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Ein Erdbeben an der Mosel...

“Das Tal ist eng”, hatte ein bekannter und international erfolgreicher Winzer auf die Frage, ob es denn keine neidischen und verärgerten Kollegen wegen seines Erfolgs gäbe, geantwortet. Ja, das Tal ist eng, ziemlich eng wie sich jetzt einmal wieder gezeigt hat.

Der Mosel-Abteilung des Verbands deutscher Prädikatsweingüter (VDP), der in seinem Selbstverständnis immer noch die Vertretung der Spitzenweingüter Deutschlands ist, fehlen nämlich ziemlich plötzlich die Vorstände. Egon Müller vom Scharzhof, Nic Weis vom St. Urbans-Hof und Claus Piedmont vom gleichnamigen Weingut sind kurzfristig und völlig außerplanmäßig von ihren Ämtern zurückgetreten. Überraschend, aber irgendwie auch vorhersehbar und folgerichtig und das hat mit der Enge oder besser der Engstirnigkeit des Tals und einigen seiner Winzer zu tun.

Was war geschehen? Der VDP hatte vor neue Mitglieder aufzunehmen. Das geht auf Empfehlung und muss von den bestehenden Mitgliedern in einer geheimen Wahl mit 2/3 Mehrheit bestätigt werden. Zuvor wird noch intensiv darüber diskutiert ob die Mitglieder wirklich in den VDP passen und auf diese Weise kommen eigentlich nur sichere Kandidaten zur Abstimmung. So war es im letzten Jahr und ist leider schief gegangen, so war es auch in diesem Jahr und zwei der drei vorgeschlagenen Kandidaten wurden deutlich abgestraft. Ach ja, dumm gelaufen halt. Wie wir ja wissen kann so ein mehr oder minder zufälliges Ergebnis auch ganze Nationen in eine tiefe Krise stürzen, aber hier verhielt es sich irgendwie so, als hätten die deutschen Fußballfans gerade in geheimer Abstimmung entschieden, dass Boateng, Neuer und Kroos nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen dürfen, obwohl sie sie zuvor noch in den höchsten Tönen gelobt hatten.

Das Weingut Knebel in Winningen hatte noch knapp die Zustimmung der erlauchten Mitglieder erhalten, aber der Lubentiushof schien ihnen nicht gut genug, erstaunlich. Doch dann kam der eigentliche Knaller: Das einzige Weingut Deutschlands, das es in einem Jahr geschafft hat direkt für drei Weine 100 Parker Punkte zu bekommen, fand auch keine Gnade vor den gestrengen Kollegen (ganz nebenbei: es gab überhaupt in Deutschland erst 9-mal die Höchstnote). Markus Molitor wollte in den “Club der Besten” eintreten, in dem er auch ohne VDP-Mitgliedschaft ja schon längst ist. Man muss sich das einmal vorstellen; Markus kann bei einem Eintritt in den VDP ja eigentlich nur verlieren. Er hat sein eigenes, etwas kompliziertes, aber sehr durchdachtes System mit weißer, grüner und goldener Kapsel mit Weinen im ein Stern-, zwei Sterne- und drei Sterne-Bereich. Er hat an die 200 verschiedenen Weine im Angebot. Aus einzelnen Lagen macht er manchmal vier verschiedene Spätlesen oder Auslesen. Dieses unglaublich komplexe und so einmalige System wäre im VDP wohl kaum möglich. Der VDP hingegen hätte mit seiner Mitgliedschaft nur gewinnen können, an internationaler Reputation und ein neues Mitglied, das, vielleicht hier und da auch etwas unbequem, für die Vielfalt von Mosel-Weine steht wie kaum ein anderer.

Gerade dem VDP Mosel hätte es aber gut angestanden nachzudenken und angesichts der brach liegenden Rebflächen und des immer noch etwas verstaubten Images Neues zuzulassen. Es scheint aber eher so, als seien in dem erlauchten Zirkel die Zeichen eher auf Abgrenzung und Erhalt gestellt. Erstaunlich, denn von fast 200 VDP Mitgliedern kommen gerade einmal 34 von der Mosel, der Region die gerade durch ihre Vielfalt an kleinen und sehr individuellen Betrieben auffällt. Wenn man den Kennern der Region zuhört, dann bekommt man ohnehin den Eindruck, dass viele der spannendsten Winzer der Region gar nicht im VDP sind. In anderen Regionen bemüht man sich junge Winzer zu unterstützen und sie an den Verband heranzuführen. Wenn wir an den Erfolg unseres großen Mosel-Breviers, an das Interesse unserer Kunden und die Freude die sie mit den Weinen haben, denken, dann können wir der Mosel eine große Zukunft voraussagen und es ist schade, dass gerade hier der VDP sich verweigert. Wahrscheinlich wird es Angesichts dieser Haltung für junge, innovative Winzer, für Leute die alte Weinberge vor dem Vergessen retten und die Tradition der großen Moselweine aufrecht erhalten wollen gar nicht mehr interessant in den Verein einzutreten. So schafft man sich selber ab. Das Tal ist zwar eng, aber seine Strahlkraft könnte wesentlich größer sein, wenn das Denken nicht genau so eng wäre.