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Wenig Flaschen, viel Ruhm

Tain l’Hermitage. Der Regen hat unseren gesamten Terminplan durcheinander geworfen, also sitzen wir morgens früh, während die Sonne dann doch gerade so über die ersten Dächer lugt, in dem kleinen Ort an der Hauptverkehrsstraße vor einem Café und trinken schnell noch zwei Espresso. Die Laster donnern durch die Flucht der alten Häuser, dass die Espressotasse fast vom Tisch hüpft. Schräg gegenüber befindet sich eine alte französische Bäckerei, Kunden klemmen sich große Stangen unter den Arm. Von der anderen Seite zieht der Duft Kreuzbergs durch die Straße, der Kebapladen bereitet sich auf das Mittagsgeschäft vor. Frankreichs Provinz jenseits der großen Touristenströme.

“Touristen? Doooch”, sagt Odile und zeigt auf eine Gruppe Japaner, die gerade um die Ecke biegt, um das weltberühmte Weingut M. Chapoutier zu besuchen. Bei den vielen Fotoapparaten und Handys, den Selfiestangen die jetzt zum Einsatz kommen verstecke ich instinktiv meine Lumix. Touristen, das sind doch immer die anderen.

Odile war zum Glück recht tiefenentspannt, als wir unseren lange vorher ausgemachten Termin kurzfristig verschoben. “Ja”, sagt sie, “jetzt müsst ihr nur mit mir vorlieb nehmen. Die Ernte ist vorbei, der Keller geregelt. Da ist Michel schon wieder unterwegs.” Na gut, unsere eigene Schuld. “Pah”, sagt sie, “wir machen uns schon einen schönen Tag.” “Vormittag”, verbessere ich sie. “Ah, zum Mittagessen müsst ihr bleiben …” Wir fahren zuerst nach Saint-Péray, das muss sein, denn schließlich ist das einer meiner neuen Lieblingsweine im Keller. Ich will unbedingt den Payrolles Weinberg sehen, von dem wir immer nur so wenige Flaschen bekommen. “Ah, wo war das jetzt noch …” Odile fährt dreimal im Kreisverkehr herum, “hier verfahre ich mich jedes Mal ... “ Dann entscheidet sie sich, die zweite Ausfahrt zu nehmen, einen kleinen Bach lang, aus dem Ort, links und rechts an steilen Hängen, wie verstreut ein, zwei kleine Weinberge, dann geht es flott hoch in engen Kurven. Dichter Wald, links geht es steil runter und wir gelangen immer höher, blicken über unendlich scheinende grüne Hügel, ein paar Wiesen dazwischen, hier und da ein Bauernhof aber nirgends ein Weinberg.

Weinberge von M. Chapoutier

Wir sind fast ganz oben, als kurz vor einer scharfen Linkskurve ein paar Weinreben auf einem Hügel auftauchen. “Payrolles”, sagt Odile und fährt den Wagen auf einen Feldweg. “Da hinten in der Kurve, das ist die Auberge du Pin, das hat der Familie von Anne Sophie Pic gehört. Ein einfaches Landgasthaus, aber berühmt für seine gute Küche.” Genauer war es die Urgroßmutter, die hier am Herd stand. Ihr Großvater war dann der erste Pic, der 1934 drei Sterne erhielt, dann bekam ihr Vater die Höchstnote und schließlich auch sie selbst. 2007 wurde Anne Sophie als erste Frau in Frankreich zur Köchin des Jahres gewählt. “Und jetzt machen wir hier mit ihr zusammen einen ganz besonderen Wein. Manchmal ist es etwas absurd”, meint Odile lapidar. Michel und Anne Sophie sind gut befreundet und vielleicht war es auch das, was ihn dazu bewogen hat, diesen völlig abgelegenen Weinberg wieder zu bewirtschaften und einen Einzellagen-Saint-Péray daraus zu machen. “Die Idee der beiden war, Weine zu machen die gut sind, aber nicht zu lange reifen müssen. Weine, die man gut zum essen trinken kann, typisch für die Region aus der sie kommen aber nicht zu kompliziert. Die Einzellage hier ist eine Hommage an Anne Sophies Urgroßmutter. Aber”, ergänzt Odile, “sind eh nur ein paar Flaschen.”

Eine Geröllkuppe mit spektakulärer Aussicht über die Hügel rund um die Rhône. Die alte Auberge dagegen, hinten in der Kurve ist zugemauert und verfällt so langsam. Ein Landgasthof, der aus einer Zeit stammt, als ein paar Autos vorbeikamen und man vielleicht zur Sommerfrische hierher kam. Jetzt würden einem die Laster direkt über den Teller donnern. Kein Platz mehr für Spitzenküche – die typische französische Landküche wird ohnehin kaum noch gekocht. Wir fahren wieder runter, aber über den Feldweg in steile Wälder und Wiesen. Ich hoffe, der Wagen von Odile war in den letzten Wochen mal bei einer Bremseninspektion. Der schmale Weg trägt den absurden Namen Chemin du Tramway. Nach irgendeiner der vielen Kurven kommt auch mal wieder ein Weinberg. Neu bepflanzt, steil wie der Dachfirst des Kölner Doms, aber wahrscheinlich deutlich kleiner. “Ja, ja, die pflanzen jetzt auch wieder auf den alten Weinbergen”, erklärt Odile, “das war hier alles verlassen. Ich glaube jetzt sind wir hier in Saint-Péray wieder bei etwa 80 Hektar …” “Eure Rebfläche?”, frage ich. “Non, die gesamte Appellation …” Jetzt freue ich mich über jede Flasche, auch von dem einfachen Saint-Péray, die wir bekommen. Noreen kann wohl meine Gedanken lesen und meint: “Der Sekt kommt aber erst im Herbst.” “Ja, ja”, sagt Odile, “die Sekte aus Saint-Péray waren Anfang des 20. Jahrhunderts mal teurer als die aus der Champagne.” Sekt aus Marsanne oder Rousanne – verrückt. Da warte ich dann auch gerne.

Zurück in Tain muss uns Odile erst einmal das Hotel zeigen, dass gerade im laufenden Betrieb komplett umgebaut wird. Direkt gegenüber des Weinguts. “Michel war der Meinung, dass wir was für den Ort tun müssen und da die Touristen im Moment eher durchfahren als mal hierbleiben, haben wir das alte Hotel einfachübernommen und umgebaut.” Und wie. Die neuen Zimmer, die wir uns anschauen, sind modern, schlicht und mit einem sicheren Gespür eingerichtet. Irgendwie fehlen hier auch die depressiven Akzente. “So gar nicht französisch”, murmele ich. “Pardon?”, fragt Odile, aber ich wiederhole mal besser nicht meine Gedanken. Das Bistro unten soll nächste Woche eröffnet werden, “Ihr seid zu früh”, meint Odile und schaut auf die Uhr. “Jetzt fahren wir erst einmal hoch auf den Hermitage und dann in die Kantine.”

Hermitage Weinberge M. Chapoutier

Der Hermitage! Kein Weinberg, eine Weinwand. Die von Norden kommende Rhône knickt hier plötzlich nach Osten weg, um sich ein paar hundert Meter weiter, wie ein geschickter Tangotänzer wieder in die entgegengesetzte Richtung zu drehen. Das Ergebnis ist der perfekte Südhang. Hier finden sich die ganz großen Namen. L’Ermite, der Einsiedler, oben auf dem Hang, Syrah auf reinem Granitboden. Le Pavillon, Sedimentboden, nur vier Hektar mit 100 Jahre alten Rebstöcken. Le Méal, steile Terrassen, Syrah oder Marsanne, Rouge et Blanc. Ein paar Flaschen nur. De l’Orée, Greffieux, das war es. So wenige Flaschen und so viel Ruhm. “Das ist alles Bio hier”, erzählt Odile. Auf den Flaschen prangt das Ecocert Siegel, neben dem Demeter, dem europäischen Biosiegel und dem BioDyvin, dem das Weingut auch angehört. “Wenn wir die besten Weinberge haben, müssen wir die auch entsprechend behandeln.” Ok, mehr Bio geht wohl gar nicht.

Ach ja: Essen. Odile schaut auf die Uhr. Unten im Weingut gibt es eine eigene Kantine, wo alle Mitarbeiter essen gehen und zusammensitzen. Ja und hier gibt es sie noch, die französische Landküche. Die Gaststuben auf der Dorfstraße haben alle für immer zugemacht, nur im Kebab dreht sich noch der Spieß. “Uns ist das wichtig,” erklärt Odile während sich die Kantine füllt, “wir sitzen zusammen, essen, reden. Das ist bei uns in der DNA.” Ja, noch einen Espresso, wir müssen leider gleich weiter. “Oh, schade”, meint Odile, “aber, Moment. Ich hatte doch noch was für euch.” Noreen hatte bei der Prowein nachgefragt, ob sie nicht einen typischen Nordrhône-Wein im Einstiegsegment hätten. “Oh, die nördliche Rhône ist steil”, hatte Odile gesagt und damit wohl ausdrücken wollen, dass es da nichts Günstiges gibt. Aber jetzt zieht sie uns oben ins Büro. “Wir haben da was ganz Neues”, sie fischt zwei Flaschen hervor, “Collines-Rhodaniennes!” “Bitte was …”, noch nie gehört. Es gibt rund um die Rhône hoch bis Vienne und östlich fast bis zur Alpengrenze viele winzige Weinberge, ähnlich wie der Payrolles. Und so hat man alles, was nicht in eine Appellation gehört zu der IGP Collines-Rhodaniennes zusammengefasst. “300 Hektar insgesamt”, erzählt Odile, “auf einer Fläche verteilt, die wahrscheinlich größer ist als Belgien. Da muss man die Weinberge mit der Lupe suchen. Aber es sind ein paar ganz tolle dazwischen, und wir haben hier mal mit ein paar Flaschen angefangen. Syrah für den Roten und Marsanne für den Weißen. Das ist das, was ihr sucht. Ich kann euch ein wenig geben … Am besten schicke ich euch mal ein paar Probeflaschen.” “Genau.”, rufen wir, schon mit einem Fuß im Treppenhaus und einem Arm im Regenmantel. Wahrscheinlich denkt sie gerade, “die Deutschen sind immer so hektisch”, ja klar, aber wenn es in Südfrankreich schon immer regnet muss doch wenigstens ein Klischee stimmen. 

 

2015 ERMITAGE “LES GREFFIEUX”

M. Chapoutier, Rhône

In diesem Jahr der Zugänglichste unter den großen Ermitageweinen der Domaine. Das tut der außergewöhnlichen Qualität jedoch keinen Abbruch. Er hat alles, was es braucht. Dichte Frucht mit feinster Beerigkeit, Frische, Struktur und eindringlichen Würze von Oliven, getrockneten Kräutern. Seidig am Gaumen, ausgewogen und finessereich und ewig lang. Ein großer Wein fürs Jetzt-und-Hier, für Syrah-Liebhaber, die nicht ewig warten möchten und trotzdem keinen Kompromiss beim Genuss eingehen möchten. 

0,75l 159,00 € - limitiert - shopping_basket

 

2015 ERMITAGE ROUGE “LE PAVILLON”

M. Chapoutier, Rhône

Der Le Pavillon von Chapoutier hat in den letzten Jahren ein Abonnement auf die perfekten Parker Punkte gelöst. In 2015 hat er vorerst nur 99+ Punkte bekommen, was seiner noch sehr verschlossen Struktur geschuldet ist. Denn eines ist klar: Das ist kein Wein für den frühen Genuss. Mit diesem Syrah-Monument sollte man mindesten noch zehn Jahre warten, damit sich seine jungen Gerbstoffe etwas mildern können. Dann werde sein vor Typizität strotzendes, üppiges und dichtes Aroma nach dunklen Waldbeeren, Wildbret und Oliventapenade und sein gaumenfüllender Geschmack mit der pikanten Würze und straffen Textur zu begeistern wissen. Das ist mehr als ein Wein, das ist ein Kulturgut.   

0,75l 350,00 € - Clubwein - shopping_basket

 

NEU IM WEINKELLER
Einstiegsweine von M. Chapoutier

 

24244-17

2017 BITUIT ET MAXIMUS SYRAH

M. Chapoutier, Rhône

Ein feiner Syrah, wie er im Buche steht. Alles an diesem sortentypischen Roten, mit seiner animierenden Saftigkeit und würzigen Ader ist auf Trinkfluss eingestellt. Rund und beerig, leicht pfeffrig, wie es sich gehört ist er ein absolut typischer Rhône. Und obwohl er vielen Geschmäckern entgegenkommt, dabei in keinster Weise oberflächlich. Es ist immer eine Freude zu sehen, dass das Traditionshaus Chapoutier neben seinen Top Lagenweinen auch die Kunst beherrscht, absolut authentischen Wein mit tollem Preis-Genuss- Verhältnis zu vinifizieren, der jedem den Eintritt in eine der spannendsten Weinbauregionen der Welt ermöglicht.

0,75l statt 12,90 € nur 10,90 € shopping_basket

 

24245-17

2017 BITUIT ET MAXIMUS MARSANNE

M. Chapoutier, Rhône

Dieser reinsortige Marsanne verbindet die würzigen Eigenschaften der Rebsorte mit einer herrlichen Frucht von reifen Birnen und Steinobst. In den großen Lagenweinen des Hermitage-Bergs gelangt sie sicher zu den höchsten Weihen, aber auch entsprechend zu den höchsten Preisen. Mit dem Bituit et Maximus kommt sie dann erfreulicherweise wieder auf den bezahlbaren Boden des Weingeniessens zurück, und das ist auch gut so, denn die milde, offenherzige, kräftige Art dieses typischen Rhône-Weißweins macht einfach Spaß, ist nie überladen, sondern ausgewogen und angenehm frisch. Außerdem finden Sie hier einen vielseitigen Speisenbegleiter zu würzigen, südlichen Gerichten, der auch einmal den Rotwein ersetzen kann.

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