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Juvé y Camps – klein unter den Großen

Als wir die brodelnde Metropole Barcelona mit dem Auto verlassen, zeigt das Navi eine halbe Stunde Fahrtzeit an. Aber wie immer, wenn man in Spanien eine große Stadt verlässt, und von der Küste fort ins Inland fährt, kommt es einem eher vor, als würde man ein halbes Jahrhundert fahren – in die Vergangenheit.

Sant Sandurní d’Anoia ist sozusagen das Épernay des Cava. Die Stadt ist auf einen großen Kreidefelsen gebaut und so gibt es auch hier, wie beim großen Vorbild in der Champagne, enorme unterirdische Gänge. Sicherlich gibt es mehr Quadratmeter unter-, als überirdisch. Eine Art Eisberg des Schaumweins. Von der Autobahnabfahrt aus betrachtet, wirkt Sant Sandurní allerdings eher unspektakulär. Neunzig Prozent der Cava-Produktion stammen aus diesem Ort, inbegriffen sind auch große Marken, die ebenfalls hier ihre Produktionsstätten haben. Zum Teil sind auch diese an dem etwas zweifelhaften Ruf von Cava schuldig. Denn hierzulande denkt mancher vor allem an anzügliche Werbekampagnen, bei denen die Tropfen auf nackter Haut herunterfließen, oder billige Weine von der Stange aus dem Supermarktregal, wenn er an Cava denkt. Ob Víctor Bernabé von Juvé y Camps das im Hinterkopf hat, als er die Besucher aus Deutschland begrüßt? Wenn ja, dann lässt er es sich nicht anmerken. Was man ihm aber sofort anmerkt, ist sein Stolz auf die Arbeit, die bei Juvé y Camps geleistet wird. Die Daten und Fakten sprudeln nur so aus ihm hervor, sobald wir uns die Hand gegeben haben. Seit 1921 werde hier Cava produziert, aber die Familie sei schon sehr viel länger hier in Sant Sandurní ansässig und zwar seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Übrigens sei diese Adresse, wo wir uns treffen nur eine von mehreren Produktionsstätten der Familie, dies hier sei aber das Zentrum aller Aktivität und warum das so ist, das zeige er uns jetzt.

Während er so plaudert, geht es eine Treppe hinab in den Keller

Mehrere Treppenabsätze geht es runter, bis er endlich an einer der Türen hält. “Hier sind wir im dritten Kellergeschoss. Was darüber ist, ist für euch bestimmt nicht so interessant, ab hier wird es spannend.” Er macht die Tür auf und ich fühle mich, als sei ich Ali Baba und vor mir geht die Höhle der vierzig Räuber auf. Nur, dass anstelle unermesslicher Reichtümer und Bergen von Edelsteinen hier unermesslich viele Flaschen stehen. Gut gefüllte Rüttelpulte, die meterlange Gänge füllen und überall Flaschen, die auf der Hefe liegen. “Wie viele Flaschen macht ihr denn hier?” Víctor lächelt geheimnisvoll und sagt nur: “Wir sind unter den Kleinen einer der Größten. Oder vielleicht sollte man auch sagen: Wir sind unter den Großen eher klein.”

Treppe in den Keller Juve y Camps Keller von Juve y Camps

Im Keller ragt von der Decke ein schmales, uraltes Förderband in sanftem Winkel schräg in den Hauptgang hinein. “Da kommen die Flaschen von weiter oben gelegenen Kellergeschossen, um hier den eigentlich wichtigsten Schritt zu vollziehen, das Hefelager.” Die Zeit auf der Hefe, so erläutert Víctor, stabilisiert den Wein und verleiht ihm seine besondere Aromatik. “Außerdem, je länger ein Schaumwein reift, desto feiner ist seine Perlage.” Víctor demonstriert für uns am Rüttelpult, wie die Flaschen nach und nach eine Reihe weiter nach oben sortiert werden. Je höher sie im Rüttelpult stehen, desto steiler ist der Winkel, bis sie fast auf dem Kopf stehen und die Hefe sich im Hals gesammelt hat. Übrigens ist der ganze Keller menschenleer. “Ja, hier ist im Augenblick nicht so viel zu tun. Der Wein braucht seine Zeit und seine Ruhe.” Gefühlt geht es endlos durch den Keller, wo immer neue Tunnel sich in immer neue Höhlen öffnen. Darin stehen die nächsten Rüttelpulte oder Drahtkörbe voller Flaschen. Plötzlich wird Víctor schneller: “Kommt mal mit, da vorne muss ich euch etwas zeigen!”

Wir gehen eine schmale Stufe hinauf in einen etwas engeren Teil des Gängelabyrinths. Einer der ältesten Teile der Gewölbe, wie unser Führer über die Schulter hinweg erklärt. Dann bleibt er stehen und wir sammeln uns um ein dunkles, kleines Loch in der Wand. Es ist niedrig, etwa von Kniehöhe bis zum Bauchnabel und unter dem Loch hat die Wand weiße Schlieren, die sich abheben von der sonst mit Kellerschimmel dunkel überzogenen Wand. “Das hier ist ein kleiner Abfluss, hier wurde früher von Hand degorgiert.” Dann macht er vor, wie das gemacht wurde: Flaschenhals nach unten, Flasche auf, schnell wieder umdrehen, damit möglichst wenig Flüssigkeit verlorengeht. “Das war eine höchst spezialisierte Aufgabe. Ich glaube nicht, dass man heute noch jemand findet, der das kann. Da müsste man schon im Altenheim nachsehen ...”

Name Bild 1 Keller von Juve y Camps

Nachdem wir aus dem Keller wiederaufgetaucht sind, verwirrenderweise auf der anderen Straßenseite, im Gebäude gegenüber von dem, wo wir hinabgestiegen sind – “Ich hab’ doch gesagt, der Keller ist groß!” – fährt Víctor mit uns noch zu einer anderen Stätte von Juvé y Camps. “Da müssen wir ein paar Kilometer fahren, ich möchte euch gern die Bodega d’Espiells zeigen.” Das ist der Nachbarort zu San Sandurní, und dort liegt der Großteil der Weinberge von Juvé y Camps. Die Bodega wiederum ist ein moderner Bau, wo die Stillweine ausgebaut werden, bevor es in den Keller mit den Weinen geht, wo sie zu Schaumweinen werden. Auch hier sieht man kaum eine Menschenseele. Es ist Oktober, die Ernte ist vorbei. Die Bodega könnte auch die Filmkulisse für einen postmodernen Western sein. Der Innenhof wäre ein perfekter Ort für einen Showdown und die klaren, modernistischen Gebäude mit ihrem terracotta-farbenen Anstrich könnten als ultrareduzierte Westernstadt durchgehen. Es gibt sogar einen Kirchturm. Der allerdings ist in Wirklichkeit nur als Aussichtsturm für repräsentative Zwecke gedacht. Wir stiegen also hinauf und Víctor zeigt auf die Weinberge und erklärt, wo Macabeu und wo Xarello und Parellada stehen, die klassischen Rebsorten für Cava. “Außerdem haben wir ein bisschen Chardonnay und Pinot Noir, zum Beispiel für den Rosé.”

Juve y Camps

Er deutet in die Ferne: “Siehst du da, eine Hügelkuppe weiter, den Strommast?” Ich folge seinem Fingerzeig und entdecke im Dunst die Stelle, die er meint. “Da ist Sibirien.” “Wie, Sibirien?” “Nein, nein, La Siberia! Das ist eine Einzellage, eine unserer Besten. Da kommt einer der beiden sortenreinen Lagenweine her, die wir machen.” Der Weinberg ist besonders kühl, deswegen der Name. Im La Siberia bleibt der Pinot Noir frisch genug, um für sich stehen zu können. “Leider sehr limitiert”, sagt Víctor achselzuckend. Das gleiche gilt für den La Capella, ein reiner Xarello, von dem ebenfalls sehr wenig gefüllt wird. Aber das alles verkörpert auf eine Art nicht unbedingt das, was wir uns von Cava versprechen: einen einfachen, tollen Essensbegleiter mit schöner Balance aus Frucht und Frische. Das geht am besten mit der klassischen Cuvée, die hier im Cava eben nicht heißt Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay, sondern Macabeu, Xarello und Parellada. Nach einer kleinen Tour durch das Innere der modernen Bodega mit Gärtanks in verschiedenen Größen und einer kleinen Verkostung fährt uns Víctor zurück nach Sant Sandurní und weil ich mich bei Cava nicht gut auskenne, frage ich ihn einfach mal, welche Hersteller er selbst denn gut findet. “Juvé y Camps”, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Aber er hat schon verstanden, was ich eigentlich meinte. Also lacht er und beginnt mit den Worten, “Eigentlich darf ich das ja gar nicht sagen, aber ...” und dann kommt eine lange Liste Cava-Häuser und immer schwärmerischere Beschreibungen des jeweiligen Hausstils.

Wie sehr der Katalane sein Nationalgetränk liebt, habe ich schon tags zuvor im Mercat de la Boqueria erlebt, wo wir zu den köstlichen hiesigen Austern und Stabmuscheln Cava getrunken haben. Wie schnell wir mit allen “gut Freund” waren und wie sorgfältig uns immer alles aus der Auslage angeboten wurde, bevor die Gerichte ausverkauft waren, das zeigt, wie Cava verbindet. Vielleicht muss man das auch einmal vor Ort erlebt haben, um von Freixenet und Konsorten wegzukommen. Vielleicht reicht es aber auch, sich einfach von den tollen Weinen von Juvé y Camps mitreißen zu lassen.  

 

2016 CINTA PÚRPURA RESERVA BRUT VINTAGE

Raffiniert und trotzdem lässig, so ist der Cinta Purpura. Wie alle Cavas von Juvé y Camps besticht er durch seine elegante Perlage und feine Balance. Die reif geernteten Trauben sorgen für ein volles, duftiges Frucht-Aroma, eingehüllt von fein an Akazienhonig erinnernde Hefekonturen. Die kargen Kalkböden, auf denen die Reben für diesen Cava gedeihen, sorgen im Geschmack für frische, fein eingebundene Säure - dadurch ist der Cinta Purpura so trinkfreudig und ausbalanciert. In der spanischen Spitzengastronomie sind die Cavas von Juvé y Camps auf den besten Weinkarten zu finden. In Deutschland zu Recht seit Langem kein Geheimtipp mehr, denn unter den namhaften Schaumweinen der Welt ist er ein echtes Schnäppchen. Probieren Sie selbst!  

2016 Cinta Púrpura Reserva brut Vintage (0,75l) 11,90 € statt 13,50 €shopping_basket

 

2015 RESERVA DE LA FAMILIA BRUT NATURE

Kaum etwas steht so sehr für katalanische Trinkkultur wie Cava. Vor allem die hier typischen Brut Natures, die sich auch ganz hervorragend dazu eignen, ein langes Mahl zu begleiten. Zuerst verhalten fächert Reserva de la Familia im Duft immer weiter auf: Zitrusfrüchte und Honigmelone, frische Kräuter, auch die typischen Aromen von feinem Hefegebäck fehlen nicht. Am Gaumen ist er als Brut Nature natürlich richtig trocken, dank seinem langen Hefelager hat man hier aber nicht nur einen frisch-mineralischen Charakter, vielmehr auch gaumenfüllende, milde Cremigkeit im langen Nachhall. Ein beachtlicher Schaumwein mit Charakter, der qualitativ mit den Besten mithalten kann. Und das zu einem sehr vernünftigen Preis.

2015 Reserva de la Familia brut natur (0,75l) 16,90 € shopping_basket

2015 Reserva de la Familia brut natur (1,5l) 39,00 € shopping_basket

 

Angebote gültig bis 08.12.2019, bzw so lange der Vorrat reicht.