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Im grünen Tal - Dominio do Bibei

Hinter A Rúa verlassen wir das hier breite Tal des Río Sil nach Süden. Es geht eine moderne Schnellstraße hinauf in die Berge und dann irgendwann wieder nach Westen. Hinter Larouco hängt die Straße hoch über einem tiefen Tal, dessen Grund wir nicht sehen können. Die braungrünen Hänge verschwinden steil vor unseren Augen ins Nichts. Lange Kurven winden sich abwärts. Andere Autos begegnen uns nicht. Schließlich sind wir unten, über einen reißenden Gebirgsfluss geht eine erstaunlich filigrane Brücke. Ponte romana, sagt ein Schild. Das kennen wir, irgendwann hat ein Römer mal einen Grundstein gelegt, den der Fluss längst bis ins Meer gespült hat, schon ist es eine Römerbrücke. Wir steigen wenigstens einmal aus, denn der Canyon und der Fluss mit den steilen grünen Flanken sind eindrucksvoll, das Wasser sieht kalt aus. Später erst erfahren wir, dass diese Brücke tatsächlich 116 n. C. an einer wichtigen Römerstraße errichtet und seitdem nur wenig verändert worden ist. Der 22 Meter hohe Hauptbogen sei noch im Original erhalten und führt über den kältesten Fluss Spaniens.

Wir fahren weiter und biegen auf eine schmale Straße zum Río San Lázaro, einem kleinen Nebenlauf des Bibei, ab. Es wird grüner, das Buschwerk dichter. Auf einem kleinen Platz ganz unten im Tal sollen wir warten. Die „Straße“ hoch zum Weingut ist gesperrt, da wird gerade neuer Schotter aufgetragen. Nach einer Viertelstunde kommt Jésus Pietro, den hier alle nur als Suso kennen, mit seinem Range Rover Defender irgendwoher durch das Gebüsch. „Ihr seid die Leute aus Deutschland?“ „Ja“ „Woher … Ah, Köln“, sagt er, „na, ich bin in Düsseldorf geboren.“ Nein, er kann kein Deutsch mehr. „Ich war vier, als meine Eltern zurück nach Galicien gegangen sind.“ Wir setzen uns in den Defender. Suso steuert zielsicher und ganz ruhig auf zwei Bäume, unter denen dichtes Buschwerk steht, zu. Es knallt und kratzt auf Blech und Lack. „Ja“, sagt er, „ich glaube, wir müssen diesen Weg mal wieder freischneiden.“ Aha, das ist also ein Weg im Ribeira Sacra. Immerhin scheint man hier in Spanien ein gesundes Verhältnis zum Auto zu haben: Verbrauchsgut.

Hinter den Büschen taucht ein steiler Trichter mit einzelnen Rebzeilen auf. „Hier, rund um den Bibei, sind viele kleine lange Terrassen angelegt worden. Man sieht diese Struktur überall, verfallen, überwuchert, abgerutscht oder sogar noch in erstaunlich gutem Zustand. Als wir hier anfingen, haben wir noch ein paar kleinere Weinberge vorgefunden, die von alten Leuten betreut oder nur gerade so verwildert waren, dass man sie wiederherstellen konnte. Aber das meiste lag nach dem Reblauseinfall Anfang des 20. Jahrhunderts brach. Die Leute sind einfach weggegangen.“ Wir stehen auf einem kleinen Plateau, um uns herum scheint es keine einigermaßen gerade Fläche zu geben. Obwohl es heute eher kühl und regnerisch ist, erscheint die Luft etwas stickig. „Im Sommer kann es hier sehr heiß werden und trotzdem, nachts kühlt es erstaunlich ab“, erzählt Suso, „das Ribeira Sacra ist eine Region der Extreme.“ Scheint so, auf der Hinfahrt haben wir ein Schild gesehen, auf dem Skigebiet stand. Suso lacht, „ja, das kann sich keiner vorstellen, dass man nur zehn Kilometer von hier Skifahren kann.“ „Wie oft habt ihr denn Schnee hier?“ „Och, eigentlich jedes Jahr. Die Luft ist ja feucht genug und in Manzaneda geht es bis 1.800 Meter hoch. Im Winter regnet oder schneit es ausgiebig, dafür haben wir von Juni bis September manchmal gar keinen Niederschlag.“

Wir fahren höher, die Serpentinen sind so eng, dass Suso mit dem Rover nicht um die Kurven kommt, also rangiert er vorwärts auf die nächste Rebterrasse und fährt die nächste Strecke rückwärts hoch, an der nächsten Kehre das Gleiche und so ein paar Mal, bis wir oben sind. Ich schaue eher spärlich aus dem Fenster, denn da geht es lang und steil hinunter. „Wir haben hier hauptsächlich die Mencía für Rotweine und Godello für Weißweine, aber es gibt auch noch Brancellao und Merenzao sowie Albariño, Doña Blanca, Treixadura, Loureiro und Torrontés. Gerade die Brancellao kann interessant sein, aber wir haben kaum Erfahrung damit, es gibt keine Berichte darüber, wie man hier früher Wein angebaut hat, was für Rebsorten hier heimisch waren und was wo am besten gewachsen ist. Die alten Leute, die es noch gibt, haben ein wenig Wein für sich selber gemacht, aber keinen richtigen Weinbau betrieben. Wir experimentieren daher noch viel. Mit den einzelnen Reben, den einzelnen Lagen, weil wir in Zukunft auch mehr Lagenweine ausbauen wollen. Aber all das braucht Zeit. Wir erfinden uns irgendwie komplett neu“, meint Suso, „und versuchen dabei doch an Traditionen, die kaum noch einer kennt, anzuknüpfen.“

Uns fallen die vielen verfallenen Hütten in den alten Weinbergen auf. „Jahrhundertelang hat man in diesen Regionen den Wein direkt im Weinberg gemacht. Die Trauben wurden in Trögen direkt neben dem Weinberg mit den Füßen vermaischt und gepresst, der Most auch da vergoren und den Wein hat man dann in Krügen und Schläuchen nach Hause geschafft. Fässer hatten nur die wenigsten.“ Das Weingut selber steht oben auf dem Bergrücken, angesichts der Schotterpiste, die von hier steil hinunter zur Hauptstraße führt, fragen wir uns, wie der Wein überhaupt wegkommt. „Lange Sattelschlepper sind hier nicht angebracht“, meint Suso, „obwohl die Römerbrücke auch die aushält.“ Vier große weiße Kuben, die den Hang herunter stehen, bilden das eigentliche Weingut. „Im obersten Gebäude kommt der Wein an. Wir können sowieso nur per Hand lesen, also kommt alles in kleine Kisten, die lassen wir erst einmal ein paar Stunden ruhen, damit alle Trauben die gleiche Temperatur haben. Hier kann es nämlich ein großer Unterschied sein, ob eine Rebe um sechs Uhr morgens oder gegen Mittag geerntet worden ist. Der Rest geht ganz einfach. Hier sind überall große Röhren zum nächsten Gebäude am Hang, so kommen die Trauben dann weiter nach unten zu den Gärbehältern.“ Erstaunlich ist, dass man kein Edelstahl auf Bibei sieht, hier wird alles in Holz oder Zement gemacht. „Ja, so machen wir das“, sagt Suso lakonisch, Bergbewohner sind immer etwas schweigsamer. Beim Verkosten der Weine fragt Inka, ob denn die Weine so seien, wie sie früher hier einmal gewesen sind. „Nein, auf keinen Fall“, meint Suso und grinst, „wir hier in den Dörfern haben eine etwas andere Einstellung zu Wein. Der wird einfach so getrunken und früher konnte man so etwas hier gar nicht machen. Jeder Wein muss uns selber Spaß machen, ich möchte ihn mit meinen Freunden trinken können und nicht nach einem Glas schon satt oder müde sein. Ich denke, das bekommen wir ganz gut hin.“

 

DIE WEINE

Die bis zu 100 Jahre alten Reben für den Lalama wachsen auf Schiefer, Ton und Granit auf 300 bis 700 Meter Höhe. Mencía ist dabei die prägende Traube (90 %), die weiteren 10 % setzen sich aus Garnacha, Brancellao, Mouratón und Sousón zusammen. Faszinierend komplexer und ätherischer Duft nach eingekochten schwarzen Waldbeeren und Tabak. Eukalyptus und Wildbret. Etwas schwarzer Tee. Leichtfüßiger Gaumen mit perfekt reifer Frucht. Kühle mineralische Ader. An Szechuanpfeffer erinnernd. Bitterschokoladiges, hochfeines Tannin im Rückgeschmack. Delikat fordernd.

2011 Lalama 0,75l statt 17,90 € nur 16,50 €

 

Der Lapola wird durch bis zu 100 Jahre alte Reben auf kargen Böden von Kalk, Granit und Schiefer geprägt. Optimaler Vegetationsverlauf in 2013: kalter Winter, Sommer warm und sehr trocken. Cuvée aus 75 % Godello, 20 % Albariño und 5 % Doña Branca. Feingliedriger, mineralisch umrissener Duft von Quitten, Nashi-Birnen und Papaya. Nasser Stein. Ein Hauch von Akazienhonig. Drahtiger Typ mit transparentem Spiel von würzigem Schmelz, präziser Säureader und feiner Gerbstoffherbe. Langes salziges Finale.

2013 Lapola 0,75l statt 17,90 € nur 16,50 €

 

Fast zwei Jahre lang liegt der Lacima auf der Feinhefe in Fässern aus französischer Eiche. 100 % Mencia, die Trauben stammen von 50 bis 100 Jahre alten Reben. Faszinierend intensives Bukett von reifen dunklen Früchten, Bitterschokolade und Lakritz. Crème de Cassis. Überraschend frischer Auftakt mit klarer, herzhafter Kirschfrucht, feinmaschigem Tannin und mineralisch durchwirktem Schmelz. Ein Charakterwein mit Klasse.

2011 Lacima 0,75l statt 36,50 € nur 35,00 € Sommelier Choice