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Heger - "Der Vater schiebt uns gerne nach vorne"

Wir sind in Ihringen am Kaiserstuhl. Joachim Heger, der mit Weinen wie dem Grauburgunder Oktav, dem Mimus Spätburgunder und den Weinen aus dem Winklerberg viel zum deutschen Weinwunder beigetragen hat, ist aber gar nicht zu Hause. “Ihr könnt ja auch mit Katharina und Rebecca alleine sprechen”, meinte er, als wir irgendwie nicht zu einem gemeinsamen Termin mit Vater und Töchtern kamen, “ist ja vielleicht gar nicht so schlecht, wenn der Papa nicht dabei ist und immer dazwischen redet.” Bei den Hegers ist der Übergang auch erst ganz am Anfang. Rebecca und Katharina haben sich zwar entschlossen, mit ins Weingut einzusteigen, sind aber beide noch in der Ausbildung. Und trotzdem tragen die Weine auch jetzt ihre Handschrift, denn der Heger-Stil ist hier geradezu familienimmanent.

KATHARINA: “Ich wollte ja eigentlich immer weg vom Kaiserstuhl und immer in die Gastronomie. Hab ich dann auch gemacht und bin zum Franz Keller in den Adler in die Lehre … Zwölf Kilometer – nicht gerade weit weg … Aber danach war ich in Brenners Parkhotel und in der Schweiz. Ich hab mich auch in der Gastronomie immer wohl gefühlt. Aber das steht dann doch immer in Frage, ob das die richtige Entscheidung ist und ob ich das alles hier zurücklassen will. Und mit Mitte 20 hab ich gemerkt, ich muss nochmal was Anderes machen und was Neues lernen und nachdem ich mit Rebecca zusammen hier eine Perspektive entwickelt habe, bin ich dann nach Heilbronn gegangen, um da internationale Weinwirtschaft zu studieren. Der kaufmännische und vertriebliche Teil auf so einem Weingut ist ja auch sehr wichtig. Und das ist eher mein Ding.”

“ALSO HABT IHR EUCH DAS HIER AUFGETEILT?”

KATHARINA: “Das war schon immer so. Die Becki war immer eher im Keller und in der Traubenannahme zu finden, während ich im Büro und im Verkauf saß. Das brauchten wir gar nicht mehr aufzuteilen.”

REBECCA: “Ja ich war als kleines Kind immer schon mit in den Weinbergen und im Keller, bis meine Mutter mich dann mitten in der Nacht rausgeholt hat, weil morgen ja Schule war. Ich fand zwar zwischendurch mal Kosmetikerin ganz toll. So schminken und so … Aber meine Mutter meinte: ‘Becki ich glaube nicht, dass du da auf die Dauer glücklich wirst …’ Ich war auch mal für eine Woche im Praktikum in der Gastronomie bei Keller im Adler …”

KATHARINA: “Oh ja, in deinem Praktikumsbericht stand dann: Nach dieser Woche weiß ich, dass ich niemals in die Gastronomie gehen werde …”

REBECCA: “Es war ja nicht so, dass es mir dort nicht gefallen hat. Aber diese Arbeit, das war für mich so, als müsste ich den ganzen Tag aufräumen …”

KATHARINA: “Stimmt ja auch irgendwie … (sie lacht). Wir hatten einen Onkel, der war lange Oberkellner, natürlich auch im Adler … Aber danach auch Gastronom in Freiburg und für mich war das großartig: immer die festive Stimmung, die ganze Zeit Gäste. Da hab ich immer komplett anders gedacht als Becki.”

REBECCA: “Aber im Büro sitzen, das ist für mich auch furchtbar. Ich muss was tun und dann direkt ein Ergebnis haben. Und nach dem Abitur hab ich dem Papa direkt gesagt, dass ich ins Weingut will. Ich habe nie über eine Alternative nachgedacht.”

KATHARINA: “Das war nach unserer Geburt der glücklichste Tag in seinem Leben, hat er mal gesagt.”

REBECCA: “Ich war mir erst sehr unsicher, wo ich meine Lehre machen sollte. Es ist ja auch oft so, dass die Leute auch was erwarten, wenn man so einen Namen hat. Das erste Jahr bin ich also hier im Kaiserstuhl geblieben. Da hätte ich dann auch jederzeit nach Hause gehen können. Im zweiten Jahr bin ich dann zu Maike Näkel an die Ahr, sie ist damals auch bei uns gewesen und sie konnte ich halt besonders gut leiden und ihre Spätburgunder, das entspricht auch dem, was ich mir so vorstelle. Dann bin ich direkt nach Geisenheim und hab mein Praxissemester im Burgund gemacht. Da bin ich jetzt auch schon im sechsten Semester. Fast fertig, leider.”

Ihringer Winklerberg Weingut Heger Weinbeger von Heger

“WILLST DU DENN NOCH INS AUSLAND GEHEN BEVOR DU IN DEN BETRIEB KOMMST?”

REBECCA: “Da bin ich noch etwas zwiegespalten. Es würde jetzt gerade am Weingut super passen, weil es bei uns zuletzt ein paar Wechsel gab. Andererseits lernt man natürlich auch was, wenn man sich andere Weingüter anschaut.”

“BEZIEHT EUCH DER VATER DENN SCHON MIT EIN IN ENTSCHEIDUNGEN?”

REBECCA: “Ja klar. Er versucht uns schon immer abzuholen, aber am Ende sind wir ja noch nicht im Weingut und deshalb muss er natürlich entscheiden. Ich komme jetzt nicht am Wochenende nach Hause und lege Samstags noch Weine um oder fange an zu filtrieren, weil ich der Meinung bin, das müsse jetzt sein. Ich sag gerne meine Meinung, aber ich mische mich nicht direkt ein.”

KATHARINA: “Wir sind ja auch grundsätzlich mit allem hier einverstanden. Das sind ja oft nur Kleinigkeiten, Nuancen, wo wir vielleicht etwas anders machen würden. Man muss auch mal sehen, was unsere Eltern hier in den letzten Jahren geleistet und aufgebaut haben, das ist ziemlich großartig. Als ich 1990 geboren wurde, war das Weingut nur die kleine Scheune hier, da haben dann fünf Leute geschafft. Das ist der Wahnsinn wie sich das entwickelt hat. Man kann ein laufendes Rad ja nicht einfach anhalten und wir wollen das auch gar nicht.”

REBECCA: “Wir stehen hinter den Produkten. Die Ausrichtung wollen wir auch so behalten, uns schmecken die Weine ja.”

KATHARINA: “Ich war jetzt auf einer Veranstaltung, wo mir junge Kollegen gesagt haben: ‘Wenn ich nach Hause komme, mache ich erst mal wahnsinnig viel Natural Wine’ Dahinter könnten wir überhaupt nicht stehen, das ist nicht unser Ding. Ist vielleicht auch ein bisschen langweilig, wenn wir das alles gut finden was hier gemacht wird, aber die Weine vom Papa haben uns halt geprägt …”

REBECCA: “… wahrscheinlich liegt es auch daran, dass unser Vater immer mit der Zeit mitgegangen ist. Er probiert heute noch immer alles aus.”

KATHARINA: “Ein Mensch der niemals stillsteht halt.”

REBECCA: “Deshalb ist es für uns vielleicht auch einfach. Weinbaulich gesehen ist er immer auf der Höhe der Zeit.”

KATHARINA: “Manchmal muss man ihn eher sogar bremsen. Wir haben da zum Beispiel so eine Piwi-Sorte (Pilzwiederständige Rebsorte), die irgendwo an einem abgelegenen Hang steht, Souvignier Gris. Da ist er total euphorisch: Wir könnten, das machen oder dies oder wir könnten ja auch mal einen Verjus (saurer Saft aus unreifen Trauben, wird ähnlich wie Essig eingesetzt) daraus machen.”

REBECCA: “Wir haben in der ganzen Familie einen eher klassischen Geschmack. Diese ganzen Naturweine und all das Oxidative … Wir verkosten das in Geisenheim zwar zusammen, aber eigentlich ist das nicht unser Ding. Wir mögen diesen klaren, puristischen Heger-Stil.”

KATHARINA: “In den letzten Jahren hat sich bei uns auch noch einiges entwickelt. Mit den abgegrenzten Einzellagen und den Gewannen, das braucht erstmal ein paar Jahre, bis man damit umgehen kann. Bis man weiß, welche Fässer passen und wann der richtige Erntezeitpunkt für jede Lage ist.”

REBECCA: “Auch die Klone, die hier stehen, brauchen Erfahrung. Gerade unter den alten Reben sind einige, die damals mehr für Quantität als Qualität gepflanzt worden sind. Da stellt sich natürlich die Frage, mit welchen kann man weiter arbeiten und wo muss man austauschen.”

KATHARINA: “Das Verständnis, dass großer Wein draußen im Weinberg entsteht, ist ja auch in den letzten Jahren noch mal gewachsen.”

“WENN IHR MAL AN DAS ANSEHEN DES DEUTSCHEN WEINS VOR ZEHN JAHREN ZURÜCKDENKT, WO SEHT IHR IHR EUCH DENN IN 20 JAHREN?”

KATHARINA: “Wenn das gut läuft und wir es clever machen, dann werden die Lagen eine Selbstverständlichkeit bekommen wie im Burgund. Der Zusammenhang von Herkunft und Qualität ist bei uns einfach nicht so gelernt wie in Frankreich. Im Moment ist da so ein bisschen Kuddelmuddel, es ist wahrscheinlich unglaublich schwer, dem Kunden all das nahezubringen, aber auch außerhalb des VDP tut sich da ja enorm viel.”

REBECCA: “Wir müssen mittlerweile ganz anders denken. In unserer Vätergeneration haben ja viele noch nicht einmal die Weine aus Achkarren (der Nachbarort von Ihringen) gekannt. Die trank man doch nicht.”

KATHARINA: “Ja und der Kunde hat sich auch verändert. Da kam der Herr Dr. Soundso und lud sich den Kofferraum halbvoll mit unseren Weinen, die andere Hälfte hat er dann beim Johner voll gemacht und das alle drei Monate. Das gibt es so nicht mehr …”

REBECCA: “Na würdest du ja auch nicht machen.”

KATHARINA: “Ja eben, ich hab ja nur ein Leben und es gibt so viele tolle Weine. Dass heißt aber auch, wir müssen den deutschen Wein international entwickeln und dabei geht es nicht darum, ob der aus Achkarren oder Ihringen besser ist, sondern den Kaiserstühler Wein insgesamt bekannter zu machen. Das kann man nur gemeinsam schaffen. Es ist ja irgendwo auch schade, dass hier touristisch noch richtiges Brachland ist.”

Wir verkosten den 17er Grauburgunder Gras im Ofen und freuen uns über die schöne straffe Art – ein Wein der gar nicht fett wirkt.

REBECCA: “Normalerweise ist die Säure immer unser Problem. Wir haben gerade in warmen Jahren zu wenig davon, damit die Weine eine gewisse Haltbarkeit haben. Aber auch da kann man ja dazulernen. Hier haben wir zum Beispiel nur bei einem Teil der Fässer einen biologischen Säureabbau gemacht. Das ist auch so ein Dogma, dass man den immer machen muss.”

KATHARINA: “Genau, der Wein war immer gut, aber nie so wirklich mein Favorit. Er ist zwar jetzt anspruchsvoller geworden, aber eben auch viel feiner.”

Katharina und Rebecca Heger

Wir fragen danach, wie es ist, als Frau in Sachen Wein zu studieren und in ein großes Weingut einzusteigen. Schließlich ist auch der Weinbau in vielen Bereichen noch von Männern dominiert, auch wenn in Geisenheim mittlerweile 50 Prozent Frauen studieren:

“IST DAS NOCH EIN PROBLEM ODER IST DAS DURCH?”

REBECCA: “Ich glaube nicht, dass das wirklich schon durch ist. Es stimmt zwar, dass bei mir im Studium mittlerweile viele Frauen sind, aber in den Betrieben sieht die Realität noch anders aus. So eine richtige Zurücksetzung habe ich zwar noch nicht erfahren, aber es ist immer noch nicht ganz normal.”

 “HAST DU DENN DEN EINDRUCK, DASS ES UNTERSCHIEDE IN DER ARBEITSWEISE GIBT?”

REBECCA: “Ich hatte immer den Eindruck, dass es den Männern mehr um die Arbeit selber geht, die sie gerade machen. Erstaunlich, wie viele Männer ich im Weinberg getroffen habe, die zwar immer die schönsten Trauben reinbringen wollten, denen das Endprodukt aber ziemlich egal war. Oft haben die die Weine dann gar nicht probiert. Bei den Frauen hatte ich immer den Eindruck, dass das Endprodukt mehr im Vordergrund steht.”

“HAST DU DEN EINDRUCK, DASS DU ALS FRAU IM WEINBAU MEHR TUN MUSST ALS DIE MÄNNER?”

REBECCA: “Auf jeden Fall. Wir kommen mit einem anderen Stand ins Weingut. Ich war ja jetzt im Burgund und da ist mir dann erst bewusst geworden, wie hinterwäldlerisch manche Regionen noch sind. Die Boxen mit den Trauben durfte ich nicht aufs Band ausleeren, das wäre ja viel zu schwer für eine Frau. Als ich das dann einfach gemacht habe, ist der Chef beinahe hintenüber gefallen: ‘Hey schau’ mal, die kann ja eine Kiste heben …”

“HABT IHR SCHON EINE IDEE, WIE DAS WERDEN WIRD, WENN IHR INS WEINGUT EINSTEIGT? WIRD DER VATER DANN SECHS MONATE URLAUB IM JAHR MACHEN?”

Beide lachen laut.

REBECCA: “Das wird die nächsten dreißig Jahre nicht passieren … Nein, er freut sich schon. Aber es ist wahrscheinlich auch nicht ganz einfach, so manche Sachen abzugeben.”

KATHARINA: “Der Vater und ich sind uns sehr ähnlich. Wir beide gehen gerne mit dem Kopf durch die Wand. Ich war jetzt den ganzen Herbst hier auf dem Weingut und natürlich gibt es dann auch mal Konfrontationen, aber man merkt ganz deutlich, dass es immer um die Sache geht. Er zeigt dann auch, dass er ganz froh ist, wenn er Verantwortung abgeben kann und wir ihm helfen. Dann hat er mehr Luft für andere Dinge. Es ist ja gut, wenn wir uns erst einmal mit den alltäglichen Dingen beschäftigen und uns da reinarbeiten. Da kann er sich viel mehr auf die Kür fokussieren.”

REBECCA: “Ich glaube, das war damals sehr schwierig für ihn, als er das Weingut von seinem Vater übernommen hat. Von daher hat man wirklich den Eindruck, dass er uns das so einfach wie möglich machen will. Das ist schon toll. Ich glaube auch, dass er nie Angst hat, dass wir ihm da irgendwie die Show stehlen. Im Gegenteil, er schiebt uns sogar gerne nach vorne.”

KATHARINA: “Ich glaube es war ganz wichtig, dass wir hier immer alles durften, aber nie mussten. Man entwickelt dann eine ganz andere Art von Passion. Natürlich hätten wir beide was ganz anderes machen können. Ich glaube aber, wir hatten immer den Eindruck wir würden dann hier so viel aufgeben. Es ist halt eine ganz große Verbundenheit mit dem Betrieb, nicht nur bei uns, auch bei den Mitarbeitern.”

REBECCA: “Winzer ist aber auch ein Beruf, den kann man nicht mit halben Herzen machen. Das macht man nicht eben mal so 'ne Zeit lang.”  

 

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2018 Oktav Grauburgunder trocken

Der Oktav ist nicht mehr aus dem Kölner Weinkeller wegzudenken. Schließlich ist er auch bei Ihnen so ungemein beliebt. Die Sorgfalt riecht und schmeckt man immer schon bei den Einstiegsweinen, denn diese haben eine besondere Bedeutung für die bodenständige Familie. Der Grauburgunder Oktav duftet geradezu auffordernd nach reifen Birnen, Mirabellen, Äpfeln und den sortentypischen frischen Walnüssen. Am Gaumen ist er weich, zart cremig und – typisch 2018 – vollmundig und ausgewogen. Die dezente Säure passt sich feingliedrig ein. Ein gewohnt zuverlässiger, eingängiger Tropfen, der in seiner sonnenverwöhnten, badischen Art zu vielen Gelegenheiten passt.

0,75l statt 13,90 € im 11+1 Angebot shopping_basket

 

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2016 IHRINGER WINKLERBERG CHARDONNAY ERSTE LAGE

Wer hätte es für möglich gehalten, dass die großartigen Weine von Joachim noch besser werden könnten? Genau das ist in den letzten Jahren der Fall. Der Stil des Hauses wird immer präziser und vielschichtiger. Das beweist der erstklassige Chardonnay aus der Ersten Lage Winklerberg beispielhaft. Bei aller Opulenz sind Tiefe und Finesse beeindruckend. Er präsentiert sich zunächst füllig mit exotischen Früchten, reifer Aprikose und etwas Nougat, entfaltet dann aber mineralische Komplexität und elegantes Säurespiel im langen Nachhall. Ein weicher, in sich stimmiger Chardonnay: zart cremig mit frischer Ader. Genial.

Sommelier Choice Noreen Rudolph:

"Die Weine von Joachim Heger werden immer feiner. Die ersten Lagen sind immer die erste Adresse für tolles Preis-Genuss-Verhältnis."

0,75l 25,50 € shopping_basket

 

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2015 IHRINGER WINKLERBERG MIMUS SPÄTBURGUNDER ERSTE LAGE

Der 2015er Mimus ist ein typisch kraftvoller Jahrgangsvertreter bei dessen Ausbau im Holz die Hegers von Jahr zu Jahr großes Fingerspitzengefühl beweisen. Er besitzt intensives, offenherziges Bouquet. Noten nach roten Johannisbeeren, Wildkirschen, Cranberries sowie getrocknete Waldbeeren verbinden sich mit subtilen Holztoast und würzigen Aromen von schwarzem Pfeffer. Komplexität, kraftvolle Art, feine Pikanz und lebhafte Würze öffnen sich unmittelbar am Gaumen. Ein Burgunder von bemerkenswerter Vitalität, Delikatesse und Raffinesse, der jetzt voll da ist und weitere Jahre der Verfeinerung vor sich hat.

0,75l 26,50 € shopping_basket

 

Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.