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Im April in der Toskana I

Anfang April, die Sonne lacht vom blauen Himmel, trotzdem habe ich noch eine kalte Nasenspitze, da der Winter sich erst vor 2 Tagen aus der Toskana verzogen hat. Noch bin ich in Florenz, fahre aber gleich mit meinem nagelneuen Mietwagen in das Herzstück dieser wunderschönen Landschaft Richtung Siena. Das Castello di Fonterutoli und die Badia a Coltibuono mit anschließender Rast, stehen auf dem Programm. Mangels GPS habe ich einen eselsohrigen italienischen Straßenatlas, der mich hoffentlich sicher ans Ziel bringen wird. Vorsichtshalber ist der Tank prall gefüllt, falls ich im Abseits lande.

Raus aus Florenz auf die Landstraße, Linkskurve, Rechtskurve, ich bin schnell im Kurven-Groove und sehe nach einer Stunde Fahrt auch schon das Ortsschild Fonterutoli, biege von der Hauptstraße auf einen staubigen Weg ab (wozu hat man ein frisch gewaschenes Auto) und fahre an dem neuen fast fertig gestellten beeindruckenden Weinkeller Fonterutolis vorbei, begegne jedoch keiner Menschenseele außer einem bellenden Hund. Also hoch zum alten Ortskern, aber bis auf eine Besuchergruppe ist auch hier niemand zu sehen, die Enoteca Fonterutolis hat geschlossen. Tja, der dumme deutsche Tourist ist natürlich zur Mittagspause hier hinein geplatzt, aber dank meines altmodischen Handys erreiche ich dann doch jemandem vom Castello, das Tor zum Anwesen öffnet sich und "Angela" fängt mit ihrer Führung in der Villa an. Seit 1435 im Besitz der Familie Mazzei war Fonterutoli unter dem Ortsnamen "Fons Rutolae" bereits in etruskischer und römischer Zeit beliebter Ort der Rast für Reisende zwischen Florenz und Siena. Im 13. Jahrhundert wurden in Fonterutoli die Friedensverträge unterzeichnet, die die historische Zuweisung des Chianti zum Gebiet der Florentinischen Republik festlegten, somit hat Filippo Mazzei die D.O.C. Chianti begründet. Er war Reisender, Denker und Freigeist , der auf Einladung Thomas Jeffersons und Benjamin Franklins nach Virginia reiste und die ersten Weingärten der Neuen Welt anlegte. Filippo blieb in Amerika und beteiligte sich am politischen Geschehen der Vereinigten Staaten. Seine Auffassung von der Gleichheit der Menschen überzeugte Jefferson, so dass er sie zu einem der Schwerpunkte der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung machte: ?Alle Menschen sind gleich?.

Nach 24 Generationen widmet sich die Familie Mazzei mit ständigem innovativstem Engagement dem Weinbau und der Weinbereitung, wie der neue beeindruckende Keller zeigt. Im oberen Teil des Gebäudes, das sich harmonisch in die Landschaft einfügt kann man in einem der Verkostungsräume Füße und Seele baumeln lassen.

Der Keller wurde von der Architektin Agnese Mazzei entworfen und ist, wie Steven Spurrier vom Decanter schrieb ?der einsrucksvollste des ganzen Chianti?. Der Weinkeller ist auf drei Etagen angelegt, wobei sich im ersten Untergeschoss 74 Stahltanks befinden, genau der Zahl der einzelnen Weinparzellen entsprechend. Jeder Wein wird erst einmal für sich vergoren, um die optimalen Lagenunterschiede herauszuarbeiten. Das ausschließlich von Hand gelesene Traubengut wird angeliefert und die Maische wird durch in den Boden eingelassene Luken direkt durch das Prinzip der Schwerkraft in die Tanks geleitet. Das Pumpen entfällt und es entstehen wesentlich elegantere und nuancenreiche Weine.
Der Felsenkeller mit 3.000 Fässern zur Barriquelagerung besitzt dank im Fels befindlicher Quellwasserschichten eine natürliche Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung.

Zurück in der Enoteca des Weinguts probiere ich nun die Weine, wobei ich mit einem Rosé der Tenuta Belguardo anfange. Das Weingut Belguardo liegt in der toskanischen Maremma, eingebettet in die Hügellandschaft zwischen Grosseto und Montionao und wurde von der Familie Mazzei in den 90er Jahren erworben. Dieser Rosé aus 50% Sangiovese und 50% Syrah erinnert mich in seiner eleganten Fruchtigkeit fast an einen Spätburgunder Weißherbst mit seinem feinen Schmelz. Der 2005 Serrata di Belguardo, der 10 Monate in gebrauchten Barriques reifen durfte, ist eine granatrote Cuvée aus Sangiovese und Cabernet Sauvignon mit einer dichten Struktur, dabei rund und elegant und hat sowohl in der Nase als auch auf der Zunge eine leichte Kirschfrucht. Weiter geht es mit dem Bronzone vom berühmtesten Weinberg des Gutes Morellino di Scansano. Ein reiner Sangiovese, der 12 bis 14 Monate in gebrauchten und neuen Barriques gelagert wurde, von purpurner Farbe ist kraftvoll, warm und schmeichelnd mit gut eingebundenem Holz und leichten Lakritz- und Thymiannoten.

Bei den Fonterutoli Weinen beginne ich mit dem Poggio alla Badiola mit 9 Monaten Fasslagerung. Für diesen Wein wurden Sangiovese- und Merlot-Trauben aus einer höheren Lage verwendet. Dieser kirschrote geschmeidige Wein ist zugleich weich und charaktervoll und hat ein schönes Bouquet von Weichseln, das auf der Zunge weiter anhält.

Der 2006 Chianti Classico ist noch etwas jung und hat eine lebendige Säure, aber wenn man ein halbes Jahr abwartet, wird sich dieser tiefrote Chianti aus Sangiovese und einem kleinen Anteil von Malvasia Nera, Colorino und Merlot mit seinem nach dunkler Kirschfrucht duftendem Bouquet geöffnet haben. Schon jetzt schmeckt man bei diesem ausbalancierten eleganten Wein feine Karamelnoten und frisches Holz.

Der 2005 Castello di Fonterutoli ist der wohl typischste Wein des Gutes, ein granatrotes Spitzengewächs aus verschiedenen Sangiovese-Klonen und einem geringen Zusatz von Cabernet Sauvignon von den besten Lagen des Weinguts, der 16 Monate in neuen Barriques lagerte. Dieser wunderbare Chianti ist eine perfekte Kombination von Kraft und Eleganz, noch etwas jung, bei dem man aber das Potential herausschmeckt. Dieser Wein hat einen feinen Duft nach Waldbeeren, deutliche Frucht und Finesse mit Nuancen von Zimt und Pfeffer.

Zum Abschluss probiere ich noch den Siepi, ein Cru aus 50% Sangiovese und 50% Merlot des gleichnamigen Weinbergs mit 18 Monaten Fassreife. Die beiden Grundsorten werden getrennt ausgebaut und erst dann zu einer Cuvée. Dieser tiefgründige rubin-violette Wein ist wie eine dunkelrote Samtrobe. Er hat eine dichte Nase von zunächst leichten Rauchnoten und dunklen Beerenfrüchten. Im Gaumen schmeckt man dichtmaschiges Tannin, Süßholztöne, Minze, Thymian, Lakritz und etwas Schokolade. Diese Würze wird durch leichte Zedernholznoten abgerundet: ein mächtiger und dennoch geschmeidiger Wein mit prächtigem Druck am Gaumen und einem langen kräftigen Abgang.

Dazu fehlt mir jetzt nur noch der passende Wildschweinbraten, auf den ich aber etwas warten muss. Statt dessen probiere ich noch das kaltgepresste Olivenöl, das trotz der frischen grünen Noten nach Artischocke und Pfeffer etwas rundes, fasst buttriges hat. Der Geschmackskreis schließt sich und auf der Zunge bleibt Wohlbefinden trotz ausgefallenem Mittagessen.

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Links: www.fonterutoli.it