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Pfalz live 3. Tag

Rebholz & Christmann

Das Spektakuläre an Hans-Jörg Rebholz ist, dass ihm jegliche spektakuläre Haltung abgeht. Marketing-Gags, große Auftritte, große Reden, all das scheint ihm zuwider zu sein, schließlich ist er Winzer und dem hat es ja in erster Linie um seine Weine zu gehen. Wen man bedenkt, dass er der einzige fünf Trauben Winzer der Pfalz ist, könnte man seine zurückhaltende Art und die Unaufdringlichkeit seiner Weine als das eigentlich Spektakuläre bezeichnen.

 Holz & Stahl

Kein Wunder, dass er mit der gleichen Ernsthaftigkeit, mit der er seine großen Gewächse präsentiert auch seinen Müller-Thurgau einschenkt. Wenn man diesen, aus der sonst ja leider oft stiefmütterlich behandelten Rebsorte, als einen Wein bezeichnen würde, der einfach viel Spaß macht, wäre das, in Zeiten von Cindy aus Marzahn und Stefan Raab wohl etwas missverständlich. Denn mit seiner runden und mineralischen Frucht, ist es wohl mehr Freude, was man beim Verkosten empfindet. Ein Grundzug der eigentlich alle Weine von Hans-Jörg Rebholz auszeichnet, egal ob sie dem unteren, dem eigentlichen Spaßsegment oder dem oberen Ende, den ernsthaften Grand Cru Weinen angehören, sie sind, im eigentlichen Sinn des Wortes, mit Freude zu trinken. Das gilt sicherlich auch für den Silvaner Kabinett, mit unter 2g Restzucker, sehr trocken ausgebaut und trotzdem nicht nur ein leichter, säurefrischer Sommerwein, sondern filigran würzig und frisch. Kein önologischer Hungerhaken aber auch keineswegs mollig, sondern Silvaner-Idealgewicht. Auch der Sauvignon blanc ist von dieser Ausgewogenheit geprägt. Auf der einen Seite kommt er mit der leichten grünen Frucht den Vorlieben der Konsumenten entgegen, auf der anderen Seite ist er aber auch lang und mineralisch. Ein richtiges Leckerchen und für mich, jedenfalls in der Rebholz´schen Variante, der beste Sauvignon der Pfalz. Der trockene Muskateller ist mit nur 11% Alkohol leicht und trotzdem sehr aromatisch. Irgendwo steckt da eine Ahnung von Lebkuchen und reifen Limonen, aber alles trocken und nur wie eine Andeutung um die reine Trinkfreude nicht zu stören. ?Der Wein macht Durst?, meinte Hans-Jörg Rebholz und ich fand es schade, dass ich nachher noch fahren musste. Die dritte der Aromasorten baut er natürlich auch an, den Gewürztraminer. In 2007 gibt es ihn direkt in zwei Varianten. Als eleganten, duftigen Gutswein, der schon ein wenig rundlicher ist und als Auslese aus der Lage Albersweiler Latt. Dem merkt man seine 80g Restzucker überhaupt nicht an, ansonsten gibt er sich noch etwas verschlossen. ?Den trinken wir am besten noch mal in zwanzig Jahren?, meint Rebholz. Gerne! Bekannt ist das Weingut ja auch für sein Können bei den Burgundersorten. Vor allem der Weißburgunder aus der Lage Sonnenschein ist Jahr für Jahr mit das Beste was man aus dieser Rebsorte machen kann. Dabei ist er, wie seine beiden kleineren Brüder, die Spätlese und der Kabinett nicht mächtig oder opulent. Die Größe dieses Weins merkt man, vor allem in seiner Jugend erst, wenn man genau hinschmeckt, er bleibt trotz aller Zartheit unendlich lang am Gaumen und verweist auf die große Zukunft die er haben wird. Wer einmal sechs oder acht Jahre alte Weine aus dieser Paradelage probiert hat weiß was ich meine. Auch bei den Rieslingen zeigt sich die fruchtige Freude und Beschwingtheit. Die Weine vom Buntsandstein sind wie immer von reifen gelben Früchten geprägt und von tiefer Eleganz. Neu ist ein Riesling vom Muschelkalk, der in den kommenden Jahren ein weiteres großes Gewächs werden soll. Er ist von kühlerer Aromatik als die Weine vom Buntsandstein oder vom Rotliegenden, man möchte fast sagen ein nachdenklicherer Wein.

Verkostung bei Christmann

Wenn es ein Geheimnis in der Arbeit von Hans-Jörg Rebholz gibt, dann ist es vielleicht die Kunst oder besser das Gespür dafür, immer das Richtige zu tun und Probleme die entstehen können, frühzeitig zu sehen. Das perfekte Jahr gibt es für ihn nicht, denn jeder Jahrgang bietet andere Problemstellungen. War es in 2006 die Feuchtigkeit während der Ernte, so gab es in 2007 bei vielen Trauben Sonnenbrand auf den Stielen (!). ?Dadurch werden die einzelnen Trauben ganz unterschiedlich mit Nährstoffen versorgt?, so Rebholz ?und wir haben an den betroffenen Reben fünfzehn bis zwanzig Prozent unreife Beeren. Das können wir nur mit akribischer Handarbeit und strenger Selektion wieder wettmachen.? Dann kam Ende August kurzfristig ein wenig Fäulnis, ?da haben manche an den letzten Jahrgang gedacht, Panik bekommen und angefangen zu ernten. Zucker hatten die Trauben oftmals genug, aber Säure und Extrakt stimmten noch nicht.? Das riskante Spiel, die Reben noch hängen zu lassen, ging auf, die Reben trockneten wieder ab und ein fast perfekter und langer Herbst bescherte das einwandfreie Lesegut, dass Hans-Jörg Rebholz für seine klaren und brillanten Weine braucht. Bei einer Kollektion mit großen Unterschieden ist es recht leicht, etwas zu schreiben aber bei der homogenen und logisch aufbauenden Qualität der Weine dieses Ausnahmewinzers möchte man jedem Wein kurz den Stempel aufdrücken: In seiner Klasse perfekt! Was für den, der sie gerade nicht verkosten kann, ja recht langweilig ist. Wie immer kommen die Weine recht spät auf den Markt, aber Ende Mai können Sie sich auf unserer Hausmesse einen Überblick verschaffen.

Am Nachmittag bin ich dann bei Steffen Christmann in Gimmeldingen. Sein Vater Karl-Friedrich, der den Betrieb von 1965 bis 96 geleitet hat und in Zeiten in, denen es für den deutschen Wein oft nicht einfach war, immer versucht hat mit Qualität zu punkten, begrüßt mich. Selbstverständlich kommt auch Lore, der lockige Hund in aller Ruhe dazu und fordert mich freundlich auf, ihn etwas zu kraulen. Die versonnene Ruhe, die er dabei an den Tag legt ist vielleicht auch die richtige Geisteshaltung, um die Weine der Christmanns zu verkosten.

Besonders dieses Jahr scheinen alle Weine eine Art von fröhlicher Deftigkeit auszustrahlen und nicht von strenger und unnahbarer Art, die große Rieslinge in ihrer Jugend oft auch haben können. Der Gutsriesling hat diese typische Pfälzische Säure die ich so liebe und die, da sie sehr reif ist, überhaupt nicht störend wirkt. Die beiden Orts-Rieslinge aus Gimmeldingen und Ruppertsberg sind ein herrlich ungleiches Geschwisterpaar. Dort fast süße Früchte und reife Eleganz, hier kühle Aromatik und rote Frucht. Der Weißburgunder ist sehr schlank geraten, ein Wein mit der dünnen Feder gezeichnet und trotz seiner Frische ohne Ecken und Kanten. Erstaunlich der ?einfache? Grauburgunder, denn obwohl er sehr schlank und geradezu süffig wirkt, trumpft er mit einer reifen Säure und verspielter Frucht auf. Ein Wein bei dem man bleiben kann. Die Lagenweine waren momentan noch etwas verschlossen, aber wie ein roter Faden zog sich auch hier diese fröhliche Art der Weine vom Linsenbusch bis zur Mäushöhle. Der Linsenbusch kommt dabei leicht und elegant herüber, tänzelt fast auf der Zunge. Der Paradiesgarten ist da eher von Pina Bausch choreographiert. Intellektueller aber doch mit zündenden, ja funkelnden Ideen. Beim Bienengarten muss ich unweigerlich ein wenig flöten: ?Die Bienen summen in der Luft, erfüllen sie mit Honigduft?? und doch ist er am Ende erstaunlich druckvoll. Dem Ölberg dagegen könnte man in dieser Reihe eine gewisse Üppigkeit nachsagen, doch er war am meisten verschlossen heute. Da bin ich sehr gespannt wie er sich in einigen Monaten zeigen wird. Die Mäushöhle dagegen will schon jetzt mit viel Pracht brillieren. Auf dem Gaumen wirkt die Rieslingfrucht rund wie eine jahrtausende geschliffene Kiesel, doch sorgen noch einige kräuterwürzige Noten für die nötige Spannung.

Die zukünftigen Großen Gewächse haben wir dann, nachdem Lore noch einige Streicheleinheiten abbekommen hat, direkt aus dem Tank probiert. Reiterpfad, Mandelgarten, Idig. Zum Teil aus verschiedenen Partien, die nachher, wenn sie halten was sie versprechen, miteinander vermählt werden. Es ist wohl müßig zu berichten, dass auch diese Weine nicht nur ohne Fehl und Tadel waren, sondern mehr noch, eines Tages grandios sein werden. Auch hier zeigt sich diese überbordende Fröhlichkeit, die den 07er Jahrgang bei den Christmanns auszeichnet. Es wird schwer, die drei oder vier Jahre, die diese Weine nach ihrer Auslieferung im Herbst brauchen werden, abzuwarten.