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Grans-Fassian - "Ihre Weine sind besser als meine"

Mit einem herrlich strahlend gelben Pullover und einem ebensolchen Lächeln begrüßt uns Catherina Grans im Verkostungsraum des Weinguts Grans-Fassian. Ganz professionell steht Wasser auf dem Tisch, eine Liste auf DIN A4 informiert uns vorab, was wir gleich verkosten werden. Der Raum wirkt ein wenig dunkel, fast feierlich. Ganz anders als Catherina, die im Kontrast dazu noch umso farbenfroher zu strahlen scheint. Etwas mehr im Hintergrund hält sich ihr Vater Gerd, der vielleicht ein wenig Zeit braucht, um mit uns warm zu werden. Oder er will bewusst seiner Tochter die Bühne überlassen, die nun erstmal ihren Werdegang erzählt. Denn anfangs war es keine ausgemachte Sache, dass sie das Weingut übernimmt.

„Ich habe erst in Frankfurt eine Banklehre gemacht.” Vor meinem inneren Auge entstehen sofort Bilder wie aus der Serie Bad Banks, verspiegelte Bürotürme und alles mit einem leichten Blaustich aufgenommen, um kalt zu wirken. Mit anderen Worten: Das Gegenteil der jungen Winzerin, die mir gegenüber sitzt. Aber meine Bilder sind reines Klischee denn ganz leicht ist es ihr nicht gefallen. “Ich habe die Entscheidung erst getroffen, als ich den Vertrag der Bank bereits vorliegen hatte. Die hätten mich übernommen.” “Und woran lag’s?”, fragen wir. “Ich hatte das Gefühl, der Bürojob ist doch nichts auf Dauer. Also habe ich meinen Vater angerufen und gesagt, ich geh nach Geisenheim.”

Leiwen Weingut Grans FassianSteil, Steiler, Mosel! So sehen die Hänge von Grans-Fassian zum Teil aus

Da grinst Gerd auf einmal. Er berichtet: “Ich habe mich gefreut und hatte es sogar gehofft. Aber ich habe nie etwas gesagt, weil ich immer die Devise hatte, hier wird niemand reingedrückt. Sonst wird das auch nichts im Weingut.” Dass kein Druck von den Eltern da war, bestätigt auch Catherina. “Aber”, fährt Gerd fort, “bei uns war das Weingut immer Thema. Wir sprechen darüber bei jedem Essen. Das haben wir vorgelebt. Und dabei auch nichts beschönigt.”

Nach ihrem Studium in Geisenheim hat Catherina noch den European Master of Wine gemacht. Dafür war sie in Bordeaux, Montpellier und Lissabon. Schon währenddessen hat sie immer mehr Aufgaben übernommen. Zunächst war sie für den Export zuständig, dann kam die Kellerarbeit dazu und nun ist sie hauptverantwortlich für die 13 Hektar der Weinguts. Die Größe möchte Catherina auch nicht verändern. “Das soll nicht noch mehr werden, weil ich den Überblick behalten möchte und ganz nah an meinen Weinen sein will. Das würde mit noch mehr sehr schwierig.” “Man muss bei so einer Übergabe auch den Spielraum geben”, resümiert Gerd, “und aus der Entfernung alles überwachen ohne viel zu sagen.” Jetzt staunt Catherina: “Das hast du gemacht? Hab’ ich gar nicht gemerkt.” Allerdings hat er auch nichts zu mäkeln. Wofür das Weingut steht, seit er es von seinem Vater übernommen hat, nämlich den Fokus auf trockene Weine mit großem Alterungspotenzial zu legen, hat seine Tochter nicht geändert. “Es waren eher kleine Stellschrauben, etwa den Restzucker im Kabinett ein wenig zurückzunehmen, damit der besser zum Essen passt.” Das Sortiment wurde ein bisschen umstrukturiert, einige Weine wurden gestrichen oder umbenannt, vor allem die mit starkem Bezug auf sie. “Der ‘Catherina’ wird in Zukunft anders heißen. Das mag ich nicht, einen Wein, dem mein Vater meinen Namen gegeben hat, selbst machen und verkaufen.” Außerdem hat sie die Maischestandzeiten verlängert, um den trockenen Weinen noch besseres Alterungspotenzial zu geben und sie lässt noch rigoroser selektieren, als der Vater. “Ich dachte zuerst das wäre zu viel, aber das Ergebnis gibt ihr Recht. Die Weine sind besser als meine.” Catherina ist von diesen Worten doch ein bisschen geschmeichelt.

Gerd fährt fort: die Tochter pokere außerdem höher beim Warten auf den Lesezeitpunkt. “Mir flattert es da schon mal, aber sie lässt nicht mit sich reden.” Catherina steigt sofort ein: “Ich will die Trauben eben zum optimalen Zeitpunkt holen, damit alles stimmt, auch die Säure nicht runtergeht.” Man kann sich lebhaft vorstellen, dass so auch die Familiengespräche über Wein am Esstisch beginnen. Hier sitzen einfach zwei Menschen zusammen, die eine gemeinsame Leidenschaft haben. Und die ist glücklicherweise auch noch ihr Geschäft. Das wird noch klarer, als wir zu viert in die Weinberge rausfahren. Ich mache Fotos von einem der Weinberge, von dem der Mineralschiefer, der Gutswein, stammt. Typisch Stadtmensch komme ich strahlend wieder und freue mich über die Blümchen, die sich schon in der Begrünung finden lassen. Für Gerd alles andere als ein Grund zur Freude, immerhin haben wir noch Februar. “Wenn wir Pech haben, wird das wie 2017. Da sind die Stöcke auch viel zu früh ausgetrieben und der Frost, der dann kam, hat viel Ernte zerstört.” Die Sorgen, die sich Gerd daraufhin macht, werden auch beim Besuch der restlichen Weinberge anhalten, sogar bei der Brotzeit an der Laurentiuskapelle, von wo aus wir einen wunderbaren Ausblick haben und mit einem unvergesslichen, uralten Riesling Spätlese anstoßen. Aber man kann es Gerd nicht übelnehmen, dass ihn dieser Frühjahrstag zur Unzeit so ärgert. Denn das ist nunmal so, wenn jemand leidenschaftlich ist. Leidenschaft lässt sich nicht beliebig an- oder ausknipsen.

Catherina Grans ist bei der Verkostung daran gelegen, aufzuzeigen, wie die Weine von Grans-Fassian reifen. Deswegen bekommen wir eine Vertikale der letzten drei Jahrgänge des Trittenheimer Apotheke GG, 2015, 2016 und 2017. Und während der 17er noch nervös und vibrierend wirkt, ist der 16er mit gerade mal einem Jahr mehr Reife schon ein unheimlich großer und gesetzt wirkender, monumentaler Wein. Da ist alles am rechten Fleck und unheimlich dicht und präsent. Man kann nur mutmaßen, dass aus diesen Weinen durchweg subtile Meisterwerke werden, wenn sie erwachsen sind. Und spätestens bei diesem Glas in der Probe scheint auch Gerd Grans ganz leise zufrieden vor sich hin zu brummen, wie ein Bär, der einen Honigtopf gefunden hat.

Blick auf LeiwenCatherina Grans posiert für uns auf der Monorackbahn

Bestimmt bestätigt es ihn auch, dass seine Tochter nun das Weingut und den Stil weiterführt, die er mit seiner Übernahme 1982 neu etabliert hatte. Denn Gerd hatte ein Weingut übernommen, das zwar einige der besten Lagen der Gegend besaß, aber gar nicht unter eigenem Namen abfüllte. “Da stand immer nur der Name der Kellerei und unser Name war irgendwo ganz klein zu sehen.” Das wollte er ändern, dies war die Bedingung, die er für seine Übernahme stellte. Für seinen Vater sei das genau die richtige Lösung gewesen, erläutert er uns. Der Vater habe kein Interesse daran gehabt, sich um Vermarktung zu kümmern. Aber Gerd wollte auf eigenen Füßen stehen. “Außerdem habe ich nach und nach immer mehr auf trockene Weine umgestellt, damals schon, als alle noch ganz traditionell Mosel mit süß verbunden haben. Aber ich wollte vor allem in Deutschland verkaufen und dafür brauchten wir trockene Weine.” Heute sind drei Viertel der Weine bei Grans-Fassian trocken. “Allerdings verkaufen wir die mittlerweile auch international sehr gut. Wir haben uns da einen gewissen Ruf erarbeitet”, meint Catherina zufrieden.

 

 

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2018 LEIWENER ALTE REBEN RIESLING TROCKEN    

Die Trauben für den Leiwener Ortswein stammen aus der Steillage Laurentiuslay, wo das Weingut über sehr alte Rebbestände verfügt. Er ist sozusagen der zweite trockene Wein hinter dem Großen Gewächs und trägt alle Gene des Grauschiefers in sich, ist dabei erfreulicherweise früher zugänglich als sein großer Bruder und in Sachen Preis- Genuss-Verhältnis unschlagbar. Feines Riesling- Aroma mit schnörkellos klarem Ausdruck, zarter Schmelz und finessereicher Nachhall machen ihn zu einem eleganten, dichten Riesling mit typischer Moselmineralität. Ein echter Charakterwein, der zu vielen Gelegenheit passt.  

Sommelier Choice Marco Lindauer:

"Mittlerweile ist die Laurentiuslay ein fester Bestandteil des Kanons der Mittelmosel. Zurecht, denn der würzige Terroirausdruck der Lage ist attraktiv und tiefsinnig."

0,75l 13,50 € statt 14,90 € shopping_basket

 

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2017 LEIWENER LAURENTIUSLAY RIESLING GG   

Wie immer zeigt sich das GG aus der Laurentiuslay mit etwas Flaschenruhe deutlich ausgewogener als kurz nach der Füllung und hat ordentlich an Ausdruck zugelegt. Dieser Riesling von der besten und bekanntesten der Leiwener Lagen schmeckt jugendlich frisch und geradlinig. Sein eleganter, zarter Fruchtkern changiert stetig mit seiner tollen, mineralischen Spannkraft. Ein echter Klassiker voller Finesse und Trinkanimation, dabei kein Effekthascher, sondern Purist durch und durch. Das ist Gerhard und Catherina Grans’ Stil, von dem sie nicht abweichen und keine zeitgeistigen Kompromisse fahren. So schmecken die Weine immer etwas trockener, als bei den Kollegen der Region, was ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist.  

Sommelier Choice Noreen Rudolph:

"Das Laurentiuslay GG schwelgt in gewohnter Zurückhaltung. Das hat Klasse und etwas anderes nicht nötig."

0,75l 24,90 € statt 27,00 € shopping_basket

 

 

Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.