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Die Rebsorten Spaniens - Die Klassiker

Die Vielfalt der spanischen Rebsorten ist enorm! Es sind aber nicht nur die international weitverbreiteten und bekannten Gesichter, die die Weinlandschaft prägen, sondern vielmehr die heimischen, autochthonen Rebsorten. Diese haben sich über Jahrhunderte an die klimatischen Begebenheiten angepasst und versprechen so, Spanien in vollen Zügen widerzuspiegeln.

In den vergangenen Jahren haben sich allerdings einige internationale Sorten erfolgreich etabliert und teilweise sogar die lokalen Weine verdrängt. Zum Glück gibt es jedoch engagierte spanische Winzer, welche sich besonnen haben und die Kultivierung und damit die Förderung der autochthonen Reben anstreben, um den wahren Schatz des Landes zu erhalten.

Damit Sie in der Vielzahl der Rebsorten nun aber nicht den Überblick verlieren, haben wir Ihnen eine kleine Übersicht zusammengestellt.

TEMPRANILLO

Sie ist quasi die spanische Antwort auf den Cabernet Sauvignon – die Tempranillo! Die frühe Reife (bis zu zwei Wochen vor der Garnacha) und die recht kleine Beerengröße haben der Rebsorte den Namen eingebracht. Das spanische Wort „temprano“ bedeutet früh, woraus sich schließlich Tempranillo, „kleine Frühe“, abgeleitet hat. 

Durch die recht kurze Vegetationsperiode ist sie gut für den Anbau in strengerem, vom Atlantik stärker beeinflusstem Klima geeignet, wie etwa im Rioja Alta und Rioja Alavesa. Auf diese Regionen entfallen bis zu 70 % des gesamten Tempranillo-Bestandes Spaniens. Somit ist La Rioja die Hochburg der Tempranillo, doch auch in Ribera del Duero, Penedès, La Mancha und Navarra wird sie kultiviert. So ergibt sich, dass sie, auch auf ganz Spanien bezogen, eine der wichtigsten Rebsorten ist: Mit einer Anbaufläche von über 110.000 Hektar ist sie auf dem zweiten Platz hinter der Weißwein-Sorte Arién. Die Tempranillo ist damit die wichtigste Rotwein-Traube und so etwas wie das Nationalheiligtum des Landes, denn ihr ist der internationale Erfolg der spanischen Weine zu verdanken.

Durch ihre eher schwache geschmackliche Identität (man findet Leder, Waldbeeren, Gewürze etc.) ist die Tempranillo zu einem beliebten Cuvéepartner geworden, denn ein eigenständiges Geschmacksbild der Rebsorte ist kaum der Charakteristik, als mehr der Ausbau-Methode zuzuschreiben. So wird sie häufig in Rioja mit den Rebsorten Garnacha, Mazuelo (Carignan), Graciano und Viura (Macabeo) verschnitten. Im Penedès dient sie zur Kräftigung und Dunkelfärbung der dortigen Monastrell-Weine. Als Tinto Fino wird die Tempranillo im kühlen Ribera del Duero meist den importierten Bordeaux-Rebsorten, wie Cabernet Sauvignon und Merlot, beigefügt. Der universelle Einsatz brachte der Rebe viele Namen ein: In Ribera del Duero ist sie auch als Tinta del País, Aragonés und Tinto Fino bekannt, im Douro-Gebiet in Portugal heißt sie Tinta Roriz, im Alentejo (östlich von Lissabon) Aragonês, in La Mancha und Valdepeñas wird sie Cencibel genannt und im Weinbaugebiet Toro schließlich Tinto Fino oder Tinta de Toro. Zu guter Letzt haben natürlich auch die Katalanen einen eigenen Namen: Ull de Llebre bzw. Ojo de Liebre.

Die Herkunft der Rebsorte war lange Zeit ungeklärt; man ging davon aus, die Tempranillo würde von der burgundischen Pinot Noir abstammen. Doch nun ist bestätigt, die Rebsorte war das Ergebnis einer spontanen Kreuzung aus der weißen Rebsorte Albillo Mayor und der roten Benedico. Also ein rein spanisches Phänomen!

CARIÑENA

Die spätreifende Carineña ist ein echter Warmduscher: Nur mit viel Sonne, Wärme und trockenen Böden entwickelt sie sich zur vollen Pracht – also keine Rebsorte, welcher es bei uns in Deutschland besonders gefallen würde … Weshalb sie ihren Ursprung auch in Spanien hat. Genauer aus Aragon und hier rings um die Stadt Cariñena, welche auch zugleich namensgebend für die Rotwein-Rebsorte war. Doch auch wenn dort ihre Wurzeln liegen, wird sie hier kaum noch angebaut. Auch ist sie als Mazuelo, wie sie auch genannt wird, ein wichtiger Bestandteil im Rioja, wo sie als Verschnittpartner von Tempranillo und Garnacha eingesetzt wird.

Auf mageren, wenig fruchtbaren Böden ergibt sie farbintensive und körperreiche Weine, die aufgrund ihrer kräftigen, gerbsäurebetonten und teils auch leicht bitteren Art den Verschnitten eine gewisse Weichheit und Substanz verleihen. Jedoch ist ihre wilde, fast schon exzessive Art kaum zu bändigen. Häufig wird diese Sorte auch als Massenträger missbraucht und ist somit maßgeblich an den Wein-Überschüssen in Europa beteiligt.

GARNACHA TINTA

Der Siegeszug der Garnacha hat seinen Ursprung ebenfalls im nordspanischen Aragon, von wo aus sie sich zuerst nach Rioja und Navarra und schließlich nördlich und südlich der Pyrenäen ausbreitete. Mittlerweile ist sie eine der wichtigsten Rebsorten Spaniens, wo sie insbesondere im Norden und Osten häufig angebaut wird und gerade in den Gebieten Rioja, Navarra und dem Priorat eine wichtige Rolle spielt. Wurde sie häufig als Massenträger missbraucht, ergibt sie auf kargen Böden unter extremen klimatischen Bedingungen (Trockenheit, Hitze, Wind) und bei sehr geringen Erträgen konzentrierte, vollmundige und ausgesprochen lagerfähige Rotweine. Die Aromen von Schwarzer Johannisbeere, Brombeere, Pfeffer und Kräutern verleihen den Rotweinen eine intensive Frucht und Fülle. Zusammen mit diesen Eigenschaften und ihrer körperreichen und alkoholstarken Art eignet sich die Garnacha tinta perfekt als Cuvée-Partner für tanninhaltigere Trauben wie die Tempranillo. Hier verleiht sie den Weinen eine gewisse Art von Charme. Gerade im Rioja entstehen so saftige und früh genussreife Weine.

In Navarra ist die Rebsorte unangefochtene Nummer Eins und ergibt leichtere und fruchtigere Rotweine und Rosados als im Rioja. Der wahrscheinlich markanteste Garnacha-Wein Spaniens stammt wohl aus dem Priorat, wo auch im benachbarten Roussillon (hier als Grenache bekannt) berühmte und äußerst langlebige Weine, wie beispielsweise die süßen, gespriteten Vins doux naturels Banyuls, Beaumes-de-Venise, Maury, Rasteau und Rivesaltes, entstehen. Mehr als ein Beweis für ihre Fähigkeit, große Weine hervorzubringen.

GRACIANO

Ursprünglich autochthon aus dem Rioja, hat sich die Graciano mittlerweile auch in Navarra, Sardinien, Nordafrika und Südfrankreich verbreitet. Noch bis zur Reblaus-Katastrophe zählte sie zu den wichtigsten Rebsorten des Ebro-Tals, doch nach und nach fiel sie aufgrund ihrer geringen Erträge in Ungnade und verlor so an Boden. In einigen Weinbergen des Rioja gibt es jedoch noch kleine Bestände, wodurch den Weinen hier eine bedeutende Geschmackskomponente zugutekommt. Auch im Navarra erkennt man wieder ihre Vorzüge und fördert ihre Kultivierung.

Der Austrieb der Rotwein-Rebsorte ist relativ spät und zudem ist sie anfällig für Pilzkrankheiten wie den Falschen Mehltau, doch kann sie wunderbare charaktervolle und extraktreiche, in der Jugend aber auch sehr tanninherbe Weine hervorbringen. Reine Graciano-Weine verfügen über eine lebendige Säure, was jedoch gerade in Verschnitten hilfreich ist und den Weinen Struktur und ein großes Reifepotenzial verleiht.

Etwas Verwirrung stiftete jedoch ihr Name: In Frankreich war die Graciano unter dem Namen Morrastel bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt und weitverbreitet. Doch in Spanien wird der Name Morrastel als Synonym für die andersartige und viel angebaute Monastrell (Mourvèdre) verwendet. In Nordafrika ist bis heute der Name Morrastel sowohl für Mourvèdre als auch für Graciano üblich.

MACABEO (VIURA)

Ein weißer Vertreter der wichtigen spanischen Rebsorten ist die Macabeu oder auch Macabeo. Sie ist heute die meistangebaute weiße Rebsorte in Nordspanien. Nicht zuletzt, da sie in den Bereichen vPenedès und Conca de Barberà häufig für die Produktion von Cava verwendet wird. Darüber hinaus sorgt sie unter dem Namen Viura im Rioja für 90 % des weißen Bestandes und wird zum einen vor allem für früh trinkbare, frische Weißweine verwendet, zum anderen aber auch für körperreiche Weine, die meist im Holzfass vergoren und teils sogar im Barrique ausgebaut werden. Gerade wenn die Trauben auf dem Höhepunkt der Reife gelesen werden, ergeben sie feine Weine mit Aromen von gelben Früchten und weißen Blüten. Sie eignen sich auch gut für die Herstellung bernsteinfarbener Dessertweine.

ALBARIÑO

Der Name dieser Weißwein-Sorte ist mehr als irreführend. Übersetzt bedeutet Albariño nämlich „die kleine Weiße vom Rhein“, wodurch ihr lange eine Verwandtschaft zum Riesling nachgesagt und ihre Heimat im Rheintal vermutet wurde. Keine der Behauptungen kann bestätigt werden; was jedoch keine Spekulation ist, ist ihre Beliebtheit in Portugal und Nordspanien.

Die charaktervolle und fast schon Viognier-artige Albariño gehört vom Qualitätsanspruch her zu den hochwertigsten Weinen Spaniens. Sie ist in Galicien beheimatet und wird hier überwiegend in der D. O. Rías Baixas angebaut. Im nordportugiesischen Vinho-Verde-Gebiet ist sie als Alvarinho bekannt.

Durch ihre dicke Schale ist es ihr ein Leichtes, in einem feuchten Klima wie dem der Atlantikküste zu bestehen, wobei sie Weine mit kräftigem Alkohol- und Säuregehalt sowie Geschmacksfülle hervorbringt. In Spanien ergibt die Albariño einen der wenigen Weißweine, der sortenrein ausgebaut und so auch auf dem Etikett kenntlich gemacht wird.

Insbesondere in der Rías Baixas genießt die Rebsorte große Popularität, hier macht sie 90 % des Rebbestandes aus und liefert meist elegante, aber zugleich körperreiche und saftige Weine, die sich durch Aromen nach Birne, Pfirsich, Apfel und auch florale Noten auszeichnen. Beeindruckend ist vor allem das ausgewogene Verhältnis zwischen Fruchtsüße und Säure.

Sind Sie nun auch auf den Geschmack gekommen?