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ENTDECKUNG(EN) DES JAHRES

Von den steinigen Granit-Höhen westlich von Madrid kommen Rotweine, die von ihrer kühlen Herkunft erzählen und die uns ganz und gar nicht spanisch vorkommen. Eher denkt man an die Eleganz des Burgunds und die Feinheit der Nord-Rhône als an Rioja oder Priorat. Genialer Stoff, aber viel zu unbekannt? Klingt nach einer neuen Entdeckung des Jahres!

Serra de Gredos

Steine, Steine, überall Steine und Staub. Wer einstmals auf die Idee gekommen ist auf diesen Hügeln Wein anzubauen, muss ziemlich verzweifelt gewesen sein. Die Serra de Gredos ist kein Ort für Landwirtschaft. In den Tälern reißen immer wieder Sturzfluten alles weg, die Ebenen sind meist trocken und staubig oder in den kurzen Regenperioden matschig und schwer. Auf den Hügeln gibt es gar nichts außer Steinen und Staub. Ein paar Sträucher, Steineichen, Pinien und Kastanien klammern sich an die steilen Hänge, bis sie der nächste Feuersturm hinwegfegt. Bis fast 2.600 Metern erheben sich die Gipfel steil über die Meseta.

Aber wie immer gilt, Weinreben laufen zu Hochform auf, wo sonst nichts gut wächst. Tagsüber brütende Hitze, nachts kratzt man auf 800 Metern Höhe selbst im Sommer schon einmal am Gefrierpunkt, es ist trocken und der Boden unter Steinen und Staub besteht meist aus reinem Granit. Trotzdem war die Gegend immer belebt. Die Handelsrouten zum Atlantik führten durch San Martín und das nahe Madrid brachte Absatzmärkte für Wein und Fleisch. So bewachte in San Martín de Valdeiglesias eine Burg die Handelsstraße und um die Festung herum lebten Hirten und Weinbauern.

Ende der 90er Jahre war San Martín mit der engen Altstadt nichts als eine Satellitenstadt des großen Madrid. Eine Stunde mit dem Auto von der Plaza Mayor liegt die nette Kleinstadt mit Bergen und einem See in der Nähe. Ganze Viertel voller Einfamilienhäuser für Pendler entstanden auf den freien Flächen. Aber die traditionelle Landwirtschaft gab es kaum noch, von Weinbau ganz zu schweigen. Dann kamen die Brüder Ocaña…

Brüder Ocana

"Die Leute hielten uns für völlig durchgeknallt", erzählt Fernando, der vor der Rückkehr in seinen Heimatort noch professioneller Mountainbike-Fahrer war. Sein Bruder Luis und er suchten nach Weinbergen, die möglichst alt aussahen und möglichst so, als sei jegliche landwirtschaftliche Optimierung an ihnen vorbeigegangen. "Die Leute, die noch den Weinbau kannten, meinten: Lasst es sein, das bringt keinen Ertrag und ist echte Knochenarbeit. Der Rest sagte: Wer will denn schon Wein aus San Martín trinken, das kennt doch kein Mensch." Aber sie ließen sich nicht beirren. "Ich habe meinen Bruder ans MTB Fahren gebracht", meint Luis, "und er mich zum Wein. Irgendwie sind wir in allem was wir tun ein wenig verrückt und extrem. Aber so macht uns das halt Spaß…" Auf einem Hügel südlich von San Martín, zwischen ein paar verstreut liegenden Weinbergen, die aussehen, als hätte da jemand Rebstöcke eher ausgesät als ernsthaft gepflanzt, steht jetzt ein kleines, u-förmiges Gebäude, in dem jedes Jahr nicht einmal 20.000 Flaschen Wein entstehen. "Unsere Weinberge geben nicht viele Trauben", meint Fernando und es wird klar, dass er das nicht einmal bedauert. "Wir wollten von Beginn an besondere Weine zu machen, also haben wir besondere Weinberge gesucht. Oft stehen da noch bis zu hundert Jahre alte Reben, die man mit viel Aufwand wieder rekultivieren kann, aber damit bewahrt man auch etwas. Und wenig Wein heißt auch guter Wein."

Garnacha

Irgendwann fing Luis dann an, in San Martín Musik zu machen, schnell wurde daraus ein stetig wiederkehrendes Event und schließlich waren Luis und Fernando noch Inhaber eines Restaurants und Luis plötzlich Koch. "Na ja, ich dachte mach das mal. Da kann man ja auch gut unsere Weine anbieten und jetzt kommen die Leute extra aus Madrid, um bei uns zu essen. Ist doch super."

Der Weg an die Spitze ist lang, aber die Weine der Brüder Ocaña sind eine echte Entdeckung und wir sind eher erstaunt, dass das in den letzten 20 Jahren kaum jemanden aufgefallen zu sein scheint. Deshalb möchten wir Ihnen beide Top-Rotweine von Luis und Fernando als unsere Entdeckung des Jahres präsentieren. Wir konnten uns einfach nicht für einen von beiden entscheiden und da wir von jedem nur 1.800 Flaschen bekommen (immerhin ein Großteil der Produktion) haben wir einfach beide genommen. Raten wir Ihnen übrigens auch, solange es noch ein paar Flaschen gibt.

 

 

2019 G2

2019 G2

ValleYglesias, Madrid

Pure Grenache und purer Granit. Die extrem geringen Erträge der mehr als 70 Jahre alten Reben ergeben einen feinen, komplexen Garnacha, der so ausschließlich hier gelingt: Sensationelle Frische, reife Sauerkirschen, Brombeeren, herrlich fruchtig und vielschichtig am Gaumen mit feinen präsenten Tanninen. Auf 16 Grad temperieren und dann eine schöne Ente mit Rosmarin oder einen klassischen, spanischen Eintopf dazu.

2019 G2 (0,75l) 16,90 € shopping_basket

 

2019 SENDEROS

2019 SENDEROS

ValleYglesias, Madrid

Der Kraftprotz mit dem Bullen auf dem Etikett. 50 Prozent sind Grenache von eher sandigen Böden, 25 Prozent Syrah aus einer abgelegenen Höhenlage, 12 Prozent alter Tempranillo, der spät reift und Cariñena von einer Nord(!)-Lage mit sehr mageren Böden. Was dabei rauskommt, ist ein wilder, tiefer Wein, für den der Bulle als Wappentier irgendwie Sinn ergibt. Reife dunkle Früchte, rauchig, fleischig, dunkle Schokolade, Tabak, aber man meint auch die Kräuter der Berghänge und die Pinienwälder wahrzunehmen. Saftig, mit erstaunlicher Extraktsüße, die von der Frische und den mürben Tanninen direkt wieder eingefangen wird.

2019 SENDEROS (0,75l) 23,90 € shopping_basket