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J. Hofstätter: Die Vielfalt Südtirols

Dass der Gewürztraminer irgendetwas mit Tramin zu tun hat, ist kaum zu übersehen. Wo immer diese Rebsorte zuerst kultiviert worden ist (wahrscheinlich weder in Tramin noch im Elsass), der kleine Ort im Süden des Etschtals hat ihr wohl ihren endgültigen Namen gegeben, was darauf hindeutet, dass hier schon immer besonders hoch angesehene Gewürztraminer gekeltert wurden.Im Rebsorten-Portfolio von Martin Foradori Hofstätter nimmt der Traminer eine sehr wichtige Stellung ein. Aber ist er nicht ein wenig aus der Mode gekommen? „Ja und nein“, erzählt uns Martin, „gerade im Elsass hat man den Gewürztraminer immer etwas üppiger ausgebaut. Die Betonung lag sozusagen auf Gewürz und weniger auf Traminer. Da die Leute immer mehr Leichtigkeit und Frische im Wein suchten, ist er in der Tat etwas aus der Zeit gerutscht und die Rebsorte als Ganzes abgestraft worden. Denn die Interpretation unterscheidet sich an den Hängen der Vogesen und der Alpen grundsätzlich. Bei uns war der Gewürztraminer schon immer etwas schlanker und frischer, die Gewürznoten sozusagen nur ein Zusatz zu der Frische des Weins.“ Man merkt, dass Martin die Tradition des Gewürztraminers hochhält und seine Eigenart sehr schätzt. Immerhin nimmt er auch 10 % seiner Rebflächen ein und das zum Teil in den Top-Lagen der Region. Der Kolbenhof z. B., eine historische „Lage“ oberhalb von Tramin. Das Plateau in 400 Metern Höhe, auf dem der Kolbenhof liegt, gehört zu den besten Weinlagen Südtirols, hier ist die Sonneneinstrahlung intensiv, aber wegen der Höhenlage die Reifezeit sehr lang. „Der Kick beim Gewürztraminer ist die Säure“, erzählt Martin uns, „die kann im Herbst rapide und recht plötzlich abnehmen. Und genau den Moment zwischen sauer und frisch zu erwischen, das ist die Kunst. Der Micky (Außenbetriebsleiter bei Hofstätter) muss das Blattwerk so schneiden, dass die Reben genug Sonne aufnehmen können, aber die Photosynthese nicht zu stark ist, dann reichert er zu viel Zucker an und die Säure sinkt zu stark. Das gibt dann alkoholreiche und eher fette Weine.“ Weinmachen ist halt nicht nur Kellerarbeit. „Der Markus (Kellermeister) muss dann sehen, dass die Trauben reinkommen, wenn die Säure reif ist, denn grüne Säure wirkt hart und nicht frisch. Nur wenn das später ein spannendes Gleichgewicht zwischen der Frucht, der Frische und den Gewürznoten gibt, haben wir die typische trocken-elegante Südtiroler Gewürztraminer- Stilistik, die uns von den in Deutschland bekannteren, üppigeren Elsässer Weinen unterscheidet.“ So wirken die Hofstätter Gewürztraminer überhaupt nicht breit und schwer, sondern bei aller Aromatik überraschend elegant. Trockenblumen und Rosenblätter, exotische Früchte, die Weine strahlen in goldgelber Farbe. Beim Kolbenhof ist das alles mit noch mehr Tiefe und Eleganz verbunden, sehr konzentriert und lang. Ein echter Benchmark-Wein für den Gewürztraminer. Übrigens, die Weine schmecken nicht nur zur asiatischen Küche, sondern auch zu Krustentieren, zu Fischgerichten, die etwas würziger sind oder auch zu Geflügel, das mit etwas exotischem Touch zubereitet wird.

Die große Liebe von Martin Foradori gehört dem Pinot Noir oder Blauburgunder, wie er in Südtirol genannt wird, in allen seinen Formen, aber am liebsten natürlich aus dem Burgund. „Burgund“, sagt er lächelnd, „das ist natürlich der Stern, dem alle Pinot-Winzer folgen. Aber ob ein Burgunder immer so schmecken muss, als wäre er direkt in Beaune um die Ecke gewachsen … Na, wahrscheinlich hat man da einfach die Erfahrung und das Leitbild, weil der Wein da schon so lange in den besten Qualitäten gemacht wird. Burgund ist die Messlatte für Qualität, aber in den einzelnen Regionen, in denen er angebaut wird, sollte die Stilistik durchaus unterschiedlich sein. Zu uns ist der Pinot ja erst mit dem Erzherzog Johann gekommen.“ Man merkt sofort, Südtirol wirkt oftmals eher wie ein Stück Habsburg als wie Italien. Aber der Erzherzog, den man hier in bester Erinnerung als Freund der Tiroler hat und der auf seinem Schloss bei Meran begraben liegt, förderte Mitte des 19. Jahrhunderts den Anbau welscher, also französischer Rebsorten. Im Freiheitskampf gegen Napoleon hat er heimlich die Tiroler und Andreas Hofer unterstützt, aber er war klug genug zu sehen, was man aus Frankreich verwenden konnte. Und da er selber auch Weinbau betrieben hat, wusste er um die Güte des Pinot Noir. „Oben in Mazon hat Ludwig Barth von Barthenau den Blauburgunder in seinen Weinbergen zuerst gepflanzt. Sein Ansitz liegt wunderbar in der Abendsonne und der Pinot liebt die kühlere, lange Sonne am Abend. Außerdem steht er hier sehr geschützt und kann lange und sehr gleichmäßig heranreifen.“ Dabei wusste Barthenau gar nicht, was er hier für Schätze gepflanzt hatte. „Lange hat man den Blauburgunder nur als Verschnittwein ausgebaut. Vernatsch, Vernatsch, Vernatsch hieß die Devise und da passten einige Prozent Pinot immer gut, um dem Vernatsch Farbe und Struktur zu geben. Reinsortig hat den erst mein Vater ausgebaut“, erzählt Martin, „erst Ende der 50er haben wir erkannt, was man daraus machen kann.“ Und eigentlich ist der Pinot erst in den letzten Jahren mehr in den Mittelpunkt gerückt. „Schuld“ daran ist der Vigna S. Urbano. Unterhalb des Ansitzes Barthenau, hoch über Neumarkt im Etschtal, stehen mehr als 65 Jahre alte Blauburgunder-Reben auf einem äußerst komplexen Konglomerat aus Lehm, Kalk und Porphyr, ein Überbleibsel der großen Gletscherströme, die in Jahrmillionen das mehr als 1.500 Meter tiefe Etschtal geschaffen haben. „Die Vigna San Urbano ist eine kleine, besondere Parzelle,“ erzählt Martin, „und das ist recht ungewöhnlich für Südtirol, denn Einzellagenweine kennen wir so ja gar nicht mehr (siehe auch Kasten: Lagenweine in Südtirol). Aber wir wollten hier zeigen, was an Pinot hier möglich ist, wenn man das richtige Terroir hat.“ Und das ist in den letzten Jahrzehnten gelungen. Der Wein ist sehr komplex und in seiner Jugend, die recht lange dauert, oft noch etwas verschlossen. Wie ein großer Burgunder ist er weniger konzentriert als vielmehr pointiert. Er bringt sozusagen den Pinot, der Eleganz und Strenge miteinander verbindet, auf den Punkt. Nicht umsonst halten viele den Barthenau Vigna S. Urbano für den besten Pinot Italiens. Von den Lagen rund um den Top-Cru herum stammt der Riserva Mazon. Die kleine Ansammlung von Höfen hat dem Hochplateau und auch dem Wein seinen Namen gegeben, der Boden ist hier aber ähnlich und so ist auch der Mazon Riserva ein äußerst komplexer Wein, der das kühle Terroir widerspiegelt. „Bei Südtirol denken die Leute an Vernatsch oder an Pinot Grigio, vielleicht noch an Pinot bianco“, meint Martin „wir haben so viel Vielfalt hier und das ist auch eigentlich die Stärke der Region, dass wir in den unterschiedlichen Klimazonen auf engstem Raum, die von einem eher mediterranen Klima in der Ebene bis zu den Gletschern, die zum Greifen nah erscheinen, fast alles anbauen können …“ Stimmt, eine unendliche Vielfalt an Rebsorten, Obst, besondere Gemüse, Almen und oben strahlen die Gipfel.

Glückliches Tirol!

 

2013 Gewürztraminer Joseph statt 12,90 € nur 11,00 €

2012 Gewürztraminer Kolbenhof statt 22,50 € nur 21,00 €

2012 Pinot Nero Meczan statt 11,00 € nur 10,50 €

2011 Pinot Nero Riserva Mazon statt 24,90 € nur 21,90 €

2011 Barthenau Vugna S. Urbano Pinot Nero 49,00 €