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J. Hofstätter - Interview mit Martin Foradori-Hofstätter

Wer zum ersten Mal nach Südtirol kommt, wundert sich vielleicht ein wenig: Auf der abgelegensten Berghütte gibt es zwar Wi-Fi und Highspeed-Internet, aber die Schlutzkrapfen werden selbstverständlich noch von Hand gefüllt und die Marillen fürs Dessert wachsen bei der Oma im Garten. Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne wird wohl nur in wenigen Regionen Europas selbstverständlicher und lässiger gehandhabt als hier. Zur Tradition gehört natürlich auch die Landwirtschaft, die, wenn auch manchmal nur noch im Nebenerwerb, eine enorm wichtige Rolle in der Region spielt. Winzer zu werden war hier niemals out und bei einem großen Traditionsbetrieb wie J. Hofstätter in Tramin brauchte man sich nie Sorgen um den Nachwuchs zu machen, wie uns Martin Foradori-Hofstätter erzählt.
 

Martin, dein Sohn wird demnächst auch Weinbau lernen. Das ist bei euch ja echte Familientradition. War da bei dir nie der Gedanke, etwas anderes zu werden?

Martin: Nach Feuerwehrmann oder Pilot (lacht), hat sich die Frage in der Tat nie wirklich gestellt. Aufgewachsen bin ich im elterlichen Weinguts-betrieb. Da gehörte das Motorengeräusch der Traktoren, die bei uns auf dem Hof die Ernte anlieferten, ebenso dazu wie der Geruch, der in den Herbstmonaten aus den tiefen Kellern stieg. Als Kind war es immer etwas Besonderes, wenn gegen Ende des Sommers die Hektik im Weingut größer wurde und alle der bevorstehenden Ernte entgegenfieberten. An der Hand meines Großvaters habe ich dann das Treiben beobachten dürfen. Wenn die ersten Traubenfuhren einrollten, gepresst wurden, der Most anfing zu gären … Also irgendwie hab ich nie wirklich darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen.

Den Namen Foradori kennen wir ja nun auch aus einer anderen Region im Weinbau.

Martin: Du meinst meine Verwandtschaft im Trentino. Ja, irgendwie sind wir eine echte Weinbaudynastie. Aber das ist eigentlich eine lange Geschichte …

Wir haben es ja nicht eilig.

Martin: Gegründet hat das Weingut mein Ur-Ur-Großonkel Josef Hofstätter. Er, oder besser seine Frau Maria Hofstätter, hatte eine Gaststätte am Dorfplatz in Tramin, den „Schwarzen Adler“. Das war damals eine k. u. k. Poststation. Der Großonkel war aber lieber im Keller als in der Gaststube und hat da seine ersten eigenen Weine gekeltert – erst einmal für die Gaststätte seiner Frau. In einer k. u. k. Poststation kommen aber viele Leute durch und so wurde der Kundenstock immer größer und er fing auch an, Wein zu exportieren.

Das große alte Gebäude, in dem ihr auch wohnt, war das Gasthaus und die Poststation?

Martin: Genau, das ist aus dem 16. Jahrhundert und war immer ein Gasthaus und eine Herberge für Reisende. Daher auch die vielen Zimmer und das große Treppenhaus. In den 40er Jahren kam dann Konrad Oberhofer, der Neffe von Maria und Josef. Er war einer der Ersten in Südtirol, der einzelne Lagennamen auf seine Weine schrieb, um damit die besseren Weine hervorzuheben.

Und wie kommt jetzt der Name Foradori ins Spiel?

Martin: Durch meinen Vater Paolo; er heiratete die Tochter von Konrad, Sieglinde. Mein Vater stammt aus einer Familie aus dem benachbarten Trentino und mein Großvater hatte einige alte Höfe mitsamt Weinbergen auf der Ostseite des Etschtals in Südtirol gekauft, auf dem Hochplateau Mazon. Die Hofstätter Weinberge liegen auf der Westseite des Tales, in Tramin. Durch die Heirat kamen sozusagen Ost und West zusammen. So sind wir bis dato die Einzigen, die Weinberge auf beiden Seiten des Etschtals haben. Ist natürlich toll, weil wir so ganz unterschiedliche Terroirs unser Eigen nennen können.

Wie lange bist du jetzt dabei? Und was hat sich seither verändert?

Martin: Ich leite das Weingut schon seit 15 Jahren und was sich da verändert hat, kannst du am besten hinter dem Haus im Weingut sehen. Erinnerst du dich noch an die großen Betontanks? Zweistöckig, auf engstem Raum, sah ein wenig aus wie in Alcatraz. Die brauchen wir schon lange nicht mehr, daher haben wir das jetzt auch abgerissen und unseren Fasskeller erweitert. Mein Vater hat da große Mengen an Weinen produziert und die dann im ‚Fass‘ weiterverkauft. So haben das damals fast alle Weingüter in der Region gemacht.

In den 50er Jahren ging das mit dem Tourismus los und die Restaurants und Hotels wollten auch Abfüllungen direkt aus dem Weingut haben, also haben wir angefangen, auch Flaschenweine zu produzieren. Und wie bei meinem Ur-Ur-Großonkel Josef hat sich das dann immer mehr ausgeweitet.

Wenn mein Vater in ein Flugzeug stieg, dann war das eine kleine Sportmaschine, die er meist selbst steuerte, um damit als Gletscherpilot mal eben auf einem der Alpengipfel ringsherum zu landen. Wenn ich in ein Flugzeug steige, dann geht es in die USA, nach Deutschland oder nach Asien und auf Verkostungen und Wine & Dines, wo ich den Kunden dann unsere Weine nahebringe. Die Südtiroler Weine sind auf einem hohen Standard, keine Frage, die Leute sind auch bereit, mehr für Südtiroler Wein zu zahlen als früher, aber man muss auch wesentlich mehr dafür tun. Nicht nur im Weinberg und Keller.

Du hast die Tradition deines Großvaters weiterentwickelt und schreibst auf immer mehr Weine den Lagennamen drauf. Was hat es damit auf sich?

Martin: Ja, das ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt. Über das ‚Lagenproblem‘ in Südtirol hattest du ja letztes Jahr im Italien-WeinBrevier einen interessanten Artikel geschrieben. Das Lagenkonzept, wie ihr das in Deutschland habt und lebt, ist bei uns in Südtirol noch ganz am Anfang und leider gibt es außerdem viel Widerspruch. Seit einem Jahr bin ich ja auch stolzer Weinbergs-Besitzer und Winzer an der Saar und dort gehört dieses ‚Lagendenken‘ zum Alltag eines Winzers.

Die meisten Bezeichnungen, die in Südtirol auf den Flaschen draufstehen, sind selten Namen, die einen Bezug zu ihrem geografischen Ursprung haben, sondern einfach Phantasie- oder Markennamen. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich bezüglich des ‚Lagendenkens‘ in Südtirol bald etwas ändern wird.

Du setzt auf ein klares, nachvollziehbares Terroir-Konzept ...

Martin: Bei uns gibt es die klassischen Gutsweine: Pinot Grigio, Lagrein etc., bei denen die Rebsorte und die Herkunft aus Südtirol im Fokus stehen. Dann haben wir Weine, die von unseren verstreut liegenden Ansitzen, Gutshöfen und dem Gebiet darum stammen, wie z.B. Yngram oder Mazon. Und schließlich gibt es die Einzellagenweine, von klar umrissenen kleinen Parzellen mit dem besten Terroir. Diese tragen den Zusatz Vigna (s. Kasten auf S. 11) auf dem Etikett, wie der Kolbenhofer Gewürztraminer Vigna oder der Barthenau Vigna S. Urbano …

Von dem viele behaupten, er sei der beste Pinot Noir Südtirols …

Martin: Oh, vielen Dank. Mittlerweile haben wir in Südtirol aber einige gute Blauburgunder, so nennen wir ihn hier. Aber das ist schon einer meiner Lieblingsweine, ich bin halt, wie in meiner Familie Tradition, Burgunder-Fan. Vielleicht auch daher meine Liebe zu den Einzellagen und dem Trio Gutswein, Ortswein und Einzellagenwein. Mal sehen, was wir da in Zukunft noch alles machen können, vielleicht kommt noch was dazu ...

Was ist für dich das Schönste am Weinmachen?

Martin: Diese Aufregung und freudige Erwartung, das empfand ich als Kind schon als etwas Besonderes, das spürte man in der ganzen Familie. Es gibt für mich nichts Schöneres, als mit der Natur im Jahreskreislauf zu leben und zu arbeiten, Austrieb, Blüte, Traubenwachstum und Reife zu verfolgen und die Entstehung eines Weins im Keller zu begleiten. Das ist wie bei Kindern, man weiß nie, was daraus wird.

Und jetzt bist du trotzdem noch in die Politik gegangen?!

Martin: (lacht) Ja, ich muss mich irgendwie immer einmischen und immer was Neues schaffen. Und da ich, wie meine Weine, fest in Tramin verwurzelt bin, bin ich jetzt stellvertretender Bürgermeister von Tramin. Winzer ist mein Traumberuf und jetzt bin ich im Nebenjob auch noch Politiker – so ist ja wenigstens zum Teil noch etwas anderes aus mir geworden.

 

Haben Sie nun Lust auf ein Glas Höftsätter Wein bekommen?

Unsere Weintipps

Die Selection

Vom Pinot Grigio oder auch Grauburgunder, eine der Paradesorten Südtirols, lassen wir uns jedes Jahr eine besondere Füllung machen. Die Selection, die wir zusammen mit Kellermeister Markus Hähnle aussuchen, soll nämlich die perfekte Harmonie des Grauburgunders repräsentieren, jene Kombination zwischen der Würze und Fülle des Südens und der Frische und Eleganz der alpinen Lagen Südtirols. Beim ’14er notierten wir: brillantes Bukett nach Abate Fetel Birne, Boskoop Apfel, an Zitronengras erinnernde Frische, würziger Auftakt. Ein kristallklarer, ungemein erfrischender Wein. Stilsicherer Pinot Grigio!

7–9 °C, jetzt bis 2017

2014 Pinot Grigio Selection, J. Hofstätter 0,75l nur 9,90 €

 

Kult-Pinot

Gegenüber von Tramin, am Fuße des Naturparks Trudener, liegt hoch über dem Etschtal das Hochplateau von Mazon. Hier stehen die beiden Yngram-Höfe und oben am Waldrand der ehemalige Ansitz des Ludwig Barth von Barthenau. Der war eigentlich Chemiker und Professor an der TU Wien. Seine private Leidenschaft aber galt dem Wein. Er war einer der Ersten, der Mitte des 19. Jahrhunderts Pinot Noir, den Blauburgunder, in Südtirol anpflanzte. Praktisch, dass der Familienhof direkt ein perfektes Terroir vor der Tür hatte. Der Vigna San Urbano gilt bei vielen als die beste Pinot-Lage Südtirols. Feiner Kalkmergel, eine eher kühle Lage, auf die abends aber lange die Sonne scheint, mehr als 60 Jahre alte Rebstöcke, extreme Selektion in Weinberg und Keller. Kein Wunder, dass der San Urbano bei Blindverkostungen auch schon einmal vielfach teurere Burgunder aussticht. Rubinrot im Glas braucht er viel Luft, um sich zu entwickeln. Duft nach reifen Sauerkirschen und Himbeeren, würzige Anklänge, Vanilletöne, am Gaumen frisch mit viel Druck, wirkt erstaunlich „burgundisch”. Mineralisch konzentriert, typischer Cold-Climate-Wein.

16–18 °C, jetzt bis 2025, dekantieren!

2012 Barthenau Vigna S. Urbano Pinot Nero, J. Hofstätter 0,75l statt 54,50 € nur 49,90 €

 

Höhenlage

Der Kolbenhof steht seit mehr als 300 Jahren an den Hängen oberhalb von Tramin. Hier in den Höhenlagen wachsen seit jeher die besten Gewürztraminer der Region. Die frühe Morgensonne, die steilen Hänge mit dem feinen Kalk-Lehm-Gemisch, dem Mergel, die kühlen Nächte in der Höhe, all das ist perfekt für den anspruchsvollen Gewürztraminer. Ist es zu heiß, werden die Weine fett und süßlich schwer, bekommt er zu wenig Sonne, entwickelt er nur spärlich seine exotischen Frucht- und Würznoten. Am Kolbenhof, übrigens einer der ersten „Lagenweine” Südtirols, passt alles. Konsequent trocken ausgebaut entfaltet er einen Strauß von tropischen Früchten: Litschi, Kumquats, Ananas. Typisch das Aroma von Rosenwasser. Vollmundige Saftigkeit mit feinwürziger Süße und anregende zart-herbe Noten. Belebendes feinwürziges Finale mit erfrischender Säurestruktur. Perfekt zu Krustentieren, exotischen, würzigen Fischgerichten oder auch als Aperitif.

8–9 °C, jetzt bis 2018

2013 Gewürztraminer Kolbenhof, J. Hofstätter 0,75l statt 22,50 € nur 19,90 €

 

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