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Eine Frage des Geschmacks! - J.J. Prüm

Wehlen ist vielleicht der Ort an der Mosel, in dem man am wenigsten Nicht-Winzer trifft. Am Moselufer bei der Brücke reihen sich die Winzerhäuser dicht an dicht und man sieht ihnen in ihrer alten Pracht an, dass in den goldenen Zeiten der Mosel hier viel Geld verdient wurde. Hier ist die Weinmosel mit am eindrucksvollsten. Die Namen klingen in den Ohren der Weinfreunde wie Musik: Wehlener Sonnenuhr, Graacher Himmelreich, Bernkasteler Doctor …

Wir sitzen im Probierzimmer eines der ehrwürdigsten Weingüter der Mosel. Vieles hier sieht so aus, als sei es, seit die goldenen Zeiten der Mosel vorüber sind, nicht mehr verändert worden. Trotzdem wirkt hier nichts verstaubt, es ist nur mit jener Patina überzogen, die ein langes Leben und langer Gebrauch mit sich bringen und die einen jedes Mal erschrecken lässt, weil man selber bei jedem Umzug neue Möbel von Ikea braucht. „Womit fangen wir an?“, fragt Katharina Prüm bestimmt, um dann direkt zu ergänzen: „Dem Dornfelder?“ Sie lacht laut und ausgiebig los. Gut, die Mosel fließt nicht bergauf und bei Prüm gibt es nichts außer Riesling und der ist nie trocken. Die Auswahl scheint nicht so groß und doch ist sie riesig. Es folgt ein nächster Kalauer, den nur Insider verstehen. „Wir können ja auch die Verkostung bei uns im Weinkeller machen …“ Wir schauen etwas ungläubig und brauchen ein paar Sekunden, bis wir auch laut lachen. Bei Prüms war noch nie ein Händler und Kunde im Keller, der Keller ist sozusagen für Fremde tabu. „Das würde ich so nicht sagen“, meint Katharina Prüm, „wir haben das einfach nie gemacht, wie wir auch keine Analysewerte rausgeben. Was sieht man schon in unserem Keller? Einen Keller, etwas unaufgeräumt, wie das so ist in alten Kellern, in denen gearbeitet wird, Fässer, Tanks. Irgendwie hatte mein Vater nie Lust, da mit den Kunden durchzulaufen und zu sagen: „Das ist ein Fass.“ Und mit den Analysewerten? „Tja, dann probieren die Leute und ihnen schmeckt die ’04er Spätlese hervorragend, dann lesen sie die Restzucker- und Säurewerte und sagen: ‚Oh, so viel Säure vertrage ich ja gar nicht und eigentlich mag ich ja gar keine Weine mit mehr als XY Gramm Restzucker.‘ Die meisten unserer Weine sollte man ja eh gut gereift trinken und dann sagt die Analyse gar nichts mehr aus. Was soll das bringen? Geschmack ist doch unabhängig von Analysewerten.“ Katharina Prüm ist mit dem Weingut groß geworden und jetzt leitet sie es seit einigen Jahren. „Ja, mein Vater unterstützt mich noch und den Wein macht hauptsächlich noch er, aber auch da bin ich jetzt immer mehr mit drin. Also erst habe ich noch Jura studiert und da auch promoviert, vor zehn, zwölf Jahren war es noch nicht so recht vorstellbar, mal ins Weingut zu gehen, aber ich habe schon immer die weiteren Vertriebsreisen für uns gemacht, da mein Vater nicht so gerne weit reist. Da wächst man dann irgendwie rein.“ Es ist wahrscheinlich nicht ganz so einfach, ein Weingut zu übernehmen, bei dem man gar nicht so viel ändern muss, das so gut und so einzigartig ist, dass es ein wenig aus der Zeit gefallen erscheint. „Och“, sagt sie, „wir haben doch schon was geändert.“ Wir schauen etwas ratlos. Was kommt jetzt, Pinot Noir, ein trockenes Großes Gewächs … “Nein, wenn Sie vor zwanzig Jahren an diesem Verkostungstisch gesessen hätten, wäre diese Probe ganz anders verlaufen. Da gab es die zweite Probe erst, wenn die erste Flasche leer war und da hätte kein Spucknapf auf dem Tisch gestanden.“ Wahrscheinlich sind die meisten Verkoster damals nicht über das Ortsausgangsschild von Wehlen hinausgekommen.

Wir probieren einige ’03er und staunen. Das war das heiße Jahr, über das die Journalisten erst Jahrhundertjahrgang schrieben und ihn dann in Grund und Boden redeten. Er kommt erstaunlich filigran und mit einer guten Frische daher, nur die exotischen Früchte und diese herrliche Cremigkeit erzählen von der Hitze im Moseltal. „Das ist doch ein toller Essensbegleiter und das nicht nur zu asiatischem Essen. Das hat sich ja irgendwie so eingebürgert: fruchtiger Moselriesling = Asia Food. Eigentlich ein wenig einseitig. Wenn mir der Wein doch zu was ganz anderem, von mir aus Spaghetti mit Tomatensauce, schmeckt, warum soll ich das nicht machen? Jeder schmeckt das doch anders und hat andere Präferenzen, da könnten wir ruhig mal ein wenig lockerer sein. Sicher gibt es Dinge, die sich ausschließen, aber links und rechts davon gibt es nicht nur falsch und richtig.“ Das ist auch etwas, das wir auf unserer Mosel-Reise lernen werden, die Moselaner gehen sehr locker mit ihrem Wein um, er ist Lebensmittel dadurch, dass er Kulturgut ist, er wird nicht angebetet, sondern ist ein guter Freund. Leider ein für Nicht-Moselaner oft erklärungsbedürftiger, wie wir immer wieder sehen. „Wir hatten neulich Kunden hier, die am Abend vorher in einem Sterne-Restaurant in der Region essen gewesen sind. Da hat man ihnen eine ’11er Spätlese von uns ausgeschenkt und da wollten die mir jetzt ganz im Vertrauen mal einen Tipp geben: Die haben ja überhaupt nur alte Sachen von Ihnen auf der Karte. Mit dem Sommelier sollten Sie mal reden, das ist ja nicht schön und keine gute Visitenkarte für das Weingut, wenn die nur so alte Sachen von Ihnen ausschenken. Oh, hab ich da gesagt, mit dem muss ich wirklich mal sprechen, der ’11er ist ja noch viel zu jung, die sollten vielleicht die ’04er nehmen …”

Es stimmt, wir merken das auch immer wieder, es ist den Leuten so eingebläut worden: Rotwein reifen lassen, Weißwein jung trinken. Pauschalisierender Blödsinn und vor allem bei Mosel-Riesling. Wir nehmen uns am Prüm’schen Verkostungstisch vor, dagegen etwas zu tun, und unser WeinBrevier nicht nur dem Moselwein sondern speziell auch dem reifen Moselwein zu widmen. In den nächsten Tagen betteln wir bei allen unseren Winzern um Zuteilungen von „altem Zeug“. Schließlich geht es bei Prüms an den Esstisch. Mutter Prüm hat gekocht, Rindergulasch mit Nudeln. Wie zum Beweis gibt es natürlich einen Prüm’schen Riesling dazu. Wir dürfen raten. „Ende der 90er?“ Ja, an der Mosel kann man schnell auch mal zehn Jahre danebenliegen. ’89er Spätlese, sie passt hervorragend zum Gulasch ...

Unser Weintipp: Mehr als ein Kabinettchen

Das Jahr 2013 war für Prüm ziemlich erstaunlich, es gab den einfachen Gutskabinett und dann gab es Auslesen, dazwischen nichts. Also konzentrieren wir uns mal auf den Gutswein. Brillant und voller Spannung, dabei erfrischend flüssig. Dieser junge Gutskabinett setzt immer wieder Maßstäbe. Aus den verschiedenen Top-Lagen des Weingutes gelesen, zeigt sich in diesem archetypischen Moselwein die ganze Leichtigkeit des Seins. In 2013 stehen Säure und Fruchtsüße in spannungsvollem Wechselspiel. Die Einstiegsdroge von Prüm.

Wir notierten: Braucht Luft. Pfirsich, Aprikose, mineralisch, Grapefruit gezuckert, Weißdorn, Bachminze, geradlinig, feingliedrig, schlank, tänzelndes Fruchtspiel, isotonischer Abgang.

Riesling Kabinett 0,75l 13,90 €

PS: Vom 2011er Kabinett haben wir übrigens ein paar Magnum-Flaschen füllen lassen. Jetzt perfekt.

 

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