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Drautz-Able - Immer offen für Experimente

„Heilbronn liegt im Bahnschatten“, lacht Markus Drautz, als ich mosernd aus der Straßenbahn steige. Das uralte Gefährt hat zwar gemütliche Sitze und einen Lokführer, der immer mal wieder in freundlichem Plauderton Durchsagen gemacht hat, es hat aber auch eine gefühlte Ewigkeit von Karlsruhe aus gebraucht. Während wir mit dem Auto durch die Stadt fahren, erzählt Markus, wie sehr sich Heilbronn in den letzten Jahren verändert habe. Vor allem die Bundesgartenschau dieses Jahr habe viel bewirkt. „Da ist einiges neu entstanden.“ Drautz-Able liefere übrigens die Flaschenweine für das Catering. Das erwähnt er nebenbei, und geht sofort zum nächsten Thema über, das wieder nichts mit Wein zu tun hat: Mietpreise und wie stark die in Heilbronn angestiegen sind. Er hat offenbar einfach zu viele verschiedene Interessen, um die ganze Zeit nur über Wein zu reden.

Als wir schließlich im Weingut eintreffen, bin ich erstmal verdutzt. Wir halten mitten im Wohngebiet an einer unscheinbaren Straße vor einem Haus, an dem zwar das Wappen des Weinguts prangt, das aber sonst genausogut ein größeres Einfamilienhaus sein könnte. “Hier ist es?” “Ja, klar”, sagt Markus aufgeräumt, “aber natürlich machen wir hier nicht alles. Es gibt auch oben auf dem Hügel noch eine große Halle, wo einiges passiert, aber hier ist der Stammsitz mit Fasskeller und auch unser Verkostungsund Verkaufsraum. Die Büros sind auch hier.”

Das war aber nicht immer so. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs war das Weingut mitten in der Stadt in einem ehemaligen Pfarrhaus. Allerdings, erzählt Markus, sei Heilbronn durch Fliegerbomben sehr stark zerstört worden und die Urgroßeltern seien dann hier in den Vorort gezogen. “Das ist ja auch nicht weit vom Weinberg.” Und in der Tat erheben sich hinter den Wohnhäusern schon die Hänge des Stiftsbergs und des Wartbergs. Markus’ Mutter Monika kommt immer wieder vorbei und schaltet sich kurz ins Gespräch ein, lässt uns dann aber wieder zu zweit weiter sprechen. Sie erinnert sich noch daran, wie es war, als die Weine komplett in diesem Haus, in der Faißstraße, gemacht wurden. “Da haben dann bei der Ernte manchmal alle Nachbarn mit angepackt. Für zwei Stunden oder so, das war schon eine echte Hilfe.” Aber irgendwann wurde das Gebäude in der Wohnsiedlung doch zu klein, obwohl es sich von innen als weitläufiger herausstellt, als es von der Straße wirkt. Als die Produktion ausgelagert wurde, waren viele Nachbarn traurig, sagt Monika. “Die haben noch lange gesagt, dass sie den Geruch der Gärung vermissen. Aber heute ist das bei den Leuten vergessen.”

Familie DrautzFass Cabernet wartet auf Idee

Nachdem wir mit Mutter Monika abgesprochen haben, was es zu Mittag geben soll, geht es hinunter in den Keller und Markus lebt auf: Hier ist er in seinem Element, zieht hier und da Fassproben und erzählt, wie er den Barrique-Ausbau von seinem Vater übernommen, den Weinstil aber trotzdem völlig verändert hat. “Mein Vater war einer der Pioniere für den Barrique-Ausbau in Württemberg. Als Teil der Gruppe HADES waren wir die ersten, die das gemacht haben.” Allerdings, sagt Markus, habe er die Maischegärung eingeführt als erste große Neuerung, als er 2006 gemeinsam mit seiner Mutter das Weingut übernahm. “Mein Vater hat die Maische erhitzt, das waren einige Leute von uns so gewohnt. Dieser eher feminine Stil hatte seine Fans, war aber nicht so meins. Ich musste sukzessive umstellen, um die Kunden auch mitzunehmen. Aber dahinter stehen auch praktische Erwägungen, denn damit Maischeerhitzung Sinn ergibt, braucht man eine gewisse Menge. Wenn man kleinteilig arbeiten möchte, muss man auf der Maische vergären.” Und wenn man sich so bei Drautz-Able umsieht, ist kleinteilig gar kein Ausdruck. Da gibt es eine unheimlich große Rebsortenvielfalt. Und dazu noch enorm unterschiedliche Weinstile. Vom GG bis zu Süßwein aus ungewöhnlichen Sorten wie etwa Sauvignon Blanc.

“Natural Wine ist mein neuestes Steckenpferd”, berichtet Markus. Inspiriert von einem Studienfreund habe er begonnen, Naturwein zu machen. Wir sind noch im Keller und während er das erzählt, gibt er mir immer mehr Flaschen, bis ich mich mit beiden Armen voll und etwa einem Dutzend Flaschen frage, wie ich das alles tragen soll. Darunter ein 1989er Lemberger vom Vater mit erhitzter Maische, ein Wein des Studienfreundes, der die Naturweine inspiriert hat und der erste Wein, den Markus jemals gemacht hat: ein 2002er Riesling, der versehentlich zu viel Zucker bekam, obwohl er eigentlich als Großes Gewächs gedacht war und der nie in den Verkauf kam, weil die Korken nicht in Ordnung sind.

Daran erkennt man wohl, wie viel Vertrauen der Vater schon damals in Markus hatte, dass er den Riesling aus der Großen Lage als ersten Wein bekommen hat. Und als wir ihn im Glas haben, sind wir beide überrascht, wie gut der Wein ist. “Oh, den kann ich sogar mal meiner Frau zeigen”, freut sich Markus, “das scheint eine außergewöhnlich gute Flasche gewesen zu sein.” Zwar stammt sein erster Wein aus dem Jahr 2002, eigentlich geplant war aber, dass Markus 2010 oder 2011 um seinen 30. Geburtstag herum das Weingut übernimmt. “Aber dann wurde mein Vater als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium des Landes berufen. Da musste ich ran, denn das Gesetz verbietet, neben dieser Tätigkeit ein Unternehmen zu führen.” Das ist eine Formulierung, bei der ich sofort hellhörig werde: “War das denn nur pro forma und dein Vater hat in Wirklichkeit noch hier mitgemengt?” “Er hat gedacht, er könne noch einiges machen. Aber er hatte in Wirklichkeit keine Zeit mehr.” Auch später, als er das Amt niedergelegt hatte und noch einige Jahre bis zu seinem plötzlichen Ableben 2014 vergingen, hatte sich Richard Drautz zurückgehalten. “Er hat nur noch geholfen, wenn er darum gebeten wurde.”

Weinberge Drautz Able

Wie fand der Vater denn die Umstellung auf Maischevergärung, die ja durchaus den Stil der Weine stark verändert hat? “Och, der hatte da kein Problem mit …” “Aber der alte Kellermeister hat erstmal kein Wort mehr mit dir geredet”, ergänzt Mutter Monika, während alle gemeinsam den Tisch im Verkostungsraum decken. Da gab es einen echten Konflikt mit den alteingesessenen Mitarbeitern, der sich offenbar auch ein bisschen hinzog. “Irgendwann habe ich mir den Mann beiseite genommen und mal ein ernstes Wörtchen mit ihm geredet. Dann ging es auch”, so Monika. Heute ist das nicht mehr nötig, aber in den Anfangstagen scheint sie hier und da die Vermittlerin gegeben zu haben. “Ich weiß noch, wie ganz am Anfang mal eine Sache war, wo der Vater Bauchschmerzen hatte. Du wolltest irgendeine Entscheidung treffen, die er für einen Fehler hielt und er hat die ganze Nacht wach gelegen.” Markus runzelt die Stirn: “Da war was, aber was das genau gewesen ist, weiß ich gar nicht mehr.” Monika versteht den Wink: “Ich auch nicht, aber am nächsten Tag bin ich dann zu dir und habe – ganz scheinheilig – gefragt, was du denn vorhast.” Letzten Endes konnte der Jungwinzer noch überzeugt werden, es nur mit einem kleinen Teil der Ernte auszuprobieren – was auch immer dieses “es” gewesen ist – und den Rest wie gewohnt auszubauen. “Und, wie hat es geklappt?” “Furchtbar”, sagt Markus zerknirscht, “das haben wir nie wieder gemacht.”

Aber die Erinnerung ist schnell vergessen, denn Markus ist in seiner Begeisterung nicht zu stoppen, ich bekomme immer neuen Wein eingeschenkt und er erzählt, was er sich bei diesem und jenem gedacht hat. Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass er wie ein Alchimist einfach gerne experimentiert und wenn statt Gold Porzellan dabei herauskommt, dann ist das auch gut. Vor lauter Wein und leckerem Essen von Mutter Monika verpasse ich dann meinen Anschluss mit der Bimmelbahn für die Rückfahrt. Das passiert, wenn man mich allein loslässt. Mit Anika oder Noreen zusammen wäre das bestimmt nicht passiert, fluche ich noch vor mich hin. Markus erklärt sich zum Glück bereit, mich trotz aufkommendem Berufsverkehr direkt nach Mannheim zu fahren, wo es gerade noch klappen wird mit meinem Anschluss zurück nach Köln.

Im Auto kommen wir aber noch einmal vom Hölzchen aufs Stöckchen und landen irgendwann wieder bei der Experimentierfreude. Auch sein Vater sei schon so an die Sache herangegangen, erzählt Markus. Er selbst hat immerhin in Geisenheim studiert, der Vater war Autodidakt. Aber die grundsätzliche Herangehensweise sei doch für beide die Gleiche. Markus bringt sie so auf den Punkt: “Selbstverwirklichung ist ein guter Lehrmeister.”

Weinberge Drautz Able

 

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2017 “LE PETIT PIGEON” BLANC DE NOIR

Im Weingut Drautz-Able im württembergischen Heilbronn am Neckar verbinden sich Tradition und Moderne ebenso wie Preis und Genuss zu tollen Weinen mit authentischem Charakter. Gute Weinbergslagen und das Gespür für die beste Vinifikation der Weine haben das VDP-Weingut in den letzten Jahren bekannt gemacht. Die Rebsorte Pinot Meunier ist hier zu Lande als Müller-Rebe und Schwarzriesling bekannt. Ursprünglich stammt sie aus dem Burgund, wo diese Sorte schon vor 400 Jahren dokumentiert wurde. Beim Le Petit Pigeon 2017 entfalten sich feine Aromen von reifen Aprikosen, Zitrusfrüchten und Frühlingsblüten. Dieser Blanc de Noir schmeckt schnörkellos frisch, ein kleiner würziger Kick im auf demonstrative Süße verzichtenden Nachgeschmack verleiht ihm Trinkfluss und Spannung.

0,75l 7,00 € im 11+1 shopping_basket

 

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2012 LEMBERGER STEINKREUZ GG

Der 2012 Lemberger Steinkreuz GG trägt viel Geschichte in sich. Denn der Neckarsulmer Rebensaft schon war schon bei den Hoch- und Deutschmeistern begehrt, die ihre größte Festungsanlage auf dem Scheuerberg hatten. Nach ihrem Symbol, einem Steinkreuz, wurde dieses GG benannt. Duft nach weißem Pfeffer, Wacholder, schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren, dunkler Schokolade, aber auch Leder auch Tabak lassen sich in diesem komplexen Lemberger finden. Runde, angenehm süße Gerbstoffe umschmeicheln den Gaumen, bevor der druckvolle Geschmack sich bis in den langen Nachhall Bahn bricht. Es muss nicht immer ein großer Rhône sein, wenn es um intensiven Rotwein geht. Ein deutscher Lemberger auf Spitzenniveau ist mehr als eine Alternative.

Sommelier Choice Andreas Brensing:

"Ein Wein, mit dem man fast eine Unterhaltung führen kann, so tiefgründig ist er."

0,75l 38,00 € shopping_basket

 

Angebote gültig bis 30.06., bzw so lange der Vorrat reicht.