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Die Rebsorten der Mosel

RIESLING

Natürlich steht die Mosel für Riesling. Er überragt alles, doch trotz seiner Strahlkraft stehen nur auf 60 % der Anbaufläche Rieslingreben. Natürlich deutlich mehr in den prestigeträchtigen Steillagen.

Der Riesling taucht erst Mitte des 15. Jahrhunderts auf und wie sich der „Rißling“ entwickelt hat, ob er damals eine Neuzüchtung oder Mutation war, liegt völlig im Dunkeln der Zeit. Von Anfang an gilt er als qualitativ hochwertige Sorte, muss aber auch damals schon als etwas kapriziös verrufen gewesen sein, denn es dauert lange, bis er sich verbreitet hat. Im 16. Jahrhundert kommt er vom Rhein an die Mosel. Damals war es noch üblich, Weinberge im gemischten Satz, also mit verschiedenen Rebsorten, zu bepflanzen, das verbesserte den Ertrag auch bei schwankenden Jahrgängen. Man sagt, Schloss Johannisberg im Rheingau sei das erste Weingut gewesen, das Anfang des 18. Jahrhunderts einen Riesling-Weinberg reinsortig bestockt habe. Zur Hauptrebsorte an der Mosel wurde er jedoch erst im 19. Jahrhundert.

Das Erstaunliche ist, dass es allgemeiner Konsens ist, dass Riesling zu den besten Rebsorten der Welt gehört und dass er eine extrem spannende Vielfalt von Weinen hervorbringen kann, dass es aber gleichzeitig kaum eine bei den Weintrinkern so ungeliebte Rebsorte gibt wie ihn. Das Schreckgespenst hat zwei Namen: Säure & Süße. Die meisten Weintrinker fürchten die Säure des Rieslings. In der Tat, sie ist hoch und kann deutlich höher sein als bei den meisten anderen Rebsorten, aber wenn man ehrlich ist, dann ist diese Angst vor der Säure eine reine Chimäre. Jedes normale Glas frisch gepresster Orangensaft hat mehr Säure als eine Flasche guter Riesling und trotzdem fürchten wir bei einem guten Frühstück nicht direkt den Magendurchbruch. Außerdem enthält Wein immer zwei Arten von Säuren, die Apfelsäure, die aggressiv und unreif schmeckt und auch tatsächlich aggressiv ist, und die Weinsäure, die reif, harmonisch und allenfalls frisch daherkommt. Wenn Riesling richtig reif gelesen wird, besteht die Säure fast nur noch aus Weinsäure, dann kann er in den Werten immer noch recht hoch sein und trotzdem sehr angenehm rund und frisch schmecken.

Beim Zucker wird es noch abstruser. Wir haben kein Problem, uns drei Löffel Zucker in unseren Kaffee zu schippen und das zehn Mal am Tag, aber vor 30-40 Gramm natürlichem Traubenzucker im Graacher Himmelreich bekommen wir die Rieslingphobie. Wir essen Müsliriegel, die zu 30 % aus Raffinade-Zucker bestehen, schaufeln uns im Büro die Gummibärchen zum Stressabbau rein, aber ein Kabinettchen mit feiner reifer Frucht ist der Teufel in Person. Zucker gehört zur Frucht unbedingt dazu, er ist Natur pur und von Anbeginn der Menschheit an wurde Süße als angenehm und großartig empfunden, weil sie in aller Regel Genießbarkeit, Reife und hohen Nährwert anzeigt. Würden Sie jemals in einen „trockenen“ Pfirsich oder eine Kirsche ohne Zucker beißen?

Außerdem geben diese beiden Komponenten dem Riesling seine ganze Spannung und etwas, was er vielen anderen Weißweinen voraushat: seine Vielseitigkeit und vor allem sein enormes Reifepozential. Es wird also Zeit, sich dem Riesling wieder einmal zu widmen.

PINOT NOIR / SPÄTBURGUNDER

Von vielen wird er als das rote Pendant zum Riesling bezeichnet, eine Diva, die mehr umhegt als gezähmt werden will. Ein störrischer Charakter, der in der Flasche gezähmt werden muss und im Glas himmlisch und höllisch sein kann. Trotzdem hinkt der Vergleich etwas, schließlich werden große Pinot Noirs immer trocken ausgebaut, hier ist der Riesling tatsächlich vielseitiger. Im Burgund steht der Pinot eher auf kalkig lehmigem Terroir, aber wie macht sich die Diva auf Schiefer? Großartig – an der Ahr beweist sie das seit vielen, vielen Jahren.

Auch an der Mosel wird sie langsam heimisch. Markus Molitor’s Pinot-Weine können mit den ganz Großen im Burgund mithalten (finden wir) und andere Top-Winzer der Region ziehen langsam nach. Wir denken, dass der Pinot auch an den steilen Hängen der Mosel eine Daseinsberechtigung und große Zukunft hat. Der Spätburgunder bringt es zur Zeit auf 4 % Anbaufläche, leider nur ganz selten in wirklich guten, also steileren Lagen, sonst würde man sicher noch mehr Gutes von ihm hören.

WEISSBURGUNDER

Gerade in den etwas nördlichen Anbaugebieten zeigt der Weißburgunder seine Stärke. Ähnlich wie der Riesling liebt er starke Temperaturunterschiede und eine lange Wachstumsperiode. Nur so behält er seine wunderbare Frische, die toll zu den exotischen Fruchtaromen passt. Ein guter Weißburgunder ist ein echter Spaßwein. Meist wird er dazu im Stahltank ausgebaut, wodurch er seine Frische perfekt behält.

Es gibt jedoch auch Weißburgunder mit einem anderen Profil. Bei Markus Molitor z. B. kommt der Weißburgunder in Burgunder-Holzfässer, was ihm eine ganz andere, mehr mineralische Note verleiht. Folgerichtig nennt Molitor ihn dann auch Pinot Blanc. Solche Weine haben auch ein gutes Reifepotenzial. An der Mosel ist er auf ca. 3 % der Anbaufläche vertreten, gerne auch in etwas flacheren Lagen, da er selbst hier gute Ergebnisse bringt.

ELBLING

Er gilt als die älteste Rebsorte Deutschlands. Man erzählt, dass die Römer ihn an Rhein und Mosel brachten. Jetzt findet man ihn nur noch an der Obermosel, wo er gerne zur Sektherstellung verwendet wird. Da man beim Sekt nicht ganz so auf die Erträge achten muss und alkoholstarke Grundweine unerwünscht sind, ist der Elbling der perfekter Partner. Seine Rebstöcke wachsen schnell und gehen ziemlich in die Breite, der Rebsaft dagegen ist schlank und spritzig. Ca. 6,5 % der Mosel-Rebfläche sind mit Elbling bestockt. Lange war er im Rückgang, jetzt hat er sich, dank der neuen Liebe der Konsumenten zu deutschem Sekt, wieder stabilisiert.