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Nicolas Joly – Poet der Reben

Es fällt zwar schwer, aber lassen wir den Winzer mal kurz außen vor. Denn das Weingut Coulée de Serrant ist eigentlich selber schon ein Star. Die Weinberge stehen seit 890 Jahren unter Reben, ununterbrochen wurde hier Wein gemacht. Zunächst von Zisterzienser- Mönchen, von denen auch noch die Weingutsgebäude stammen, später von verschiedenen Winzern. Die Mönche haben wohl mit verschiedenen Rebsorten experimentiert und – wie damals üblich – auch im gemischten Satz gepflanzt. Aber seit sehr langer Zeit steht auf den Hügeln am nördlichen Loire-Ufer reinsortig Chenin Blanc.

Coulée de Serrant ist im Laufe seiner Geschichte immer ein sehr gefragter Wein gewesen. Alexandre Dumas erwähnt ihn, Louis XIV soll ihn getrunken haben und die Kaiserin Josephine ebenso. Aus dieser illustren Geschichte lässt sich vielleicht erklären, wieso Coulée de Serrant als einzelner Weinberg eine Monopol-AOP bildet und sich damit auf eine Stufe neben etwa Romanée-Conti einordnen lässt. An den eindrucksvollen Weinbergen direkt oberhalb der Loire findet man immer noch alte Befestigungsanlagen, die aus dem gleichen, dunkelgrauen Schiefergestein gebaut wurden, auf dem auch die Weine wachsen. Es gibt noch eine Allee, die sich oben auf einem Wall den Weinberg abschließt – der „Friedhof der Engländer“, denn hier wurde 1240 eine wichtige Schlacht gegen die Engländer gewonnen.

Heute gilt der Wein wieder als einer der besten Weißen der Welt, was nicht zuletzt dem Winzer zu verdanken ist. Denn man kann nicht über Coulée de Serrant sprechen, ohne über Nicolas Joly zu sprechen, der diese Weine zurück zu Weltruhm geführt hat. Als er 1980 entschieden hat, sein Leben als Banker an den Nagel zu hängen und stattdessen die Weinberge der Familie zu übernehmen, begann eine Reise, die nicht nur für unsere Gaumen, sondern auch die gesamte Weinwelt eine Offenbarung bedeuten sollte.

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Nicolas war einer der ersten Verfechter des biodynamischen Weinbaus und er ist noch immer einer der radikalsten. Wo die meisten Biodyn-Winzer nur einen Teil der Lehre Steiners befolgen, ist Nicolas sehr viel penibler. Wo andere beim vergrabenen Kuhhorn Halt machen, schreckt Nicolas auch nicht davor zurück, den Schädel eines Nutztiers auszulöffeln und zu vergraben. Das und sein offen zur Schau getragener Glaube an das, was er da tut, haben ihn zu einer sehr umstrittenen Figur gemacht. Manche halten ihn entweder für einen Clown, einen Magier, ein Genie oder einen Wahnsinnigen. Aber wie heißt es so schön: „Das Genie wohnt nur eine Etage höher als der Wahnsinn.“ Danke, Schopenhauer.

Dabei weiß Nicolas schon sehr gut mit seinem Image zu spielen. Unvergesslich seine Visitenkarte:

NICOLAS JOLY
Nature Assistant and not Wine Maker

Es ranken sich jede Menge Legenden um ihn, so soll er einmal eine Weinprobe entrüstet abgebrochen haben, als er gemerkt hat, dass auf seine Flaschen Strichcodes aufgeklebt worden waren. Außerdem soll er stets mit seinen privaten Bettbezügen reisen. Die sind – so heißt es – mit Metall durchwirkt und sollen Strahlung von ihm abhalten.

Wenn man Nicolas sprechen hört, kommt es sehr darauf an, in welche Richtung das Gespräch so läuft. Er ist ein begeisterter Redner und nutzt gern Metaphern. Und wie es so ist mit der Metaphorik, sie kann sowohl Dinge in ein klareres Licht rücken, als auch verschleiern. So erklärt er gern, seine Rebstöcke seien wie Antennen. Was damit gemeint ist? „Die Sonne, das Klima an diesem Ort, das alles nimmt die Rebe durch die Blätter und den Pflanzensaft in sich auf. Dazu kommen die Wurzeln, die aus der anderen Richtung Wasser und Nährstoffe beisteuern. Die Pflanze nimmt das zusammen und macht aus dieser Energie Materie – die Trauben.“ Bei solchen Sätzen muss man sich entscheiden: Entweder man hängt an naturwissenschaftlicher Akkuratesse, dann ist man bei Nicolas an der falschen Adresse, oder man nimmt ihn als Poeten. Dann wird nämlich aus seiner Antenne ein sehr schönes Bild für das, was gemeinhin mit Terroir gemeint wird. Wobei – ist da in Frankreich nicht immer auch das Wirken des Winzers mit gemeint? „Ich sehe mich wirklich nur als Assistent der Natur, das steht nicht einfach so auf meiner Visitenkarte. Die Natur weiß es sowieso besser als ich. Wenn zum Beispiel im Keller keine malolaktische Gärung stattfindet, dann werde ich den Teufel tun und eine einleiten. Der Wein weiß schon selbst, was das Beste für ihn ist.“ Aber er hat doch mit der ganzen Umstellung auf Biodynamie selbst eingegriffen und einen Wandel im Weinberg herbeigeführt. „Ach was! Ich habe nur alles wieder zum Ursprung zurückgeführt. Ein älterer Mitarbeiter hat das festgestellt, als wir etwa zehn Jahre lang so gearbeitet hatten. Sein Vater war auch schon im Weingut und der Mann meinte, der Geruch im Keller wäre wieder so wie zu der Zeit, als er noch ein Kind war.“ Nicolas’ Augen leuchten hinter seiner Brille, als er das erzählt.

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Wobei er sein Licht schon ein bisschen unter den Scheffel stellt. Denn selbst auf Coulée de Serrant gibt es Entscheidungen, die in der Hand des Winzers (seit einigen Jahren vor allem der Hand seiner Tochter Viginie) liegen. Zum Beispiel lassen die Jolys ihren Chenin Blanc sehr lange am Rebstock. Viele Jahrgänge haben einen gewissen Anteil an Botrytis, obgleich sie trocken ausgebaut werden, und damit einhergehend auch ein charakteristisches, reiches Aromaprofil. Nicolas selbst vergleicht Chenin mit Riesling, weil beide Sorten, so sagt er, besonders sensibel auf das Terroir reagieren und eine knackige Säure haben können, die man seiner Meinung nach am besten mit einer späten Lese in den Griff bekommt.

Wenn er über seine Weine spricht, dann hört man nie die üblichen Beschreibungen. Primär- und Sekundäraromen interessieren ihn nicht. Der Grandseigneur der Biodynamie will Weine mit Charakter und Individualität und deswegen spricht er auch über seine Weine, als spräche er über Menschen. Da ist die Rede vom „Künstler“ oder sogar vom „Morgenmuffel“. Auch wenn er Geschmack oder Aromatik beschreibt, dann nur mit Metaphern. Wir schmecken eine nussige Note? „Klar, weil eine Nuss genau wie der Traubenkern eine ganze Pflanze enthält.“ Er fährt damit fort, dass die lange Zeit, die seine Trauben hängen, zu einem besonders reifen Kern und dadurch zu dieser Aromatik führen. Auch wenn es sich anhört wie eine faktische Behauptung, alles was aus Nicolas‘ Mund kommt, ist die reine Poesie. Was für ein schöner Gedanke, dass in jeder Beere gleich mehrfach das noch nicht verwirklichte Potenzial zu einer ganzen Pflanze steckt. Und dass diese Kraft in den Wein übergeht.

Für die nächste Auflage seiner Visitenkarte könnte er über eine kleine Änderung nachdenken. „Wine poet and not wine maker“, fänden wir noch treffender.  

 

2018 LES VIEUX CLOS

Nicolas beschreibt seine Weine am liebsten als Personen. Die Misanthropen unter uns würden da wohl erwidern, dass die meisten Personen nicht so komplex und charaktervoll sind wie diese Weine. Der Vieux Clos jedenfalls hat unglaublich vielschichtige Aromen, da ist reifer Pfirsich, Melone, aber auch Honig, Trockenobst und Haselnuss, etwas Pfeifentabak und süße, orientalische Gewürze. Riecht man lediglich am Glas, erweckt der Wein den Eindruck, wahnsinnig opulent zu sein. Ein Eindruck, der mit dem ersten Schluck sofort weggewischt wird. Dieser Wein hat Power! Da ist eine tolle, würzige Frische, ein echtes Kraftpaket, das einen umhaut und lange lange am Gaumen nachhallt. Wenn man dann wieder an dem Wein schnuppert, wird klar, warum Nicolas so gern die Metapher einer Person verwendet. Denn man bekommt fast den Eindruck, man habe es mit der geheimnisvollen Schönen aus einem Film Noir zu tun.

2018 Les Vieux Clos (0,75l) 34,61 €  shopping_basket

 

2018 CLOS DE LA BERGERIE

Vielen gilt der Clos de la Bergerie als Nicolas‘ zugänglichster Wein. In jedem Fall ist er der geradlinigste. Aromen von reifen Birnen und Quitten, sowie weißer Pfirsich werden von mineralischen Untertönen getragen. Am Gaumen ist er vollmundig und geschmeidig. Zitrusfrucht und leichte Mandel, vielleicht ein wenig Bienenwachs und Ingwer. Nach ein bis zwei Stunden an der Luft zeigt er sich aber erst wirklich in seiner ganzen Pracht. Dann kommen tropische Früchte zum Vorschein und die Würze des Weins tritt in den Vordergrund. Selten haben wir es so ernst gemeint: Bitte belüften!

2018 Clos de la Bergerie (0,75l) 43,87 €  shopping_basket

 

2018 COULÉE DE SERRANT

Wow, das ist großes Kino. Die Clos de la Coulée de Serrant ist ihre eigene Appellation, die sich im alleinigen Besitz von Nicolas Joly befindet. Man könnte behaupten, dass sich hier der Nukleus von Nicolas‘ einflussreichem Schaffen befindet. Der Wein hält, was man sich davon versprechen würde. Reife, wahnsinnig komplexe Nase mit Apfel, Quitte und Aprikose, aber auch Rauch, einer Vielzahl an Gewürzen und Kräutern sowie Honig und Gestein. Am Gaumen voller Vitalität und stimulierender Kraft. Dabei voller Eleganz. Der Wein schafft das kaum denkbare und übersetzt seine hochkomplexe Nase in einen facettenreichen und balancierten Eindruck am Gaumen. Er wird seinem Legendenstatus gerecht und bereitet ein wirklich denkwürdiges Trinkerlebnis. Ein Wein zum Meditieren und Horizonte erweitern.

2018 Coulée de Serrant (0,75l) 76,03 €  shopping_basket

 

 Angebote gültig bis 22.11.2020, bzw. so lange der Vorrat reicht.  

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