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David gegen Goliath: Sangiovese

Spielregeln von „David gegen Goliath“
In unserer Rubrik “David gegen Goliath” treten jeweils zwei Weine “gegeneinander” an: “große” gegen “kleine”, kostspielige gegen günstige Weine oder berühmte gegen unbekannte Weingüter, wobei interessanterweise immer davon ausgegangen wird, dass sich die Bekanntheit auch auf die Qualität des Weins auswirkt. Auf den ersten Blick hat also einer klar die Nase vorn. Auf den zweiten Blick stellt sich (wie meinstens) heraus, dass man doch gar nicht so leicht einen Sieger feststellen kann. Zum Glück gibt es bei Wein nicht nur Sieg, Niederlage und Unentschieden wie im Fußball, sondern auch die beste aller Lösungen: sowohl als auch!

 

IN DEN KELLER ODER AUF DEN TISCH?

Eigentlich ist es keine riesige Distanz, die das Weingut Pandolfa von Le Pupille trennt. Das eine Gut liegt an der Westseite des italienischen Stiefels in der Maremma, das andere auf der Ostseite, in der Emilia-Romagna. Zwei Gegenden, von denen man sich eher abgrenzt, wenn man großartige Weine macht, als dass man sich unbedingt mit den Namen der Region schmücken kann. 230 Kilometer trennen die Güter, aber vor allem die mehr als 30 Jahre Vorsprung, die Le Pupille voraushat.

Im Glanz des Saffredi, des berühmten Einzellagen-Weins von Le Pupille, schimmern auch die kleineren Weine in einem helleren Licht. Das heißt aber keineswegs, dass dieser reine Sangiovese von der Lage Poggio Valente nicht auch selber “seinen Wein stehen” könnte. Nicht umsonst ist er der Goliath in dieser Paarung.

Poggio Valente kann mit roten und schwarzen Beeren sowie würzigen Pfeffer- und Lakritznoten direkt überzeugen, wirkt aber nicht breit, sondern auf den Punkt – ätherisch und doch präzise. Am Gaumen dann mit einem beeindruckend vielschichtigen Spiel aus Extraktfülle und Frische, das für Spannung sorgt. Etwas Luft und bald ist der Wein in kompletter Harmonie und zeigt einen ausgewogenen, langen Nachhall.

Der Federico von Pandolfa steht dem aber nicht nach. Er hat reife, einladende Früchte und eine angenehme Würzigkeit im Bouquet. Brombeere, Pflaume und ein Hauch Orangenzeste nimmt man wahr, sowie einen leichten Hauch Sandelholz. Am Gaumen dann füllig, weich und saftig mit einer Sangiovese-typischen Säurestruktur und einer enormen Länge. Unser David namens Federico kann also vor allem mit seiner unmittelbaren Spontaneität punkten. Er ist der richtige Partner, wenn es darum geht, schnell und unkompliziert einen vielseitigen Essensbegleiter herbeizuzaubern.

Der Poggio Valente rechtfertigt seinen höheren Preis nicht nur durch das Renommée des Weinguts, sondern auch dadurch, dass er ein ganzes Stück länger im Keller reifen kann.

 

Rebsorte: Sangiovese

Sangiovese ist aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet “Jupiters Blut”. Sie ist eine der ältesten und beliebtesten Rebsorten Italiens (hey – ohne sie gäbe es keinen Chianti!) und trotzdem eine der Schwierigsten. Grund dafür: Die Traube reift sehr langsam und ist mit ihrer Umgebung sehr wählerisch, deswegen wird diese Rebe außerhalb ihres Stammgebietes in Italien kaum angebaut. Nicht jeder Winzer kann den Anforderungen von trockenen Böden bei warmem, milden Klima gerecht werden und so bleibt die Traube regional. Trotzdem erfreut sich die Sangiovese stetiger Beliebtheit und gibt elegante Weine mit unverkennbarer Frische und bittersüßer Frucht, die im Geschmack ausgesprochen vielseitig sein können.