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Ein italienischer Skandal!

oder "Benvenuti a Velenitaly!"

Man macht sich schon richtige Sorgen, wenn es aus Italien mal keine Nachrichten über Skandale, Schiebungen, Vetternwirtschaft oder ähnliches gibt. Und so wie in Köln aus allem schnell so etwas wie Karneval wird, so wird in Italien das meiste irgendwie zur Oper.

Den großen Gestus, das maximale Drama kennen wir ja alle vom italienischen Fußball, da gilt es ja auch möglichst aufwendig zu fallen, selbst wenn der Gegner einen gerade nicht berührt hat. Das nennt man dann adaptives Foulspiel, denn hätte ich mich jetzt nicht Fallen lassen, wäre ich vom Gegner mit Bestimmtheit getreten worden. Natürlich muß man sich dann an das beinahe berührte Körperteil fassen und dabei herzzerreissend klagen. In Deutschland bezeichnet ma so etwas mit dem Namen eines kleinen Vogels.

Solche Verhaltensweisen gibt es natürlich auch in anderen Lebensbereichen, z.B. in der Presse, dort wird die Schwalbe als Ente bezeichnet. Jetzt gibt es, im Gegensatz zum Fußball wo ja immer alles eindeutig ist und allenfalls einmal "die Hand Gottes" mitspielt, beim adaptiven Zeitungsfoul verschiedene Abstufungen. Beliebt ist die Übertreibungsente oder die Mutmaßungsente manche Zeitschriften die man Revolverblätter oder Boulevardpresse nennt, leben geradezu davon. Übrigens eine völlig falsche Bezeichnung, denn Enten schießt man ja bekanntlich mit dem Schrotgewehr und eher selten auf der Straße.

Einen besonderen Fall von Ente gab es dann letzte Woche, kurz vor der größten italienischen Weinmesse der Vinitaly. Man könnte sie eine Verquickungsente mit leichten Mutmaßungs- und Überteibungselementen nennen.

Da wurde von einem schon seit dem letzten Jahr schwellenden Skandal mit sehr unappetittlichen Begleiterscheinungen berichtet.

Das Magazin "Espresso" titelte dazu "Benvenuti a Velenitaly!" also so etwa: Willkommen in Giftalien! Die italienischen Behörden ermitteln nämlich wegen sogenanntem Kunstwein gegen 20 Kellereien, die sich einen Namen mit Billigabfüllungen gemacht haben. Weine also, bei denen der Liter schon einmal 70 Cent oder weniger kosten kann. Das Rezept ist eigentlich ganz einfach. Man nehme etwas echten Wein, so 25% sollten es schon sein. Wasser, Alkohol, Farbstoffe, Geschmacksstoffe und etwas Zucker und fertig ist der Wein. So werden aus einer Flasche vier, ein fast biblisches Wunder. Das Problem ist bloss, dass der Gesetzgeber in Europa vorgesehen hat, das Wein zu 100% aus vergorenen Trauben hergestellt wird und auch der Verbraucher dies (mit Recht) gerne so hätte. Irgendwo in dem Artikel kamen dann die Worte Düngemittel und Salzsäure vor, die wohl auch in manchen dieser Zombieweine gewesen seien. (Wozu das geschmacklich gut sein soll, darüber rätseln selbst erfahrene Chemiker.)

Wo diese regelrechte Plörre, die den Verbraucher 1,50 ? oder vielleicht auch etwas mehr gekostet haben dürfte, dann abgeblieben ist, darüber haben die italienischen Behörden in altbekannter Offenheit erst einmal nichts verlautbaren lassen. Das kann man nicht unbedingt als vertrauensbildende Maßnahme bezeichnen. Erst gestern veröffentlichte der "Espresso" dann eine Liste mit 14 Abfüllern, die in denSkandal verwickelt sein sollen (siehe in der Anlage die Meldung der Weinwirtschaft).

Diese zweifellos verbrecherischen Vorgänge wurden in einem Artikel zusammen mit einer anderen Untersuchung der italienischen Behörden genannt. Dabei ging es um einen der renommiertesten und teursten Weine Italiens, den Brunello di Montalcino. Dieser darf laut italienischem Weingesetz nur aus 100% Sangiovese Trauben erzeugt werden.

Jetzt ist vor einiger Zeit die Staatsanwaltschaft in Pisa auf einen Bericht einiger großen italienischen Zeitungen hin, dem Verdacht nachgegangen, dass einige Brunello mit Weinen aus Apulien gestreckt und weicher gemacht werden. Diese Untersuchung ist abgeschlossen und es gab keinerlei Hinweise auf ein solches illegales vorgehen. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft eine neue Untersuchung begonnen. Dieses mal geht es darum, dass man Trauben anderer Rebsorten aus dem Gebiet Brunello verwendet haben soll, denn und das bestreitet ja niemand, auf ca. 1% der Rebfläche stehen Merlot und andere Reben. Nicht weiter verwunderlich, gibt es doch in Montalcino einige Produzenten die sogenannte Supertuscans anbieten. Weine also die aus anderen Rebsorten als den für Brunello oder Chianti zugelassenen gekeltert sind und als einfacher Landwein verkauft werden. Die bekanntesten der Supertuscans sind z.B.: Tignanello, Solaia, Sassicaia, Siepi oder Luce. Sicherlich also keine schlechten oder gepanschten Tropfen. Eben nur keine Brunello und sie werden auch nicht als solche verkauft.

Es kam aber wie es kommen mußte, wenn es so viele "Skandale" auf einmal gibt, plötzlich hieß es: Salzsäure im Brunello!

Wir finden, das "herstellen" von FrankensteinWein, mit fragwürdigen, vielleicht sogar gesundheitsschädlichen Ingredenzien ist absolut verbrecherisch und gehört entsprechend bestraft. Die Frage jedoch was man für 1,50 ? die Flasche für einen Wein erwarten kann, sollte sich jeder selber stellen (Zum Vergleich: SuperBenzin kostet ca. 1,40 ?). Wir können für den Kölner Weinkeller jedenfalls den Zusatz von unerlaubten Stoffen ausschließen. Wir kennen unsere Erzeuger alle persönlich und sind häufig vor Ort um uns in Keller und Weinberg umzusehen. Außerdem werden von unseren Weinen regelmäßig Proben durch die staatliche Lebensmittelaufsicht untersucht. Bisher ist der Inhalt unserer Flaschen bei den Prüfern, sowohl in der chemischen Analyse, besonders aber auch bei der sensorischen Prüfung (Verkostung) auf Wohlwollen gestoßen.

Wir sind der Meinung, dass Erzeuger bei denen Brunello auf der Flasche steht, auch der entsprechende Wein drin sein muß. Wenn ein Winzer aus anderen Rebsorten Wein machen möchte, so soll er dies tun und es, wie unsere Winzer, offen sagen, indem er diesen Wein anders bezeichnet. Da zwei Untersuchungen bisher keine Anhaltspunkte dafür ergeben haben, dass hier vergehen der Erzeuger vorliegen, bleiben wir dabei unseren Winzern das Vertrauen entgegenzubringen, dass sie verdienen.

Da wir Vertrauen und Aufrichtigkeit für eine der wichtigsten Tugenden in der Beziehung zu unseren Kunden und Winzern halten, werden wir Sie weiterhin umfassend über die Vorgänge in Italien informieren. Sollten Sie Fragen haben oder weitere Informationen wünschen, sprechen Sie uns an. Wir stehen gerne zu Ihrer Verfügung.

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