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Huber - "Er hätte das gut gefunden"

Die Sonne strahlt, als ich am Bahnhof Riegel-Malterdingen aus dem Zug steige. Ein sehr gelbes Licht, das weder zu der Jahreszeit noch zum Ort so richtig passen will. Ich komme mir eher vor, als sei ich in ein Westerndorf geraten. Wie schnell abfließendes Wasser verschwinden die paar Mitreisenden in ihre Autos auf dem Parkplatz und zurück bleiben Julian Huber, der mich hier abholt, und ich.

Für Augen wie die von Julian sagt man im Englischen „electric“, weil das Blau so strahlt, als sei es ein Blitz, oder von hinten beleuchtet. Der Kontrast zu seinem kupferroten Vollbart und der leicht gebräunten Haut bringt diese Farbe noch weiter hervor. Ich sehe ihn zum ersten Mal unter freiem Himmel, bisher hatte ich Julian nur auf der ProWein in Düsseldorf kennengelernt. Es ist offensichtlich, dass er hier im Freien in seinem Element ist. „Wollen wir erstmal in die Weinberge?“, fragt er begeistert. Am Vortag war Vollmond, jetzt habe das Wetter umgeschlagen und dadurch sei viel zu tun. „Am liebsten machen wir alles bei Hochdruck, ob im Weinberg oder im Keller, beim Hoch geht alles besser.“ Aber Moment, nochmal einen Schritt zurück – Vollmond? Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir meine Großmutter immer belächelt haben, wenn sie behauptet hat, der Mond ändere das Wetter. „Doch, doch“, bekräftigt Julian, „das ist besonders hier in der Gegend total stark zu beobachten.“

Bernhard Huber Sommerhalde

Unterdessen sind wir am ersten Weinberg, dem Kapellenberg, angekommen. Der ganze Hügel ist als Schlossberg mit klassifiziert, obwohl man die Schlossruine von hier nicht einmal sehen kann, von dem dazugehörigen Berg ganz zu schweigen. „Das ist ein großes Problem in Baden, dass die Lagen zu groß sind“, meint Julian. Das wird er noch öfter beklagen. Bei so gut wie jeder Lage, die wir besuchen, ob Schlossberg, Sommerhalde oder Bienenberg deutet er in eine Richtung und sagt: „Das da gehört noch alles dazu, aber der Boden ist viel zu tief. Da liegt zu viel Löss.“ Der Kapellenberg hat aber den richtigen Boden, daher werden die hier geernteten Trauben auch bei Hubers dem Schlossberg zugeteilt. „Wir haben 2017 in dem schwierigen Jahr hier getrennt gelesen und ausgebaut, weil der Weinberg sich anders verhalten hat, als drüben der Schlossberg. Da habe ich gemerkt, wie schön der sich auch allein präsentiert.“ Aus diesem Grund hat Julian die Trennung der Weinberge beibehalten. „Weißt du, die Stöcke kommen langsam in ein Alter, in dem sie ihren Charakter voll entfalten. Die sind jetzt so 18 oder 19 Jahre alt.“ Er überlegt noch, wie er es genau umsetzen soll, aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Kapellenberg einzeln gefüllt wird. Aber das ist beileibe nicht das Einzige, was er ändert.

Wir kurven etwas weiter den Berg hoch. „Hier ist der Boden schon ganz anders, aber was ich dir eigentlich zeigen wollte … Schau dir mal die Rebstöcke an.“ Ich bemerke, dass jede Pflanze in der Höhe ihres Kopfes umwickelt ist. Als hätten sie einen Turban an. Julian erklärt, dass der Weinberg umveredelt wurde. Der Spätburgunder- Klon, der vorher hier stand, hatte viel zu große Trauben. „Solche Dinger waren das“, sagt er und braucht beide Hände, um zu zeigen, wie dick die gewesen sind. Dieser neue Klon sei feiner und gebe auch besseren Wein. „Das Beste ist aber, dass durch diese Methode die Wurzeln erhalten werden. Man braucht also nur zwei Jahre, bevor man wieder richtig ernten kann.“ Julian schwärmt von den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Hecklingen mit SchlossbergJulian Huber um neu gepflanzten Chardonnay-Weinberg

Nur ein Stückchen die Straße weiter sieht man die Ruine, die dem Schlossberg seinen Namen gibt. Darunter im Tal, zwischen uns und dem Weinberg, liegt Hecklingen. Der Weinberg ist steil, als wären wir in einem Flusstal. Aber nach Westen hin streckt sich die Rheinebene, den Horizont bilden die Vogesen im Dunst. „Diese steilen Teile da, da ist wieder so extrem karger Boden“, schwärmt Julian, „da kann man fantastische Weine machen.“ Aber es ist viel Arbeit bei wenig Ertrag, besonders weil bei Hubers sowieso alles daran gesetzt wird, die Weine ganz besonders konzentriert zu machen. Extreme Ertragsreduzierung oder, wie Julian mir in einer neu bepflanzten Parzelle zeigt, besonderer Konkurrenzdruck der Stöcke untereinander. „Wir haben meist 70 Zentimeter Abstand der Stöcke zueinander, aber hier sind wir noch enger geworden, auf 50 Zentimeter runter.“ Dicht gedrängt stehen die Pflänzchen im Weinberg. Mir tun sie fast ein bisschen Leid, aber Julian ist da nicht zimperlich: „Konkurrenz stachelt die Reben zu Höchstleistungen an. Das mag zwar ein harter Weg sein, aber das Ergebnis spricht für sich.“ Den ganzen Weinberg habe übrigens die Familie vom Staatsweingut 1995 erworben. Die hatten hier mit Rebsorten experimentiert. „Damals stand hier alles mögliche, vom Müller-Thurgau über Cabernet bis Syrah.“ Bis auf einen altehrwürdigen Gewürztraminer-Stock etwas abseits steht davon nichts mehr. Stattdessen nur die Kern-Sorten des Weinguts: Spätburgunder und Chardonnay. „Das Terroir, das wir haben, ist einfach genau richtig für diese Burgundersorten.“ Aber die Arbeit der Versuchsanstalt, die viel gespritzt hat, macht sich in den Böden noch immer bemerkbar. Es dauere mindestens dreißig Jahre, bis sich das Erdreich völlig erholt hat, sagt Julian. Deswegen kämpft er noch immer darum, den Boden aufzulockern und etwas mehr Begleitgrün zwischen die Rebzeilen zu bekommen. Eine Heidenarbeit, weil alles mit der Hacke gemacht werden muss.

„Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir so fantastisch gepflegte Weinberge hinterlassen haben.“ Den Schlossberg zum Beispiel hat Bernhard Huber gekauft, als sich niemand im Ort für Qualitätswein interessiert hat. Dort hat Bernhard von Anfang an nur die besten Burgundischen Klone gepflanzt. In den zwei Jahren zwischen der Krebsdiagnose des Vaters und dessen Ableben hat Julian eng mit Bernhard zusammengearbeitet. „Es war schon so, dass er das letzte Wort hatte. Aber er hat sich alle meine Ideen angehört und einiges haben wir auch schon zusammen in die Wege geleitet.“ Dazu zählt auch die neue Parzelle Schlossberg, wo die Pflanzen so eng stehen. Die hat zwar Julian gepflanzt, aber geplant und entschieden haben noch Vater und Sohn zusammen. Das gilt auch für den neuen Kurs, den Julian bei den Weißweinen eingeschlagen hat. „Mein Vater hat viel mehr auf Frucht gesetzt. Da wurde der Weißburgunder zur Hälfte in Edelstahl ausgebaut und die andere Hälfte kam in Neuholz.“Da hat Julian die größten Neuerungen eingebracht. Heute sehen seine Weißweine komplett das Holz, jedoch nur noch zu einem Drittel neue Fässer. Insofern, scherzt er, sei es toll, dass sein Vater so viele neue Barriques benutzt hat. Denn immerhin hatte er dadurch genug gebrauchte Fässer, um diesen Plan sofort umzusetzen. Die Stilistik hat sich dadurch deutlich verändert, hin zu mehr Frische und Eleganz, weg vom stärkeren Akzent auf die Frucht, den sein Vater gesetzt hatte. „Wir haben damals vor seinem Tod darüber gesprochen und er hat erste Versuche auch probiert. Ich denke, er hätte das sehr gut gefunden, was ich hier mache.“ Und die Kunden? „Es sind schon auch welche abgesprungen. Aber die meisten finden das auch gut und sind die Entwicklung mitgegangen. Die verstehen auch, dass man die Weine am besten noch ein bisschen weglegt.“

„Ich habe viele Ideen, die ich dann aber immer sofort und auf dem gesamten Weingut umsetzen will. Das ist wohl nicht immer das Klügste“, meint Julian mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo in der Mitte zwischen Selbstironie und Zerknirschtheit liegt. Irgendwie erinnert er dabei an einen Jungen, der mit der Hand in der Keksdose erwischt worden ist. „Verdammt“, denke ich nicht zum ersten Mal, „der ist ja nicht einmal 30!“

Den Malterdinger Bienenberg und die darin befindliche Parzelle Wildenstein erreichen wir von oben, aus dem Wald kommend. Ein wildromantischer Hohlweg führt uns in den Weinberg und wieder breitet sich vor uns das große, flache Tal aus, eingerahmt links von Feldberg und Kaiserstuhl, vor uns im Westen die Vogesen.

Bernhard Huber Bienenberg mit der Parzelle Wildenstein

Der Bienenberg mit rechts dem Wildenstein und im Tal das Weingut Bernhard Huber Gedenkstein Bernhard Huber im Wildenstein

Durch den Wildenstein hüpft gerade ein Reh und ich fühle mich in eine merkwürdige Heimatfilm-Stimmung versetzt. Unten im Tal, dem Ort Malterdingen von hier aus etwas vorgelagert, steht das Weingut. „Schön habt ihr’s hier.“ „Ja, stimmt schon. Aber meist sieht man das ja gar nicht so, wenn man immer hier ist.“

Wir drehen noch eine Runde durch den Wildenstein, die Lieblingslage von Bernhard Huber. „Der Boden ist besonders hart, das war mal ein Steinbruch.“ Meine Schuhe klacken wie zur Bestätigung auf dem Boden, als lägen hier Marmorfliesen. Julian erklärt mir währenddessen die Besonderheiten des hier stehenden Spätburgunder- Klons. Den habe sein Vater gesetzt, aber man habe sehr schnell festgestellt, dass die Pflanze dazu neigt, an der Spitze der Triebe stärker zu wachsen, als näher am Stock. „Dadurch wurde das sehr unregelmäßig“, sagt Julian. Also sei man dazu übergegangen, zwei kürzere Triebe stehen zu lassen, die wie zwei Fühler aussehen. Oder – wir sind ja schließlich im Wildenstein – zwei Hörner.

Ein paar Schritte weiter in den Weinberg hinein steht ein kleines, grün angestrichenes Gartenhäuschen. Zum Tal hin hat es eine kleine Terrasse, und ein Schild auf dem steht: Bernhard’s Rebhiesli. „Wenn japanische Importeure hier waren, ist mein Vater gerne mit denen hier rauf gekommen. Dazu ein Schluck Sekt und dann ging es gleich viel besser mit den Verhandlungen.“ Direkt neben dem Häuschen steht ein zurückhaltender, fast unscheinbarer Gedenkstein, natürlich Kalkstein aus dem Weinberg: Darauf steht Bernhard Huber, Winzer aus Leidenschaft. Während ich den Stein fotografiere, ist Julian „nur ganz kurz“ eine Terrasse höher gelaufen. Dort arbeitet gerade ein Mann an der Begrünung zwischen den Rebzeilen. Keine Zeit, sentimental zu werden. Ohne Zweifel ist Bernhard nicht als einziger Huber Winzer aus Leidenschaft.

 

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2016 Malterdinger Spätburgunder

Eine herrliche Symbiose zwischen burgundischer Struktur und badischer Lebenslust. Beim Malterdinger Spätburgunder arbeitet Julian Huber die feine, frische Ader des Pinots heraus. Das ist ein Ergebnis der konsequenten Weiterentwicklung des Weinstils unter seiner Leitung, die auch bei den großen Lagenweinen immer weiter voranschreitet. Filigranität und Trinkfluss sind alles. Reife und Konzentration stehen immer nur im Dienst. Da kommt die feine Art des 2016er Jahrgangs voll zum Tragen. Die Trauben kommen aus Rebanlagen, die im Schnitt rund 20 Jahre alt sind und voll im Saft stehen. Das Weingut Huber wird von Weinkennern mittlerweile in einem Zug mit den großen Vertretern des Burgunds genannt. Da ist sicher mehr als etwas dran, wie schon dieser Ortswein souverän demonstriert.

0,75l statt 19,90 € nur 18,50 € shopping_basket

 

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2016 MALTERDINGER TROCKEN

Das ist streng genommen kein neuer Wein von Julian Huber. Die Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay tritt ab 2016 quasi an Stelle des trockenen Weißburgunders. Der neue weiße Malterdinger soll so ganz einfach den Stil des Hauses widerspiegeln. Durch die Hinzunahme von Chardonnay in die Cuvée entsteht mehr Spielraum für Julian, jedes Jahr einen weingutstypischen Wein zu füllen, der alles in sich trägt, was man auch mit den großen Weinen des Hauses verbindet: Eleganz und klare Aromatik. Wir sind in jedem Fall erfreut, denn der weiße Malterdinger ist einfach ein fantastischer Tropfen, der neben feinen Fruchtaromen über einen sehr dezenten Holzfass-Touch verfügt, der sich bestens einfügt, und für Struktur und Finesse sorgt. Seine frankophile Ader weckt Assoziationen an Bourgogne blancs von Top-Produzenten im Burgund.

Sommelier Choice Noreen Rudolph:

"Dass ich die Weine von Julian Huber liebe und dem Weingut eng verbunden bin liegt nicht nur an den tollen Menschen dort. Die Weine tun ihres dazu."

0,75l 21,00 € shopping_basket

 

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2010 MALTERDINGER BIENENBERG SPÄTBURGUNDER R, GG

Wir freuen uns immer wieder, dass wir aus den Tiefen des Kellers den ein oder anderen Tropfen hervorzaubern können, den wir haben heranreifen lassen. Denn nichts ist schöner, als Weine zu verkaufen, die im besten Trinkalter sind. Das Bienenberg GG von 2010 stammt aus Rebanlagen, die über 40 Jahre alt sind. Sie stehen auf kleinen Terrassen in einem steilen Kessel mit optimaler Südwest-Ausrichtung, in dem schon vor über 700 Jahren Zisterziensermönche aus Burgund Spätburgunder kultivierten. Die Maischegärung erfolgte über einen Zeitraum von 20 Tagen, der Ausbau in Barriques 18 Monate. Mit seinem umfangreichen Duftspektrum, würziger Dichte und beachtlicher Kraft und Feinheit ist der Bienenberg jetzt ein genialer Genuss. 2010 ist ein echtes Topjahr für Spätburgunder in Deutschland, denn es verbindet Fülle mit animierender Frische. Der Bienenberg ist einer seiner herausragenden Vertreter.

0,75l 53,00 € shopping_basket


Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.