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Die Einzellagen-Spezialisten

Der Chemin de Bosquet ist steil und führt erst einmal wie ein Hohlweg in einen kleinen Wald. Direkt dahinter liegt auf einem kleinen, dreieckigen Plateau ein Weinberg und das Weingut. Ein sehr überschaubares Weingut. Aus dem Gebäude, das wir für die Garage gehalten haben, kommt Julien Bréchet, seinen Bruder Laurent hatten wir auf Vaudieu getroffen.

“Ich geh mich mal eben etwas frisch machen und mir ein neues Shirt anziehen. Habe die ganze Zeit Fässer belegt und sauber gemacht im Keller”, meint er und zeigt auf die Garage hinter sich, “ihr könnt euch ja schon einmal ein wenig umschauen.” Die Garage entpuppt sich als dann doch erstaunlich geräumiger Keller. In einem Kreis stehen Edelstahltanks und weiter hinten sehen wir ein paar Betonbehälter. Alles ist geradezu aseptisch sauber. “Lasst uns erst in die Weinberge gehen”, meint er und zeigt auf die Wälder und die steilen Hänge hinter sich. Weiter oben zeigt sich, dass die steilen Hänge viele rebbestandene Plateaus aufweisen. Aus dem weißen, kalkigen Boden wachsen knorrig-schwarze Stämme, denen man ansieht, dass der ständige Wechsel von Hitze, Trockenheit, kaltem Wind und starkem Regen ihnen eine dicke Haut verliehen hat. “Als ich 2009 zu Bosquets kam”, erzählt Julien, “gab es hier nur einen Wein: Gigondas. Aber der Name der Weinberge wurde schon in der ersten Erwähnung eines Gigondas-Weines 1376 festgehalten: Lieu-dit Les Bosquets. Das war nicht irgendein Wein, sondern ein Wein aus einer bestimmten Parzelle hier oben im Wald. Grund genug also zu sehen, ob nicht einzelne Parzellen besondere Weine hervorbringen. Glücklicherweise muss mein Großvater, der das Weingut Anfang der 60er übernommen hat, das genauso gesehen haben. Er hat nämlich auf fast jede Parzelle einen anderen Rebsortenspiegel gesetzt.” Er zeigt auf Les Routes, “da stehen 100 Prozent Petit Syrah, mit gut 25 Jahren noch nicht so alt, aber ein ganz besonderer Klon. Den hat die Familie von Château Rayas bekommen. Manchmal ist es wichtiger, die richtige Version der Rebsorte da stehen zu haben als möglichst alte Stöcke. Wenn du schlechtes Rebmaterial und den falschen Boden hast, dann wird das mit dem Alter auch nicht besser.”

RebstockJulien Bréchet

Wir fahren nach Le Plateau hoch, von hier aus hat man einen sensationellen Rundblick über das Rhône Tal und Gigondas. “Das sieht auf den ersten Blick alles gleich aus, aber nur die vorderen fünf bis sechs Reihen kommen in die Einzellage, alles andere in den normalen Gigondas. Es ist erstaunlich, im Herbst sieht man sofort, wo die Beeren für den Top-Wein und die anderen wachsen, das braucht man den Lesearbeitern kaum zu sagen. Bisher wurden hier, ähnlich wie bei vielen Weingütern im Châteauneuf nur sogenannte Special-Cuvées gemacht. Selektionen der ältesten Rebstöcke oder so. Ich bin eigentlich ein großer Fan des Burgund und da wir hier auch noch die Chance haben, mit verschiedenen Rebsorten zu arbeiten, können wir aus den einzelnen Lagen noch mehr rausholen. Wir können die Reben an den Boden anpassen und der wiederum gibt dann sein spezielles Terroir-Aroma zurück. Es gibt immer mehr Winzer, die anfangen, sowas in der Richtung umzusetzen.”

Aber so weit wie Julien sind die wenigsten. Wir stehen in einem Weinberg, der schnurstracks in die Ebene zu laufen scheint. Karger Kalkboden, steinig, bröselig. “Wenn Mistral ist”, erzählt Julien, “kann man kaum arbeiten. Der fegt einen fast aus dem Weinberg.” Wir schauen uns die Rebstöcke an und fragen uns, wie viel man hier so ernten kann. “Zugelassen sind 31 Hektoliter pro Hektar”, meint Julien. Was nicht wirklich viel ist. “Aber”, fährt er fort, “im Schnitt haben wir etwas mehr als 20, bei einigen Lagen sind es 16 oder 18. Mit 26 Hektar sind wir ein eher kleines Weingut. Was die Anzahl der Flaschen angeht, ein sehr kleines.” Vom normalen Gigondas gibt es so circa 40.000 Flaschen, aber bei den Einzellagen sind es nur zwischen 2.000 und 4.000. Kein Wunder, dass wir da immer so kleine Zuteilungen bekommen.

Verkostung im Fasskeller

Wir gehen wieder runter zum Weingut und in den Keller. “Hier steht für jede Parzelle ein Edelstahltank, da werden die Weine getrennt vergoren.” Dann dürfen wir in den kleinen Fasskeller unter dem Gebäude. Dort gibt es nicht nur Barriques, sondern auch größere Fässer. “Die Mourvèdre mag die größeren Fässer”, meint Julien und drückt uns ein paar Gläser in die Hand. “Passt gut, dass ihr da seid, ich wollte eh heute noch einmal die 17er durchprobieren. Sind in dem Jahrgang ja nur ein paar Fässer…” Wir probieren uns von Fass zu Fass. Es ist erstaunlich, wie groß die Unterschiede von Lage zu Lage sind. Man hat weniger den Eindruck, dass hier die Rebsorten so unterschiedlich sind, als eher die Typizität der Lagen. Wir debattieren über Holzeinsatz, die Unterschiede, die einzelne Fässer haben, einzelne Rebsorten und irgendwann kommen wir auch auf die ganzen Top-Bewertungen, die Julien in den letzten Jahren besonders für seine Einzellagenweine bekommen hat. Oben im Beton liegen die 18er, gerade abgezogen, wir dürfen schon einmal reinschnuppern. “Nicht einfach zu verkosten”, meint Julien, “aber ich mag es, wenn Weine komplex sind. Man kann sagen, wenn ein Wein einen sofort beeindruckt, dann fehlt was. Wenn er Ausdruck hat, braucht man immer eine gewisse Zeit, um ihm auf die Spur zu kommen …” Er überlegt etwas und erzählt uns dann eine extrem seltsame Geschichte. Letztes Jahr war der neue Rhône-Verkoster einer der einflussreichsten Weinpublikationen auf der Domaine, um die 16er im Fass zu verkosten. Gerade die Einzellagen, die im – O-Ton Julien – “ganz ordentlichen Jahrgang 2015” bis zu 99 Punkte bekommen hatten, wurden plötzlich mit 84 bis 87 bewertet, der normale Gigondas bekam immerhin gnädig knapp 90. “Schon bei der Verkostung war mir aufgefallen, dass der ... wie soll ich es sagen, also … die Weine offensichtlich nicht verstand.” Julien schrieb dann an die Chefredaktion, dass der Mann nicht mehr zu kommen brauche. Er würde ihn nicht mehr verkosten lassen. Es folgten ein paar Anrufe seitens der Redaktion mit Entschuldigungen. Der Mann sei ja ganz neu und müsse sich erst in seine Region einfinden. “Der Mann kann mir ja sagen, dass er meine Weine nicht mag, aber, dass sie schlechter sind, als ein billiger Côtes du Rhône aus der Weinfabrik, glaube ich nun wirklich nicht. Schließlich hab ich mich dann breitschlagen lassen und den nochmal verkosten lassen. Gerade ein paar Wochen ist das her und die Bewertungen sind letzte Woche erschienen, so um acht bis neun Punkte hat er sie aufgewertet. Ist doch ein Scherz…” Julien regt sich wohl weniger über die ungünstige Bewertung seiner Weine auf, als darüber, dass jemand seinen Job nicht richtig macht. “Wenn ich keine Ahnung von der Region habe, vergebe ich keine Punkte.” “Na, wahrscheinlich sollte man das ganze Punkte-Gedöns einfach abschaffen”, meint Noreen diplomatisch, “sollte doch jeder merken, dass das echt große Weine sind.”

Ich kann trotzdem nicht umhin, zu Hause einmal nachzuschauen, was der vorherige Verkoster der “großen Weinpublikation” meinen mit 84 Punkten abgestraften Favoriten gegeben hat: 98-100! “Ok, ist doch super”, sage ich zu Noreen, als wir die Weinauswahl für das Brevier treffen, “wir schreiben einfach die 84 neben den Wein und können die paar Flaschen dann selber trinken … ” 

 

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2015 GIGONDAS “LA COLLINE”

Domaine des Bosquets, Rhône

Ein Gigondas, der keine Fragen offen lässt. Die Cuvée besteht zum großen Teil aus Grenache und Syrah, die von einer kleinen Parzelle des Weinbergs “La Colline” stammen. Dieser bietet den Reben auf circa 350 Meter Höhe gelegen genug Kühle und bestes Kalkmergel Terroir, um einen großen Finesse- Wein hervorzubringen, der bei aller südlichen Fülle immer auch trinkanimierend bleibt, was gerade in heißen Jahren wie 2015 eine echte Herausforderung ist. Der Familie Bréchet ist wieder ein Weinkunstwerk gelungen, das begeistert. Kein Wunder, dass er überall nur die besten Bewertungen abgeräumt hat, war in diesem Jahrgang doch noch nicht der umstrittene neue Verkoster am Werk.

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