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Mehr Licht!

Ein Erfahrungsbericht

?Ich glöv die ham hier wat am Lich gemäht?*

In der Vertretung des rheinischen Frohsinns am Berliner Schiffbauerdamm schien es tatsächlich etwas heller geworden zu sein seit unserem letzten Besuch.

?Oder jet neu Färv op de Wänd??* Ein paar Birnen ausgetauscht, sicherlich. Das Kölsch jedenfalls, das der Domstädter bei einem längeren Berlin Aufenthalt hier als Zeichen der Buße zu sich nehmen muss schmeckte wie immer, jot'! Ja, nach dem dritten oder vierten vermeinten wir sogar, es sei noch etwas frischer und aufmunternder als gewöhnlich. Aber vielleicht lag das ja auch an dem deprimierenden Dauerregen draußen, der so dicht war, dass man das an der Spree stehende Schild ?Rheinterrassen? kaum sehen konnte. Der Rheinländer auch in der kurzfristigen Diaspora bedarf halt von Zeit zu Zeit der Aufmunterung. An der Theke summte jemand leise ?Wenn dat Trömmelche jeht?? und bestellte mit unzweifelhaft sächsischem Idiom noch ein Kölsch.

Abends saßen wir nach der Oper beim Spanier in der Dircksenstraße an der langen Theke.

?Die Färv is aver frisch??*, fragten wir den Chef, der freundlich nickte. Ja haben die denn in Berlin alles neu gestrichen?

Die sich sporadisch draußen am Heizpilz zusammenrottenden Gäste brachten uns dann darauf. Im Gegensatz zu NRW gilt in Berlin ab dem 01. Januar das Rauchverbot auch in allen Gaststätten und das ziemlich absolut. Oder?

In der Zigarrenlounge eines bekannten Hotels waren wir wenig verwundert, reichlich blauen Dunst aus kubanischen Glimmstengeln vorzufinden und auch in der kleinen Cocktailbar in der Nähe des Winterfeldplatzes störten die wenigen Leute, die sich noch trauen eine Zigarette zu rauchen nicht wirklich, aber beim Essen, ob beim knoblauchlastigen Spanier oder den hochfeinen Kreationen Tim Raues war es mehr als nur angenehm, dass am Nebentisch niemand den Zigarrenkenner heraushängen lassen konnte. (?Cohiba ist der beste Aperitif?.?)

Die Aioli rochen wir plötzlich schon als sie die Küche verließ und was wir schon immer geahnt hatten, dass unser favorisierter Hauswein mehr als nur ordentlich ist, wurde endlich zur Gewissheit. Beim Österreicher in Kreuzberg mochten wir kaum noch aufstehen, die Weinentdeckungen aus der Alpenrepublik waren wie immer wunderbar, das Essen nicht minder und man konnte, ohne sich alle fünf Minuten die Brille putzen zu wollen, quer durch den langen Raum bis zur Theke sehen.

Nein, es gab keine leeren Restaurants oder sagen wir besser keine leeren guten Restaurants. Wir trafen keine deprimierten, hypernervösen Gäste. Es gab auffällig mehr Licht und mehr Geschmack.

Feinstaub, Nichtraucherschutz, Herzinfarktrate, alles wunderbare Theorie, doch beim ersten Kölsch zuhause kamen wir uns wieder vor als säßen wir vor dem Auspuff eines altersschwachen KVB Busses. Also Kneipen NRWs schmeißt über Karneval alles raus was verdächtig ist, nicht zu schmecken, ab dem Sommer fällt es auf.

PS. Wahrscheinlich müssen einzig die Single-Agenturen und Partner-Vermittlungen das Rauchverbot wirklich fürchten. Denn schon unter den Berliner Heizpilzen rückte man im Nieselregen bei 4° Celsius gemütlich eng zusammen. Wie wird es dann erst im Schatten des Domes sein, wenn die letzten Abenteurer der Großstadt ihre Freiheit auf dem Gehsteig verteidigen. Im matten Schein eines letzten Glimmstengels.

 

*Für Nicht-Rheinländer:
?Ich glaube die haben hier etwas am Licht verändert?
?oder die Wände neu gestrichen??
Jot = gut (aber mit gleichzeitigem Ausdruck des Wohlbehagens)
?Die Farbe ist aber neu??