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Hermann Dönnhoff - "Das hat zuerst keiner gemerkt"

Vater und Sohn Dönnhoff, Helmut und Cornelius, haben so etwas herrlich typisch deutsches an sich: ehrlich und ohne Umschweife auf den Punkt sind sie beide. Da wird nicht beschönigt oder um den heißen Brei geredet. “Nicht mit der Familie zu arbeiten wäre definitiv leichter”, sagt der eine. Der andere: “Absolut!” Aber um den leichtesten Weg geht es ihnen nicht. Sie wirken wie Menschen, die die Erkenntnis gewonnen haben, dass der schwerere Weg meist trotzdem der bessere ist.  

Anika und ich sitzen zusammen mit Vater und Sohn Dönnhoff im modernen Verkostungsraum des Weinguts. Die lange Tafel aus hellem Holz trennt diagonal den Raum, jeder hat ein Glas mit Gutswein, dem Tonschiefer, in der Hand. Helmut trinkt als erstes, ohne viele Umschweife. Ich konzentriere mich auf die Nase und freue mich daran, wie auch dieser Wein Dönnhoff-typisch klar ist und seine Aromen wie eine gute Hand beim Pokern vor einem auffächert. Cornelius sieht den Wein vor allem an. Erst spät trinkt er auch einen Schluck. Langsam, bedächtig, nachdenklich wirkt er dabei.

Eigentlich hat Cornelius bereits vor zehn Jahren die Geschäfte übernommen. 2007 hat er angefangen. “Das hat zuerst keiner gemerkt, dass das meine Weine waren”, sagt er und grinst ein wenig spitzbübisch. Er scheint stolz darauf zu sein, es allen (nicht) gezeigt zu haben. Immerhin hat er damit bewiesen, dass er die Fußstapfen seines Vater ausfüllen kann, der Dönnhoff von einem eher unbedeutenden, dörflichen Mischbetrieb zu einem Weingut von internationalem Renomée gemacht hat. Dass es eine Art Familienstil gibt, erklärt sich für Cornelius ganz einfach aus zwei Gründen heraus: Erstens stelle das Terroir gewisse Ansprüche an den Winzer und den Wein. Zweitens habe er schon früh probiert, was der Vater für Weine trank. “Da bin ich schon von ihm geeicht worden.”

Auch wenn Wein trinken für ihn heute ganz anders sei als damals, wo es eher nebenher lief. Aus dem Genuss ist heute in viel größerem Maß eine Arbeit, oder sagen wir besser, eine Aufgabe geworden: “Ich probiere Weine und wenn ich etwas daran interessant finde, dann will ich wissen, warum das so ist, wie das gemacht wurde.” Es gebe so unendlich viele Variablen bei Wein, dass es ihn teilweise fast in den Wahnsinn treiben kann, wenn er versucht, der Machart auf den Grund zu gehen. Teilweise rufe er dann sogar die Kollegen an und frage: “Neulich Abend hatte ich einen gereiften Aulerde, der hat mir keine Ruhe gelassen. Da musste ich mitten in der Nacht den Philipp Wittmann anrufen und ihn fragen, was er da gemacht hat. Ich glaube, sonst hätte ich nicht schlafen können.” Das nimmt man ihm sofort ab. Wenn Cornelius einen Eindruck macht, dann einen konsequenten.

Helmot und Cornelius Dönnhoff vorm FelsentürmchenLetzte Trauben warten auf Edelfäule

Dabei wollte er nie Winzer werden: “Es war nicht so, dass ich aus der Schule kam und die Ärmel hochgekrempelt habe, um sofort in den Weinberg zu gehen.” Und in seiner Art, auch Unvorteilhaftes einfach auszusprechen, schiebt er dann einen verblüffenden Grund hinterher: “Aber mir ist nichts Besseres eingefallen.” Aber selbst wenn der Grund so banal war, auch hiergilt der Grundsatz: Wenn schon, dann auch richtig. Er hat also den langen, praktisch geprägten Weg genommen. Zunächst war er zur Ausbildung bei Heger in Baden. Danach in Geisenheim hat es ihn nicht lange gehalten – zu viel Theorie. Stattdessen ging es auf die Südhalbkugel, nach Neuseeland unter anderem. Immer wieder war er zwischen den Stationen kurz beim elterlichen Weingut. “Aber ich war zu jung, mein Vater war zu jung, das ging nicht.” Zweimal. Beim dritten Mal wäre es dann schon gegangen. Aber Cornelius hatte gerade die Frau kennengelernt, die er zwischenzeitlich geheiratet hat. “Sie kommt aus Köln, hatte mit Wein dementsprechend gar nichts zu tun.” Ich überlege kurz, ob ich mit unserem Weinkeller dagegen halten kann, halte aber doch lieber die Klappe und lasse Cornelius weiter erzählen: “Ich bin dann für eine Ernte mit ihr nach Neuseeland gegangen, Weinbau im Crash-Kurs. Danach haben wir hier angefangen.”

Und wie fand das der Vater? “Ich habe mich darauf gefreut, dass unsere Familiengeschichte weitergeführt wird.” Dass Cornelius zuerst gefremdelt hat mit dem Beruf ist für Helmut nichts Außergewöhnliches. “Mir ging es ganz genauso damals, als ich das Weingut übernommen habe. Ich war neidisch auf meine Freunde, die sich ihren Weg selbst aussuchen konnten. Für mich gab es keine Wahl. Der Spaß kam erst später, weil der Beruf so vielseitig ist und so viele Herausforderungen mitbringt.”

Für Cornelius kommt der Spaß dabei vor allem, wenn er draußen ist. Wir brettern mit einem alten, weißen Jeep durch die Weinberge. Es ist ein besonderer Genuss, Cornelius dabei zu erleben, wie er mit traumwandlerischer Sicherheit teilweise für Minuten in Vollgas rückwärts am Steilhang entlang kurvt. Gut, man kann sich danach einen Bypass setzen lassen, aber man hat mehr Spaß und Nervenkitzel als auf jeder Achterbahn. “Ja! Rückwärtsfahren lernt man hier!”, ruft Cornelius lachend. Mir gehen dabei Gedanken an ein nasses Grab in der Nahe, geschätzt 40 Meter weiter unten, durch den Kopf.

Für diese Jeep-Fahrt am Abgrund werden wir aber gleich in mehrfacher Hinsicht entschädigt. Zum einen dürfen wir vom legendären Felsentürmchen ein paar Touristenfotos machen. Zum anderen wage ich es, im strahlenden Sonnenschein zwischen den Rebzeilen den Weinberg zu erklimmen. “Na, da haste dir aber was vorgenommen”, feixen Anika, Helmut und Cornelius und ich denke noch stolz, dass ich immerhin Stiefel anhabe. Zum Glück spreche ich diesen Gedanken nicht aus, denn seitdem weiß ich auch um die Vorzüge von Gummisohlen mit Profil im Vergleich zu den glatten Ledersohlen an meinen Großstadt-Treterchen. Mit Mühe und Not schaffe ich es hinauf, denn die Blöße, aufzugeben kann ich mir natürlich nicht geben. Jetzt kenne ich den Porphyr des Felsenberges aus sehr naher Anschauung. Und die Anekdote, die Helmut erzählt, als ich den Abstieg wieder geschafft habe, kann ich nun auch nachfühlen: “Hier war mal ein englischer Händler, der hat unten im Weingut bei der Verkostung noch gemeint, wir wären zu teuer. Da habe ich ihn einfach mal hier den Berg hoch laufen lassen. Danach meinte er, die Weine seien fast noch zu günstig.” Gut, dass ich nicht für den Einkauf zuständig bin!

Ein kurzes Stück weiter mit der Jeep-Achterbahn und wir stehen auf der Niederhäuser Hermannshöhle. Fast sind wir noch in Sichtweite des Felsentürmchens, der Boden hier ist aber völlig anders. “Das ist ein Schiefer, der viel Kohlenstoff enthält, ganz anders als an der Mosel zum Beispiel.” Das Gestein ist porös und kann zum Teil mit der Hand zerbröselt werden, wie Cornelius begeistert vorführt. “Das ist das Besondere hier an der Nahe. Man hat ganz unterschiedliche Böden, die so nah beieinander liegen, dass man so ziemlich dasselbe Mikroklima hat.” Cornelius’ Augen leuchten, während er davon erzählt. Man spürt, hier nähert man sich dem Kern seiner Begeisterung.

Felsentürmchen Hermann Dönnhoff

“Ich bin sehr detailversessen”, meint er. “Das habe ich übrigens mit meinem Vater gemeinsam.” Und er berichtet, dass sich beide immer noch manchmal in die Haare bekommen. “Da kann es dann auch schon mal darum gehen, ob wir unten oder oben am Weinberg mit der Lese beginnen.” “Ehrlich?” “Ja, klar! Jedes Detail verändert schließlich den Wein.” Aber, auch wenn sie bei solchen Gelegenheiten manchmal beide ihren Dickkopf haben, letzten Endes treffen sie sich doch “in der Mitte”, wie Cornelius sagt. Oder, wenn die Mitte nicht in Frage kommt, dann setzt sich Cornelius durch. Er ist schließlich jetzt der Chef. “Da ändert sich schon einiges im Verhältnis”, meint Helmut achselzuckend. “Man ist gewohnt, die eigenen Kinder vor Schaden zu bewahren und zu beschützen.” Ein Verhalten, das man unbedingt ablegen muss, wenn man vernünftig zusammen arbeiten möchte, das sieht er ein. “Man muss sich schon klar machen, dass die erwachsen sind”, sagt er grinsend. Und Cornelius stimmt ein: “Wenn ich etwas in den letzten Jahren von meinem Vater gelernt habe, dann ist das Gelassenheit. Jedenfalls ein bisschen.”

Wenn man übrigens einen weiten Blick in die Zukunft werfen will: Die Nachfolge wäre theoretisch auch geregelt. “Falls mein Sohn das aber nicht machen will”, meint Cornelius, “dann ist das halt so! Man lebt nur einmal und da sollte man seine Zeit nicht mit etwas vertun, was man nicht möchte.” “Individualist!”, grinst der Vater.  

 

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2018 GRAUBURGUNDER

Das Schöne an großen Winzern ist, dass sie auch aus Gutsweinen etwas Besonderes machen. Der Dönnhoff’sche Grauburgunder 2018 ist sicher kein gewöhnlicher Sortentyp, denn in seiner feinen Art stecken die bewährten Qualitäten, die auch die Rieslinge des Weingutes auszeichnen. Dieser Wein zeigt viel Charakter, ist kraftvoll aber nie mächtig, sondern das Gegenteil. Seine Filigranität mit zartem Schmelz und intensiven Aromen von Steinobst, Nüssen und Wiesenkräutern sind anregend und spannend. Die etwa 30 Jahre alten Reben wachsen auf Hängen an der mittleren Nahe auf vulkanischem Verwitterungsböden sowie Lößlehm. Gelesen wird natürlich selektiv per Hand. Das Lesegut wird im klassischen großen Holzfass aus deutscher Eiche vergoren und reift darin weitere sechs Monate. Wahrlich große Klasse für einen Gutswein.

0,75l 12,50 € im 11+1 shopping_basket 

 

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2018 TONSCHIEFER RIESLING TROCKEN

In 2018 ist der Tonschiefer Riesling von Hermann Dönnhoff wieder sehr trinkfreudig geraten. Der warme Jahrgang sorgt für angenehme Fruchtfülle und bestens integrierte Säure mit feinem mineralischen Spiel sorgt für genialen Trinkfluss. In diesem gehobenen Gutswein stecken eben genauso viel Aufmerksamkeit und Winzerhandwerk wie in den berühmten Lagenweinen des Gutes. So entsteht ein Riesling mit Substanz und herrlicher Klarheit, der wie immer sehr balanciert ist und auch jung genossen schon großes Trinkvergnügen bietet. Kein Wunder, dass er sich so großer Beliebtheit erfreut. In diesem Jahr kommen hier auch Weintrinker auf Ihre Kosten, die wegen der höheren Säure normalerweise vor Riesling zurückschrecken. Ein Tausendsassa mit Finesse!

Sommelier Choice Noreen Rudolph:

"Für einen Gutswein ist es schier unglaublich, wie raffiniert und mineralisch dieser Riesling daherkommt. Das geht auch im fülligeren Jahrgang 2018 nicht verloren!."

0,75l 13,50 € shopping_basket

 

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2017 NORHEIMER KIRSCHHECK RIESLING SPÄTLESE

Das Nordheimer Kirscheck ist die älteste, urkundliche erwähnte Lage der Nahe. Eine reine Südlage mit intensiver Sonneneinstrahlung, was Jahr für Jahr optimale Reife garantiert. In den Dönnhoff’schen Parzellen stehen die bis zu 40 Jahre alten Reben auf Böden aus Grauschiefer und Sandstein. So entsteht eine spannungsreiche Spätlese mit ausladender Frucht. Im Glas offenbart sie ein fruchtig-intensives Bukett von Orangenblüten, Pfirsich und Limette mit zarten Umrissen von nassem Stein und frischen Kräutern. Klar und präzise im Geschmack, entwickelt sich saftige Fülle mit anregend frischer Ader bis ins lange, schieferwürzige Finale. Eine niveauvolle Spätlese mit geringem Trinkwiderstand.

0,75l 18,50 € shopping_basket

 

Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.