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NEU im Weinkeller: Friedrich Becker – Über die Grenze

Fritz Becker Jr. erzählt – nur halb belustigt – dass eines Tages Polizei und Staatsanwaltschaft mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür standen. Die Beckers hatten nicht etwa Wein gepanscht, sondern eher genau das Gegenteil. Sie hatten einfach auf die Flasche geschrieben, wo der Wein herkam, den Weinberg. Wie man das so macht, wenn man ein qualitätsorientierter Winzer ist. Das einzige Problem: Der Kammerberg, der ungefähr einen Kilometer Luftlinie entfernt liegt, befindet sich auf einem anderen Staatsgebiet, nämlich in Frankreich, wie übrigens 70 Prozent der Lagen der Familie Becker

Sieben Generationen lang war das überhaupt kein Problem. Man hatte hier, wo die Grenze nicht durch einen Fluss, einen Berg oder etwas anderes handfestes manifestiert wird, sondern einfach quer durch Äcker und Weinberge verläuft, ein pragmatisches Verhältnis zur Nationalfrage. Selbst zwischen 1918 und 1945 war in dem Hinblick Völkerverständigung kein Thema. Direkt nach dem Krieg war zwar kurzfristig die Grenze zu, aber auch nicht lange. Bis irgendwann um das Jahr 2010 der deutsche Amtsschimmel auf die Idee kam, dass es doch illegal sei, auf eine deutsche Flasche Wein eine eigentlich ja französische Lage zu schreiben. „Wenn wir den Wein in Frankreich, also drei Straßen weiter, vinifizieren würden“, meint Fritz lachend, „dann wäre das ein waschechter Vin d’Alsace Grand Cru. So ist es nur ein KB* und wir dürfen euch jetzt was über die Lage erzählen, den Boden, die Besonderheit, aber bloß nicht ihren Namen nennen …“

Die Becker mit Hund EmilJörg

Dabei sind die Beckers wie alle Burgunderwinzer Lagenspezialisten. „Das Terroir ist alles“, meint Fritz. Und dass das hier besonders ist, hatten bereits seine Vorfahren erkannt. Der Urgroßvater schon hatte selbst Flaschen für sein Gasthaus abgefüllt. „Damals war der Fassweinverkauf ja das Normale. Flaschen hat hier sonst keiner abgefüllt. Aber wir waren ein klassischer Mischbetrieb. Da gab es Landwirtschaft mit Äckern und Vieh, Weinbau und eben auch eine Gaststube, die besten Partien vom Wein gingen dorthin. Nach dem zweiten Weltkrieg lief das alles nicht mehr und mein Großvater hat die Winzergenossenschaft Weintor mitgegründet. Die war für alle hier ein Segen, sonst hätten viele aufhören müssen. Meinem Vater war das aber nicht genug, der wollte seinem Großvater nacheifern, also demjenigen, der die Flaschen für die Gaststube gefüllt hat, und besondere Burgunderweine machen. Bei uns in der Region schielt man halt auch immer ein wenig auf Frankreich.“ Zuerst hat Vater Friedrich (der dritte Fritz. Um Verwechslungen zu vermeiden: Fritz Senior, Vater von Fritz, Großvater von Fritz Junior) den Weinbau mit seiner Tierzucht noch querfinanzieren müssen, aber ab Anfang der 80er Jahre konnte er endlich davon leben und die anderen landwirtschaftlichen Aktivitäten wurden nach und nach eingestellt. „Wir haben noch ein paar Obstbäume, aus denen wir Brände herstellen“, meint Fritz Junior, „um die kümmert sich der Opa.“  

Fritz Junior ist jetzt seit 15 Jahren dabei und für ihn hat sich damit ein echter Traum erfüllt. „Wolltest du nie etwas anderes werden. Rennfahrer, Feuerwehrmann, Astronaut?“, fragen wir ihn. Er braucht gar nicht lange nachzudenken. „Nein, immer Winzer. Daher habe ich auch Weinbautechniker gelernt und bin dann nicht nach Geisenheim zum Studium gegangen. Ich wollte immer praxisorientiert arbeiten und konnte es gar nicht erwarten, selber Wein zu machen.“ Er denkt etwas nach und lächelt, „Ich glaube ich könnte dir nicht einmal die alkoholische Gärungsformel aufschreiben, aber ich weiß wie es geht.“ Ist ja auch am wichtigsten.

In den letzten Jahren hat Fritz Junior sich vor allem für den Weißwein eingesetzt. „Der ist bei uns früher vielleicht etwas stiefmütterlich behandelt worden, war aber nie schlecht.“ Aber mit mehr Leuten kann man sich ja auch um mehr kümmern. 28 Hektar sind kein großes Weingut, aber für ein Familienunternehmen, das sich den doch eher komplizierten Pinots verschrieben hat, doch schon eine ziemliche Herausforderung. „Wir haben da gerade beim Chardonnay eigentlich einen Vorteil“, erzählt der Junior, „mein Vater hat den schon in den 80ern gepflanzt, als das eigentlich noch verboten war. Weißburgunder wär’ das, hat er allen erzählt. Der Unterschied ist zum Glück niemandem aufgefallen.“ Wahrscheinlich hat sich die Weinbaukontrolle damals eher mit Ortega und Huxelrebe ausgekannt und so etwas exotisches wie Chardonnay gar nicht auf dem Schirm gehabt.

Übrigens: Der Amtsschimmel befindet sich scheinbar auf einem schleichenden Rückzug, denn der Sankt Paul darf jetzt wieder Sankt Paul heißen, wenn auch als Markenname, nicht als Lage. Beim Kammerberg ist der Schimmel aber immer noch störrisch.   

Hexenhäuschen im Kammerberg

 

2018 GRAUBURGUNDER TROCKEN

Das Grauburgunder auch ein richtiger Burgunder sein kann, zeigt der Gutswein der Familie Becker. Bekannt geworden ist das Weingut sicher durch seine herausragenden Rotweine. Dass hier auch hervorragende Weißweine gekeltert werden, hat sich hingegen noch nicht so weit herumgesprochen. Dabei ist dieser Guts-Grauburgunder mit seinem würzigen Schmelz und der offenherzigen Frucht von Aprikosen und Birnen eine Wucht, zeigt er sich doch charakterstark und eingängig zugleich. Ein schnörkelloser Vertreter seiner Art, der als Solist oder Speisenbegleiter eine gute Rolle spielt. Die Nähe zur französischen Grenze, spiegelt sich in seiner legeren Eleganz. Nichts muss, alles kann. Einfach gut. 

2018 Grauburgunder trocken (0,75l) 9,26 €  shopping_basket

 

2018 CHARDONNAY „SCHWEIGEN“

Der Chardonnay ist eine von Fritz Beckers Lieblingsrebsorten. „Ich versuche den sehr puristisch auszubauen“, erzählt er. „Die ganze Fruchtpalette interessiert mich nicht, sondern das Mineralische. Der Wein muss Tiefe und Substanz haben.“ Für den „Schweigen“ kommen die Trauben aus Lagen rund um den Ort. Solche Ortsweine entwickeln sich immer mehr zu einem Geheimtipp unter Weinkennern. Der „Schweigen“ zeigt feine Gelbfrucht und zarte Toastwürze. Alles sitzt passgenau, auch im warmen Jahr 2018 trägt er keinen unnötigen Speck mit sich herum, bleibt vielmehr elegant und ausgewogen. Ausdauernder Geschmack mit feiner Creme und agiler Zitrusfrische. Ein toller Weißer für Hier-und-Jetzt, der aber auch noch ein bis zwei Jahre weiter reifen kann, um noch mehr Komplexität zu entfalten.

2018 Chardonnay „Schweigen“ (0,75l) 21,45 €  shopping_basket

 

2015 PINOT NOIR KB* GG

Der KB* ist ein echter Grand Cru. Der Kammerberg liegt jenseits der Grenze im Elsass und ist sowohl nach der Lesart des VDP als auch des französischen Weingesetzes eine Top-Einzellage. Nur draufschreiben darf man das nicht. Dem Weingesetz sei Dank. Im Vergleich zu den beiden anderen Großen Gewächsen im Portfolio der Beckers ist er immer etwas früher zugänglich. Der 15er ist schon jetzt in Hochform. Reife Kirschen und getrocknete Kräuter bestimmen den Duft, hinzu kommen Waldbeeren und ätherische Noten. Im Geschmack saftig und fein zugleich, das ist eine wahnsinnig raffinierte Struktur mit genialer Frische und Länge. An der Luft bekommt er immer mehr Tiefe und aromatische Länge – ein Versprechen auf weiteres Reifepotenzial. Einfach großer Pinot Noir, aber leider sehr limitiert. 

2015 Pinot Noir KB* GG (0,75l) 63,36 € shopping_basket

 

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