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Markus Schneider oder das Pfälzer Weinwunder

Über Ellerstadt scheint die Sonne, während über den Bergen des Pfälzerwalde dunkle Wolken in schneller Reihenfolge ziehen. Wie eine schwarze Wand liegt er im Hintergrund. Zwei langgestreckte Gebäude hat Markus Schneider hier errichten lassen, zwischen ihnen sein Wohnhaus und an der Einfahrt ein kleiner Kubus mit großen Fenstern als Büro. „Ich hab noch mal nachgeschaut“, begrüßt er mich, „weißt du eigentlich, dass du bei mir noch unter der Kundennummer 5 geführt wirst, Andreas.“

Stimmt, wir waren damals einer der ersten, der die Weine im Fachhandel verkauft hat, und irgendwie haben mich die Schneider-Weine dann auch über die verschiedenen Stufen meiner Weinhändlergeschichte begleitet. Das ist das Schöne an dem Job, aus Zusammenarbeit wird in unserer Branche sehr schnell Freundschaft. Mit Lieferanten, Kunden ja selbst mit vielen Mitbewerbern. Ellerstadt, das stand 1999 noch auf keiner Karte, die die Weinwelt vermaß. Hier traf der langweilige Teil der Weinpfalz auf den sandigen Teil der Gemüsepfalz. Im nächsten Ort Fußgönheim findet man das Deutsche Kartoffelmuseum, und dann sind es nur noch ein paar Äcker bis Ludwigshafen. Was sollte man hier machen? Winzer werden? Das klang damals eher nach einem Thema für den finnischen Filmemacher Kaurismäki. Scheitern garantiert. Aber Winzer werden, genau das wollte Markus, nichts anderes. Also eine Lehre bei einem der renommiertesten Betriebe in der Pfalz, Dr. Bürklin-Wolf. Auch das war schon klar, keine halben Sachen. Ein Hektar hatte die Familie damals, eigentlich nichts, worauf man ein Weingut gründen konnte. Aber Markus reichte das erst einmal, um irgendwie loszulegen. „Oh ja, am Anfang waren die Kassen immer leer,“ erzählt er, „da wurde jeder Pfennig umgedreht und im Zweifelsfall alles ins Weingut gesteckt. Urlaub? Haben wir glaube ich zehn Jahre lang nicht gemacht. Hatten ja auch genug zu tun. War ja nicht nur kein Geld da, sondern auch keine Zeit.“ Wenn er das so recht amüsiert erzählt, dann klingt das alles, als könne er das gar nicht so richtig fassen.

2000 habe ich ihn zum ersten Mal auf der Prowein getroffen. Eigentlich hatte ich mein Programm schon abgearbeitet und schlenderte ein wenig durch die Deutschland-Halle, als ich an einem Gemeinschaftsstand, der irgendwie aussah als habe man Ikea-Reste mit Plastikweinranken überzogen, einen bekannten Weinjournalisten und Verkoster sah, mit dem ich mich am Vortag nett unterhalten hatte. „Ach, gehst du mal rüber guten Tag sagen“, dachte ich. „Probier mal“, hielt er mir ein Glas mit Rotwein hin. Ich war etwas verblüfft, das war doch hier ein Deutschland-Stand und der Winzer hatte einen eindeutig deutschen Namen, aber der Wein war nicht Deutsch. „It’s a little bit like Châteauneuf“, sagte ein freundlicher älterer Herr neben mir, in dem ich einen der bekanntesten amerikanischen Importeure entdeckte. Der stämmige junge Mann hinter dem Tresen schien auf angenehme Art und Weise etwas nervös zu sein. „Ist das Ihr Wein?“, fragte ich. Der Journalist grinste, der Winzer mit dem schwarzen, störrischen Haaren nickte. „Äh ja und was ist das?“ „Rotwein“, kam ganz ohne Scherz die Antwort. Ich war hier wohl irgendwie falsch, aber der Winzer hielt mir schon eine Flasche hin, auf der dick mit roten Buchstaben “Rotwein“ gedruckt war. Das Rückenetikett wies ihn als deutschen Wein aus. Seltsam. „Und was ist das?“ Der Journalist lächelte immer noch, „Kommst du nicht drauf.“ Ich ließ ein paar internationale Rebsorten fallen, alles Quatsch irgendwie. Jetzt fing auch der Winzer leicht an zu grinsen und meinte knapp bevor ich mich wirklich anfing zu ärgern: „Portugieser“. „Portu…, was?!?“ Das war doch diese Rebsorte, die diese schrecklichen, halbtrockenen Rotweine zustande brachte, die eher aussahen wie ein verunglückter Rosé und schmeckten wie eine Mischung aus TriTop und abgestandenem Motorenöl. Ich muss den Mund ziemlich lange aufgehalten haben, denn der Winzer sagte irgendwann ganz locker. „Na ja, sind aber auch über 80 Jahre alte, wurzelechte Rebstöcke. Extrem geringer Ertrag. Ich glaub der ist ganz vernünftig geworden. Den konnte ich doch nicht Portugieser nennen, das hätte doch niemand geglaubt“, sprudelte es plötzlich aus dem Winzer, der sich kurze Zeit später als Markus Schneider vorstellen sollte, hervor, „also hab ich einfach Rotwein draufgeschrieben. Beschreibt es doch am besten.“ Ich glaube von Portugieser hatte der noch nie was gehört. Wir probierten gemeinsam noch ein paar andere Weine durch. Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grauburgunder, alle überraschend klar und unheimlich eingängig. Da mussten wir was von haben. 2000, das war noch die Zeit in der viele Kunden, wenn man ihnen statt eines Pinot Grigio einen Grauburgunder empfahl, „die Rebsorte mag ich nicht“ zurückgaben. Aber die Weine, die Markus da anbot, hatten moderne, klare Etiketten, es gab keine abstrusen Lagennamen mit langen Prädikatsbezeichnungen drauf, sie waren preislich attraktiv und sie schmeckten einfach herrlich saufig und gut. Die erste Lieferung kam in einem etwas altersschwachen Transporter, aber dafür stieg ein jung wirkender Mann aus und karrte die ganzen Kisten in den Laden. „Ach, der große Bruder des Winzers?“ „Nein, ich bin der Papa …“

Ein Hektar – jetzt, 17 Jahre später, hat Markus eines der größten privaten Weingüter Deutschlands, und der Erfolg ist ungebrochen. Und das alles ohne internationalen Investor, ohne teure Marketingagentur, das Weingut Markus Schneider ist ein echter Familienbetrieb. Wir sitzen abends in der Kanne, der Weinbar des Weingutes Dr. Bürklin-Wolf, und trinken einen 04er GC Riesling. Herrlich, leicht gereift, ein Wein, der bei jedem Schluck mehr Spaß macht. „Das ist ein großer Wein“, schwärmt Markus. „Wie hast du das eigentlich gemacht, in so kurzer Zeit ein so geniales Weingut aufzubauen?“ Er zuckt mit den Achseln. „Weißt du Andreas, ich hab einfach ein irres Glück gehabt. Wer hat schon so eine Familie, die da immer mitzieht und einen all die Jahre, auch als es nicht so toll gelaufen ist, unterstützt hat. Und dann, als es anfing zu laufen, haben alle einfach weiter gemacht. Kein Streit, keinen Ärger. Das ist schon ziemlich einmalig.“ Es gibt aber auch noch die andere Geschichte, die vom Konzept, das so einfach wirkt und doch so unglaublich durchdacht ist, das man erst einmal so konsequent durchziehen und für das man jeden Tag eine perfekte Arbeit abliefern muss. Wir lernen immer wieder: Wein wird vom Terroir, von der Geschichte und von den Persönlichkeiten die dahinter stehen geprägt. Die großen Weinpersönlichkeiten werden dabei nicht müde, das Terroir und die Geschichte ihrer Region in den Vordergrund zu rücken. Was aber, wenn das Terroir noch gar nicht definiert ist, wenn sich bisher niemand Gedanken dazu gemacht hat, was denn machbar wäre, weil es nur darum ging, möglichst günstig, möglichst viele Trauben zu erzeugen. Denn auch das ist eine Wahrheit in der deutschen Weinwelt, wenn der durchschnittliche Konsument für eine Flasche Wein nicht bereit ist mehr als drei Euro auszugeben, wieviel Arbeit und Mühen kann dann ein Winzer in die Erzeugung dieses Produkts stecken? Das ging natürlich nur in der Ebene, wo früher eher Kartoffeln und Rüben wuchsen und jetzt der Vollernter gut durchfahren kann. Die großen Lagen, die Markus bei Bürklin-Wolf kennengelernt hatte, und die Wirklichkeit rund um Ellerstadt, das war kaum zusammenzubringen. Er hat es aber geschafft und ist von dem eingeschlagenen Weg nicht abgewichen, das ist vielleicht auch das Geheimnis des Erfolges, sich auf das Machbare konzentrieren, aber genügend Sturheit zu besitzen das auch immer mit Perfektion durchzuziehen. „Das sei nicht typisch Pfalz“, sagte einmal ein Kritiker, als er den Black Print von Markus im Glas hatte. „Ja, wäre es Ihnen denn lieber, wenn ich einen lieblichen Dornfelder machen würde?“ antwortete Markus freundlich. Diese Freiheit, dass er den Wein da in der Ebene einfach neu definieren konnte, das erkannt und konsequent umgesetzt zu haben, das ist die große Leistung von Markus. Dass er dazu noch schicke Etiketten und einprägsame, ungewöhnliche Namen erfunden hat, ist fast Nebensache, denn das alles nutzt nichts, wenn der Wein das Versprechen nicht einlöst. Und das tut er eigentlich immer. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Präzision auch in schwierigen Jahren immer wieder eine gleichbleibend hohe Qualität in den Flaschen ist, vor allem auch bei den einfacheren Weinen, bei denen man hier und da schon mal eher die Schwierigkeiten des Jahrgangs bemerkt. „Der Jahrgang darf keine Ausrede sein“, hatte der Weinintellektuelle Hansjörg Rebholz gestern bei meinem Besuch gesagt, das hört sich bei Markus dann so an: „Wenn ich das selber nicht trinken mag, was da in der Flasche ist, dann verkauf ich es auch nicht“, sagt er, „ich kann ja nicht rumrennen und jedem Kunden erzählen: Sorry, das Wetter war nicht so gut letztes Jahr. Was ein Quatsch.“ Die Flasche 04er Langenmorgen neigt sich langsam dem Ende zu, „Weißt du, das ist wirklich ein großer Wein“, meint Markus nachdenklich, „eigentlich würde ich so etwas gerne auch mal machen. Aber,“ ergänzt er dann lächelnd, „vielleicht kann ich so was gar nicht, selbst wenn ich die Lagen dafür hätte.“ Auch das gehört zum Markus Schneiders Erfolgs-Rezept, er hält sich nicht für den Master-of-the-Wine-Universe, sondern prüft alles und analysiert genau die Fehler und Chancen, die Herausforderungen und Fallen. Es wirkt immer so, als sei es ihm egal, ob er für die 100.000 Flaschen Grauburgunder arbeitet oder die paar kleinen Fässer von seinem Holy Moly Syrah. Alles benötigt die gleiche Aufmerksamkeit, alles ist wichtig. Er verkünstelt sich nicht in Weinikonen sondern nimmt auch den „Normaltrinker“ und seinen Wein sehr ernst. „Ach denk doch mal an den 99er Rotwein“, erwidere ich. „Oh ja, lang ist es her…“ „Hab ich vor kurzem die letzte Flasche aus meinem Keller dann mal aufgemacht.“ „Und wie war er?“ „Ich hatte ja eigentlich nicht mehr viel erwartet“, erzähle ich aufrichtig, „aber der Wein war grandios. 17 Jahre, das schaffen selbst viele Châteauneuf nicht.“ Der Wein, der damals wie ein Wunder wirkte, hatte mich schon wieder in Erstaunen versetzt. Eben doch eine Weinikone.

ROSÉ SAIGNER
2016, Markus Schneider

Der fruchtig-frische und saftige Rosé von Markus Schneider ist eine Cuvée aus den Rebsorten Syrah, Merlot, Cabernet Franc und Blaufränkisch. Der Name Saigner beschreibt das Produktionsverfahren, bei dem die Maische eines Rotweins einem „Aderlass“ unterzogen wird: Ohne Pressen wird nach einiger Zeit der „erste“ Saft abgezogen, woraus schließlich der Rosé gewonnen wird. Das macht zum einen den Rotwein deutlich extrahierter und konzentrierter und zum anderen den Rosé etwas vollmundiger und dunkler. Quasi eine Win-Win-Situation und sowieso eine glückliche Fügung, denn sonst müssten wir auf diesen trinkfreudigen, sommerlichen Tausendsassa verzichten. Am besten sehr kalt genießen, dann schmeckt er noch besser!

8,20 € (0,75l; 1l = 10,93 €)

 

WEISSBURGUNDER
2016, Markus Schneider

Die Reben für diesen Weißburgunder wachsen teilweise in der Ebene auf Kies-, Schotter- und Sandhaltigen Böden, die Wärme hervorragend speichern und so für eine frühe Reife sorgen. Der andere Teil steht kühler gelegen auf höheren Lagen. Diese Mischung ergibt einen Wein dem schon beim Einschenken ein einladender, tropischer Duft-Strauß entströmt und der so unmittelbar für Vorfreude sorgt. Wie in jedem Jahr steht auch der darauf folgende Geschmack diesem zitrusfrischem Duft in Nichts nach: Er schmeckt einfach super-saftig und angenehm mild nach reifen Birnen und gelben Äpfeln, und wenn ein Wein dazu geeignet ist sonnige Abende auf der Terrasse noch schöner zu machen, dann dieser. Ein echter Liebling unserer Kunden und das absolut zu Recht.

9,10 € (0,75l; 1l = 12,13 €)

 

EINZELSTÜCK
2012, Markus Schneider

Wer glaubt dass die Weine von Markus Schneider immer ganz jung getrunken werden sollten, dem empfehlen wir eine Kostprobe seines Einzelstücks aus 2012, das er zu 100 % aus alten Portugieser-Reben keltert und dann im kleinen Holzfass ausgebaut hat. Intensiv im Bouquet, das vor roten und schwarzen Waldbeeren geradezu strotzt und von feiner rauchiger Toastwürze gerahmt ist, weiß dann auch sein intensiver und delikater Geschmack vollends zu überzeugen. Trotz seiner Fülle findet sich immer auch Raum für seine elegante Frische. Ein toller Begleiter zum nächsten Grillabend mit exquisitem Fleisch.

29,50 € (0,75l; 1l = 39,33 €)

 

Hier finden Sie alle Weine von Markus Schneider.

 

Die Angebote sind bis zum 31.07.2017 gültig, bzw. solange der Vorrat reicht.