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Inside Bordeaux: Négociant & Château

Das Bordeaux Prinzip

Wer zum ersten Mal mit dem Place de Bordeaux in Berührung kommt, wird erstaunt sein. Das System zeigt, dass Bordeaux eine alte Handelsstadt war, in der die Winzer lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt haben. So ziemlich alle Grand Cru Weine kann man gar nicht direkt ab Château kaufen sondern nur beim sogenannten Négociant. Von denen gibt es ziemlich viele, etwa 400 bis 500, sehr kleine und sehr große. Manche besitzen geschickterweise direkt eigene Châteaux. Die meisten können aber nicht einmal direkt mit den Besitzern der Weingüter verhandeln, denn dazwischen stehen die Courtiers, eine Art Makler, die mit den Weingütern Mengen für einzelne Négociants und Märkte, sowie die Preise aushandeln. Da jeder Makler und jedes Château eine eigene Strategie verfolgt, ist der Markt noch verwirrender. So gibt es einige Châteaux fast bei allen großen Négociants, manche nur bei einem. Bei manchem “Négoc” – so nennt man in der Weinbranche die Großhändler – bekommt man von einem gesuchten Wein in der Subskription vielleicht eine Kiste zugeteilt, beim anderen 120. Manche Weine beziehen wir bei zehn oder zwölf verschiedenen Händlern, um auf eine einigermaßen ansprechende Menge zu kommen. Logistisch also ein Alptraum.

Dass die Händler oft sehr konservativ und manchmal auch recht eingebildet sind, macht es nicht besser. Auf meine Bitte an einen Négoc, ob sie während der Subskriptions-Kampagne nicht in einem geschützten Internetportal Informationen zu den noch lieferbaren Weinen zur Verfügung stellen könnten, das würde viele Telefongespräche (!) überflüssig machen und uns die Arbeit erheblich erleichtern, erhielt ich mit schön nasalem Ton zur Antwort: “Monsieur Brensing, non. Internet, so etwas machen wir nicht, wir liefern schließlich Qualität.” Ich hielt es für überflüssig, weiter nachzufragen, wie denn das Internet die Qualität der Weine verschlechtern würde.