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Heinz Schmitt Erben - Das Andenken ehren

Bei Schmitts ist es wie beim Familienbesuch. Nacheinander begrüßen einen Mutter Silvi mit einem warmen Lächeln, Hund Nero, der mit seiner gesamten hinteren Hälfte wedelt, und als letzter Carlo, der hoch aufgeschossene Jungwinzer. An der Gartentür hängt ein Schild: “Hotel Mama, always open”. Es gibt frischen Kaffee und wir sprechen über den 1. FC Köln, der auch hier an der Mosel seine Fans hat. Carlo ist einer davon, der 20-Jährige spielt auch selbst Fußball, “Linksverteidiger oder auf der Sechs, so wie Jonas Hector.” Leider lasse ihm die Arbeit als Winzer wenig Zeit zum spielen. Moment – Winzer! Stimmt ja, das ist gar kein Familienbesuch, Anika und ich sind doch zum Arbeiten hier.

Also erzählt uns Carlo seinen bisherigen Werdegang und was seit dem tragischen Tod seines Vaters 2010 geschehen ist. Hier und da springt ihm Silvi bei, klar, denn Carlo war erst zwölf Jahre alt, als Heinz Schmitt kurz vor der Erntezeit im Weinberg verunglückte. Dabei beginnt die Geschichte, die uns die Schmitts erzählen, erst nach dem Unfall. Auch etwa achteinhalb Jahre später ist es offenbar zu schmerzhaft, auszusprechen, was damals geschah. Jedenfalls schaffte es die Familie mit vereinten Kräften und viel Solidarität anderer Winzer aus Leiwen die Ernte einzubringen, einige der lagernden, reifen Süßweine zu verkaufen und ohne größere Schwierigkeiten gepachtete Flächen zurückzugeben. Dabei war immer klar, dass das Weingut an Carlo übergehen werde. “Wenn ich damals den Traktor im Hof hörte, bin ich immer rausgerannt und wollte mit.” Das klingt wie eine charmante Übertreibung, bis man den bestätigenden Blick von Silvi auffängt. “Das war manchmal gar nicht so leicht, ihn dazu zu bringen, in die Schule zu gehen”, sagt sie grinsend. Heute hat Carlo die Ausbildung zum Winzer abgeschlossen und arbeitet in Teilzeit auf einem Weingut in Luxemburg, in diesem Jahr will er zudem eine weitere Ausbildung als Weinbautechniker beginnen.

Carlo Schmitt - Heinz Schmitt ErbenHeinz Schmitt Erben

Und seine Weine? “Wir bewirtschaften jetzt etwa zwei Hektar in besten Lagen. Was dort in den Weinbergen geschieht, ist das Allerwichtigste. Im Keller geht es vor allem um kontrolliertes Nichtstun.” Im Moment sei gerade fertig geschnitten und gebogen worden, die Reben wurden zu den traditionellen Mosel-Herzen zusammengebunden. “Ich mache mir sehr viel Mühe, die perfekt stehen zu haben.” Dabei kommt es auf akribische Detailarbeit an. “Ich will die Herzen sehr eng haben, weil dadurch der Ertrag reduziert wird. Wir haben größtenteils alte Reben, was an sich schon bessere Traubenqualität ergibt, aber was wir jetzt gerade im Weinberg gemacht haben, tut seinen Teil dazu, dass wir den besten Wein bekommen.” Dazu kommt natürlich auch die Besonderheit der Mittel- mosel, das überall leicht verschiedene Mikroklima. Der Schieferboden ist es nicht, der den großen Unterschied macht. Der ist zwar auch überall ein bisschen unterschiedlich, aber Carlo erklärt, dass es durch die geschwungene Biegung der Hänge, die den Moselschleifen folgen, in jedem Weinberg ein eigenes Mikroklima gibt. “Das ist es, was unsere Weine ausmacht.” Dabei ist Carlo vor allem darauf aus, den Stil seines Vaters fortzuführen. “Normalerweise streitet man sich ja mit dem Vater im Keller. Manchmal so heftig, dass manche Leute komplett die Lust am Weinmachen verlieren. Bei mir war das anders, ich wollte immer vor allem wissen: Wie hat es der Vater gemacht?” Deswegen hat er auch früh schon angefangen, mit in den Keller und in die Weinberge zu gehen. In der Praxis hat er dabei viel vom Kellermeister Erich Clüsserath gelernt. Der heute 82-Jährige hat schon mit Heinz Schmitt zusammengearbeitet und langsam den Betrieb an Carlo übergeben.

2017 war dann der erste Jahrgang, den Carlo komplett in Eigenregie gemacht hat, “und der war überraschend gut.” Viele Kollegen hätten probiert und die Weine gelobt, auch die Kritik sei hellhörig geworden, dass hier jemand das große Erbe seines Vaters antritt. Natürlich sei das auch eine Bestätigung für ihn, zumal er die Arbeit wirklich gern macht, “aber ich verspüre jetzt schon einen gewissen Druck, weil der 17er so gut war.” Umso mehr, weil er das Gefühl hat, er müsse beweisen, dass “der Vater Recht hatte”. Immerhin, so sagt er weiter, sei das Weingut mal eine der ersten Adressen der Mosel gewesen.

Und was meint er genau, wenn er vom Vermächtnis seines Vaters spricht? Das wird klar, als uns Carlo und Silvi mit in ihre Weinberge nehmen. Da ist diese tolle Mosel-Dramatik mit den abschüssigen Schieferhängen und den knorrigen, alten Rebstöcken. Da ist diese majestätische Weite des geschwungenen Tals und der mäandernde Fluss ganz unten. Man hat das erhabene Gefühl, dass einem die Welt zu Füßen liegt, und gleichzeitig kommt es einem vor, als sei man nicht größer als eine Ameise. Kaum verwunderlich, dass gefühlt alle paar Meter eine Kapelle in den Weinbergen steht. “Wir waren eins der ersten Weingüter, das konsequent die Idee wiederbelebt hat, im Steilen erstklassige Weine zu machen.” Das ist allerdings eine ganz schöne Plackerei, weswegen Heinz Schmitt, als er anfing, noch von vielen Kollegen für verrückt erklärt wurde. Und letztlich, vielleicht muss man das so sagen, hat Heinz dafür mit dem Leben bezahlt, denn er ist mit dem Traktor in der Köwericher Laurentiuslay, am Steilhang, abgestürzt. Was in seinem Sohn vorgeht, als wir gemeinsam in dem Weinberg stehen, lässt sich nicht sagen. Lieber zeigt er uns eine Parzelle in der Nähe, die er gerade neu dazu bekommen hat. “Ich habe ein Drittel der Rebstöcke entfernen müssen, das war viel zu viel hier. Und da muss auch noch Begrünung zwischen die Reihen …“ Es ist immer was zu tun.

Heinz Schmit Erben - Silvi und Carlo Schmitt

Wir fahren mit dem Auto alle Weinberge ab, die Schmitts bewirtschaften. Dabei fällt auf, wie sehr Silvi ihrem Sohn vertraut. Schon beim Gespräch auf der Terrasse hatte sie ihn stets erzählen lassen, ohne je mütterlich-korrigierend einzugreifen. Nur, wenn er etwas nicht wusste und direkt fragte, schaltete sich Silvi ein. Im Auto gibt sie offenbar ebenso bereitwillig die Kontrolle ihrem Sohn. Der fährt fröhlich jede Geschwindigkeitsbegrenzung ignorierend von Leiwen nach Köwerich und Trittenheim und wieder zurück, ohne dass Silvi mit der Wimper zuckt. Da habe ich Mütter auf dem Beifahrersitz auch schon ganz anders erlebt.

Die Krönung unserer Rundfahrt um Leiwen ist der Besuch im Neumagener Rosengärtchen. Hier stehen uralte Reben aus den 1930er Jahren. Dürre, zähe Pflanzen, die sich an ihren Einzelpfählen jeden Zentimeter nach oben erkämpft zu haben scheinen. Die Lage ist in vielen kleinen Terrassen angelegt, dazwischen immer wieder uralte Trockenmauern. Es ist Carlos Lieblingsweinberg. Er hat unheimlich viel Arbeit hinein gesteckt, zumal hier auch wirklich alles von Hand gemacht werden muss und jedes Mal kraxelt der Winzer die schmale, steile Treppe hinauf. “Ich habe viele Pfähle ersetzt, die schleppt man dann alle auf dem Rücken hier herauf.” Aber dafür hat man einen Weinberg mit richtig viel Charakter. Er liegt ganz oben am Hang, die Erde ist besonders dünn hier und hält wenig Wasser, wodurch die Aromen in den Trauben konzentriert werden. Oberhalb der Parzelle von Schmitts gibt es nur noch Gestrüpp. “Wir glauben, da hat der Uhu seinen Horst”, sagt Silvi. “Der Uhu?”, staune ich. “Ja, den gibt es wirklich, nicht nur auf den neuen Etiketten”, sagt Carlo und kramt sein Handy heraus. Er hat ein Beweisfoto aus dem Morgengrauen. Tatsächlich, da hockt ein riesengroßer Vogel auf dem Felsvorsprung, den wir jetzt – leer natürlich – in strahlender Sonne vor uns sehen. “Aber es gibt noch einen Grund, warum das mein Lieblingsweinberg ist”, verrät Carlo, “den hat mein Vater gekauft, als ich geboren wurde und als er mit mir das erste Mal hier war, hat er zu mir gesagt, das sei meiner.”

Hotel Mama - Heinz Schmitt ErbenHund Nero Heinz Schmitt Erben

Um nicht in der Vergangenheit zu bleiben, sondern den Weinberg auch in der Praxis zu erfahren, geht es nach Hause zu Schmitts, wo das Mittagessen wartet. Zur Kartoffel-Pastinakensuppe mit Eisbeinfleisch trinken wir die feinherbe Spätlese aus dem Rosengärtchen. Die Kombination ist herrlich, in ihrer vermeintlichen Bodenständigkeit verbirgt sich eine subtile Raffinesse, wenn die Frucht des Weins durch die Herzhaftigkeit der Suppe noch gesteigert wird. Und nicht nur für die Suppe gibt der Wein einen kongenialen Begleiter ab, auch Nero der Hund ist plötzlich ganz gehorsam und macht artig Sitz. “Brav”, lobt Herrchen Carlo und tunkt seinen Finger ins Glas – Nero darf ablecken. Eine echte Winzerfamilie bis hin zum Hund.  

 

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2017 RIVANER

Die Mosel steht für Riesling. Die edle, säurebetonte Rebsorte nimmt den Großteil der Rebhänge ein, wo sie zu absoluten Spitzenweinen heranwächst. Vergessen darf man dabei jedoch nicht, dass auch gute Weine aus anderen Rebsorten entstehen können. Der Rivaner von den Schmitts aus Leiwen ist so einer. Schon im Duft zeigt sich fruchtig und sortentypisch würzig, nach Birnenspalten, Aprikosen und Zitronen und etwas Muskatblüten. Sein anregender Geschmack ist unkompliziert, sein fruchtig-würziger Charakter zieht sich auch am Gaumen fort. Er endet angenehm frisch, mit dezenter herber Note, dabei ist er sortentypsich mild und angenehm saftig. Es darf auch mal Rivaner sein!  

0,75l 6,90 € statt 7,50 € shopping_basket

 

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2007 SCHWEICHER ANNABERG RIESLING BEERENAUSLESE

Der Schweicher Annaberg bildet, moselaufwärts kommend den Abschluss der Steilhänge, bevor sich das Moseltal nach Trier hin öffnet und Bäume statt Reben die Hänge bedecken. Der Hang des Annaberges ist in den besten Stücken von rotem Schiefer geprägt und bringt dank diesem Terroir Weine mit außergewöhnlicher Würze hervor. Im Aroma ist diese Beerenauslese sehr exotisch, dabei aber auch prägnant würzig mit Noten von getrockneten Kräutern und Tannenhonig. Am Gaumen präsentiert er sich dann gar nicht so üppig, wie der Duft vermuten ließ, sondern fein ausgewogen und beeindruckend straff mit im ewig langen Nachhall wiederkehrender, animierender Kräuterherbe.  

Sommelier Choice Andreas Brensing:

"Die großartige Beerenauslese reift vorzüglich und wird gefühlt von Jahr zu Jahr besser. Flüssiger Nachtisch, zu würzigem Käse ein Gedicht."

0,375l 19,90 € statt 23,90 € shopping_basket

 

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2017 NEUMAGENER ROSENGÄRTCHEN RIESLING SPÄTLESE FEINHERB

Die feinherbe Spätlese 2017 aus dem Neumagener Rosengärtchen von Heinz Schmitt Erben stammt aus einer eindrucksvollen Parzelle, die mit ihren uralten, zum Teil wurzelechten Reben auf einer Terrasse hoch über der Mosel thront. Ein hedonistischer Fruchtreigen von gelbem Apfel, Aprikosen und Ananas begrüßt im Duft. Der herzhaft animierende Fruchtgeschmack mit wohl akzentuiertem Süße-Säurespiel ist genauso unbekümmert wie vielschichtig. Ein ganz typischer Riesling aus der zu Unrecht noch unbekannten Lage Rosengärtchen. Immer schwingen eigensinnige, florale Nuancen mit, die dem Namen der Lage voll und ganz gerecht werden  

Sommelier Choice Noreen Rudolph:

"Der junge Carlo Schmitt führt das Erbe des Weinguts mit großem Enthusiasmus weiter. Das spürt man in jedem Wein. Und der Weg beginnt erst."

0,75l 12,90 € shopping_basket

 

Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.