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Inside Bordeaux: Napoleons Hase

Auf der Straße von Libourne Richtung Bordeaux hätte ich beinahe unseren überdimensionierten Upgrade-Leihwagen in den Graben gesetzt. Da wo einst eine Werbetafel auf das 300 Jahre alte Château Larteau aufmerksam gemacht hatte, war nun ein schwarzgoldenes Schild angebracht das ein Tier der Gattung Leporidae zierte.

Ich kannte das Killer-Kaninchen, das bei Monty Python die Spur zum heiligen Gral bewacht und massenhaft die Ritter der Tafelrunde hinmetzelt, aber was war das nur für ein Tier? Lapin impérial, stand auf dem Schild, das weithin den neuen Namen des Château verkündete. War das eine Rasse, die sich bis auf das Imperium Romanum zurückverfolgen ließ oder vielleicht das Lieblings- Kaninchen Napoleons? Wenig später klärte uns ein Winzer auf: “So, ist das jetzt auch umbenannt”, meinte er, sich dabei vor Lachen krümmend. “Das ist letztes Jahr an einen chinesischen Investor verkauft worden und im Moment ist es bei denen Mode, die Château-Namen gegen chinesische Glücksnamen auszutauschen. Dort sind manche Tiere Symbole für Glück und Reichtum.” Interessant, neben dem imperialen Kaninchen fanden wir noch ein Château Antilope Tibètane, das früher einmal als Senilhac nicht ganz unbekannt war. Außerdem gibt es ein Lapin d’Or, also ein goldenes Kaninchen was wahrscheinlich eher schwer im Magen liegt, und in Pomerol gibt es dann noch eine große Antilope.

Gut Château Cantemerle soll ja angeblich auch seinen Namen vom Gesang (Chante) und der Amsel (Merle) haben, nur war damit eine Kanone gemeint, die Plünderer vertrieben haben soll und von einem Kanonengießer Namens Merle fabriziert wurde.

Vielleicht sind mir dann die Antilopen doch lieber. Aber vielleicht investiert ja auch mal ein Monty- Python-Fan im Bordelais, ein Château Lapin Assassin wäre durchaus ein poetischer Gewinn, und beim Kauf einer 12er Kiste gäbe es eine heilige Handgranate gratis und Bordeaux würde sein ernsthaftes Image schnell los werden