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Neu im Weinkeller: Schloss Lieser

Schade, dass wir keine Romane schreiben. Sie würde sich so dafür anbieten, die Geschichte der zwei Brüder aus einer Winzerfamilie, die in unterschiedlichen Weingütern an der Mosel fantastische Weine machen, die jeweils ihren ganz eigenen Stil pflegen aber beide damit die international einflussreichen Kritiker begeistern. Der Jüngere als Erbe des Familienweinguts, während der Ältere ein benachbartes, pittoreskes Schloss übernommen und das dortige Weingut wieder aufgepäppelt hat.

Dorli Muhr

Die Rede ist natürlich von Thomas Haag und seinem Bruder Oliver Haag. Oliver ist schon lange bei uns im Kölner Weinkeller vertreten mit seiner Arbeit im Familienweingut Fritz Haag. Neu hinzu kommen nun die Weine seines Bruders Thomas, der Schloss Lieser vor Jahrzehnten bereits wieder an die Spitze der moselaner Weingüter geführt hat. 1997 haben Thomas Haag und seine Frau Ute das Weingut gekauft. Seitdem erscheint sein Name unter dem des Schlosses auf dem Etikett. Bevor er auf Schloss Lieser das Ruder übernommen hat, wurde der Wein zuletzt sogar als Fassware verkauft.

Bei seiner Qualitätsoffensive kam Thomas Haag natürlich auch zugute, dass Schloss Lieser über einige fantastische Lagen verfügt, nicht zuletzt die “Hauslage” Niederberg Helden, die direkt an den Ort Lieser grenzt. Niederberg Helden ist eine klassische Mosellage, mit 75-prozentiger Neigung und Blauschiefer. Vom VDP wird sie außerdem als Große Lage geführt, daher stammt von hier auch ein trockenes Großes Gewächs. Der eingangs erwähnte, hypothetische Roman hätte zwar ein tolles Setting mit dem familiären Hintergrund und den blauen Schiefersteillagen, aber die Konflikte, um die Handlung voran zu treiben, müsste man dazu erfinden. Denn Thomas und Oliver Haag machen einfach gute, jeweils eigenständige Weine mit einer klaren Charakteristik. Darin sind sie vielleicht ein bisschen Konkurrenten, aber nicht so, dass sie sich die Butter auf dem Brot nicht gönnen würden.

Es gibt nämlich ganz pragmatische Gründe dafür, dass Oliver Haag das elterliche Gut übernommen hat, obwohl er der Jüngere ist. Denn als Thomas mit dem Studium in Geisenheim fertig war, dachte der Vater noch nicht im entferntesten an einen Rückzug aus dem Geschäft. Das war anders, als Oliver in 2005 die Geschicke des Familiengutes übernahm. So sind wir um ein fulminantes Weingut reicher geworden, was den Verlust eines Familienromans wohl vergessen machen kann.