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Pecorino, Sousón & Co. - Unbekannte Rebsorten

Die Vielfalt der Rebsorten, allein in einzelnen Ländern, ist enorm! Jede Nationalität hat ihre eigenen, heimischen Trauben, die sich über Jahrhunderte an die Region und ihre klimatischen Begebenheiten angepasst und dabei einen ganz besonderen Charakter entwickelt haben – so spiegeln sie das Land in vollen Zügen wider. In den vergangenen Jahren haben sich allerdings einige internationale Sorten erfolgreich etabliert, teils weil sie einfacher zu handhaben sind und teils weil die Mode sie verlangt hat – dabei haben sie sogar in manchen Regionen die lokalen Weine verdrängt. Zum Glück gibt es jedoch engagierte Winzer, welche sich besonnen haben und die Kultivierung und damit die Förderung der autochthonen Reben anstreben, um den wahren Schatz der Länder zu erhalten.

Damit Sie in der Vielzahl der Rebsorten nun aber nicht den Überblick verlieren, haben wir Ihnen zumindest schon einmal für Italien und Spanien eine kleine Übersicht zusammengestellt:

 

 

SPANIENS UNBEKANNTE

MENCÍA

Diese autochthone Rotwein-Sorte ist in Nordwestspanien stark verbreitet und besonders in den Regionen Bierzo und Ribeira Sacra sehr beliebt, sodass sie auf über 9.000 Hektar angebaut wird. Die Herkunft der Mencía ist nicht ganz geklärt, es wurde lange Zeit vermutet, dass sie mit der Bordelaiser Cabernet Franc verwandt ist und über den Jakobsweg nach Spanien kam. Doch heute ist belegt, dass sie in Nordspanien heimisch ist. Sicher ist auch, dass sie mit der portugiesischen Sorte Jean verwandt oder gar identisch ist, wodurch auch dieser Name synonym verwendet wird. Nicht verwechselt werden sollte sie jedoch mit einer lokalen Abart des Cabernet Franc, die tatsächlich im 19. Jahrhundert in Galicien eingeführt wurde und denselben Namen trägt. Die „echte“ Mencía-Rebe erbringt leichte, blasse, aber sehr duftige Rotweine, die vor allem jung getrunken werden. Auf kargen Böden mit entsprechender Ertragsreduzierung kann sie aber auch komplexe und extraktreichere Weine schaffen.

 

DOÑA BLANCA

Diese Weißwein-Sorte ist ausschließlich auf die Regionen im Norden Portugals oder Nordwesten Spaniens beschränkt. Unter dem Namen Doña Branca wird die ertragsstarke Sorte in Portugal sowohl zur Herstellung von weißem Portwein als auch für einfache Tafelweine verwendet. In Spanien sind es vor allem die Gebiete Monterrei, Bierzo, aber auch das Valdeorras (hier Valenciana), die die Rebsorte beherbergen. Gerade einmal 1.000 Hektar waren Mitte der 1990er mit der Doña Blanca bestockt, doch weisen ihre leicht bitteren Weißweine ein gewisses Potenzial auf!

 

BRANCELLAO

Die galicische Rotwein-Rebsorte ist in Nordwestspanien und dort insbesondere in Rías Baixas beheimatet. Einst sehr verbreitet, ist sie mittlerweile kaum noch zu finden, was ihren geringen Erträgen zuzuschreiben ist. Dennoch widmen sich ein paar Weingüter, wie zum Beispiel Dominio do Bibei, dieser qualitativ hochwertigen und krankheitsresistenten Rebsorte und erzeugen dabei erstaunliche Weine. Bis in die 1970er Jahre war die Brancellao eine wichtige Sorte für den Portwein, wo sie als Alvarelhão bekannt ist. Heute umfasst die portugiesische Rebfläche gerade einmal noch 180 Hektar und in Spanien wird sie im Bereich Rías Baixas auf nur noch 15 Hektar angebaut.

 

MERENZAO

Wie die meisten der galicischen Rebsorten ist auch diese Rotwein-Traube sehr selten und nur in der nordwestlichen Region Spaniens und im Norden Portugals verbreitet. Diese hat es jedoch unter dem Namen Trousseau nach Frankreich und als Maria Ordoña nach Spanien geschafft, aber aufgrund ihrer schlechten Holzreife, geringen Frostresistenz und unregelmäßigen Erträge hat sie sich nicht weiter über das Valdeorras und die Ribeira Sacra hinaus verbreitet. Die daraus entstehenden Rotweine zeigen sich kirschrot, sind recht zuckerreich und säurearm und erinnern an Waldfrüchte.

 

SOUSÓN

Fast gänzlich unbekannt und wenig verbreitet ist die alte autochthone Rebsorte Sousón. Sie stammt ursprünglich aus dem Norden Portugals, wo sie den Namen Vinhão trägt und für die Herstellung des roten Vinho Verde verwendet wird. In Spanien ist sie ausschließlich in Galicien, und hier hauptsächlich in Rías Baixas und Ribeiro populär, wo die spätreifende Sorte dunkelrote, tanninreiche, säurebetonte und fruchtige, aber teils auch etwas herbe Weine hervorbringt.

 

GODELLO

Ebenfalls eine autochthone Rebsorte Galiciens ist die weiße Godello. Besonders in der Region Valdeorras ist sie erfolgreich, wo sie nun wieder vermehrt angepflanzt wird und stetig an Liebhabern gewinnt. In der Vergangenheit sind immer häufiger frische und fruchtige Weine entstanden, die durch ihren modernen Stil überzeugen. Daher wurden hier seit 1990 rund 160 Hektar Weinberge mit Godello neu bestockt. Die
Weißweine sind charaktervoll und besonders im Bouquet beeindruckend vielschichtig – von würzig über fruchtig bis hin zu exotisch reichen die Nuancen. Die markante Säure wird durch die hohen Extraktwerte wunderbar ausgeglichen. Auch der Ausbau im Holz ist der Sorte nicht abträglich, sondern verleiht ihr eine wunderbare Balance zwischen Frucht und Körper. Ein großes Potenzial für Spaniens Weißwein-Bereich!

 


ITALIENS UNBEKANNTE

PECORINO 

Es ist schon etwas irreführend; Pecorino ist für viele nicht etwa eine Rebsorte, sondern der bekannte italienische Schafskäse der Insel Sardinien. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch eine weiße Rebsorte mit dem Namen Pecorino existiert. Die namentliche Verbindung zwischen den beiden Delikatessen ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Beeren der Rebe so klein wie Schafskötteln sind. Bis auf den Namen jedoch hat die Rebsorte garantiert nichts mit dem Schafskäse gemeinsam! Der Pecorino ist eine autochthone weiße Rebsorte, die beinahe ausgestorben wäre. Sie wurde vielfach von den Sorten Trebbiano und Passerina verdrängt. Heute ist sie hauptsächlich in den Marken, den Abruzzen sowie vereinzelt auch im Latium und Umbrien verbreitet. Dort erbringt sie, mit sorgfältiger Aufzucht der Traube und schonender Vinfikation, komplexe und vielschichtige Weine, welche auch noch nach längerer Lagerung durch ihre Frische begeistern. In der Vergangenheit wurde die Pecorino häufig mit internationalen Sorten wie dem Chardonnay verschnitten, um sie gefälliger und weniger erklärungsbedürftig, aber dadurch auch weniger ausdrucksstark, zu machen. Mittlerweile haben jedoch die Winzer das Potenzial der Rebsorte wiederentdeckt und bemühen sich mit reichlich Erfolg ihren speziellen, eigenen Charakter zu Tage zu fördern.

 

TEROLDEGO

Eine uralte autochthone Rebsorte ist der Teroldego, der einen der eigenständigsten Rotweine Italiens liefert. Benannt wurde sie vermutlich nach dem Ortsteil Teroldeghe von Mezzolombardo, was in der Rotaliano-Ebene gelegen ist. 1383 erstmals urkundlich erwähnt, geriet die Teroldego jedoch fast in Vergessenheit, da in den 1960er und 1970er Jahren die Rebsorte beinahe vollständig gerodet wurde. Zu dieser Zeit kam es zu blindwütigen Erneuerungen im Agrarsektor, wodurch auch größtenteils der Teroldego von der Bildfläche verschwand. Für höhere Erträge hatte man einen Klon gezüchtet, der gegen Ende der siebziger Jahre praktisch die gesamte Rebfläche des Campo Rotaliano einnahm. Dank dem Engagement einzelner Winzer, insbesondere aber einer Winzerin (Elisabeth Foradori) ist die rote Rebsorte zu neuem Leben erwacht. Diese „Erweckung“ liegt mittlerweile über 30 Jahre zurück und heute ist der Teroldego weniger ein Geheimtipp als vielmehr ein etablierter und solider Wein. Die Rebsorte ist eng mit der aus Frankreich stammenden Syrah verwandt und ergibt, wie alle spät reifenden Trauben, einen kräftigen und vollmundigen Rotwein, mit einer cremig milden Säure und schöner Frucht. Sein geringer Tanningehalt fördert jedoch die Gefahr einer unerwünschten Reduktion, was einen unsauberen Geschmack der Weine zur Folge haben kann. Eingang findet der Teroldego in den DOC-Weinen aus Sorni und Teroldego Rotaliano im Trentino.

 

ARNEIS

Eine nicht ganz einfache Rebsorte ist die Arneis. Die weiße Traube ist besonders anfällig für den falschen sowie echten Mehltau, ihre Erträge sind niedrig und darüber hinaus ist sie gerade bei Überreife sehr säurearm, wodurch flache, leicht oxidierende Weine entstehen. Diesen Eigenschaften verdankt die Arneis auch ihren Namen, der aus dem Piemonteser Dialekt übersetzt „kleine Schwierige“ heißt. Das Piemont ist nicht nur für die Namensgebung verantwortlich, die Region ist auch die Heimat und zugleich auch bis heute das primäre Anbaugebiet in Italien. Dort erhielt sie auch den Beinamen „Barolo bianco“, da ihre Heimat berühmt für den roten Spitzenwein Barolo ist. Früher wurde die weiße Rebsorte häufig verwendet, um die Härte der Tannine des Nebbiolo im Barolo zu mindern. Als jedoch im 20. Jahrhundert nur noch die Nebbiolo-Rebe für den Barolo zugelassen wurde, verschwand die Arneis fast vollständig aus den Weinbergen. Erst als das Interesse an Weißweinen aus dem Piemont Ende des 20. Jahrhunderts wieder stieg, beschäftigten sich die Winzer auch wieder mit der Arneis. Heute wird aus ihr in der Provinz Cueno der DOCG-Wein Roero Arneis und in der Provinz Alba der DOC-Wein Langhe Arneis hergestellt. Rechtzeitig gelesen, ergibt die Arneis Weißweine mit milder Säure und recht hohen Alkoholgehalten. Die Aromen variieren von fruchtig über honigartig und kräuterbetont bis hin zu würzig im Abgang.

 

NASCETTA

Wenig bis gar nicht bekannt ist die weiße autochthone Rebsorte Nascetta. Sie ist im Langhe in der Region Piemont beheimatet, wo sie Mitte des 19. Jahrhunderts das erste Mal erwähnt wurde. Damals fand sie in der Hügellandschaft um die piemontesische Stadt Alba und insbesondere in der Gemeinde Novello eine gewisse Verbreitung. Während des 20. Jahrhunderts wurde die Rebsorte von den Winzern jedoch kaum noch angepflanzt. Das ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen; zum einen ist die Langhe ein klassisches Rotweingebiet und zum anderen ist die Nascetta im Anbau recht kompliziert. Die Wiederentdeckung Ende der neunziger Jahre ist einigen Winzern aus dem Piemont zu verdanken, insbesondere Elvio Cogno. Er bereitet bis heute daraus komplexe, trockene Weine mit hohem Alterungspotenzial. Ihren Namen erhielt die Nascetta fälschlicherweise von dem Oenologen Giovanni Gagna, der glaubte, es bestehe eine genetische Verbindung zu der auf Sardinien heimischen Rebsorte Nascu. Die Rebsorte erbringt frische, säurebetonte Weißweine mit Aromen nach Akazienblüten, Salbei, Rosmarin und Zitrone. Um das frisch-fruchtige Aroma des Weißweins einzufangen, unterziehen viele Winzer vor der Gärung die Trauben der sogenannten Kaltmazeration, bei welcher während der Standzeit die Inhaltstoffe optimal extrahiert werden.

 

CATARRATTO

Die weiße Rebsorte ist besonders gut an das Klima Süditaliens angepasst, da ihr weder lange Hitzeperiode noch anhaltende Trockenheit etwas ausmachen. Aufgrund dessen wird sie auch größtenteils auf Sizilien und in Kalabrien angebaut. Dort liefert sie körperreiche Weißweine mit beeindruckenden Zitrus-, Maracuja- und Pfirsicharomen. In den vergangenen Jahren ist die Catarratto jedoch zunehmend in Verruf geraten, da sie ohne entsprechende Ertragsreduzierung in der Qualität stark abfällt. So wurde die Rebsorte in Massenweinen verschnitten und das enorme Potenzial der Rebsorte blieb ungenutzt. Große Bedeutung hat die Catarratto für die Produktion von Marsala und Wermut. Nachdem vor allem der Absatz von Marsala weltweit stark zurückgegangen ist, geht auch das Interesse an der weißen Rebsorte immer weiter zurück.

 

INZOLIA

Auf Grund ihrer trocken- und hitzeresistenten Art ist diese Rebsorte hauptsächlich auf Sizilien verbreitet, wo sie bereits während der Antike angebaut wurde. Im Westen der italienischen Insel wird die Inzolia (auch Ansonica) mit Grecanico und Catarratto häufig als Bestandteil trockener Weißwein-Cuvées oder zu Marsala verarbeitet. In diesem Zusammenhang verleiht sie den Weinen eine strohgelbe Fabre und ein intensives Aroma mit leicht nussigen Anklängen. Zudem wird sie als Grundwein zur Herstellung von Wermut eingesetzt oder als Tafeltraube genutzt. Da die Inzolia jedoch weite Transportwege nicht übersteht, beschränkt sich ihre Verwendung meist auf den lokalen Verzehr. In geringem Maße wird die weiße Sorte auch auf Elba und in der Toskana angebaut.

 

GRECANICO

Eine uralte sizilianische Weißweinrebsorte ist die Grecanico. Sie wird fast ausschließlich in der Provinz Trapani auf Sizilien angebaut. Es wird jedoch vermutet, dass sie ursprünglich von den Griechen auf die Insel gebracht wurde. Die Weine, welche aus der spätreifenden Sorte gekeltert werden, sind frisch mit Aromen von frischem Kernobst und einer leichten Bittermandelnote. Auf Grund ihres Grasdufts weist sie eine gewisse Ähnlichkeit zu Sauvignon Blanc auf. Häufig wird die Grecanico jedoch nicht sortenrein ausgebaut, sondern als Verschnittpartner von Catarratto für verschiedene DOC-Weine auf Sizilien verwendet.