt auf der guten Verpflegung und der Möglichkeit, die Truppen überall ausreichend zu versorgen. So entstanden auch nahe der großen Garnisonsstädte Nîmes, Arles, Avignon und Montpellier unzählige landwirtschaftliche Mischbetriebe.

Zu seinem Namen kam der Pic im Mittelalter und natürlich muss es im Land der Troubadoure eine Geschichte mit Liebe und Tod sein. Die drei Brüder Alban, Guiral und Thierry Loup hatten sich alle in dieselbe Frau verliebt, die schöne Bertade. Da sie Bertade nicht vor die Wahl stellen wollten, beschlossen sie, das Kreuz zu nehmen und ins Heilige Land zu gehen. Nur wenige kamen von den Kreuzzügen damals wieder und wenn es einer schaffen würde, so könnte er ja die schöne Bertrade zur Frau nehmen. Aber sie kamen alle drei wieder aus dem Heiligen Land und als sie in ihr Heimatdorf kamen, mussten sie zu ihrem Entsetzen hören, dass Bertrade am Tag zuvor, dem 19.März, vor Kummer gestorben sei. So beschlossen die drei Brüder, der Welt zu entsagen, und jeder zog sich als Einsiedler auf einen Berg in der Nähe des Dorfes zurück. Jedes Jahr am 19. März entzündeten sie ein (höchst gefährliches) Feuer auf ihren Bergen zum Gedenken an Bertrade. Thierry hatte den höchsten Berg gewählt und er war auch der letzte der Brüder, der verstarb, und als irgendwann sein Feuer nicht mehr entflammte, benannten die Dorfbewohner, die die drei Brüder wie Heilige verehrten, den höchsten Berg nach ihnen, den Pic St.-Loup und zünden bis heute dort jedes Jahr am 19. März ein Feuer an.

Der eigentliche Siegeszug des Weins rund um den Pic St.-Loup begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg. 1955 bekam man den VDQS-Status und es dauerte noch einmal fast 50 Jahre, bis man von der INAO in Paris die begehrte AOC Auszeichnung verliehen bekam. Erstaunlich, was diese Aufwertung bewirkt hat. Waren vorher die Qualitätswinzer eine Art Geheimtipp in der Region, nimmt man die Weine vom Pic St.-Loup jetzt weltweit wahr. Sie sind zu einer Art Leuchtturm für das Languedoc geworden. Das Terroir hat sich natürlich nicht geändert, aber in einer AOC trauen sich die Winzer noch mehr, auf Qualität zusetzen. Und vor allem, es gibt immer mehr Erzeuger, die ihre Pläne, besondere Weine zu machen, auch verwirklichen. Wir waren erstaunt, was hier für Weine entstehen, und ehrlich gesagt hätten wir auch ein WeinBrevier nur mit Pic-St.-Loup-Weinen machen können. Da hätten wir uns viele gefahrene Kilometer gespart und wären vielleicht zwischen den Weinguts-Besuchen auch mal zum Klettern an den weißen Felsen der Region gekommen. Na, vielleicht im nächsten Jahr...