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Neues von Heinz Schmitt Erben

Wein erzählt viele Geschichten. Die meisten, die wir in unseren Weinbrevieren weitererzählen, handeln von glücklichen Winzern, von Menschen, die sich ihren Traum erfüllt haben, von der Verbindung von Vergangenheit und Zukunft, von Glück. Nicht alle Geschichten, die der Wein erzählt, handeln vom Glück, aber auch die anderen, nicht glücklichen, gehören zum Wein und müssen erzählt werden. In gutem Wein, das wissen wir alle, steckt viel Arbeit. Ja, die Winzer sagen immer gerne, guten Wein zu machen sei gezieltes Nichtstun. Aber um im Keller später den Wein sich selber überlassen zu können (wobei auch das ein wenig Koketterie der Winzer ist), muss man im Weinberg hart arbeiten. In den extrem steilen Lagen der Mosel ist das nicht nur anstrengend, es ist auch überaus gefährlich.

Heinz Schmitt gehörte 1983 zu den Jungwinzern in Leiwen. 22 Jahre war er alt und voll Enthusiasmus, hatte er das Weingut seines Vaters übernommen. 9 Hektar waren das gewesen, 2010 war es auf 22 Hektar angewachsen. Er war bekannt und beliebt im Dorf. Im September 2010 kam er mit seinem Trecker im Krövericher Laurentiusberg von einem steilen Weinbergsweg ab. Einhundert Meter stürzte das Fahrzeug durch die Weinberge. „Ich glaube, wir waren alle so schockiert, weil jeder von uns wusste, dass auch er in dem Trecker hätte sitzen können“, sagte uns ein Winzer.

22 Hektar waren für seine Frau Silvi und ihre zwei Kinder zu viel, aber der Entschluss, weiter Wein zu machen, stand ziemlich schnell fest, auch wenn sie jetzt dafür eine andere Arbeit machen muss und der Wein eine ziemlich zeitfüllende Freizeitbeschäftigung geworden ist. „Ich wollte den Kindern ja auch die Chance geben, wieder Winzer zu werden“, meint sie. Wir stehen mit ihr in einem extrem steilen, mit alten Trockenmauern terrassierten Weinberg, dem Neumagener Rosengärtchen. Ein verwirrendes Labyrinth von Mauern, Felsen und Hecken, verbunden durch Trampelpfade und Schiefertreppen. In der großen Lagenkarte von 1906 gehört das Rosengärtchen zu den 1er-Cru-Lagen. „Jetzt haben wir noch etwas mehr als 4 Hektar, davon fast 2 hier im Rosengärtchen. Das ist die Lieblingslage von Carlo“, erzählt Silvi, während sie locker an der viel zu niedrigen Brüstung lehnt, die die hohe Steinmauer zum Weinbergweg unten krönt. Eine resolute Frau, die uns freundlich, aber bestimmt erzählt, warum sie jetzt was machen. Winzerfrauen müssen resolut sein, Weinmachen ist in den meisten Fällen immer noch Familiensache, da wird erwartet, dass alle mit anpacken. Selbst in größeren Betrieben. „Nach dem Unfall haben uns zum Glück viele geholfen“, sie lächelt in die Sonne, „einige aber auch nicht. Es ist ja immer so, dass die Hilfe nicht unbedingt daher kommt, wo man sie erwartet. Aber es ist gegangen, irgendwie.“ Der Kellermeister der Schmitts, der eigentlich schon in Rente war, Erich Clüsserath, hat unheimlich geholfen, er macht bis heute die Weine. „Rente ist für den ja gar nicht vorstellbar“, lacht Silvi, „ein Leben ohne Wein zu machen ...? Der liebt den Moselwein über alles und ich finde, das schmeckt man unseren Weinen auch an.“ Der Weinberg ist zum Teil geschnitten, zum Teil fehlt noch der Rebschnitt, in dem die Austriebe des letzten Jahres gestutzt werden, damit die Rebe nicht zu viele Trauben trägt. „Das macht Carlo am Samstag oder Sonntag.“ Carlo schaut etwas skeptisch in den Weinberg. Er ist 16 und hat gerade eine Winzerlehre angefangen. „Am Wochenende arbeiten statt Party, auch nicht schön“, sagen wir. „Nö, das ist halt so“, es klingt nicht resigniert. Sein Augenmerk galt eher dem Buschwerk oberhalb der Lage, „Da oben, das war auch alles mal mit Wein bepflanzt. Jetzt wachsen da permanent Brombeeren und alles runter. Das muss man auch alles im Zaum halten. Die Trieschen sind nicht so gut, da kommen gerne Pilzkrankheiten und Schädlinge rüber.“ Wenn Carlo spricht, dann hört es sich sehr konzentriert an, nicht wie bei jemandem, der gerade eine Winzerlehre angefangen hat, sondern wie bei einem alten Winzerfuchs. Wein, das merkt man sofort, ist bei ihm nicht nur die Leidenschaft eines jungen Mannes, es ist sein Leben. „Senta ist dieses Jahr übrigens Weinkönigin in Leiwen, da müssen wir ja auch noch einen speziellen Wein für die Inthronisation machen. Mit einem besonderen Etikett“, erzählt Silvi. Die ganze Familie ist im Wein fest verankert. Nachher sitzen wir im Garten des Hauses in Leiwen.

Zum ersten Mal sind wir durch eine befreundete Sommelière auf das Weingut aufmerksam geworden. „Wenn ihr mal was Gereiftes sucht, dann fragt da an“, hatte sie uns gesagt. So kamen wir im Dezember zu den beiden tollen Beerenauslesen von 2006 und 2007, von denen wir uns zum Glück den Keller vollgelegt haben. Jetzt haben wir andere, reifere Sachen verkostet. Zumeist Auslesen, die ’01er gefallen uns am besten. Sie haben Spannung und eine gute Säure, die Süße verbirgt sich fast. Wie bei allen guten, reifen Moselweinen schmecken sie nach dieser Reifezeit nicht mehr süß oder fruchtig, sondern harmonisch. „Eine gute Wahl“, meint Silvi, „sind im Moment auch meine beiden Lieblingsweine. Mein Mann hat ja unheimlich viele edelsüße Sachen gemacht. Das war am amerikanischen und asiatischen Markt sehr gefragt, da sind wir aber nie so ganz reingekommen. Jetzt ist es ganz gut, dass das noch da ist, da kann ich den Kindern dann die Ausbildung mit finanzieren.“ Carlo schenkt jetzt noch was Aktuelles ein. ’12er, ’13er und auch einen ’10er können wir probieren. „Den ’10er kann ich euch aber leider nicht verkaufen, den hat ein Sterne-Restaurant komplett reserviert“, meint Silvi. Wir schwanken zwischen dem offenen und etwas fruchtigeren ’12er und dem feinherben ’13er, der jahrgangstypisch eine extrem spannende Fruchtigkeit zeigt und sich sicherlich sehr gut entwickeln wird. Aber auf jeden Fall wollen wir einen aktuellen Jahrgang mit ins Programm aufnehmen, wir möchten ja nicht verpassen, wenn aus Carlo in den nächsten Jahren ein Jungwinzer-Star wird. Also gibt es schließlich den ’13er. Feinherb haben wir nicht so viel und das ist ein extrem spannender Stil, der genial reift, und immer einen perfekten Essensbegleiter abgibt.

 

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