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Pandolfa - Die Entdeckung des Jahres

Die Emilia ist eine endlose Ebene, schnurgerade zieht sich die Autostrada an Feldern und Gewerbegebieten vorbei Richtung Südosten. Rechts sieht man im Dunst die Hügel des Apennins, irgendwo da unten liegt Rimini. Italien als in der Frühsommerhitze flimmernde Langeweile. In Forli, einer Stadt von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte, fahren wir ab, direkt Richtung Süden auf den Apennin zu. Langsam ändert sich die Landschaft, die Orte werden kleiner, die Straßen werfen die ersten Kurven und auf den Hügeln wechseln sich Wälder, Felder, Wiesen und Weinberge ab. Die Reben sind deutlich in der Unterzahl. Im Tal gibt es einige staubige Straßendörfer, auf der engen Straße herrscht erstaunlich viel Verkehr. Hinter einem Ort namens Fiumana, der wenigstens so etwas wie eine Umgehungsstraße bekommen hat, steht plötzlich eine große, italienisch-schlichte Villa am Hang. Quadratisch, monumental und zugleich filigran. Pandolfa, ein alter Adelssitz, der Herrschaftsanspruch, Reichtum und Bescheidenheit zugleich ausdrücken sollte. Der Name soll auf das langobardische verweisen und ein Wolfsrudel bezeichnen, ein Adelssitz also, der auf das Jahr 1000 zurückgeht.

Pandolfa - Der Weinberg

Marco Cirese lacht, „Als mein Großvater das Anwesen 1941 gekauft hat, war es mit dem Adel schon längst vorbei. Die waren einfach pleite.“ Wie in vielen Teilen Italiens arbeiteten auch hier die Bauern bis fast zur Mitte des 20. Jahrhunderts ausschließlich auf den Besitzungen der Adelsfamilien, einen großen Teil des Ertrages mussten sie an die Landbesitzer abtreten, den kleineren durften sie für den Eigenbedarf behalten, wenn sie Glück hatten blieb noch ein wenig zum Verkaufen übrig. Kein Wunder, dass den Grundbesitzern irgendwann die Bauern wegliefen. In den Städten lockten immer mehr Fabriken und versprachen eine gewisse Unabhängigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten jenseits des mittelalterlichen Kastendenkens auf dem Land. Die Innovationsfeindlichkeit der Herrschaftsfamilien führte zu zunehmender Verarmung, die Bauern wie Adelige traf, und die besseren Produktionsmethoden auf modern geführten landwirtschaftlichen Betrieben dazu, dass die schwer zu bewirtschaftenden Flächen auf Hügeln und Bergen überflüssig wurden. „Mein Großvater hat Pandolfa gekauft, um Weinbau zu betreiben“, erzählt Marco, „auf der einen Seite war das sehr modern, auf der anderen Seite, wenn man an die Methoden und Verhältnisse damals denkt, dann ist es eigentlich kein großes Wunder, dass der Wein der Region nie richtig bekannt geworden ist.“ Wir gehen durch die Eingangshalle der Villa. „Rechts in den Räumen haben die Mitarbeiter gewohnt und gegessen“, Marco zeigt auf einen großen Kamin, „da wurde gekocht und mein Großvater hat fast immer mit am Tisch gesessen. Morgens ganz früh war man im Weinberg und hat hart gearbeitet, dann gab es große Mengen von Essen.“ Das ist etwas, was sich scheinbar erhalten hat in Italien, wie wir während der Reise feststellen müssen, trotz 36 °C draußen gibt es mittags Antipasti, Primi Piatti, Secondi, Formaggi und Dessert, und wenn man eines davon auslässt, dann schauen die Gastgeber besorgt und fragen: „Hat es etwa nicht geschmeckt?”

Pandolfa - Die Villa Im Weinberg bei Pandolfa
Francesco Bordini Pandolfa - Das Terroir

Im zentralen Raum der klassisch angelegten Villa zeigt uns Matteos Frau Alice ein paar Flecken auf dem hellen Steinboden. „Das kommt von den Gewehren, vom Waffenöl …“, nein nicht von der Jagd der ehemaligen adeligen Herren, die haben ihre Gewehre nicht im Wohnzimmer pflegen lassen, aber Marcos Großvater hat der Resistenza Unterschlupf geboten. „Und als die Amerikaner kamen haben die da oben erst einmal Mussolinis Sommerresidenz Rocca delle Caminate besetzt und dann auf die Deutschen, die die Resistenza vertrieben hatten und unten in Pandolfa saßen, geschossen.“ Die US Artillerie scheint schon etwas zu viel Sangiovese getrunken zu haben, zum Glück für die Villa Pandolfa. Der Duce wird uns aber noch häufiger begegnen, denn er ist in dem Ort hinter dem Weingut geboren worden (siehe „Das Erbe von Predappio“, bald hier im Blog zu lesen).

Francesco Bordini ist das Weinmachen in die Wiege gelegt worden. Sein Vater hat schließlich die Rebsorte Caberlot entdeckt. In dem schlaksigen Francesco mit seinem kindlich fröhlichen Lachen versteckt sich ein wahres Lexikon des Weinbaus der Emilia-Romagna. „Zwölf Subzonen hat die Emilia“, fängt er fröhlich an zu dozieren und seinem Redefluss ist während unseres Weinbergsbesuchs kaum Einhalt zu gebieten, „und bei allen sind Mikroklima und Böden etwas unterschiedlich, was sich bei der empfindlichen Sangiovese stark auswirkt.“ Er befühlt und beschnuppert Blätter, wiegt die sich gerade entwickelnden Trauben in der Hand, zeigt mit seinen schlaksigen Armen laut lachend auf den Weg der Sonne und die Neigung der Weinberge und dabei sprudelt ein selbst für italienische Verhältnisse ungewöhnlich nahtloser Redeschwall aus seinem Mund. Irgendwann fängt er an im Boden zu graben, der trockene Lehm zerbröselt in seiner Hand, er hält einen winzigen Stein zwischen den Fingern, „Wo man diese kleinen, gelblichen Kalkeinsteine findet ist der Boden perfekt. Wir haben Lehm, ein alter Sedimentboden, aber der ist nicht überall gleich. Da wo er richtig grau ist, ist der Boden nicht besonders gut für den Sangiovese, gelb ist am besten, da ist etwas Schwefel und viele Mineralien drin.“ Er hält uns den winzigen Stein hin. „Nehmt den Mal in den Mund und leckt ein wenig dran, der schmeckt richtig süß, davon bekommt unser Sangiovese die feinen Tannine. Aber bitte nicht draufbeißen, dann müssen wir heute Abend noch zum Zahnarzt …“ Die Weinberge ziehen sich links und rechts von einer kleinen Senke oberhalb der Villa lang und sind eher in Ost-West Richtung ausgerichtet, so dass sie besonders die Morgen- und Abendsonne abbekommen. „Wir müssen sie eher vor zu viel Sonne beschützen als sie suchen“, meint Francesco, „dafür erziehen wir die Reben im Royat Stil, wie man es oft beim Pinot Noir macht, denn dann hängen die Trauben nah am Boden, die Blätter schützen sie gut vor zu viel Sonne und der Boden ist tagsüber etwas kühler und nachts etwas wärmer. Zusammen mit dem Boden gibt das den einzigartigen Schmelz der Sangiovese Weine von hier: Elegant, aber mit saftig-runden Tanninen und einer harmonischen Säure, ganz anderes als der Klon aus der Toskana.“ „Früher standen auf den Hügeln ringsherum noch Cabernet, Merlot und Syrah“, hatte uns Marco erzählt, aber als er mit dem Weinmachen anfing hat er die Rebfläche von 85 Hektar radikal auf jetzt noch 38 verringert. „Damals ging es nur um Masse, wir wollten etwas anderes“ erzählt er, „wir haben den Kern von Pandolfa erhalten. Unser Herz ist die Sangiovese di Romana und nicht die internationalen Rebsorten, das kann man woanders besser.“ Francesco pflichtet ihm bei. „Die Hügel sind perfekt für die Sangiovese, schließlich haben wir hier eine Unterart der Rebe des Chianti und die Romagna ist sogar enger verwandt mit dem Klon des Brunello di Montalcino. In der Emilia geht es aber immer noch hauptsächlich um Menge und Preis für die gesichtslosen Massen-Cuvées, dem wollen wir oben in den Hügeln, wo schon immer die besten Weine der Region wuchsen, was entgegensetzen.“ 20 Millionen Flaschen produziert die Emilia-Romagna, aber in den Hügeln von Predappio gibt es gerade einmal drei Qualitätsweinproduzenten, und in den weiteren Subszonen sieht das nicht anders aus. Nur 10 % der Rebfläche liegen in den Hügeln des Apennins, der Rest ist Industrieweinbau auf Ackerland. Wahrscheinlich sind nicht einmal 5 % der Weine der Region anständig bis bemerkenswert, kein Wunder, dass die Emilia bei den ambitionierten Weinhändlern so gut wie nicht vertreten ist. Gut, dass wir Mitarbeiter haben, die selbst im Urlaub zumindest was den Genuss angeht immer bei der Arbeit sind. Marco Lindauer ist zwar hauptsächlich unser Bordeaux-Spezialist, aber neben seiner Heimat Mosel, deren Weine er immer wieder propagiert, hat er noch das Hobby Italien, die Weine natürlich. Und so ist er in einem Urlaub auf die ungewöhnlichen Etiketten von Pandolfa aufmerksam geworden und hat mal direkt im Weinkeller eine Blindverkostung Sangiovese angesetzt. Die Qualitätssicherung kürte den Federico dabei mit ziemlich großem Abstand zum Preis-Genuss-Sieger. Eigentlich quillt der Keller an allen Ecken und Enden über, aber das konnten wir unseren Kunden doch nicht vorenthalten.

Noreen Rudolph und Marco CiresePandolfa Weinberge

Pandolfa - die Winzerfamilie

Bevor wir die Emilia verlassen wollen wir noch wissen wie man zu dem auffälligen und gleichzeitig stilsicheren Etikett gekommen ist. „Der berühmte Renaissancemaler und Mathematiker Piero della Francesca hat Sigismondo Pandolfo Malatesta 1450 gemalt, eines seiner eigenartigen und irgendwie ikonischen Portraits,“ erzählt Marco, „und da unsere Familie immer auch der modernen Malerei zugetan war, wollten wir das irgendwie verfremden. Außerdem hat Giuseppe Ricci die Fresken auf Pandolfa Ende des 19. Jahrhunderts erneuert, also haben wir einfach die Pastellfarben von Ricci genommen, in denen auch die verschiedenen Räume auf Pandolfa gehalten sind, haben moderne Formen hinzugefügt und damit ein wenig, halb ironisch, halb verstärkend gespielt. Ecco!“ Ein Parforceritt durch die Kunstgeschichte auf einem Weinetikett und trotzdem wirkt alles wie geniales Marketing, aber die großen Maler der Renaissance waren auch große Verkäufer und Meister der PR. So ist Pandolfa mit dem Etikett die Renaissance der Renaissance gelungen und für die Weine gilt das ebenso, bleibt nur noch übrig, dass auch die Weinwelt sie entdeckt.

„Wenn ihr wissen wollt wie die Emilia wirklich ist“, gibt uns Marco noch mit auf den Weg, „seht euch Fellinis Amarcord an. Eine Liebeserklärung an die Region von einer ihrer größten Söhne …“ Werden wir, mit einem Glas Pandolfa dabei.

Wer mehr über den Weinbau und das Terroir in der Region erfahren möchte, dem empfehlen wir die Website von Francesco Bordini www.francescobordini.it

 

UNSERE WEINTIPPS

2016 FEDERICO

Auch in 2016 präsentiert das Weingut wieder einen zuverlässig saftigen und frischen Sangiovese di Romagna. Im Duft ansprechend nach Schwarzkirschen und dunklen Waldbeeren und im Geschmack mit unbekümmert saftiger Frische. Ein unkomplizierter authentischer Sangiovese, der mit seiner hedonistischen Ader so manchen Wein der Toskana in den Schatten stellt. Bitte leicht gekühlt servieren!

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2016 BRÒ NOELIA RICCI

Die Noelia Ricci Weine entstammen kleinen hoch gelegenen Einzellagen des Weingutes Pandolfa, die sich durch besondere Qualität und Eigenart auszeichnen. Hier entsteht ein sehr feiner Weißwein jenseits aller Klischees. Zurückhaltender Duft nach getrockneten Früchten, Heu, weißen Blüten und Zitronenabrieb. Am Gaumen straff und klar mit eher kühler und steiniger Anmutung. Ein anspruchsvoller Weißwein mit eigensinniger Aromatik und besonderer Affinität zu den Speisen der Region. Der Wein ist ungefiltert und deshalb etwas trüb.

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2014 GODENZA NOELIA RICCI

Das ist ein von Würze durchdrungener, ungeschminkter Sangiovese durch und durch. Hier geht es nur um Struktur und Präzision, der Wein trägt kein Gramm Fett zuviel mit sich herum. Trotzdem ist er nicht karg, sondern von subtiler Konzentration und großer Dichte. Tiefer Duft nach Unterholz, Herbsttrompeten, Thymian und getrockneten Kirschen. Am Gaumen straff verwoben, mit lebendiger Frische. Im langen Nachhall entfaltet sich sein reifer, würziger Fruchtkern. Kein Wein für jedermann, aber für die Liebhaber der Rebsorte ein absolutes Muss. Der Wein ist ungefiltert und deshalb etwas trüb. 

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HIER FINDEN SIE ALLE WEINE VON PANDOLFA

 

PS: Wenn sie einmal die Villa Pandolfa besuchen wollen, melden sie sich einfach vorher an. Es gibt dort auch immer wieder Kochkurse, aber „leider“ nur auf Italienisch.

Adresse: Via Pandolfa, 35 47016 Fiumana di Predappio www.pandolfa.it

 

Bitte beachten Sie: Die in diesem redaktionellen Text ausgezeichneten Preise und Angebote beziehen sich auf das Erscheinungsdatum des Textes. Aktuell sind immer die im Shop hinterlegten Preise gültig. Die Angebotspreise sind gültig bis 30.11.2017.