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Pfalz live. 1. Tag

Dr. Bürklin-Wolf und ein Pfälzer Original

Die erste Station auf meiner Verkostungsreise in die Pfalz ist auch gleich eines der ersten Weingüter Deutschlands. Man kommt kaum vorbei an Dr. Bürklin-Wolf und das auch im eigentlichen Sinn des Wortes. Wenn man auf der Weinstraße von Bad Dürkheim nach Deidesheim fährt, steht das imposante alte Gutsgebäude im engen Winzerörtchen Wachenheim geradezu demonstrativ im Weg. Man fragt sich unweigerlich,wie viele Autofahrer hier schon vergessen haben, den leichten Schlenker der Straße mitzumachen und dabei einen Seitenspiegel oder die Autotür eingebüßt haben. Doch auch der Weinfreund und vor allem ich als Weinhändler komme natürlich nicht vorbei an einem Weinbergsbesitz, der alle Großen Lagen der nördlichen Pfalz umfasst. Voran die kleine Lage Kirchenstück, direkt oberhalb des alten Winzerörtchens Forst, daneben Pechstein und Ungeheuer, die den Hang oberhalb dominieren und sacht, aber eindrucksvoll die Szenerie beherrschen. In Deidesheim gibt es den grandiosen Hohenmorgen oder den Kalkofen und weiter noch in Ruppertsberg z.B. die Hoheburg und viele andere.

Die Weine

Henninger

Wenn man bedenkt, dass die weitläufigen Gebäude nur einer von drei Standorten des Gutes sind (in Wachenheim gibt es noch ein Gebäude rechts von der Straße und in Ruppertsberg einen Außenbetrieb mit einem imposanten wie skurrilen Teehaus), dann werden einem erst die Dimensionen klar. Wer hier in den Keller geht, hat viel zu verkosten. Früh hat man bei Bürklin schon erkannt, dass es für ein Weingut nicht ausreicht, nur ein paar Spitzenweine zu machen oder vielleicht nur eine ordentliche Litersqualität. Gerade in der Zeit, da sich der deutsche Wein zu Hause und in der Welt schwer tat, fing man an, rigoros auf Qualität zu setzen und gleichzeitig das ganze Sortiment zu straffen.

Die Gaststube

Als Einstieg gibt es zwei famose Cuvées in rot und weiß. Die Villa Bürklin sind unkompliziert und Weine, die jeden Tag Spaß machen können. Der neue Jahrgang der weißen Variante war gerade gefüllt. Er zeigt schon, was in diesem Jahr möglich war. Die Cuvée aus Weißburgunder, Silvaner, Riesling und etwas Chardonnay ist extrem frisch, aber keineswegs aggressiv in der Säure. Trinkspaß ohne Ecken und Kanten, der fast zu jedem Essen passt. Zum ersten Mal wird es in diesem Jahr auch einen Villa Bürklin Rosé geben. In der Flasche sieht er aus, als könnte er auch aus dem neuen Richter-Fenster im Kölner Dom stammen, so intensiv leuchtet das Pink. Vielleicht wird er wie dies auch auf kontroverse Meinungen stoßen, doch er strahlt eben auch auf dem Gaumen. Gebietstypisch? Aus Cabernet und Merlot, wohl kaum. Aber wie sieht ein Gebietstypischer Rosé aus der Pfalz überhaupt aus? Da ist es mir doch lieber, das Weingut erfindet ihn neu. Saftig, Himbeeren, Kirschen, nicht geizig in der Säure und ein paar Tannine hat er auch mitbekommen, da sollte man direkt den Grill anwerfen. Spannend wie ein Bundesligaspitzenspiel ist die Paarung der beiden Ortsrieslinge aus Wachenheim und Ruppertsberg. Der Wachenheimer eine feine, elegante Dame, die es noch gelernt hat, dass man das Eau de Toilette nur wie eine Ahnung exotischer Welten spüren darf. Sehr reife Pfirsiche, doch ohne Süße, ein Hauch von frischen Mandeln ? oder sind das die ersten blühenden Mandelbäume vor der Tür? Ruppertsberg! Hier stehe ich und jetzt nur verhalten atmen, denn er quillt einem aus dem Glas schon entgegen. Rote Früchte, auf der Zunge fast tanninherb, doch nicht unangenehm, eher wie eine Herausforderung. Wenn man die Augen schließt, denkt man fast an einen Rotwein, aber an welchen?

Vom Fass dann nach Böhlig (P.C.) und Jesuitengarten (G.C.). Der Jahrgang ist groß und wird lange reifen können, aber erstaunlich, wie schön der Jesuitengarten sich jetzt schon zeigt. Man könnte auch sagen: Liebe auf den ersten Blick. Wer den nicht mag ist für Wein verloren! Opulente Frucht, man sagt ja immer ein Korb voll, aber hier ist es wohl direkt ein ganzer Marktstand. Dann reisen wir in der Zeit noch etwas zurück 2001, 2002 und schließlich kommt noch einmal etwas aus dem Jesuitengarten. 2003. War das nicht das Jahr in dem man vor der Ernte ?Jahrhundertjahrgang? schrie und nach der Ernte ?untrinkbare Alkoholbomben? zeterte? Dann gerade aus dem Jesuitengarten, der immer sehr reife Weine hervorbringt. ?Das ist ein Fass gewesen, dass komplett anders war? sagt Götz Drewitz, ?deshalb haben wir das einzeln gefüllt. Am Anfang waren wir irgendwie gar nicht glücklich damit und haben deshalb auch etwas gewartet, aber jetzt?.? Das Fass 63 sollte man mal in eine Cru Verkostung von Weinen aus Meursault oder Puligny stellen. Er hat die Würze und zupackende Art des Meursault und den Schmelz und die Länge großer Puligny Weine. Alles ganz ohne Barrique und obwohl wir uns mit fast 50,- ? am oberen Ende der Skala für trockene Rieslinge bewegen, ist er immer noch günstig im Vergleich mit den großen Namen aus dem Burgund.

Zum Mittagessen geht es dann nach Norden. Hinter Bad Dürkheim liegt der kleine Winzerort Kallstadt mit der berühmten Lage die so heißt wie des Ex-Kanzlers Leibgericht. Und wer der Pfälzer Gastlichkeit, dem deftigen Essen und frischen, säurebetonten Rieslingen zugetan ist, darf es natürlich nicht versäumen zum Henninger zu gehen. Unterhalb der Kirche, direkt gegenüber von Bernd Philippis Weingut Koehler-Rupprecht liegt die alte Wirtsstube in einem schiefen Haus hinter einem mächtigen Holztor. Vom Innenhof führt dann ein kleiner Werg direkt in die Spitzenlage des Ortes den Saumagen. Hier, in der alten Stube, habe ich wohl das erste Mal vor 35 Jahren gesessen. Damals gab es in der Pfalz noch kellerweise Ortega Beerenauslesen. Süßreserve war ein schöner Euphemismus für die Hariboisierung der wenigen verbliebenen Rieslinge und die Trockenbeerenauslesen aus irgendwelchen Rebsorten deren Namen ich zum Glück vergessen habe, gab es zu Weihnachten aus dem geschliffenen Römerkelch. Walter Henninger hatte für uns Kinder jedoch immer Traubensaft und der war sogar ziemlich lecker, so dass ich fast versucht war welchen zu bestellen. Natürlich habe ich hier den klassischen Pfälzer Saumagen bestellt. Kross angebraten aber fein und mild gewürzt, so dass er auf der Zunge zergeht und gar nicht schwer oder gar fettig wirkt. Auch auf die leider oft üblich gewordene Bratensauce dazu verzichtet man gottlob. Nur etwas würziges frisches und nicht überkochtes Sauerkraut und ein sensationelles Bauernbrot gibt es dazu. Pfälzer Purismus. Leider sahen die Nierchen in Senfsauce, die mein Nachbar hatte auch extrem gut aus, und so habe ich fast ein schlechtes Gewissen gehabt hier, wie eigentlich bei allen Besuchen nur den Saumagen zu essen. Die Weine die man bei Henninger serviert, kommen aus dem eigenen Weingut und sind klassische Pfälzer im besten Sinn. Hier hat ein Kellermeister keine Angst vor knackiger, mineralischer Säure und wenig puffernde Restsüße. Ich hatte mich natürlich für das ausgefallenste Beispiel auf der Karte interessiert. Ein Riesling Kabinett trocken ! Bei fast 8g Säure nur 1,3g Restzucker da verzieht man beim ersten Schluck unweigerlich das Gesicht und ?.. lächelt. Aber wunderbar zum Kraut, zum Saumagen, wunderbar pfälzisch halt.

Am Nachmittag habe ich dann noch einen weiteren Winzer besucht. Einer der Jungen in der Pfalz, wenn er mittlerweile aber auch schon fast ein Jahrzehnt im Geschäft ist. Mit einigen ?Verrücktheiten? hat er sich schnell einen Namen gemacht und vor allem seine Rotweine sind etwas Besonderes. Aber den möchten wir Ihnen im Mai zu unserer Hausmesse als Überraschung vorstellen. Bis dahin müssen Sie sich noch gedulden.

PS. Nicht alle Weine die hier verkostet werden, gibt es auch nachher bei uns im Weinkeller. Wir hoffen aber, die Besten für Sie ausgesucht zu haben. Verkosten können Sie alles auf unserer Hausmesse am 31. Mai.