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Neu im Weinkeller - Speri

Das Valpolicella ist in vielerlei Hinsicht eine unterschätzte Region. Schon als Reiseziel bei Italienurlaubern steht es nicht unbedingt an erster Stelle der Prioritätenliste. Andere Ecken südlich des Brenners üben da eine größere Anziehungskraft aus – man denke nur an das nahe gelegene Südtirol, wo gefühlt jeder von uns schon einmal Urlaub gemacht hat, oder den Klassiker deutscher Sehnsuchtsträume, die Toskana (von der Adria ganz zu schweigen). Dabei ist die Region mehr als einen kurzen Zwischenstopp auf dem Weg von Verona zum Gardasee wert, findet man doch auch hier wunderschöne zurückgezogene Dörfer, unscheinbare Landgasthöfe mit einfachen, aber sehr schmackhaften Speisen und die gelebte Gastfreundschaft der Einheimischen, deren entschleunigte Lebensart ansteckend ist. Und das alles inmitten von idyllischen, hügeligen Weinberglandschaften, die immer zu einem Spaziergang einladen. Alles hier ist etwas überschaubarer und weniger glamourös als anderswo und genau darum umso liebenswürdiger.

Auch die Weine der Region verdienen eine intensivere Betrachtung. Der Hype um den Amarone, den herausragenden Rotwein der Region, scheint seit den 90er Jahren ungebrochen. Trotzdem wird er selten an erster Stelle genannt, wenn man über die Ikonen-Weine Italiens spricht. In Italien selbst gehört er aber neben dem Brunello und dem Barolo klassischerweise zum Triumvirat der großen Weine und genießt uneingeschränkte Bewunderung. Aber auch der Valpolicella Superiore und der einfache rote Valpolicella, die hier gekeltert werden, können Weine mit schmackhafter Eigenart und toller Qualität sein. Nicht zu vergessen der Recioto, der sich zu den besten Süßweinen der Welt zählen darf.

Im Valpolicella werden, wie man sieht, im Wesentlichen rote Rebsorten angebaut, das, was hier an Weißwein gekeltert wird, gelangt allenfalls als Vino della Casa auf die Tische der lokalen Restaurants und Bars. Corvina, Rondinella und Molinara sind die drei wichtigsten roten Traubensorten, die als Cuvée die Grundlage für die klassischen Rotweine des Valpolicella bilden. Die Corvina gilt unter ihnen als die ausdrucksstärkste und hochwertigste. Trotzdem ist sie auf die beiden Partner angewiesen, um einen harmonischen Valpolicella-Wein hervorzubringen.

Im Kerngebiet des Valpolicella, dem sogenannten „Classico“, das sich vom Stadtrand Veronas im Osten bis fast zum Gardasee im Westen erstreckt und das im Norden von den Ausläufern der Alpen begrenzt wird, befinden sich das Weingut und die Weinberge der Familie Speri. Hier, am nördlichen Ende der Poebene, herrscht im Sommer fast mediterranes Klima, während es im Winter recht kalt werden kann. Dem nahe gelegenen Gardasee, der diese Extreme auszugleichen vermag, verdankt das Valpolicella Classico sein besonderes Mikroklima. So gelten die Weinlagen, die dem See am nächsten liegen, traditionell als die besten.

Die Familie Speri blickt auf eine Weinbautradition seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zurück, die mittlerweile sieben Generationen umfasst. Von einer kleinen Rebfläche neben dem Stammhaus ist der Betrieb bis heute auf 60 Hektar gewachsen. Umso erstaunlicher, dass die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung mit dem Jahrgang 2015 ganz abgeschlossen sein wird und Speri dann der einzige größere Betrieb der Region mit biologischem Weinanbau ist.

Die Auswahl an Weingütern im Valpolicella ist nicht klein. Warum haben wir uns gerade für die Weine der Familie Speri entschieden? Weil wir nach mehrfachen aufwendigen Verkostungsarien – über eine gefühlte Ewigkeit hinweg und die uns bis zuletzt etwas ratlos zurückließen – vom stilistischen Niveau und der handwerklichen Präzision aller Weine der Familie schlichtweg begeistert waren und diese sich bei den Blindproben in einem einstimmig positiven Urteil aller Verkoster durchgesetzt haben. Denn die Eleganz und Klarheit, die als erkennbare Handschrift aus diesen hervortritt, ließen im direkten Vergleich auch – ohne Frage – gut gemachte Exemplare von namhaften anderen Betrieben irgendwie etwas unaufgeräumt und vordergründig wirken (von vielen zweifelhaften Qualitäten, die uns begegnet sind, ganz abgesehen).

Schon beim schlanken, idealtypisch kirschfruchtigen Valpolicella Classico, der (unbedingt!) leicht gekühlt genossen werden sollte, ist das alles da. Ein saftiger, agiler Geselle, mit unbekümmerter kirschiger Frische und weichen Tanninen, der sich hervorragend als Begleiter zu Pastagerichten oder solo als schmackhafte Saufdüse* eignet.

Ernsthafter, aber mindestens genauso hedonistisch, präsentiert sich der Valpolicella Classico Superiore. Er stammt aus der Einzellage Monte Sant’Urbano, die auf einem geschwungenen Hügelzug über dem malerischen Fumane-Tal thront. Dieser Weinberg ist in der klassischen Pergola-Erziehung bepflanzt, bei der die hochgebundenen Reben Dächer bilden und die Trauben unter diesem Blätterdach vor allzu viel Sonne geschützt sind. Die exponierte Lage befindet sich im Alleinbesitz der Familie und zeichnet sich durch ein besonderes kalksteinhaltiges Terroir vulkanischen Ursprungs aus, das sehr feinfruchtige Trauben hervorbringt. Durch die Höhenlage von bis über 300 Meter reifen die Trauben hier auch harmonischer als in der Ebene. Diese werden für den Superiore nach der Ernte 2–3 Wochen lang getrocknet, um eine höhere Konzentration im Wein zu bekommen, ohne dabei die Frische der Frucht zu verlieren. So entsteht ein eleganter, konzentrierter Tropfen, mit feinem süßem Schmelz, kristallklarer Frucht und fokussierten Gerbstoffen, den man in seiner geradlinigen Art leicht unterschätzen kann, bis man sich dann recht schnell die Frage stellen muss, wo denn der Inhalt der Flasche auf einmal geblieben ist. Er passt wunderbar zu Wildgeflügel oder der alljährlichen Martinsgans.

An der Spitze der Genusskette steht schließlich der Amarone des Hauses, der ebenso in der Monopol-Lage Monte Sant’Urbano beheimatet ist. Für ihn werden die Trauben nach der Lese für 3–4 Monate getrocknet, wobei diese fast die Hälfte ihres Gewichtes verlieren und zugleich an Konzentration zulegen. Die rosinenartigen Trauben werden dann im folgenden Frühjahr gepresst und nach der Gärung drei Jahre in Holzfässern gelagert. Dieser aufwendige Prozess des Trocknens perfekt reifer Trauben und die lange Lagerzeit in Fässern sorgen für den recht hohen Preis des Amarone.

Wenn man jedoch bedenkt, wie viel Aufwand und Kunstfertigkeit dies bedeutet und wie viel Menge beim Trocknen verloren geht, relativiert sich das schnell wieder. Außerdem belohnen die vollmundige Art, die feine Frucht und tolle Ausgewogenheit dieses einzigartigen Weins den Genießer in jeder Hinsicht. Was besonders fasziniert: Er verzichtet auf demonstrative Süße, was selten ist. Darüber hinaus ist seine Struktur, die sehr gutes Reifepotenzial andeutet, schlicht beeindruckend. Die Tannine sind hochfein und zugleich straff und zurren so die üppige Konzentration delikat am Gaumen fest. Eine präzise Säure-Ader durchdringt dabei den saftigen Fruchtkern. Das macht nicht satt, sondern Lust auf mehr. Ein echter Ritterschlag für einen so konzentrierten Roten und ein unbedingtes Einstellungskriterium für den Monte Sant’Urbano in unser Sortiment.

So braucht er keinen Vergleich zu scheuen. Am besten passt er zu kräftigen Wildgerichten. Seine feingeistige Fülle lässt sich aber auch ohne Essen „ertragen“. Aber seien Sie vorsichtig. Er könnte Ihr Bild vom Amarone nachhaltig verändern und im schlimmsten Fall dazu führen, dass Ihre Reise nach Süden schon im Norden Italiens ein schwärmerisches Ende findet.

* Weinfachkauderwelsch für „süffiger Wein”, gerne auch als „geringer Trinkwiderstand” umschrieben.

 

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