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Der weisse Ritter

Weisswein und Bordeaux? Ja vielleicht edelsüß?

Es hört sich schon fast widersinnig an, dass aus einem Gebiet, dass weltweit ausschließlich für seine Rotweine bekannt ist, auch einige der interessantesten Weißweine der Welt kommen. Aber in den gemäßigten Zonen gibt es eigentlich keine ausgesprochenen Rot- und Weissweingebiete. Vielleicht tut sich der Spätburgunder an der Mosel zur Zeit schwer, aber da gab es auch einmal andere Zeiten und die steilen Schieferhänge waren zu einem großen Teil mit Rotweinreben bedeckt.

Im Bordelais dagegen haben sich Cabernet Sauvignon und Merlot weitgehend durchgesetzt. Weißweine sind in der Regel einfach, oft geradezu schlicht wie billig und schnell zu trinken. Aber halt nicht alle.

Weinkenner haben vielleicht schon mal von den großen trockenen Weinen aus Sauvignon blanc und Semillon gehört, vom weißen Haut-Brion, vom Pape-Clement blanc, vom weißen Château Margaux dem Pavillon blanc und eben vom langlebigsten und distinguirtesten unter allen, dem Domaine de Chevalier blanc.

Wahrscheinlich aber nur gehört, denn Olivier Bernard erntet von ungefähr 4,5 ha gerade mal genug für vielleicht 1.000 Kisten. Entsprechend sind die Preise auch anders als bei einem schlichten Entre-Deux-Mers und sein weißer Grand Cru ist nur etwas für Kenner. Denn nur die werden ihn zehn oder zwölf Jahre in den Keller legen, bis er das Störrische und Strenge seiner Jugend ablegt. Vielleicht findet man diese Eigenheit ja auch ganz lecker, aber wer wissen will, wie ein wirklich großartiger weißer Bordeaux schmeckt, sollte jetzt zu den 80er Jahren greifen. Der 96er, den wir letztes Jahr mit Olivier bei uns in der Schatzkammer verkostet haben, fing gerade erst an, Spaß zu machen - ein erstaunlicher Weißwein halt.

Nicht ganz so lange warten muß man auf seinen weißen Zweitwein, den L'Esprit de Chevalier. Hiervon gibt es jedes Jahr noch weniger als vom Grand Cru. Kaum Barrique, etwas jüngere Rebstöcke und kurze Maischestandzeit machen den L'Esprit zugänglicher. Was aber natürlich nicht heißen soll, dass er kein Potential hätte, der 2000er war jetzt gut ausgereift und der 02er ist in perfekter Trinklaune.

Bei einer Produktion von etwas mehr als 1.500 Flaschen ist der günstige Zweite natürlich äußerst gefragt und erst recht in einem Weißwein- Jahrhundertjahrgang wie 2007. Wir waren deshalb sehr gespannt, als die Palette mit den 200 Flaschen, die wir großzügig zugeteilt bekommen haben, ankam. Gestern haben wir dann die erste Probe gemacht.

Und wir waren erstaunt. Bei all dem was geschrieben worden ist, hätten wir uns ihn jetzt, nach einem halben Jahr auf der Flasche etwas fetter, vielleicht schmeichelnder vorgestellt. Aber Olivier hat wieder einmal einen kompromislosen Wein gemacht. Er wirkt fast schlank und leicht, dabei im Duft mit einer unglaublichen Aromenfülle, Annanas, Salbei, ein ganzer Zweig junger Rosmarin. Durch alles dringt ein leichter Honigduft und die trockene Art von Manzanilla Sherry. Früchte satt, aber irgendwie ziert er sich dabei. Auf dem Gaumen merkt man, dass alle Fülle und Aromatik nicht von irgendwelcher Süße oder Erungenschaften der Kellertechnik kommt, es ist reine Mineralität. Streng, etwas unnahbar und kompromisslos trocken. Wer ihn jetzt schon trinken mag, sollte ihm auf jeden Fall großzügig Luft gönnen.

Mit nur einem fünftel des Grand-Cru-Preises ist der L'Esprit geradezu eines unserer besten Weinschnäppchen, jedenfalls für alle, die sich einmal auf das Abenteuer großer weißer Bordeaux Weine einlassen möchten.